„Such!“ trainieren

1137
0

Such

Wieso dieses Signal?

Das Signal „Such“ schickt deinen Hund auf die Suche nach einem Gegenstand, Menschen oder Leckerli. Dabei soll er gezielt seine Nase einsetzen und den bestimmten Geruch verfolgen. Das Signal macht absolut Sinn, da das Talent zum Riechen den Hunden von Natur aus mitgegeben wurde. Uns sind sie dabei nämlich haushoch überlegen. Während ein Mensch nur etwa 5 Millionen Riechzellen besitzt, hat ein Hund zwischen 125 und 220 Millionen. Aus dem Grund liegt diese Form der Auslastung sehr nahe und ist für den Hund etwas ganz Natürliches. Zudem ist das Verfolgen einer Fährte wahnsinnig anstrengend und daher auch eine gute Möglichkeit, um den Vierbeiner artgerecht auszulasten, besonders an stürmischen und regnerischen Tagen.

Wie sieht das Training aus?

Das Suchen kann auf verschiedene Arten umgesetzt werden. Dein Hund kann Fährtenarbeit ausüben, sich bei der „Verlorensuche“ austoben oder auch Dummyarbeit machen. Möglichkeiten gibt es viele. Für Zuhause bietet es sich an, deinem Hund beizubringen, auf das Signal „Such“ einen versteckten Gegenstand oder ein verstecktes Leckerli zu suchen.

  • Je nachdem womit du arbeiten möchtest, legst du ein paar Leckerlis oder sein heiß geliebtes Spielzeug bereit und holst deinen Hund zu dir.
  • Entscheidest du dich für die Arbeit mit Leckerlis, lässt du deinen Hund sitzen und legst das Leckerli vor seinen Augen in eine Ecke des Raums oder hinter ein Stuhlbein. Zu Beginn soll das Versteck sehr einfach sein, damit dein Hund das Prinzip überhaupt verstehen kann und keine Frustration aufkommt. Er soll Spaß an der Suche haben und begeistert mitmachen.
  • Ist das Leckerli platziert, löst du deinen Hund auf, indem du direkt das Wortsignal „Such“ sagst. Zögert dein Vierbeiner, ob er tatsächlich loslaufen darf, kannst du auch vorab euer gewohntes Auflösesignal vorschieben.
  • Da dein Hund gesehen hat, wo das Leckerli versteckt ist, wird er sich mit Sicherheit zielgerichtet zum Leckerli begeben und es sich schmecken lassen. Es erfolgt prompt die Bestätigung.
  • Das wiederholst du nun einige Male und versteckst das Leckerli immer woanders. Gerade am Anfang solltest du dir aber sicher sein, dass dein Hund es schnell finden wird, damit er motiviert bleibt. Lass ihn also ruhig noch ein paar Mal beim „Verstecken“ zuschauen.

Das Signal "Such!" festigen

Beginnst du mit dem Training, wird dein Hund noch nicht groß die Nase einsetzen, schließlich hat er ja gesehen, wo die Belohnung liegt. Von Übung zu Übung erhöht sich aber der Schwierigkeitsgrad, bis dein Hund auch gezielt riechen muss, um festzustellen, wo das Leckerli versteckt ist. Du kannst ihn dazu im Nebenraum warten lassen und das Leckerli auf dem Boden in eine Ecke legen, sodass er es nicht direkt sieht, wenn er den Raum betritt. Nun wird er aktiv suchen, aber es dennoch schnell finden, da es nicht schwierig versteckt war. Durch solche Variationen wird dein Vierbeiner das Prinzip schnell verstanden haben und sich bemühen, das Leckerli zu finden.

Seid ihr schon geübter, kannst du das Leckerli, ohne dass es dein Hund sieht, in unterschiedlicher Höhe platzieren oder es in einem Handtuch verstecken. So erschwerst du die Suche etwas. Bei solchen Verstecken wird dein Hund das Signal „Such“ mit der Leckerli-Suche verbinden, bei der er nun definitiv seine Nase einsetzen muss, um ans Ziel zu gelangen.

Auflösen

Das Auflösen erfolgt über das Signal „Such“, mit dem du deinen Hund zur Suche losschickst. Möchtest du, dass dein Vierbeiner lediglich auf euer bestimmtes Auflösesignal (wie beispielsweise „Okay“ oder „Frei“) losläuft, kannst du natürlich auch das verwenden und direkt im Anschluss „Such“ sagen, damit dein Hund das Einsetzen der Nase mit dem entsprechenden Wortsignal verbindet.

Im Alltag

Die Leckerli- oder Spielzeugsuche lässt sich prima in den Alltag integrieren, was sie zu einer praktischen Beschäftigung macht. Wie eingangs bereits erwähnt, darf jeder Hund mitmachen, egal ob Senior oder gesundheitlich eingeschränkt. Ist dein Hund nicht mehr allzu gut mobil unterwegs, kannst du die Leckerlis entsprechend leicht platzieren, sodass er keine Kletterpartien auf die Couch machen oder sich zwischen Möbelstücken hindurchzwängen muss. Stattdessen könntest du auch einen Schnüffelteppich mit Leckerlis bestücken und ihn anschließend auf dein Signal hin suchen lassen. Im Garten wird das Suchen für deinen Vierbeiner noch einmal sehr viel schwieriger. Hier kannst du ein paar Leckerlis auf die Wiese werfen und sie dann von deinem Hund suchen lassen.

Wichtig ist, dass du nicht vergisst, wie anstrengend das gezielte Suchen mit der Nase für deinen Vierbeiner ist. Zu Beginn beschränkt ihr euch am besten auf 5 Minuten-Trainingseinheiten. Die Dauer kannst du Schritt für Schritt auf 10 bis 15 Minuten erhöhen. Wenn du merkst, dass dein Hund eine Pause braucht, gestehe sie ihm zu und lass ihn zur Ruhe kommen.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.