Bearded Collie im Rasseportrait

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Bearded Collie

Bearded Collie

Hütehunde
Herkunft UK Lebenserwartung 13,5 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde Funktion Hütehunde
Größe Mittelgroße Hunderassen Häufige Krankheiten keine
Gewicht unbekannt Felllänge lang
Charakter/Wesen zuverlässig, selbstbewusst, agil, intelligent, gutmütig Fellfarbe schiefergrau, rötlich falbfarben, schwarz, blau
Besonderheiten

keine

Herkunft und Rassegeschichte

Der Bearded Collie ist Nachkomme alter Hüte- und Treibhunde Schottlands. Seine Freunde nennen ihn kurz Beardie (sprich: Bierdie). Der Beardie ist schon seit mehr als 100 Jahren in erster Linie ein attraktiver Begleithund. Seine genaue Herkunft ist unklar. Zwar gibt es viele Geschichten, aber nur wenige belegbare Fakten. Vero Shaw, Tiermaler und langjähriger Vorstand des britischen Kennel Clubs schrieb 1881 ein wegweisendes Buch über die damaligen Hunderassen Großbritanniens „The illustrated book of the dog“. Im Kapitel über die Schäferhunde beschreibt er die Collies und den Bobtail im Detail, einen Bearded Collie erwähnt er nicht. In dem 2000 Seiten langen Werk „Dogs of all Nations“ des belgischen Comte de Bylandt aus dem Jahr 1895 wird der Beardie dann als „Highland oder Bearded Collie“ erwähnt.

Der Comte zeigt noch zwei Zeichnungen dieser Beardies und vermerkt lediglich: „Der bärtige Hund ist vollkommen der gleiche wie der Bobtail mit alleiniger Ausnahme der Rute.“ Denn die Rute des Bobtails soll kurz, die des Beardie lang sein. Anzumerken ist, dass die vielen Bilder von Beardie wie Bobtail in den alten Büchern durchweg Hunde mit bloß mittellangem Fell und mäßig behaartem Kopf und vor allem freien Augen zeigen. Den Namen Bearded (bärtiger) Collie, hat er im Übrigen von seinem Bart, der ihm heute über die Lefzen und vom Kinn wächst.

Der Beardie hat sich spätestens seit den 1950er Jahren ohne jeden Zweifel als eigene Hunderasse etabliert. 1967 wurde er dann offiziell von der Fédération Cynologique Internationale anerkannt. Seine Hauptaufgabe ist inzwischen das emotionale „Behüten“ seiner menschlichen Familie, eine Aufgabe in der er sich ganz hervorragend macht. In Deutschland wird er vom Club für Britische Hütehunde und vom 2006 gegründeten Spezialclub Bearded Collie Club Deutschland im VDH betreut. Die Arbeit der beiden Vereine hat dazu beigetragen, dass es um den Bearded Collie inzwischen eine ansehnliche, gefestigte Fangemeinde gibt.

Jedes Jahr werden zwischen 300 und gut 500 Welpen geworfen. Das schöne Aussehen der Beardies hat sich seit einigen Jahren zugleich als Problem gezeigt. So wird in der Zucht zuweilen einseitig auf Äußerlichkeiten geachtet und diese auch noch ins Extreme übertrieben. Das betrifft vor allem sein Haarkleid. Aus einem ursprünglich mittellangen, harschen wurde inzwischen ein zuweilen bis auf den Boden reichendes, seidiges Fell. Nicht selten sind solche Show-Hunde empfindlich, nervös und ängstlich. Daher hat sich eine Gruppe von Beardie-Kennern und -Liebhabern zur „Coming Home – Interessengemeinschaft zum Erhalt des echten Bearded Collies“ zusammengetan. Ziel ist, den Beardie wieder auf seine ursprüngliche, körperlich und psychisch gesunde Grundlage zu stellen, mit einem Fell, das ihn Hund und nicht Modepüppchen sein lässt.

Beschreibung

Der Bearded Collie ist ein mittelgroßer Hund, der sofort durch sein üppiges, langes Haarkleid ins Auge sticht. Das ursprünglich mittellange Fell ist ein typisches Merkmal dieses einstigen Hirtenhundes der rauen Highlands Schottlands, das ihn bei seiner Arbeit bei jedem Wind und Wetter oder ein stückweit gegen einen Wolfsbiss beschützte. Die Zucht neigt wie so oft auch hier zu Übertreibungen, obwohl diese von seinem offiziellen Standard nicht gefordert, ja sogar abgelehnt werden. So heißt es im Standard: „Schlanker, aktiver Hund. Trotz kräftigen Körperbaus sollte der Hund einen guten Bodenabstand zeigen und nicht zu schwer wirken. Der aufgeweckte, forschende Ausdruck ist ein kennzeichnendes Merkmal dieser Rasse.“

Und später werden alle Übertreibungen, die negativen Einfluss haben könnten „auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes und seine Fähigkeit, die verlangte rassetypische Arbeit zu erbringen“ ausdrücklich als Fehler abgelehnt. Das Fell selbst soll doppelt und mit weicher, dichter Unterwolle ausgestattet sein. Das Deckhaar soll glatt, hart, kräftig und zottig, weder wollig noch lockig sein. Weiter heißt es, dass die Länge und Dichte des Haarkleides die Form des Hundes zur Geltung bringen solle, aber nicht, „dass die natürlichen Linien des Körpers verwischt werden.“

Doch auf den Ausstellungen machen immer wieder Hunde die Championate, die gegen solche Regeln des Standards verstoßen und quasi nur noch aus Fell bestehen. Auf alten Bildern werden die Beardies mit einem gesunden mittellangen Fell gezeigt, mit mäßig behaartem Kopf und vor allem mit freien Augen. Nicht zuletzt aus Gründen des Tierschutzes sollte man sich auf diesen echten Beardie besinnen. Als Fellfarbe werden schiefergrau, rötlich falbfarben, schwarz, blau mit oder ohne weiße Abzeichen erlaubt. Merle ist ausdrücklich verboten. Rüden sollen eine Widerristhöhe von 53 bis 56 cm haben, Hündinnen 51 bis 53.

Charakter und Wesen

Der Bearded Collie ist im Kern seines Wesens immer noch ein Hirtenhund. Er wird aber schon lange nur noch als Begleithund gezüchtet. Das muss kein Nachteil sein. So findet er sich ohne Probleme in diese seine heutige Rolle ein. Das Problem der arbeitsmäßigen Auslastung, dass man oft mit Hütehunden als Begleiter hat, stellt sich daher beim Beardie kaum. Das ist ein großes Plus für ein glückliches Zusammenleben. Trotzdem kann der Beardie noch seiner alten Hütearbeit nachgehen, was engagierte Liebhaber in Zusammenarbeit mit Schäfern auch tun.

Hier zeigt er, dass sein „sheep sense“ noch lebendig ist. Aber in Maßen und er muss ihn nicht täglich ausleben. Der Beardie zeigt seine hohe Leistungsfähigkeit als Begleiter in „Working Tests“. Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen als:

Aufmerksam, lebhaft, selbstsicher und aktiv. Zuverlässig, intelligenter Arbeitshund, ohne Anzeichen von Nervosität oder Aggressivität.

So ist er wirklich. Zudem ist er ein Vierbeiner, der immer gute Laune ausstrahlt. Leider wird dieses Bild durch die Folgen der Show-Zucht ein wenig getrübt. So sehen wir heute Beardies die eben deutliche Anzeichen von Nervosität zeigen. Der gesunde Beardie ist ein ganz toller Begleiter, Freund und Partner des Menschen ob als Familie oder als Single, ob jung oder alt.

Haltung

Der Bearded Collie ist ein sanfter und zugleich temperamentvoller Hund. Er will die Einbindung in die Familie und kann sich in diese auch ohne Probleme einordnen, sofern er fachkundig erzogen wird. Ideal ist ein Haus mit Garten auf dem Land. Das ist aber kein Muss. Er kann auch in einer Wohnung in der Stadt gehalten werden. Ein Bearded Collie ist ein liebevolles Mitglied der Familie und ein toller Partner für Kinder.

Er fordert seine Halter nicht, will aber regelmäßig Beschäftigung. Hat er zuviel Langeweile, kann er seine Energie an den Möbeln auspowern oder er wird zum Kläffer. Der Beardie macht sich gut im Hundesport. Mit einem Beardie kann man problemlos auf Reisen gehen (es sollte nicht zu heiß sein). Er benimmt sich vorbildlich im Restaurant oder Hotel. Ein Beardie braucht viel Fellpflege, die der Ausstellungslinien noch viel mehr. Wenn das Fell einmal nass geworden ist, braucht es aufgrund der dichten Unterwolle sehr lange zum Trocknen. Dann riecht es nach Hund.

Erziehung

Der Bearded Collie lässt sich sehr gut erziehen. Er ist offen und ehrlich und arbeitet gerne mit Herrchen und Frauchen zusammen. Die Kunst liegt darin, das richtige Maß an Konsequenz und Führung für diesen sehr temperamentvollen und zugleich sehr sensiblen Hund zu finden. Die Grundlage dafür ist immer eine enge emotionale und vertrauensvolle Bindung. Um den Beardie gibt es einige sehr wertvolle Initiativen wie die schon genannten Hütetrainings oder die vom englischen Bearded Collie Club entwickelten Working Tests. Hier muss der Beardie 20 Aufgaben aus dem täglichen Leben bestehen. Der Test und das Training hierfür sind eine spannende Aktivität für den Hund und zugleich eine sehr sinnvolle Erziehung für seine Rolle als Begleiter selbst in den stressigsten Situationen, eine Rolle, die er eh schon vorbildlich meistert.

Pflege und Gesundheit

Ein Bearded Collie braucht aufgrund seiner teils übermäßigen Haarpracht regelmäßige, intensive Fellpflege mehrfach die Woche. Je üppiger das Fell, desto mehr Pflegeaufwand.

Rassetypische Krankheiten

Der Bearded Collie ist im Kern eine gesunde, langlebige Rasse. Durch die einseitige Orientierung auf Äußeres, durch Zucht auf Extreme wie ein zu langes, üppiges Fell gibt es zuweilen gesundheitliche Probleme. So werden manche Hunde durch das zu üppige Fell am Kopf im Sehen behindert, wie allgemein in ihrer ganzen Bewegung und Lebensfreude.

Ernährung/Futter

Ein Bearded Collie frisst für einen Hund seiner Größe eher wenig. Nicht selten sehen wir Allergien, die eine diätische Ernährung notwendig machen.

Lebenserwartung

Ein gesund gezüchteter Bearded Collie hat nach einer Statistik des britischen Kennel Clubs eine durchschnittliche Lebenserwartung von gut 13,5 Jahren.

Bearded Collie kaufen

Wenn du dich für einen Bearded Collie interessierst, solltest du dich bei einem Beardie-Züchter vor Ort oder in einem Tierheim umschauen. Du solltest nach einem Züchter suchen, der seine Hunde nicht auf Schönheit und Championate im Ausstellungswesen züchtet. Ein Hund dieser Rasse kostet ca. 1.200 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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