Wolf Connection – Wölfe als Therapie für Jugendliche

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Wolf Therapie

Ich bin ein großer Fan von Wolfsdokumentationen. Kürzlich schaute ich mir wieder eine zum Thema Wolf Therapie an. Es faszinierte mich, welche Wirkung Wölfe auf Menschen haben können. In dem Beitrag wurde ein Wolfsprojekt aus Kalifornien vorgestellt, sowie dessen Gründer Teo. Dieser hatte vor über einem Jahrzehnt eine Vision, die sich zu einer konkreten Idee und letztlich deren Umsetzung entwickelte. Er hatte bereits ein Wolfsbaby adoptiert, für das er nun einen Gefährten suchte. Drei Dinge wusste er:

  1. Ich möchte einen Gefährten finden.
  2. Ich möchte mit Hilfe von Wölfen etwas bewegen
  3. Jugendliche sollen involviert sein, genauer gesagt „problembehaftete“ Jugendliche

In seiner Vision verschmolzen diese Themen und er gründete sein Projekt „Wolf Connection“. Er erhoffte sich, mit seiner Methode, die sich über die Jahre weiter entwickelte und perfektionierte, einen besseren Zugang zu jungen Menschen zu finden. Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen den rechten Pfad für sich und ihr Leben verloren haben, sind willkommen, eine achtwöchige Therapie bei ihm, zusammen mit seinen Wölfen, zu durchlaufen.

Wir können viel von den Wölfen lernen. Über ihre Art zu jagen, zu kommunizieren, über ihre gesamte Sozial- und Familienstruktur. Das Zusammentreffen zwischen den Kids und den Wölfen passiert auf einer natürlichen, schmerzfreien Ebene. Die Jugendlichen können in der Begegnung mit den Tieren verschnaufen. Sie vergessen, was sie sonst belastet, wenigstens für diesen Moment. Sie erfahren Unterstützung durch die Wölfe, und mit etwas Glück besinnen sich die jungen Menschen auf ihr Leben zurück, bevor es entgleiste.

Das sagt Alfero im Interview. Er beschreibt im Gespräch, wie die ersten Minuten gewöhnlich verlaufen, wenn die Teenager eintreffen. Sie kichern, machen sich lustig, und kommen sich offensichtlich blöd dabei vor, einen Kreis zu bilden für die Vorstellungsrunde. Jeder bleibt bei sich und scheut den Körperkontakt mit den anderen. Bis die Wölfe das Heulen beginnen. Und das tun sie früher oder später. Mit einem Mal werden alle ganz still. Sie fassen sich an den Händen. Und sind da. Jeder einzelne von ihnen. Immer. Ohne Ausnahme. Diese Geschichte hat mich sehr berührt. Ich habe mir vorgestellt, wie es sich anfühlen muss, dort in Kalifornien bei der Therapie „Wolf Connection“ zu sein, um plötzlich eingehüllt zu werden vom Heulen der Wölfe, das einerseits schaurig und andererseits wahnsinnig harmonisch klingt. Die Frage „wie oder warum schafft es das Wolfsgeheul, zu den Teenagern durchzudringen?“, beschäftigte mich.

Heulen als Überlebensmechanismus

Um sie zu beantworten, wollte ich den Sinn des Wolfsgeheuls verstehen. Der schaurig-schöne Gesang hat verschiedene Bedeutungen. Eines der Alphatiere beginnt mit einem langgezogenen tiefen Ton. Nach und nach stimmt der Rest des Rudels ein, wobei die Rangordnung die Reihenfolge bestimmt. Elli H. Radinger beschreibt in ihrem Buch „Die Weisheit der Wölfe“, wie sie zum ersten Mal mit den Wölfen sang, indem sie die Laute imitierte und das Rudel ihr antwortete. Es sei das größte Geschenk, was sie bis dato von den Wölfen bekommen hatte. Indem Wölfe heulen:

  • markieren sie ihr Revier (wir sind bereits hier, haltet euch fern)
  • rufen sie andere Rudelmitglieder oder Paarungspartner
  • stärken sie ihre sozialen Bindungen

Diese drei Punkte sind essenziell für das Überleben des Rudels. Es ist eine wichtige Form der Kommunikation. Der letzte Punkt ist ebenso eindrucksvoll wie verständlich. Das Heulen dient den Wölfen dazu, ihren Familienverbund zu stärken. Jeder, der schon mal im Chor gesungen hat, kennt sicher das Gefühl, wenn ein Lied in mehreren Tonlagen angestimmt wird. Eine Gruppe singt ganz hoch, die andere mittel, und unter den Tenören vibriert der Boden. Jeder bringt seine individuelle Stimme mit ein. Individuell und doch in Gemeinschaft, denn im Gesamten wird daraus ein wohlklingendes Lied, ein Gefühl von: „Zusammen einzigartig sein“. Ein solches Lied kann Gänsehaut erzeugen. Es vermag, ein Verständnis von Stärke, Zusammenhalt und Wohlbefinden hervorzurufen. Gesang und Musik verbinden.

Heulen als Ausdruck von Stärke

Zurück zu den Wölfen. Wissenschaftler haben längst bestätigt, dass es sich bei ihrem Heulen auch um einen Ausdruck von Emotionen handelt. Die Tiere haben ein feines Gespür für jeden noch so kleinen Unterton, und können deshalb immer genau bestimmen, was das jeweilige Geheul in diesem Moment transportieren möchte. Elli H. Radinger schreibt außerdem, dass man nie einschätzen kann, wie viele Wölfe gerade heulen. Jedes Rudelmitglied hat seinen eigenen Ton, seinen eigenen Dialekt sozusagen. So erscheint das Pack oft größer, als es in Wahrheit ist. Ein klarer Vorteil für die Wölfe. Durch ihr Geheul präsentieren sie sich als starke, unbezwingbare Einheit.

Heulen als Heilung

Was hat das mit den Jugendlichen in der Therapie „Wolf Connection“ zu tun? Meine Ausgangsfrage, warum sie das Heulen des Wolfsrudels so tief erreicht, kann ich mir nach meinen Recherchen gut beantworten. Das Wolfsgeheul berührt eine Sehnsucht in ihnen, ein Verlangen nach Zusammenhalt und Kommunikation. Es macht den Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit hörbar. Es gibt so viel, was sie von den Wölfen lernen und in ihrer Arbeit mit den Wölfen in Kalifornien acht Wochen lang erfahren dürfen. Indem sie sich um die Tiere kümmern, studieren sie deren Verhalten und bekommen eine Idee davon, was im Leben wichtig und möglich ist. Nicht nur Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen können von dieser Erkenntnis profitieren. Indem wir uns etwas näher mit den Wölfen und ihren Gewohnheiten beschäftigen, gewinnen wir tiefe Einblicke in ihre Welt und damit in unsere eigene. Echte Kommunikation ist ein kostbares Gut, das sehr selten geworden ist. Dabei ist es wichtig und fundamental für intakte Beziehungen und ein gesundes Selbstwertgefühl. Dieses holen sich die Jugendlichen bei der Therapie „Wolf Connection“ zurück. Das Heulen ist nur der Anfang, der kleine Schubs, der den Stein ins Rollen bringt.


Melanie RoloffMelanie Roloff ist dreifache Mutter, Ehefrau und Tierbesitzerin. Als leidenschaftliche Yogalehrerin und Hobbyautorin inspiriert sie Menschen mit ihren Geschichten. Gemeinsam mit ihrer Familie und ihren zwei Hunden Phaléne Lilly und Chihuahua Sammy, lebt sie in Bayern.


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