Trümmersuchhund

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Trümmersuchhund

Ein weiterer tierischer Helfer, der den Menschen durch seine ausgezeichnete Nase unterstützt, ist der Trümmersuchhund. Er bringt ganz bestimmte Eigenschaften mit, die ihn bei der Suche nach Verschütteten unverzichtbar machen.

Wann kommt der Trümmersuchhund zum Einsatz?

Werden Personen verschüttet, beispielsweise bei einem Erdbeben oder Gebäudeeinstürzen oder Soldaten/Soldatinnen bei einem Einsatz, so ist die erfolgreiche Suche nach ihnen für den Menschen kaum zu bewältigen. Die Vermissten sind nicht mehr für das Auge sichtbar. Sie können überall unter den Geröllteilen liegen. Bis sie gefunden werden, kann zu viel Zeit verstrichen sein. Speziell für diese Situation ausgebildete Suchhunde werden daher beim Aufspüren unterstützend eingesetzt.

Wie geht der Hund vor?

Der Hund arbeitet stets eng mit seinem Hundeführer zusammen. Beide müssen sich bei der Aufgabe immer aufeinander verlassen können und ein eingespieltes Team sein. Wird der Hund in ein bestimmtes Gebiet geschickt, beginnt er sofort mit der Suche und setzt dazu aktiv seine Nase ein. Mit seinen circa 220 Millionen Riechzellen kann der Vierbeiner Gerüche sehr viel feiner wahrnehmen und dabei differenzieren. Er kann sogar unter den Trümmern unterscheiden, ob dort zum Beispiel nur ein Kleidungsstück einer Person liegt oder aber tatsächlich eine verschüttete Person. Ist er sich sicher, jemanden gefunden zu haben, so wird er seinen Fund melden, indem er meist laut bellt, bis sein Hundeführer bei ihm ist und ihm ein Signal gibt bzw. er seine Belohnung erhält.

Die Ausbildung

Damit der Trümmersuchhund zuverlässig und zielgerichtet sucht, muss er zuvor eine spezielle Ausbildung durchlaufen haben und dabei die ein oder andere Prüfung erfolgreich absolviert haben. Während der Ausbildung lernt der Hund nicht nur spielerisch die Personensuche, sondern auch die genauen Signale seines Halters auszuführen und dabei die ungewohnte Umgebung auszublenden. Ein Trümmersuchhund darf sich weder von vielen anderen Menschen und fremden Gerüchen ablenken, noch durch den unwegsamen Untergrund verunsichern lassen. Der Suchhund sollte selbstbewusst das wackelige Terrain überqueren und sich nicht durch laute Geräusche oder andere Suchhunde aus der Ruhe bringen lassen.

Das Training des angehenden Rettungshundes wird immer spielerisch gestaltet, sodass der Vierbeiner große Lust auf die gemeinsame Arbeit mit seinem Hundeführer hat und hochmotiviert dabei ist. Findet der Hund bei einer Übung die versteckte Person, so hat diese beispielsweise seinen Lieblingsball und wird mit ihm – nach dem erfolgreichen Anzeigen und Melden – natürlich auch eine Runde spielen. Auf diese Weise ist die hochkonzentrierte Arbeit für den Hund mit Spaß und positiven Reizen verbunden und ohne Druck. Damit Hund und Halter sich auch in den stressigen Situationen, gerade den Prüfungssituationen, aufeinander verlassen können, müssen sie eine enge Beziehung zueinander aufgebaut haben.

Kann jeder Hund Trümmersuchhund werden?

Grundsätzlich kann jeder Vierbeiner zu einem Trümmersuchhund ausgebildet werden. Vorteilhaft wäre unabhängig von der Rasse ein mittelgroßer Hund, der im Notfall auch über kurze Passagen getragen werden kann. Ist dein Hund aktiv, hat Spaß an der Arbeit mit dir und lässt sich für ein Spielzeug oder Leckerli besonders begeistern, bringt er schon die ersten wichtigen Voraussetzungen für die Ausbildung mit. Ist er außerdem sehr „cool“ und bleibt in vielen aufregenden Situationen gelassen, erfüllt er eine weitere Eigenschaft, die der Rettungshund besitzen sollte. Die meisten Hunde beginnen schon im Welpenalter mit dem Training, weshalb sie an die Umgebungsreize und Untergründe früh herangeführt und gewöhnt worden sind. Hast du deinen Hund aber ebenfalls gut sozialisiert und ihm in seinem jungen Alter schon Vieles gezeigt, ist das ebenso von Vorteil.

Informiere dich doch einmal in deiner näheren Umgebung nach einem seriösen Verein, der professionelle Rettungshunde ausbildet und lass dich zu der Sparte Trümmersuche beraten. Vielleicht kannst du bei einer Übung erst einmal zusehen oder dich mit deinem Hund vorstellen. Vor Ort wird man dich sicher bestens beraten können, welche Möglichkeiten deinem Vierbeiner und dir zur Verfügung stehen. Meist kann am besten während des Trainings beurteilt werden, ob sich dein Hund als Trümmersuchhund eignet oder nicht. Wenn nicht, dann sei nicht enttäuscht. Die Aufgabe des Trümmersuchhundes ist äußerst anspruchsvoll und verlangt dem Hund und Führer eine Menge ab. Aber vielleicht macht dir ja auch einfach das Training Spaß, sodass dein Hund und du weiterhin dabei zusammenarbeiten und vor allem zusammenwachsen könnt, ganz ohne Leistungsorientierung und sportliche Wettkampfambitionen. Die Nasenarbeit und die enge Zusammenarbeit mit dir ist eine tolle und artgerechte Auslastung für deinen Vierbeiner.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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