Die Rotwangen-Schmuckschildkröte

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Rotwangen-SchmuckschildkröteTrachemys scripta elegans ist eine anpassungsfähige Schildkrötenart aus Nordamerika, die warme Lebensräume bevorzugt und sowohl in einem passenden Teich wie auch in einem angemessen großen Aquaterrarium gehalten werden kann. Sie wird auch als Rotwangen-Schmuckschildkröte bezeichnet. Dieser Trivialname bezieht sich nicht nur auf den charakteristischen orangefarbenen bis roten Streifen hinter ihren Augen, sondern auch auf die schöne Musterung, die ihren Körper und Panzer bedeckt. Ihr englischer Name (Red-eared Slider) verweist zusätzlich darauf, dass es ihre Gewohnheit ist, von Steinen aus ins Wasser zu gleiten. Bei richtiger Pflege kann eine Rotwangen-Schmuckschildkröte bis zu 30 Jahre alt werden. Diese Tatsache sollte vor einer Anschaffung grundsätzlich berücksichtigt werden. Wie es sein kann, dass eine Schildkrötenart einerseits vom Aussterben bedroht ist und andererseits zu den am häufigsten gehaltenen Reptilien zählt, erfährst du weiter unten.

Zur Taxonomie

Die Rotwangen-Schmuckschildkröte gehört zur Klasse der Reptilien (Reptilia), um genauer zu sein zur Ordnung der Schildkröten (Testudinata). Sie ist eine Neuwelt-Sumpfschildkröte, zählt also zur Familie Emydidae. Wie die Gelbwangen-Schmuckschildkröte auch ist sie eine Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys). Die Rotwangen-Schmuckschildkröte, deren wissenschaftlicher Artname Trachemys scripta elegans lautet, ist eine Unterart der Nordamerikanischen Buchstaben-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta).

Zur Biologie

Trachemys scripta elegans erreicht als erwachsenes Tier eine Carapaxlänge von bis zu 25 cm, wobei Weibchen etwas größer als Männchen sind. Die Lebenserwartung beträgt bis zu 30 Jahre und mehr. Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in den südlichen USA, insbesondere in Regionen um den Mississippi sowie Illinois, Alabama, Texas, Georgia und Indiana. Als Lebensraum bevorzugt die Rotwangen-Schmuckschildkröte ruhige und warme, verkrautete Gewässer mit üppigem Pflanzenwachstum sowie mit sonnigen Bereichen. Das Reptil ist tagaktiv, sehr lebhaft und bevorzugt den Aufenthalt im Wasser (zur Nahrungssuche und zum Schutz vor Fressfeinden), wobei natürlich ausgiebige Sonnenbäder zum natürlichen Verhaltensrepertoire zählen (als wechselwarme Tiere bringen sie so ihren Körper auf „Betriebstemperatur“). Auch zur Eiablage verlässt sie das Wasser.
Fallen die Temperaturen unter 10 °C begibt sich die Rotwangen-Schmuckschildkröte in Winterruhe und bezieht geschützte Stellen.
Der Artbestand ist rückläufig. Trachemys scripta elegans ist eine geschützte Art, da der natürliche Lebensraum immer stärker bedroht ist.

Zum Aussehen

Rotwangen-Schmuckschildkröten zeichnen sich gegenüber Landschildkröten durch einen abgeflachten Panzer aus. Die Füße verfügen über ausgeprägte Schwimmhäute. Ein besonders hervortretendes Erkennungsmerkmal ist der rötliche Streifen auf jeder Kopfseite. Ansonsten befinden sich im Kopfbereich cremefarbene bis silbrige Markierungen. Die Rotwangen-Schmuckschildkröte kann leicht mit der Gelbwangen-Schmuckschildkröte (Trachemys scripta scripta) verwechselt werden. Aber wie der Name schon vermuten lässt, können die beiden Unterarten an ihren Wangen unterschieden werden.

Rotwangen-Schmuckschildkröte

Zur Ernährung

Wie die meisten Sumpfschildkröten ist die Rotwangen-Schmuckschildkröte omnivor, das heißt, dass die Nahrung sowohl pflanzliche als auch tierische Kost beinhaltet. Ältere Tiere nehmen zunehmend mehr Pflanzliches zu sich. Hauptsächlich werden Insekten, Insektenlarven, Schnecken, Muscheln, Krebstiere verzehrt, teilweise auch kleinere Fische. Trachemys scripta elegans ist dahin gehend kein Kostverächter, das Fressverhalten kann als opportunistisch bezeichnet werden.

Zur Haltung und Pflege

Die Haltung und Pflege von Sumpfschildkröten ist im Allgemeinen ein relativ aufwendiges Hobby, da häufige Wasserwechsel und Wasserfiltrierung zu den regelmäßigen Standardpflichten zählen. Die Versorgung mit Nahrung ist eher ein geringeres Problem, da die Tiere geeignetes käufliches oder selbst zubereitetes Rezeptfutter („Schildkrötenpudding“) verzehren. Ein Sommeraufenthalt im Freien ist zu empfehlen, da der natürliche Tagesablauf und die Temperaturschwankungen einen positiven Einfluss auf die Gesundheit der Tiere haben.
Grundsätzlich sollten bei Schmuckschildkröten die Geschlechter getrennt gehalten werden. Ein häufiges Anbalzen der Männchen führt zu immensen Stress bei den Weibchen. Mehrere Weibchen lassen sich normalerweise problemlos nebeneinander halten, allerdings ist das Verhalten genau zu beobachten: Zu dominante Tiere solltest du separieren! Bei der Haltung und Pflege solltest du berücksichtigen, dass Rotwangen-Schmuckschildkröten gewandte Schwimmer sind und viel Platz benötigen. Eine Wassertiefe von mindestens 40 cm bei erwachsenen Tieren ist zu empfehlen. Ein fest installierter Sonnenplatz (z. B. eine aus dem Wasser ragende Wurzel) ist unverzichtbar, um die Thermoregulation zu begünstigen. Leistungsstarke Strahler sorgen für eine punktuelle Tagestemperatur von 40 °C und mehr. Dies ist besonders günstig, um ein schnelles Abtrocknen der Reptilienhaut zu gewährleisten. Dazu eignen sich Halogen-Metalldampflampen (HQI-Lampen) und Quecksilberdampf-Hochdrucklampen (HQL). Neben der Wärme sorgen sie für eine optimale Lichtfülle. Trachemys scripta elegans benötigt einen Landteil, dessen Grundfläche 0,5 m x 0,5 m beträgt und mindestens so tief ist wie die Panzerlänge. Im Sommerhalbjahr sollte die Wassertemperatur ca. 25-28 °C betragen, die Außentemperatur sollte etwa 2 °C darüber liegen. Die Überwinterung ist eine etwas speziellere Angelegenheit und ist abhängig von der genauen Herkunft der Tiere. Diese ist teilweise aber nicht bekannt. Insofern verweise ich an der Stelle auf die einschlägige Fachliteratur. Nur so viel sei an dieser Stelle gesagt: Die Winterruhe sollte etwa zwei bis vier Monate dauern, die Überwinterungstemperatur sollte zwischen 4 °C und 10 °C liegen. Eine Überwinterung im Freien ist nicht empfehlenswert.
Grundsätzlich gelten bei der Haltung und Pflege gesetzliche Mindestanforderungen:

  • Gemäß des „Gutachtens über die Mindestanforderungen an die Haltung von Reptilien“ vom 10.01.1997 sind die Halter dazu verpflichtet, bei Unterbringung eines Pärchens Trachemys scripta elegans (respektive zweier Schildkröten) in einem Aquaterrarium dafür Sorge zu tragen, dass dessen Wasserteil-Grundfläche mindestens fünfmal so lang ist wie die Panzerlänge des größten Tieres und dessen Breite mindestens die halbe Länge des Aquaterrariums beträgt. Die Höhe des Wasserstandes sollte doppelt so hoch sein wie die Breite des Panzers.
  • Für jede weitere Schildkröte, die im selben Aquaterrarium untergebracht wird, sind 10 % zu diesen Maßen hinzuzufügen, ab dem fünften Tier 20 %.
  • Des Weiteren muss für den obligatorischen Landteil gesorgt sein.
  • Bei der Anschaffung eines Aquaterrariums ist das Größenwachstum der Tiere zu berücksichtigen, da sich entsprechend die Mindestanforderungen ändern.

Die Schmuckschildkröte als beliebtes Accessoire?

In den 50er- und 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben sich in den USA regelrechte Schildkrötenfarmen entwickelt, nachdem man festgestellt, wie niedlich die „Babyschildkröten“ aussehen und wie viel Geld sich mit diesen Reptilien verdienen lässt. Insbesondere Kinder gehörten zur bevorzugten Konsumentenklientel. Da die Haltung und Pflege eigentlich nichts für Kinder ist, da diese sehr anspruchsvoll ist und da die jungen Schildkröten nicht ihr ganzes Leben lang so klein bleiben, hat man die Tiere vielfach ausgesetzt, ohne groß darauf Rücksicht zu nehmen, ob die Lebensräume tatsächlich geeignet sind. Auch hierzulande kommt es häufig vor, dass Tiere in die freie Wildbahn entlassen werden und dabei erheblichen Druck auf die vorherrschend Flora und Fauna ausüben. Insbesondere die bei uns heimische Europäische Sumpfschildkröte leidet erheblich unter dem Konkurrenzdruck mit der deutlich aggressiveren amerikanischen Verwandtschaft. Nichtsdestotrotz zählt die Rotwangen-Schmuckschildkröte zu den beliebtesten Schildkrötenarten und gilt als verhältnismäßig einfach in der Haltung. Schade ist, dass in der natürlichen Heimat die Lebensräume vielfach zerstört wurden und werden, sodass die Populationen erheblich darunter zu leiden haben!


Michael Freund ist hauptberuflich Lehrer an einer bayerischen Mittelschule mit einem Faible für die belebte Natur. In seinem Studium absolvierte er Biologie als Didaktikfach. Nebenbei engagiert er sich als Autor für diverse Zeitschriften und ist tatkräftiges Mitglied in verschiedenen Vereinen, unter anderem bei den „Sukkulentenfreunden Passau“.


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