Weidegang im Frühjahr

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Weidegang im FrühjahrNach dem langen Winter im Stall ist frisches Weidegras für Pferde und Ponys ungewohnt. Sie sollten langsam an die Futterumstellung gewöhnt werden, damit sie nicht krank werden.

Richtiges Anweiden bei Pferden oder Ponys

Wenn die Temperaturen im Frühjahr langsam ansteigen und die Sonnenstunden zunehmen, können es Pferdebesitzer kaum abwarten, ihre Pferde oder Ponys auf die Weide zu bringen. Auch die Pferde selbst drängt es nach draußen in die Natur. Doch wenn sie den Winter über im Stall verbracht haben, ist einiges zu beachten, damit speziell die ersten Weidegänge nicht problematisch für Ross und Halter werden. Neben intakten Weidezäunen ist Vorsicht vor dem ersten Grün des Jahres geboten, das für die Huftiere nicht nur ungewohnt ist, sondern auch ernste Erkrankungen, wie Durchfall, Koliken oder die gefährliche Hufrehe auslösen kann. Hier erfährst du, wie du dein Pferd oder Pony am besten auf den Frühjahrs-Weidegang vorbereitest.

Der ideale Zeitpunkt für den ersten Weidegang

Auch wenn die Temperaturen tagsüber bereits mild genug sind, das Weidegras braucht zu Beginn des Frühlings immer noch einige Zeit, um als Futterpflanze zu dienen. Oft sind die Nächte auch im März noch sehr kühl oder sogar frostig, wodurch das Gas tagsüber noch lange feucht bleibt. Kurzes Gras, das noch kein erkennbares Wachstum zeigt, verfügt noch über einen sehr hohen Fruktaneanteil. Das sind überwiegend Kohlehydrate, die sich negativ auf den Stoffwechsel der Pferde auswirken. Den idealen Zeitpunkt für den ersten Weidegang kann man nicht an einem Datum festmachen. Er ist abhängig von der Witterung, dem Wachstum des Grases sowie vom Düngestand. Experten empfehlen daher abzuwarten, bis das Gras eine Höhe von etwa 20 Zentimetern erreicht hat.

In der Wartezeit kannst du den Weidezaun ablaufen und prüfen, ob alle Zaunpfähle geradestehen, das Gatter intakt ist und ob Holzplanken oder Draht noch festsitzen. Ein defekter Weidezaun sollte repariert werden, damit sich deine Pferde oder Ponys nicht verletzten oder weglaufen können. Bedenke auch, dass dein Tier auch dann frisches Wasser benötigt, wenn es saftiges Gras frisst. Du kannst dich auch schon mal um saubere und intakte Wassertröge für die Weide kümmern.

Warum ist Fruktane so schädlich für den Organismus?

Über den Winter werden die meisten Pferde überwiegend mit Heu und Kraftfutter ernährt. Ihr gesamter Organismus hat sich diesem Futter über die Monate hinweg optimal angepasst. Kommt nun plötzlich übermäßig viel frisches Grün dazu, bringt das ihr Verdauungssystem gehörig durcheinander. Das ist vergleichbar mit einem monatelangen Verzicht auf Sahnetorte. Essen wir dann plötzlich gleich drei Stückchen Torte auf einmal, sind in der Regel Bauchschmerzen und Durchfall das Resultat. Ein ausgewachsener Warmblüter, der etwa 600 Kilogramm wiegt, ist in der Lage, innerhalb von nur einer Stunde bis zu 4 Kilogramm Gras zu fressen. Ist er diese energiereiche Kost nicht gewohnt, kann er sehr krank werden.

Schuld daran ist in der Regel die besonders im jungen Gras enthaltene Fruktane. Dabei handelt es sich um Zuckerbestandteile, die sich rasend schnell im Dickdarm ausbreiten. Es wird verstärkt Milchsäure gebildet, welche die Darmbakterien abtötet. Dabei entstehen Giftstoffe, die in die Blutbahn gelangen und gefährliche Koliken oder sogar Hufrehe (Entzündung der Klauenlederhaut) auslösen können. Insbesondere die sogenannten Robust-Pferderassen, wie beispielsweise Haflinger, Fjordpferd oder Isländer zählen zu den besonders empfindlichen Vertretern.

Pferd oder Pony für den Weidegang vorbereiten

Die Temperaturen sollten so weit angestiegen sein, dass Pferde oder Ponys bedenkenlos ohne Decke nach draußen gehen können, auch wenn sie beispielsweise im Sattelbereich geschoren sind. Wichtig ist allerdings, dass sie gesund sind. Frisches Gras stellt für Pferde, deren Immunsystem angegriffen ist, eine zusätzliche Belastung dar. Damit sich dein Pferd nicht gleich auf das Weidegras stürzt, weil es Hunger hat, empfiehlt sich, es zuvor mit einer großen Portion Heu zu füttern. Zusätzliches Kraftfutter sollte es jedoch erst nach dem Weidegang erhalten. Je mehr Zeit Pony oder Pferd auf der Weide verbringen und Gras fressen, desto weiter kann man das Kraftfutter reduzieren.

Die Beigabe von Kräutermischungen ist ebenfalls eine gute Vorbereitung auf den Weidegang. Im Fachhandel sind spezielle Kräutermischungen für den Start in die Weidesaison erhältlich. Sie bestehen in der Regel aus entgifteten Naturstoffen wie Löwenzahn, Pfefferminz, Brennnesselkraut, Distelsamen, Kümmel oder Artischocke. Durch die regelmäßige Beigabe kann sich die Darmflora noch besser auf das ungewohnte Grünfutter einstellen. Die Kräuter helfen deinem Pferd auch, wenn das Graswachstum im Herbst zurückgeht und wiederum sehr fruktanhaltig ist.

Die optimale Vorgehensweise für den Weidegang

Mögen die Sonnenstrahlen auch noch so verlockend sein, am Anfang ist weniger einfach mehr. Damit dein Pferd oder Pony keinem unnötigen Risiko ausgesetzt wird, solltest du es langsam an den Weidegang gewöhnen. Idealerweise ist das Gras bereits von Tau oder Nachtfrost getrocknet, was üblicherweise am frühen Nachmittag der Fall ist. Jetzt kannst du dein Pferd für etwa 15 Minuten auf die Weide lassen – nicht länger. Wenn es auf Zurufen nicht allein zu dir kommt, empfiehlt sich, es an der Longe zu halten.

Diese Vorgehensweise wird am nächsten Tag wiederholt. Ab dem dritten Tag kann man die Verweildauer langsam um jeweils 15 Minuten steigern, sodass das Pferd nach etwa 10 Tagen für eine Stunde auf die Weide darf. Etwa ab der zweiten Woche kann man auch den Vormittag hinzunehmen, wieder in 15 Minuten-Schritten. Die gesamte Eingewöhnungszeit sollte etwa vier bis sechs Wochen dauern. Bei den Robustrassen kannst du diese Zeit sogar noch um zwei Wochen verlängern.

Durch das langsame Anweiden kann sich die Darmflora von Pferd oder Pony allmählich auf das neue Futter umstellen. Dennoch kann es anfangs zu einem leichten Durchfall kommen. Damit sich dieser nicht verstärkt, kannst du einen Weidetag zwischendurch auslassen, damit sich die Darmflora wieder beruhigt.

Wie äußert sich Hufrehe bei übermäßigem Verzehr von ungewohntem Grün?

Das Absterben der wichtigen Darmbakterien löst bei Pferden und Ponys Durchblutungsstörungen aus, die sich insbesondere auf die feinen Blutbahnen in den Hufen auswirken. In der Folge kann eine Entzündung der Klauenlederhaut entstehen, bei der sich die Hufkapsel ablöst. Hufrehe äußert sich durch erwärmte Hufe und einen leicht geschwollenen Kronrand. Zudem wird der Gang eines erkrankten Tieres deutlich steif und ungelenk. Besteht der Verdacht auf Hufrehe, sollte sofort der Tierarzt verständigt werden. Zudem solltest du bedenken, dass ein Pferd oder Pony, das einmal an Hufrehe erkrankt ist, auch später immer noch dazu neigt und es daher besonders vorsichtig und langsam anweiden.

Fazit

Pferde oder Ponys, die den Winter über im Stall und nicht auf der Weide verbringen, sollten im Frühjahr langsam und nicht abrupt angeweidet werden. Ihre empfindliche Darmflora muss sich erst langsam wieder auf das ungewohnte Grünfutter umstellen. Mit der richtigen Vorbereitung kannst du Durchfall, Kolik oder Hufrehe bei deinem Pferd vermeiden, damit der Frühling für euch beide zum Genuss wird.

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