Australian Cattle Dog im Rasseportrait

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Australian Cattle Dog

Steckbrief

Hütehunde
Herkunft Australien Lebenserwartung 10 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde Funktion Hütehunde
Größe Mittelgroße Hunderassen Häufige Krankheiten Taubheit, Nervenerkrankungen, Augenerkrankungen
Gewicht unbekannt Felllänge mittellang
Charakter/Wesen aufmerksam, wachsam, mutig Fellfarbe verschieden
Besonderheiten

keine

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Australian Cattle Dog aus?

Der Australian Cattle Dog ist ein unverwechselbarer Hund. Seine Erscheinung passt zu seiner Herkunft. Wie schon sein Name aussagt, ist er ein kompakter, kräftiger Hüte- und Treibhund Australiens. Seine Hauptaufgabe war und ist das Treiben der Rinderherden in den riesigen Weiten des australischen Weidelands. Der Australian Cattle Dog ist ein mittelgroßer Hund. Er hat auf den ersten Blick die typischen Konturen eines kurzhaarigen Schäferhundes. Zwei Dinge fallen jedoch ins Auge. Zum einen ist er außergewöhnlich kompakt und kräftig. Zum anderen zeigt er außergewöhnliche Fellfarben. Der offizielle Standard beschreibt das allgemeine Erscheinungsbild des Australian Cattle Dogs, es stelle

einen kräftigen, kompakten und symmetrisch gebauten Gebrauchshund dar, der die Fähigkeit und den Willen hat, die ihm zugewiesene Aufgabe zu erfüllen, wie beschwerlich sie auch sei. Die Vereinigung von Substanz, Kraft, Ausgewogenheit und leistungsfähiger, starker Muskulatur muss den Eindruck von großer Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer erwecken. Jedes Anzeichen von Schwerfälligkeit oder Schwächlichkeit ist ein schwerer Fehler.

Das Haar des Cattle Dogs ist glatt und bildet ein doppeltes Haarkleid mit kurzer, dichter Unterwolle. Die Fellfarben sind eine Besonderheit und in der Hundewelt einmalig. Sie sind die Folge eines Gendefektes, der vermutlich vom Blue-Merle Collie in die Population eingebracht wurde und häufig mit Taubheit und anderen Erkrankungen verbunden ist. Möglicherweise kommt noch der Dalmatiner hinzu, der ein ähnliches Defektgen eingebracht hat. So werden die Welpen des Australian Cattle Dogs weiß geboren und dunkeln erst später nach. Dann sind folgende ansonsten unbekannte Farben vorgeschrieben: Blau, blau gesprenkelt (blue speckled), blau getüpfelt (blue mottled) sowie rot gesprenkelt (red speckled). Alle Farben sind immer mit lohfarbenen Abzeichen gebündelt. Die erst verspätete und dann unvollständige Pigmentierung der Haare und die damit verbundenen Defekte im Haaraufbau erzeugen unter anderem die sensorineurale Taubheit, bei der die feinen Härchen im Innenohr verkümmert sind.

Wie groß ist ein Australian Cattle Dog?

Rüden sollen eine Widerristhöhe von 46 bis 51 Zentimetern vorweisen, Hündinnen 43 bis 48. Ein Gewicht ist nicht vorgeschrieben.

Wie alt wird ein Australian Cattle Dog?

Der Australian Cattle Dog hat eine Lebenserwartung von gut 10 Jahren.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welche Eigenschaften hat Australian Cattle Dog?

Der Australian Cattle Dog ist ein äußerst robuster und ausdauernder Hund. Sein Standard sieht es ausdrücklich als Fehler an, wenn die Hunde Merkmale zeigen, die negativen „Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Hundes“ haben „und seine Fähigkeit, die verlangte rassetypische Arbeit zu erbringen.“ Wie wir aus seiner Geschichte kennen, war und ist diese rassetypische Arbeit ausgesprochen hart. Er ist ein derber, uriger Hund, den nichts so schnell umwirft. Er ist oft ungestüm, sein Temperament ist kaum zu bändigen. Das ist Teil seines besonderen Charmes. Er ist aufmerksam, furchtlos und wachsam, aber kein Kläffer – gute Erziehung vorausgesetzt. Der Charakter eines Australian Cattle Dogs ist individuell recht unterschiedlich. Er eignet sich jedoch in keinem Fall als Hof- oder gar Zwingerhund. Fremden tritt er zunächst prüfend distanziert gegenüber jedoch nicht unfreundlich oder gar grundlos aggressiv. Er ist sehr personenbezogen. Vor dem Hintergrund einer guten Erziehung und Führung wird er ein treues, anhängliches Mitglied der Familie. Er ist kein Anfängerhund.

Australian Cattle DogHerkunft & Geschichte

Wo kommt der Australian Cattle Dog ursprünglich her?

In seiner Heimat Australien wird Cattle Dog auch Heeler oder Blue Heeler genannt. Seit 1813 nutzten die westlichen Siedler den Pass durch das Große Scheidegebirge nördlich von Sydney und konnten so die unendlich erscheinenden Flächen als Weideland für Rinder und Schafe nutzen. Ohne brauchbare Hüte- und Treibhunde wäre eine Viehhaltung dort allerdings nicht möglich gewesen. Auch hätte man die Herden nicht zu den Schlachthöfen der Großstädte und Häfen treiben können. Aus diesen Anforderungen gingen zwei heute etablierte Hunderassen hervor: Der Kelpie und der Australian Cattle Dog. Während der Kelpie seinen Schwerpunkt auf Hüten und Treiben der Schafe hatte, waren es beim Cattle Dog – wie der Name schon sagt – Rinder. Zum Treiben von Rindern werden andere Techniken gefordert als bei den Schafen. Rinder werden von hinten und notfalls durch einen leichten Biss in die Fesseln der Hinterbeine vorangetrieben. Die Schweizer nennen das „stechen“, was die Sennenhunde bei ihrer lautlosen Arbeit einsetzen. In England nennt man das „heel“ und solche Hunde entsprechend Heeler. Die Arbeit in Australien stellte an die Hunde gleich mehrere extreme Herausforderungen: die riesigen Entfernungen, die Hitze am Tag, die Kälte bei Nacht und der steinige Boden. So experimentierten die australischen Ranger immer wieder zwecks Verbesserung ihres wichtigsten Arbeitsmittels, der Treibhunde. Allerdings sind diese Experimente nur selten dokumentiert. Der Überlieferung nach stellten Blue-Merle-Collies die Basis. Immer wieder wurden Kelpies eingekreuzt. Man sagt, die lautlose Arbeitsweise käme durch das Einkreuzen von Dingos. Schließlich habe man Dalmatiner eingekreuzt, um die Freundlichkeit gegenüber Pferden und Menschen zu erhöhen. Bullterrier und alte englische Heeler sollen ebenfalls eingekreuzt worden sein. Es spricht vieles dafür, dass der Collie den Gendekt Blue Merle und der Dalamtiner darüber hinaus die Mutation für seine spezielle Schwarz-Weiß-Fleckung eingebracht hat. Darauf gehen wir unten beim Thema Fellfarbe ein. Das ganze Geheimnis der Abstammung wird man erst lüften können, wenn man das Genom des Australian Cattle Dogs genau analysiert, was über kurz oder lang sicher geschehen wird. In einer aktuellen Studie von 2017 wird eine genetische Landkarte über 100 Hunderassen, darunter Kelpie und Australian Cattle Dog, aufgestellt. Die Basis ist eine Gen-Analyse mit mehr als 13.000 Hunden durch ein Team von Genetikern um Heidi Parker. Hier sieht man diese beiden australischen Hunderassen mitten unter britischen Hirtenhunden wie Bearded und Border Collie oder Old English Shepdog eingeordnet. In der Praxis spielte das keine Rolle. Bei der täglichen Arbeit machte sich der Australian Cattle Dog ganz hervorragend. Das ging sogar soweit, dass er in alle Welt exportiert wurde und zwar rein als Spitzen-Arbeitshund. Erst sehr viel später wurde er als Rasse- und Begleithund durch die moderne Rassehundezucht entdeckt. So fehlen Kelpie wie Cattle Dog noch 1915 bei der Auflistung der australischen Hunderassen im Handbuch von Walter Esplin Mason „Dogs Of All Nations“. Dann ging es Schlag auf Schlag. 1963 wurde der offizielle Standard vom Australian National Kennel Club aufgestellt. 1972 erfolgte die Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale. 2001 wurde schließlich der Australian Cattle Dog Club Deutschland im VDH gegründet. Der lange Zeit nur Insidern bekannte Hund wurde zu einem Geheimtipp und hat inzwischen auch in Deutschland eine feste, stetig wachsende Liebhaberschaft gefunden. Etwa 100 bis 150 Welpen fallen pro Jahr im VDH.

Beliebte Mixe

Mixe mit Australian Cattle Dog sind sehr selten.

Pflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht ein Australian Cattle Dog?

Ein Australian Cattle Dog ist ausgesprochen pflegeleicht.

Gibt es beim Australian Cattle Dog rassetypische Krankheiten?

Der Australian Cattle Dog ist eine robuste Hunderasse. In seiner Population sind aber eine Reihe erblich bedingte Erkrankungen überdurchschnittlich verbreitet, die zum Teil mit seiner speziellen Fellfarbe in Verbindung stehen. Hierzu zählen sensorineurale Taubheit, Polioencephalomyelopathie, eine erbliche degenerative Nervenerkrankung und Canine Ceroid-Lipofuszinose. Darüber hinaus sieht man eine Reihe von Augenerkrankungen.

Welches Futter ist für einen Australian Cattle Dog am besten?

Ein Australian Cattle Dog ist ein unproblematischer Kostgänger. Natürlich ist hochwertiges Futter gut für seine Gesundheit und er schmeckt es auch. Wie die meisten Hunde mag er auch mal einen fleischigen Rinderknochen und frisches Fleisch. Der Australian Cattle Dog eignet sich gut zum Barfen.

Aktivitäten

Wie viel Bewegung braucht ein Australian Cattle Dog?

Ein Australian Cattle Dog stellt keine besonderen Anforderungen aber er eignet sich für fast alle Aktivitäten, die Du mit Hund unternehmen kannst. Er eignet sich durchaus für verschiedene Hundesportarten.

Überlegungen vor der Anschaffung

Wo kann man einen Australian Cattle Dog kaufen?

Willst Du dein Leben mit einem Australian Cattle Dog teilen, solltest Du dich lange vor der Anschaffung nach einem Züchter umschauen und hier Kontakte knüpfen. Der Züchter sollte dem VDH angeschlossen sein und seine Hunde auf die besonderen Risiken hinsichtlich Erbkrankheiten getestet haben. Das ist in der seriösen Zucht selbstverständlich. Zudem sollte keine Inzucht vorliegen, was Du anhand des Stammbaums abschätzen kannst, wenn dort kein Name doppelt auftaucht. Der Züchter sollte seinen Wurf per Foto gut dokumentiert haben. Du solltest Dir den Wurf zusammen mit der Mutterhündin, nach Absprache, vor Ort anschauen können. Bitte kaufe keinen Australian Cattle Dog übers Internet, da dort das Risiko sehr groß ist, dass der Welpe von einem – in aller Regel gut getarntem – Hundehändler oder Vermehrer kommt.

Erziehung und Haltung

Passt ein Australian Cattle Dog zu mir?

Der Australian Cattle Dog ist in seiner Haltung problemlos. Er ist kein Kuschelhund und kein Couch-Potatoe. Er will die Einbindung in die Familie und kann sich in dieser auch anstandslos benehmen, fachkundige Erziehung vorausgesetzt. Ideal ist ein Haus mit Garten auf dem Land. Die Haltung in einer kleinen Etagenwohnung mitten in einer Großstadt wäre nicht ohne weiteres zu empfehlen. Der körperlich wie mental kräftige, derbe Hund braucht ein Herrchen oder Frauchen mit Hundeverstand, klarer Ansage und Konsequenz auf Basis einem freundschaftlichen, respektvollen Miteinanders. Der Australian Cattle Dog lässt sich von einem Menschen mit Hundeverstand gut erziehen. Er ist offen und ehrlich und arbeitet gerne mit Herrchen und Frauchen zusammen. Er ist stark auf seine Führungsperson bezogen. Er zeigt aber niemals Kadavergehorsam. Die Kunst liegt darin, das richtige Maß an Konsequenz und Härte für diesen derben, arbeitsamen und zugleich feinfühligen Hund zu finden. Die entscheidende Grundlage ist immer eine enge emotionale und vertrauensvolle gegenseitige Bindung.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Dieser körperlich und mental kräftige, etwas ungestüme Hund braucht eine starke Hand. Dafür bietet er dem anderen Ende der Leine ein herrliches, kerniges, aktives Miteinander.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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Kommentare, Fragen und Antworten
  1. Kehldorfer Franz sagt:

    Ich besitze seit drei Jahren einen ACD und bin bestens zufrieden. Das erste Jahr war schon sehr anstrengend – ich wurde 3mal gebissen, aber immer im Spiel. Jetzt ist er einfach super, ist etwas eigenwillig, folgt aber sehr gut. Nicht immer beim ersten Wort, doch es geht. Manchmal ist er etwas ungestüm und dann braucht er ein scharfes Wort. Er ist bei mir als Hofhund angestellt, überhaupt nicht agressiv, eher zutraulich, aber sich nicht anbiedernd. Er braucht ziemlich viel Beschäftigung, ist für mich aber kein Problem, da ich in Pension bin. Kein Tier für Anfänger oder sensible Personen! Wenn ich die Wahl hätte, würde ich mich sofort wieder für ACD entscheiden.

    1. ZooRoyal sagt:

      Hallo Franz,

      vielen Dank, dass du deine Erfahrung mit uns teilst!
      Wir wünschen dir noch ganz viel Spaß mit deiner Fellnase. 🙂

      Liebe Grüße,
      dein ZooRoyal Team

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