Autismushund

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Autismushund
Der Autismushund hat eine ganz besondere Aufgabe: Er begleitet Personen mit Autismus, insbesondere Kinder oder Jugendliche. Dabei unterscheidet er sich von anderen Assistenzhunden, die spezielle Aufgaben übernehmen, da er nicht mit einer einzigen Person zusammenarbeitet, sondern gleich mehrere Bezugspersonen hat. Ist der Autismushund für ein autistisches Kind da, so tragen die Eltern die volle Verantwortung für den Hund. So lebt der Vierbeiner inmitten „seiner“ Familie und baut eine Bindung zu jedem Einzelnen auf.

Wie kann die Person durch einen Autismushund unterstützt werden?

Autismus ist eine Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung des Gehirns, welche in verschiedener Form auftreten kann. Gerade bei frühkindlichem Autismus/ Asperger Syndrom, kann ein ausgebildeter Hund das Kind positiv unterstützen. Ein Hund bekommt oftmals einen besseren Zugang zu der Person, da er analog kommuniziert, urteilsfrei und unvoreingenommen sein wird. Auch wenn Familienmitglieder selbstverständlich ebenso liebend auf ihr Kind zugehen, so bleibt der Unterschied zwischen Tier und Mensch bestehen. Tiere haben ein besonders feines Gespür und können sich ohne Weiteres schnell auf unterschiedlichste Menschen und Veränderungen einstellen.

Wenn sehr viele Reize auf ein autistisches Kind einwirken, kann es passieren, dass es in seine eigene Welt „abdriftet“ und nicht mehr ansprechbar für Eltern oder Bezugspersonen ist. Der Autismushund reagiert sensibel auf Verhaltensveränderungen und kann sich in dieser Situation zum Beispiel gezielt über das Kind legen, sodass es sich durch die Nähe und das Gewicht des Hundes wieder beruhigt.
Die Gegenreaktion wäre das Weglaufen. Sowohl Zuhause als auch außer Haus kann es passieren, dass das Kind weglaufen möchte. Der ausgebildete Hund hat genau gelernt, wie er dies verhindern kann. Im Haus wird er die Eltern durch Bellen aufmerksam machen, sodass diese schnell handeln können.

Eigenschaften eines Autismushundes

Ein Hund, welcher später einmal als Autismushund eingesetzt werden soll, sollte grundsätzlich freundlich und aufgeschlossen sein und keine unnötige Aggressionsbereitschaft zeigen. Der Vierbeiner kann schon im Welpenalter auf seine spätere Aufgabe vorbereitet, sodass er die optimalen Voraussetzungen erlangt und top sozialisiert in seine Familie zieht. Hier wird er mithilfe eines erfahrenen Trainers weiter ausgebildet. Je nach Bedürfnissen der autistischen Person, kann er individuell Tricks erlernen, die im späteren Alltag von Nutzen sein werden. So kann er lernen, auf das Klingeln des Telefons oder der Haustür aufmerksam zu machen, Dinge zu bringen oder auch mögliche Hindernisse, die im Weg sind, anzuzeigen.

Der positive Effekt

Ein Autismushund kann das Leben der ganzen Familie unheimlich bereichern und den teils herausfordernden Alltag ein ganzes Stück erleichtern. Damit aber ein so positives Ergebnis erreicht werden kann, sollte zum einen ein geeigneter und professionell ausgebildeter Autismushund gefunden werden, aber auch die Familie sollte für einen Hund geeignet sein. Jedes Familienmitglied sollte dem Einzug des neuen Familienmitglieds zustimmen und das autistische Kind sollte keine Abneigung gegen Hunde bzw. Tiere haben. Nur wenn es sich auch in der Nähe des Hundes wirklich wohlfühlt, kann das Zusammenleben harmonisch und erfolgversprechend funktionieren.

Ausbildung zum Autismushund: Elias und Spencer


Elias lebt mit Autismus-Spektrums-Störung (Asperger) und ADHS. Der Bearded Collie Spencer kam 2020 in die Familie und wird nun mit entsprechend professioneller Unterstützung, zum Autismusassistenzhund für Elias ausgebildet.

Sag uns doch kurz, wer du bist, Elias?
Elias: Ich bin Elias 10 Jahre alt und habe Asperger Autismus /ADHS. Ich bin also „nicht normal“… sagen die Anderen! – Aber was heißt „nicht normal? Asperger Autismus und ADHS ist ja auch nicht normal……

Warum kam Spencer zu dir?
Elias: Aufgrund meiner „Krankheiten“ nehme ich meine Umwelt und Mitmenschen anders war. Das löst manchmal in mir den Drang aus einfach weg zu laufen oder mich in „meine Welt“ zurückzuziehen. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen Spencer in die Familie zu holen. Er soll mich am weglaufen hindern und mich sicher aus meiner Welt wieder in die Realität zurückführen.

Wie entwickelt sich euer Zusammenleben?
Elias: Dank der professionellen Unterstützung unserer Hundetrainerin Lena Schmidt und dem Assistenzhunde Bayern e.V. entwickelt sich Spencer immer mehr vom Junghund zum Assistenzhund. Die Ausbildung steht erst am Anfang aber es wird von Trainingsstunde zu Trainingsstunde immer besser. Ziel ist es dass mich Spencer in Zukunft auch mit in die Schule begleitet und mir dort Sicherheit und Unterstützung gibt.

Die Ausbildung wird aktuell noch nicht von den Krankenkassen mitgetragen und so muss die Familie die Ausbildung zu 100% privat finanzieren. Auf ihrer Homepage erzählt die Familie von ihrem gemeinsamen Alltag und den Ausbildungsfortschritten von Spencer.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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