Leinengang mit Katze vorbereiten & durchführen

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Leinengang mit Katze

Du lebst im städtischen Gebiet, an einer viel befahrenen Straße oder hast einfach Angst, dass dein schüchterner Minitiger nicht mehr nach Hause findet? Die Gründe, seiner Katze keinen unbeschränkten Freigang zu gewähren, sind vielfältig. Ist deine Katze ausschließlich Wohnungshaltung gewöhnt und ausreichend ausgelastet, kann sie meist ohne die „große Freiheit“ unter den Pfötchen zufrieden und artgerecht leben. Besonders schön ist es, wenn sie durch ein vernetztes Fenster oder gesicherten Balkon oder ein Freigehege doch ein wenig frische Luft schnuppern darf. Eine weitere Möglichkeit ist der Leinengang mit Katze.

Leinengang mit Katze – geht das und ist es sinnvoll?

Vielleicht fragst du dich nun, ob ein Leinengang mit Katze etwas ist, das du probieren könntest. Bevor du ein Halsband kaufst und los läufst, solltest du dieses Vorhaben genau abwägen und bei einer positiven Entscheidung gut vorbereiten.

Frische Luft – aber nicht ohne Wenn und Aber

Der Gedanke, mit deiner Katze an der Leine im Garten oder Park spazieren zu gehen, ist sicher verlockend. Sie kann frische Luft schnuppern, spürt Gras unter den Pfötchen und sammelt neue Eindrücke. Nach einem Leinengang ist dein kleiner Abenteurer sichtlich erschöpft und schläft zufrieden in seinem Kuschelbett, – ein großer Vorteil des Leinengangs. Mit einem individuell angepassten Brustgeschirr ist das Risiko eines Unfalls dabei geringer als im ungeschützten Freigang. Keine Frage.

Risiken beim Leinengang mit Katze

Dennoch birgt der Leinengang verschiedene Risiken, die du sorgfältig abwägen solltest. Bedenke, dass sich deine Katze vermutlich schnell an den Luxus frischer Luft um das Näschen gewöhnen und nur ungern wieder darauf verzichten wird. Möglicherweise gefallen ihr eure Spaziergänge so gut, dass sie sehr nachdrücklich nach häufigeren und längeren Ausflügen verlangt, mindestens aber in dem Modus, in dem ihr gestartet seid. Sollte es also nur ein fixer Gedanke sein, mit deiner Katze spazieren zu gehen, mach dir die zusätzliche Verantwortung und Pflichten bewusst bevor du das Experiment startest. Überlege dir, in welcher Regelmäßigkeit du mit ihr eine Runde drehen willst und kannst – auch in für dich stressigen Zeiten, denn deine Katze wird sich vermutlich sehr auf eure Ausflüge freuen und allerlei Schabernack anstellen, wenn du ihr diesen Spaß verwehrst.

Safety First – mit passendem Geschirr & guter Vorbereitung

Hast du dich für den Leinengang entschieden, achte unbedingt auf ein sicher passendes Brustgeschirr. Ein simples Halsband ist ebenso gefährlich wie ein schlechtsitzendes Geschirr. Dein Minitiger kann sich in einen professionellen Houdini verwandeln, wenn er sich vor etwas erschrickt oder aber unbedingt in die entgegengesetzte Richtung flitzen möchte, um ein spannendes Blatt zu jagen. Ideal ist ein Geschirr, dessen Hals-, Brust- und Rückenteil individuell auf deine Katze einstellbar und sicher verschließbar ist. Achte zudem auf eine gute Polsterung, damit es den zarten Körper des Tiers angenehm umschließt.

Langsame Gewöhnung an Geschirr und Leine

Konntest du ein passendes Geschirr finden, gib deiner Katze die Chance, sich in ihrem Tempo mit vielen positiven Bestätigungen in eurer Wohnung daran zu gewöhnen. Dazu legst du das Geschirr während einer Kuschel- oder Bürsteneinheit neben euch, lässt die Katze daran schnuppern und lobst bzw. belohnst sie für ihre Neugier. Im nächsten Schritt legst du das Geschirr für eine Sekunde locker auf ihren Rücken, nimmst es ab und belohnst sie wieder sofort. Hat sie sich nach ein paar Übungseinheiten an das neue Gefühl auf dem Rücken gewöhnt, verlängerst du die Dauer des platzierten Geschirrs und gibst die Belohnung, während das Geschirr auf dem Rücken deiner Katze liegt. Erst wenn es für deine Katze entspannt auszuhalten ist, sicherst du einen der Verschlüsse – ebenfalls zunächst für einen kurzen Moment, gefolgt von Loben und einer tollen Belohnung. So verknüpfst du Schritt für Schritt das Geschirr für deine Katze mit positiven Erlebnissen. Je nach Lernfreude dauert es nicht lange bis sie sich auf diese neue Möglichkeit freut, Leckereien zu bekommen. Ist dein Minitiger eher schüchtern, kann die Gewöhnung länger dauern. Gib deinem Fellfreund die Zeit, denn das Geschirr wird eure Versicherung im Freigang sein, das unbedingt entspannt getragen werden sollte.

Bei euren ersten Spaziergängen an der Leine in der Wohnung lernt ihr beide diese neue Art der Bewegung kennen. Deine Katze wird vielleicht irritiert sein, dass sie sich nicht so frei bewegen kann wie sonst und du lernst, wie du sie sanft an der Leine führst – ohne allzu viel Einfluss auf ihren Weg nehmen zu können.

Der erste richtige Leinengang mit Katze im Freien

Habt ihr euch an den Leinengang gewöhnt, kann euer erster „richtiger“ Ausflug erfolgen. Plane ausreichend Zeit ein, um entspannt zu bleiben, sollte dein kleiner Entdecker länger draußen verweilen als geplant. Gib der Katze die Möglichkeit, die neue Umgebung zu erkunden, ausgiebig zu schnüffeln und alles genau zu untersuchen. Teste zwischendurch immer mal wieder, ob sie durch Rufen ihres Namens und dem Angebot eines Leckerchens weiterhin ansprechbar bleibt. Widerstehe aber dem Drang, ständig Einfluss auf sie nehmen zu wollen. Dein Abenteurer möchte sich alles genau einprägen und du störst dabei eher.

Die Vorstellung, eine Katze würde ähnlich eines Hundes den von dir vorgegebenen Weg an der Leine entlanglaufen, ist eine eher unrealistische Vorstellung. Ihr werdet vielmehr begleitet von Strauch zu Strauch oder Blatt zu Blatt laufen, deine Katze gibt dir immer wieder eine neue Richtung vor und wird sich nur bedingt von dir „steuern“ lassen. Richte dich daher auf ein „begleitetes Explorieren“ – also Erkunden – ein.

Die ersten Spaziergänge sollten möglichst nur ein paar Schritte von eurer Haustür entfernt liegen. Nach und nach erweitert ihr euren Rundgang. Je regelmäßiger ihr eure Runden dreht und dabei eine Stammroute einhaltet, desto entspannter werden die Ausflüge werden. Nach und nach wird deine Samtpfote auch mit unerwarteten Geräuschen und Bewegungen umgehen können.

Ist der Spaziergang an der Leine wirklich das Richtige?

Abschließend gilt es wirklich gut abzuwägen, ob ein Leinengang für dich und deine Katze in Frage kommt. Häufig verliert der Mensch das Interesse oder die Möglichkeit des gemeinsamen und regelmäßigen Spaziergangs mit seiner Katze – während der Minitiger mehr und mehr selbigen einfordert. Wäge sorgfältig ab, ob du die Risiken wirklich eingehen möchtest und deiner Katze ggf. sogar später uneingeschränkten Freigang einräumen könntest, falls euer Frischluftbedürfnis doch allzu sehr auseinander geht. Letzten Endes gibt auch eine Leine keine vollständige Sicherheit. Deine Katze könnte sich in einem Schreckmoment so winden, dass er mitsamt Leine flüchtet. All das solltest du für dich prüfen und entsprechend umsichtig entscheiden.


Carmen SchellCarmen Schell, Inhaberin von Cattalk®, ist als ausgebildete Tierpsychologin (ATN) mit dem Fachgebiet Katze im Rhein-Main-Gebiet, überwiegend rund um Darmstadt und Frankfurt sowie im Online-Coaching tätig. Sie bietet professionelle Unterstützung bei allen Fragen zu der Haltung und Problemverhalten von Samtpfoten. Neben der persönlichen Beratung gibt sie regelmäßig Vorträge und bundesweite Seminare für interessierte Laien und Profis. Ihr Herz hat die Autorin besonders an Katzen aus dem Tierschutz verloren und engagiert sich ehrenamtlich im regionalen Tierschutz.


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Kommentare, Fragen und Antworten
  1. Theo Paßberger sagt:

    Hallo liebes zooroyal, ich bin unentschlossen ob meiner katze frwigang gewähren soll, zum einen würde es passen weil hinter unserem haus felder sind aber vor unserem haus eine bundesstraße ist.

    1. ZooRoyal sagt:

      Hallo Theo,
      zum Thema Freigang für die Katze haben wir in unserem Magazin mehrere Artikel, die dir sicherlich weiterhelfen können 🙂
      Alles rund um den Freigang
      Katze an den Freigang gewöhnen
      Freigänger im Winter
      Der gesicherte Freigang – das Katzengehege
      Viel Spaß beim Lesen!
      Dein ZooRoyal Team

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