Trennungsbedingte Störung

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Trennungsbedingte Störung

Allgemeines zum Verhalten

Viele Vierbeiner sind in der Lage, für eine gewisse Zeit, problemlos und vor allem entspannt allein Zuhause zu bleiben. Doch nicht alle. Leidet ein Hund unter einer trennungsbedingte Störung, hat er Schwierigkeiten damit. Für ihn stellt die Trennung von seinem Sozialpartner Mensch eine sehr große Herausforderung dar, verbunden mit großer Angst und gewaltigem Stress. Bei dieser Problematik unterscheiden wir nach den verschiedenen Ursachen und den daraus resultierenden Folgen. Jede Ursache hat ihre Entstehung und bringt andere Symptome hervor und muss individuell behandelt werden. Eine gründliche Anamnese ist unerlässlich, um das Leiden des Hundes nicht noch zu verschlimmern, sondern eine ideale Lösung für ihn und seinen Halter zu finden. Hierfür sind Verständnis und Geduld.

Bei der trennungsbedingten Störung spielen viele Faktoren eine Rolle. Doch weder eine bestimmte Rasse, noch ein bestimmtes Lebensalter oder gar das Geschlecht sind besonders anfällig, vom Trennungsschmerz betroffen zu sein. Vielmehr können andere Aspekte, wie beispielsweise die Bindung zwischen Hund und Halter, die gemachten Erfahrungen des Hundes sowie diverse Umweltfaktoren, ursächlich sein.

Das richtige Management bei trennungsbedingter Störung

Jede trennungsbedingte Störung ist individuell zu betrachten. Es gibt keine einheitlichen Maßnahmen und Empfehlungen, die pauschal anzuwenden und erfolgversprechend sind. Hängt das problematische Verhalten des Hundes mit Langeweile zusammen, ist es wichtig, ihn während der Zeit des Alleinseins sinnvoll zu beschäftigen, beispielsweise mit kleinen Beschäftigungsspielen oder einem Kauspaß.

Die körperliche und kognitive Beschäftigung und Auslastung tagsüber sind sehr wichtig. Sie sollten artgerecht und auf den jeweiligen Hund zugeschnitten sein. Ist ein Hund nicht ausgelastet, kann das schneller zu Langeweile führen und der Teufelskreis beginnt. Aus Langeweile kann schnell Unterforderung, aus Unterforderung Frust entstehen. Das kennen wir auch von uns selbst. Haben wir Langeweile und fühlen uns unterfordert, sind wir nicht selten schnell gefrustet und unzufrieden. Dieser Frust kann sich beim Hund jedoch auch in Wut äußern, in die er sich hineinsteigert. Zerstörung des Mobiliars kann eine Folge sein. Die richtige Auslastung ist immens wichtig, um für den Hund eine entspannte Basis für das Alleinsein zu schaffen.

Leidet ein Hund unter Isolationspanik, durchlebt er sehr starken Stress. Seine panikartige Angst äußert sich beispielsweise durch den Absatz und das Verteilen von Urin/Kot und starker Vokalisation. Ebenso zeigt er Zerstörungen, wie Kratz- oder Bissspuren an Fenstern und Türen – also an Ausgängen und möglichen Fluchtmöglichkeiten. Nicht selten treten dabei Verletzungen beim Hund auf.

Ist die Ursache der trennungsbedingten Störung erkannt, muss ein geeigneter Trainingsplan her. Doch ehe die Trainingsschritte erfolgreich greifen, sind Managementmaßnahmen vonnöten. Das genaue Beobachten und das bewusste Wahrnehmen der eigenen Stimmung können helfen, die Situation zu entspannen und nicht noch mehr Stress beim Hund auszulösen. Setzt der Hund Urin oder Kot in der Wohnung ab, sollte Ruhe bewahrt werden. Kommt man heim und findet einen Ort der Verwüstung vor mit Kratzspuren an Türen und Fenstern, umgeworfenen Zimmerpflanzen, angenagten Einrichtungsgegenständen usw. ist es vielleicht nicht leicht, seinen eigenen Frust und seine Wut zu regulieren, doch das einzig Richtige. Für den Hund ist die Situation eh schon überaus stressig und beängstigend. Wut, Zorn und Ungeduld des Halters würden nicht zur Besserung der Gesamtsituation beitragen.

Tipps für den Alltag für eine trennungsbedingte Störung

Je nach Ursache sind unterschiedliche Maßnahmen und Herangehensweisen möglich. Um sich erst einmal ein genaues Bild über das Verhalten seines Hundes machen zu können, wenn er alleine ist, kann eine Videokamera sehr nützlich sein. Damit lässt sich genau festhalten, welche Verhaltensweisen der Hund während des Alleinseins zeigt. Außerdem kann die Interaktion zwischen Hund und Halter während des Verlassens oder Betreten des Hauses eingefangen und analysiert werden.

Verständnis und Geduld sind überaus wichtig. Auch wenn es dich ärgert, dass dein Hund in die Wohnung macht oder an Türen bzw. Fenstern kratzt, bedenke, dass es sich nicht um mutwilliges Verhalten handelt. Dein Hund will dich damit nicht ärgern, vielmehr leidet er. Er hat Angst und kann sogar regelrechte Todesängste erleiden. Hunde fühlen sich in ihrer sozialen Gemeinschaft sicher. Sie möchten mit ihrem Sozialpartner zusammen sein. Das voneinander getrennt sein ist für sie nicht normal oder nachvollziehbar und löst oftmals Ängste aus.

Vielen Hundehaltern ist zudem nicht bewusst, dass sie ihrem Hund eine Trennungsbedingte Störung auch „anerziehen“ können. Dies geschieht in der Regel unbewusst. Ist der Hund allein Zuhause und bellt, jault oder beginnt an der Tür zu kratzen, können wir beim Heimkommen dieses Verhalten verstärken, indem wir dem Hund besondere Aufmerksamkeit schenken und ihm damit quasi ein positives Feedback für sein Verhalten geben.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.

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