Rührende Freundschaften zwischen Mensch und Tier

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Statue Hachiko

Hunde sind die besten Freunde des Menschen, heißt es. Und wer selbst einen treuen Vierbeiner um sich hat, wird dies bestätigen können. Doch auch andere Tiere können unser Leben auf die eine oder andere Weise beeinflussen und oft ist es der Zufall, der uns zusammenführt. Wir erzählen dir die berührendsten Geschichten rund um wahre Freundschaften zwischen Mensch und Tier.

Mit „Bob, der Streuner“ vom Obdachlosen zum Bestsellerautor

Der Brite James Bowen hat bereits bewegende Zeiten hinter sich, geprägt von Obdachlosigkeit und Drogenabhängigkeit. Ein verwahrloster Straßenkater sollte schließlich sein Leben für immer verändern. Als Scheidungskind hatte es Bowen nicht leicht, sich zurecht zu finden, häufige Ortswechsel und Probleme in der Schule machten dem Jugendlichen zu schaffen. Er kehrte 1997 von Australien in seine Heimat Großbritannien zurück und lebte eine Zeit lang bei seiner Schwester. Doch das war nicht von langer Dauer und der damals 18-Jährige landete auf der Straße. Dort wurde er schwer heroinabhängig und kam gut zehn Jahre später in ein Methadon-Programm. Als Straßenmusiker konnte sich Bowen etwas Geld verdienen und fand schließlich eine Sozialwohnung in London. Im Flur des Wohnhauses begegnete er 2007 zum ersten Mal dem goldfarbenen Kater. Der Streuner war verletzt und so brachte Bowen ihn zum Tierarzt und pflegte ihn gesund. Fortan hieß der Kater Bob, nach einer Figur aus „Twin Peaks“.

Bob, der Streuner

Autor James Bowen und Kater Bob schmökern in ihrem Buch | © facebook.com/StreetCatBob

Bowen hoffte, Bob würde irgendwann in sein früheres Heim zurückfinden, doch wie bei Katzen üblich, hatte er sich seinen Menschen selbst ausgewählt und wich ihm nicht mehr von der Seite. Bald wurden James Bowen und Bob zu einer lokalen Berühmtheit, denn der Stubentiger begleitete den Musiker und Zeitungsverkäufer bei seinen Jobs. Es dauerte nicht lange und die ersten Artikel erschienen über das Duo. So kam es, dass ein Literaturagent aufmerksam wurde und Bowen dazu drängte, seine Geschichte aufzuschreiben. Fast über Nacht wurde er mit seinem Buch „Bob, der Streuner“ zum Bestsellerautor. Weitere Bücher sollten folgen. Der gleichnamige Kinofilm feierte 2016 Premiere. Leider ist Bob im Juni 2020 unter tragischen Umständen gestorben. Er wird schmerzlich von seinem besten Freund und Millionen Social-Media-Fans vermisst.

Freundschaftstyp-Check

Dion Leonard lief mit Gobi durch die Wüste

Auch in unserer zweiten Geschichte wählte sich ein Vierbeiner sein Herrchen selbst aus. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine Katze, sondern um einen kleinen Hund, genauer gesagt um eine zottelige, braune Mischlingshündin. Die ungewöhnliche Begegnung zwischen Tier und Mensch fand 2016 in China statt – ausgerechnet bei einem der härtesten Marathon-Wettbewerbe der Welt. Der Ultra-Marathon über sieben Tage führt alljährlich 250 Kilometer durch die Wüste Gobi unter extremer Hitze, durch karge Wüstenlandschaften und Sandstürme. Das Rennen verlangt den Teilnehmen alles ab und nur die Besten schaffen es ins Ziel. Doch der schottische Extremsportler Dion Leonhard liebt die Herausforderung und ist voll auf den Sieg fokussiert. Deshalb ignorierte er zunächst auch den vierbeinigen Läufer, der sich unter das Starterfeld gemischt hatte.

Dion Leonhard

Ultra-Marathonläufer Dion Leonhard unterwegs mit Gobi | © instagram.com/findinggobi/

Eine Weile später glaubte Leonhard seinen Augen nicht zu trauen. Der kleine Hund war immer noch da und flitzte mit ihm zusammen durch Hitze und öde Landschaften. Am Abend kamen die beiden ungleichen Läufer sogar gemeinsam am ersten Etappenziel an. Der Sportler teilte seine wenigen Vorräte und das Wasser mit seiner neuen Gefährtin, die er „Gobi“ nannte, nach dem Gebiet, in dem sie sich befinden. Fortan liefen die beiden neuen Freunde Seite an Seite über die nächsten Etappen. Der Mut und die Ausdauer der Hündin richteten Leonhard in den schlimmen Momenten des Rennens immer wieder auf. Und so war es für ihn selbstverständlich, dass er seiner kleinen Freundin bei der Überquerung eines tiefen Flusses half und dadurch Zeit verlor. So konnte er diesen Marathon nicht mehr gewinnen, dafür aber einen Freund fürs Leben – einen kleinen Hund mit einem ganz großen Herzen. Das Buch „Mit Gobi durch die Wüste“ von Dion Leonhard ist seit 2019 im Handel erhältlich.

Marathon-Läuferin nimmt ausgesetzten Welpen mit

Die nächste wahre Begebenheit ereignete sich ebenfalls während eines Marathonlaufs. Der Schauplatz des Geschehens ist nun die Provinz Ratchaburi im westlichen Zentral-Thailand. Dort findet alljährlich der Chom Bueng Marathon über rund 42 Kilometer statt. Als sich die Thailänderin Khemjira Klongsanun 2019 zu diesem sportlichen Wettkampf anmeldete konnte sie noch nicht wissen, dass dieser für sie unter erschwerten Bedingungen stattfinden sollte. Bereits wenige Kilometer nach dem Start bemerkte die damals 43-Jährige einen Welpen auf der Straße. Während andere Teilnehmer achtlos vorbei liefen, nahm sie das zitternde Fellbündel auf den Arm. Klongsanun war sicher, dass es ausgesetzt worden war, da sich in der Umgebung weder Häuser noch Menschen oder andere Hunde befanden. Also nahm sie das Hündchen kurzerhand mit.

Khemjira-Klongsanun_Chombueng

Marathon-Läuferin Khemjira Klongsanun mit Chombueng | © #khemjiraklongsanun

Über 30 Kilometer trug sie den Welpen mit sich und deckte ihn fürsorglich mit ihrem Handtuch zu. Beide kamen sicher ins Ziel und Khemjira Klongsanun entschied sich, das Hundemädchen zu behalten. Es bekam den Namen Chombueng, nach dem Ort des Marathons. Heute lebt der kleine Terrier zusammen mit anderen Hunden in seinem neuen Zuhause in Bangkok.

Hachiko – der Inbegriff von Treue

Die wohl bewegendste Mensch-Tiergeschichte des 20. Jahrhunderts ereignete sich zwischen 1923 und 1935 in Tokio. Es ist die Geschichte des Akita Inu Hachiko und seinem Besitzer Jesaburo Ueno. Bereits als Welpe kam der japanische Spitzhund in die Obhut des Universitätsprofessors. Mensch und Hund waren durch ein enges Band verbunden. Im Tokioer Distrikt Shibuya war Hachiko bestens bekannt. Denn jeden Nachmittag lief er zum Bahnhof, um sein Herrchen abzuholen, wenn dieser von seiner Arbeit heimkehrte. Doch eines Tages wartete Hachiko vergeblich, denn der Professor war 1925 während einer Vorlesung an einer Hirnblutung verstorben.

Statue Hachiko

Die Hachiko-Statur am Bahnhof in Tokio-Shibuya, Japan

Der Rüde hielt seine Gewohnheit jedoch bei. Tag für Tag, Monat für Monat lief er nachmittags zum Bahnhof, und so vergingen zehn Jahre. Irgendwann richtete der Bahnhofsvorsteher ein Plätzchen mit Wasserschale für Hachiko ein. Die rührende Geschichte des treuen Hundes wurde 1932 in ganz Japan bekannt, nachdem ein Artikel in einer Tokioer Tageszeitung erschienen war. Zwei Jahre später wurde im Beisein des Hundes an der Westseite des Bahnhofs eine Bronzestatue zu seinen Ehren errichtet, die bis heute besichtigt werden kann. Hachiko starb 1935 im Alter von 12 Jahren. Auch in der westlichen Welt wurde der treue Hund bekannt. Die erfolgreiche US-Adaption „Hachiko – Eine wunderbare Freundschaft“ wurde 2009 mit Richard Gere in der Rolle des Professors verfilmt.

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