Über 300 Marken
Kostenloser Versand in Deutschland ab 19€
25 Jahre Erfahrung

Australian Cattle Dog im Rasseportrait

3243
0

Australian Cattle DogHerkunft und Rassegeschichte

Der Australian Cattle Dog ist ein kompakter, kräftiger Hüte- und Treibhund Australiens. Seine Hauptaufgabe war und ist das Treiben der Rinderherden in den riesigen Weiten des australischen Weidelands. In seiner Heimat wird er auch Heeler oder Blue Heeler genannt. Seit 1813 nutzten die westlichen Siedler den Pass durch das Große Scheidegebirge nördlich von Sydney und konnten so die unendlich erscheinenden Flächen als Weideland für Rinder und Schafe nutzen. Ohne brauchbare Hüte- und Treibhunde wäre eine Viehhaltung dort allerdings nicht möglich gewesen. Auch hätte man die Herden nicht zu den Schlachthöfen der Großstädte und Häfen treiben können. Aus diesen Anforderungen gingen zwei heute etablierte Hunderassen hervor: Der Kelpie und der Australian Cattle Dog. Während der Kelpie seinen Schwerpunkt auf Hüten und Treiben der Schafe hatte, waren es beim Cattle Dog – wie der Name schon sagt – Rinder.

Zum Treiben von Rindern werden andere Techniken gefordert als bei den Schafen. Rinder werden von hinten und notfalls durch einen leichten Biss in die Fesseln der Hinterbeine vorangetrieben. Die Schweizer nennen das „stechen“, was die Sennenhunde bei ihrer lautlosen Arbeit einsetzen. In England nennt man das „heel“ und solche Hunde entsprechend Heeler. Die Arbeit in Australien stellte an die Hunde gleich mehrere extreme Herausforderungen: die riesigen Entfernungen, die Hitze am Tag, die Kälte bei Nacht und der steinige Boden. So experimentierten die australischen Ranger immer wieder zwecks Verbesserung ihres wichtigsten Arbeitsmittels, der Treibhunde. Allerdings sind diese Experimente nur selten dokumentiert. Der Überlieferung nach stellten Blue-Merle-Collies die Basis. Immer wieder wurden Kelpies eingekreuzt. Man sagt, die lautlose Arbeitsweise käme durch das Einkreuzen von Dingos.

Schließlich habe man Dalmatiner eingekreuzt, um die Freundlichkeit gegenüber Pferden und Menschen zu erhöhen. Bullterrier und alte englische Heeler sollen ebenfalls eingekreuzt worden sein. Es spricht vieles dafür, dass der Collie den Gendefekt Blue Merle und der Dalamtiner darüber hinaus die Mutation für seine spezielle Schwarz-Weiß-Fleckung eingebracht hat. Darauf gehen wir unten beim Thema Fellfarbe ein. Das ganze Geheimnis der Abstammung wird man erst lüften können, wenn man das Genom des Australian Cattle Dogs genau analysiert, was über kurz oder lang sicher geschehen wird. In einer aktuellen Studie von 2017 wird eine genetische Landkarte über 100 Hunderassen, darunter Kelpie und Australian Cattle Dog, aufgestellt. Die Basis ist eine Gen-Analyse mit mehr als 13.000 Hunden durch ein Team von Genetikern um Heidi Parker. Hier sieht man diese beiden australischen Hunderassen mitten unter britischen Hirtenhunden wie Bearded und Border Collie oder Old English Shepdog eingeordnet.

In der Praxis spielte das keine Rolle. Bei der täglichen Arbeit machte sich der Australian Cattle Dog ganz hervorragend. Das ging sogar soweit, dass er in alle Welt exportiert wurde und zwar rein als Spitzen-Arbeitshund. Erst sehr viel später wurde er als Rasse- und Begleithund durch die moderne Rassehundezucht entdeckt. So fehlen Kelpie wie Cattle Dog noch 1915 bei der Auflistung der australischen Hunderassen im Handbuch von Walter Esplin Mason „Dogs Of All Nations“. Dann ging es Schlag auf Schlag. 1963 wurde der offizielle Standard vom Australian National Kennel Club aufgestellt. 1972 erfolgte die Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale. 2001 wurde schließlich der Australian Cattle Dog Club Deutschland im VDH gegründet. Der lange Zeit nur Insidern bekannte Hund wurde zu einem Geheimtipp und hat inzwischen auch in Deutschland eine feste, stetig wachsende Liebhaberschaft gefunden. Etwa 100 bis 150 Welpen fallen pro Jahr im VDH.

Beschreibung

Der Australian Cattle Dog ist ein mittelgroßer Hund. Er hat auf den ersten Blick die typischen Konturen eines kurzhaarigen Schäferhundes. Zwei Dinge fallen jedoch ins Auge. Zum einen ist er außergewöhnlich kompakt und kräftig. Zum anderen zeigt er außergewöhnliche Fellfarben. Der offizielle Standard beschreibt das allgemeine Erscheinungsbild des Australian Cattle Dogs, es stelle

einen kräftigen, kompakten und symmetrisch gebauten Gebrauchshund dar, der die Fähigkeit und den Willen hat, die ihm zugewiesene Aufgabe zu erfüllen, wie beschwerlich sie auch sei. Die Vereinigung von Substanz, Kraft, Ausgewogenheit und leistungsfähiger, starker Muskulatur muss den Eindruck von großer Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer erwecken. Jedes Anzeichen von Schwerfälligkeit oder Schwächlichkeit ist ein schwerer Fehler.

Rüden sollen eine Widerristhöhe von 46 bis 51 Zentimetern vorweisen, Hündinnen 43 bis 48. Ein Gewicht ist nicht vorgeschrieben. Das Haar des Cattle Dogs ist glatt und bildet ein doppeltes Haarkleid mit kurzer, dichter Unterwolle. Die Fellfarben sind eine Besonderheit und in der Hundewelt einmalig. Sie sind die Folge eines Gendefektes, der vermutlich vom Blue-Merle Collie in die Population eingebracht wurde und häufig mit Taubheit und anderen Erkrankungen verbunden sein kann. Möglicherweise kommt noch der Dalmatiner hinzu, der ein ähnliches Defektgen eingebracht hat. So werden die Welpen des Australian Cattle Dogs weiß geboren und dunkeln erst später nach. Dann sind folgende ansonsten unbekannte Farben vorgeschrieben: Blau, blau gesprenkelt (blue speckled),  blau getüpfelt (blue mottled) sowie rot gesprenkelt (red speckled). Alle Farben sind immer mit lohfarbenen Abzeichen gebündelt. Die erst verspätete und dann unvollständige Pigmentierung der Haare und die damit verbundenen Defekte im Haaraufbau können unter anderem die sensorineurale Taubheit erzeugen, bei der die feinen Härchen im Innenohr verkümmert sind.

Charakter und Wesen

Der Australian Cattle Dog ist ein sehr kräftiger, äußerst robuster und ausdauernder Hund. Sein Standard sieht es ausdrücklich als Fehler an, wenn die Hunde Merkmale zeigen, die negativen „Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes“ haben „und seine Fähigkeit, die verlangte rassetypische Arbeit zu erbringen.“ Wie wir aus seiner Geschichte kennen, war und ist diese rassetypische Arbeit ausgesprochen hart. Er ist ein derber, uriger Hund, den nichts so schnell umwirft. Das ist Teil seines besonderen Charmes. Er ist aufmerksam, furchtlos und wachsam, aber kein Kläffer – gute Erziehung vorausgesetzt. Der Charakter eines Australian Cattle Dogs ist individuell recht unterschiedlich. Er eignet sich jedoch in keinem Fall als Hof- oder gar Zwingerhund. Fremden tritt er zunächst prüfend distanziert gegenüber jedoch nicht unfreundlich oder gar grundlos aggressiv. Er ist sehr personenbezogen. Vor dem Hintergrund einer guten Erziehung und Führung wird er ein treues, anhängliches Mitglied der Familie.

Haltung

Der Cattle Dog ist in seiner Haltung problemlos. Er ist kein Kuschelhund und kein Couch-Potatoe. Er will die Einbindung in die Familie und kann sich in dieser auch anstandslos benehmen, fachkundige Erziehung vorausgesetzt. Ideal ist ein Haus mit Garten auf dem Land. Die Haltung in einer kleinen Etagenwohnung mitten in einer Großstadt wäre nicht ohne weiteres zu empfehlen. Der körperlich wie mental kräftige, derbe Hund braucht ein Herrchen oder Frauchen mit Hundeverstand, klarer Ansage und Konsequenz auf Basis einem freundschaftlichen, respektvollen Miteinanders.  

Erziehung

Der Australian Cattle Dog lässt sich von einem Menschen mit Hundeverstand gut erziehen. Er ist offen und ehrlich und arbeitet gerne mit Herrchen und Frauchen zusammen. Dabei ist er stark auf seine Führungsperson bezogen. Er zeigt aber niemals Kadavergehorsam. Die Kunst liegt darin, das richtige Maß an Konsequenz und Härte für diesen derben, arbeitsamen und zugleich feinfühligen Hund zu finden. Die entscheidende Grundlage ist immer eine enge emotionale und vertrauensvolle gegenseitige Bindung. Der Australian Cattle Dog eignet sich durchaus für verschiedene Hundesportarten.

Pflege und Gesundheit

Ein Australian Cattle Dog ist ausgesprochen pflegeleicht.

Rassetypische Krankheiten

Der Australian Cattle Dog ist eine robuste Rasse. In seiner Population sind aber eine Reihe erblich bedingte Erkrankungen überdurchschnittlich verbreitet, die zum Teil mit seiner speziellen Fellfarbe in Verbindung stehen. Hierzu zählen sensorineurale Taubheit, Polioencephalomyelopathie, eine erbliche degenerative Nervenerkrankung und Canine Ceroid-Lipofuszinose. Darüber hinaus können eine Reihe von Augenerkrankungen auftreten.

Ernährung/Futter

Ein Australien Cattle Dog ist ein unproblematischer Kostgänger.

Lebenserwartung

Ein Australian Cattle Dog hat eine Lebenserwartung von gut 10 Jahren.

Australian Cattle Dog kaufen

Wenn du dich für einen Hund dieser Rasse interessierst, solltest du dich bei einem Züchter vor Ort umschauen, der dem Australian Cattle Dog Club Deutschland angeschlossen ist. Du solltest dich nach dem Vorkommen von Erbkrankheiten bei den Ahnen erkundigen und den Ergebnissen einschlägiger Tests. Ein seriöser Züchter gibt hier gerne und von sich aus Auskunft. Australian Cattle Dog Welpen kosten ca. 1.000 Euro.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.