Islandhund im Rasseportrait

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Islandhund

Islandhund

Hütehunde
Herkunft Island Lebenserwartung 12 und mehr Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp Funktion Hütehunde
Größe Mittelgroße Hunderassen Häufige Krankheiten keine
Gewicht unbekannt Felllänge mittellang / lang
Charakter/Wesen lebhaft, agil, wachsam, freundlich, verspielt Fellfarbe verschieden
Besonderheiten

geringer Jagdtrieb, alte Hunderasse

Herkunft und Rassegeschichte

Der Islandhund auf Isländisch „Islenskur Fjárhundur“ ist eine sehr alte und die einzige Hunderasse Islands. Über viele Jahrhunderte hinweg waren diese Hunde das „Schweizer Messer“ der einsam gelegenen Höfe und Werkstätten auf der großen der Insel im Nordatlantik. In den extrem rauen Klima mussten sie Schafherden hüten, Ungeziefer kleinhalten, bei der Jagd helfen, sowie auf Haus und Hof und besonders die Kinder aufpassen. Einerseits gelten sie als Schäferhunde anderseits als Nordische Spitze. Jedenfalls sind es äußerst clevere, agile, flexible und robuste Helfer des Menschen.

Ihr Bestand war noch vor kurzem akut gefährdet. Durch eingeschleppte Krankheiten und die Vermischung mit auf die Insel legal und illegal importierten Rassehunden schienen sie bereits ausgestorben. Dann erkannten die Isländer die Gefahr um ihren einzigen einheimischen Hund und steuerten gezielt dagegen. Heute scheint diese einmalige Hunderasse in ihrem Bestand über den Berg zu sein. Der Islandhund erfreut sich zudem außerhalb Islands einer stetig wachsenden Beliebtheit. Rein genetisch gesehen hat er seine nordische Identität behalten können. Das bestätigt jedenfalls eine umfassende Gen-Analyse aus dem Jahr 2017 über mehr als 100 Hunderassen mit mehr als 13.000 Hunden durch ein Team von Genetikern um Heidi Parker. Der Islandhund ist außerhalb seiner ursprünglichen Heimat als freundlicher, spannender und faszinierender Begleit- und Familienhund sehr beliebt geworden. Er hat noch ein gutes Stück seiner urigen Leistungsfähigkeit erhalten, was sich in Bewegungsdrang, Arbeitsfreunde und hoher Wachsamkeit ausdrückt. 1972 erfolgte die offizielle Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale. In Deutschland wird der Islenskur Fjárhundur züchterisch vom Deutschen Club für Nordische Hunde im VDH betreut. Etwa 80 bis 100 Welpen fallen hier im Jahr mit aufsteigender Tendenz.

Beschreibung

Der Islandhund ist ein mittelgroßer Hund, der grob und nur auf den ersten Blick an einen Mittelspitz erinnert. Er hat ein dichtes, wetterunempfindliches, robustes Fell. Das Deckhaar ist mittellang oder lang, mit dichter, weicher Unterwolle. Es gibt kurzhaarige und langhaarige Islandhunde. Verschiedene Farben von loh bis creme, schokobraun, grau oder schwarz sind zugelassen. Stets sollten die Hunde weiße Abzeichen haben. Rüden sollen eine Widerristhöhe von etwa 46 Zentimetern vorweisen, Hündinnen von 42. Zum Gewicht macht der Standard keine Angaben. Sein allgemeines Erscheinungsbild beschreibt der Standard so:

Der Islandhund ist ein nordischer Hüte-Spitz; er ist etwas weniger als mittelgroß und hat Stehohren und eine geringelte Rute. Von der Seite gesehen hat er rechteckiges Format, d.h. die Länge seines Körpers vom Buggelenk bis zum Sitzbeinhöcker übertrifft seine Widerristhöhe. Die Tiefe des Brustkorbes ist gleich der Länge der Vorderläufe.

Charakter und Wesen

Der Islandhund ist im Kern seines Wesens immer noch ein agiler Hütehund und Wachhund. Außerhalb Islands wird er aber meist nur noch als Begleithund gezüchtet. Das ist kein Nachteil. Er findet sich vielmehr bestens in diese seine heutige Rolle als Familienhund und Begleiter ein. Doch ist er immer noch sehr agil und braucht seine Auslastung. Im Wachen und Beschützen fühlt er sich wohl und mag auch gerne bellen. Zugleich ist ein sehr freundlicher dem Menschen zugewandter Familienhund. Er gilt als ausgesprochen kinderlieb. Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen treffend wie folgt: „Der Islandhund ist ein robuster, wendiger, lautfreudiger Hütehund und deshalb äußerst nützlich beim Hüten und Treiben des Viehs auf den Weiden und in den Bergen sowie beim Aufspüren verlorengegangener Schafe. Er ist von Natur aus wachsam und begrüßt jeden Besucher voller Begeisterung, ohne aggressiv zu sein. Sein Jagdinstinkt ist nur schwach ausgebildet. Der Islandhund ist fröhlich, freundlich, neugierig, verspielt und nicht ängstlich.“

Haltung

Der Islandhund ist ein freundlicher, temperamentvoller Hund. Er will die Einbindung in die Familie und kann sich in diese auch anstandslos einordnen. Ideal ist ein Haus mit Garten auf dem Land. Das ist aber kein Muss. Er kann auch in einer Wohnung in der Stadt gehalten werden, vorausgesetzt man beschäftigt sich täglich mit ihm. Der Islandhund ist ein liebevolles Mitglied der Familie und toller Partner für Kinder. Er begrüßt Besuch freundlich und stürmisch. Seine Herzlichkeit wirkt ansteckend. Hat er zuviel Langeweile kann er jedoch auch mal seine Energie am Mobiliar auspowern oder er wird zum Kläffer. Da der Islandhund heute nur noch wenig Jagdtrieb hat, gestalten sich die Ausflüge mit ihm in die Natur recht entspannt. Mit einem Islandhund kann man problemlos auf Reisen gehen. Ein Islandhund braucht etwas Fellpflege. Das war es schon. Viel wichtiger ist es, dass Mensch wie Hund gemeinsames Interesse an viel Bewegung und Erkundungen in der Natur haben. Der Islandhund ist kein Couch-Potatoe.

Erziehung

Der Islandhund lässt sich sehr gut erziehen. Er ist offen und ehrlich und arbeitet gerne mit Herrchen und Frauchen zusammen. Die Kunst liegt darin, das richtige Maß an Konsequenz und Führung für diesen sehr temperamentvollen und zugleich feinfühligen, intelligenten Hund zu finden. Die entscheidende Grundlage ist immer eine enge emotionale und vertrauensvolle gegenseitige Bindung. Für sein gutes Benehmen – was er locker kann – ist eine gewisse Auslastung Grundvoraussetzung. Ein unterforderter und so frustrierter Islandhund wird sich sicher auch nicht als folgsamer Begleiter bedanken. Aber das liegt alleine in der Macht seines Herrchens oder Frauchens. Vom Welpen an musst du seinen Meldeeifer, der mit Bellfreudigkeit verbunden ist, im Auge haben. Hier solltest du ihm strenge Zügel anlegen, wohnst du nicht gerade auf einem einsamen, alleine gelegenen Grundstück. Da wiederum ist der Islandhund effektiver als jede Alarmanlage.

Pflege und Gesundheit

Ein Islandhund braucht während des Fellwechsels Pflege. Deckhaar und Unterwolle müssen dann intensiv ausgebürstet werden.

Rassetypische Krankheiten

Der Islandhund ist im Kern eine gesunde, robuste Hunderasse.

Ernährung

Ein Islandhund ist ein problemloser Kostgänger.

Lebenserwartung

Ein seriös gezüchteter Islandhund sollte eine Lebenserwartung von 12 Jahren und mehr haben.

Islandhund kaufen

Wenn du dich für einen Islandhund interessierst, solltest du dich bei einem Islandhund-Züchter vor Ort umschauen, der dem VDH angeschlossen ist. Das solltest du rechtzeitig in die Wege leiten, denn die Welpen sind rar. Ein Welpe kostet ca. 1.200 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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