Quarter Horse im Rasseportrait

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Quarter Horse

Von keiner anderen Pferderasse gibt es so viele Pferde auf der Welt: Etwa 5,5 Millionen registrierte Quarter Horses soll es geben! Das hat natürlich einen Grund: Quarter Horses sind enorm vielseitig, umgänglich und in der Regel sehr angenehm zu reiten, weil sie so unerschrocken sind und weiche Gänge haben.

Steckbrief

Steckbrief
Rassebezeichnung: Quarter Horse
Stockmaß: 148 cm-155 cm
Häufige Farben: Alle Farben außer Schecken
Ursprungsland: USA
Hauptsächliche Eignung: Westernpferd, Freizeitpferd
Charakter: cool, aber sprintstark
Besonderheiten: Quarter Horses haben „cow sense“

Herkunft und Geschichte

Die Siedler Amerikas brachten ihre Pferde mit auf den neuen Kontinent. Unter diesen Pferden waren:

  • Araber
  • Berber
  • Iberer
  • Irische Ponys
  • englische Vollblüter
  • und viele mehr

Pferdewetten waren ein beliebter Zeitvertreib, sodass die schnellsten Vierbeiner, neben dem Einsatz auf Feldern und vor Wägen, auch Pferderennen liefen.

Die übliche Rennstrecke betrug eine Viertel Meile. Die Quarter Mile, gab dem Quarter Horse seinen Namen. Das Quarter Horse ist mit seiner kräftigen Muskulatur sehr sprintstark, weshalb es auf dieser Streckenlänge als das schnellste Pferd der Welt gilt. Noch heute ist die Quarter Mile eine beliebte Streckenlänge für Pferderennen. Sprinter erreichen dort bis zu über 80 km/h.

Als Gründerhengst gilt:

  •  Janus, ein 1746 in England geborener Vollblüter. Der nur 1,50 Meter große Hengst vererbte seinen kleinen, muskulösen Nachkommen die Sprintstärke.

Das „Celebrated American Quarter Running Horse“ entstand.

Weitere Gründungshengste waren:

  • Sir Archy
  • Printer
  • Tiger
  • Blackburns
  • Whip

Die Celebrated American Quarter Running Horse waren nicht nur schnell, sondern auch hart genug für das Leben auf der Ranch. Aufgrund der Anforderungen der Rinderarbeit entstand unter Einkreuzung von Mustangs, das American Quarter Horse. Seine Fähigkeiten zeigte das Quarter Horse bald nicht nur im Arbeitsalltag, sondern auch bei Wettbewerben, welche die Cowboys untereinander austrugen: Die ersten Rodeos entstanden.

1940 wurde der Zuchtverband AQHA (American Quarter Horse Association) gegründet. Mit 5,5 Millionen registrierten Pferden ist AQHA heute der weltweit größte Pferdezuchtverband.

In Deutschland gibt es die Quarter Horses seit 1970.

Interieur

Freunde des Quarter Horse schätzen die Unerschrockenheit ihrer Pferde. Quarter Horses sind umgänglich und lernen schnell. Die meisten von ihnen haben den sogenannten „cow sense“.  Das ist der Sinn oder besser gesagt der Instinkt, mit dem sie quasi wie von selbst einem Rind folgen und es treiben. Damit erleichtern sie ihrem Reiter die Arbeit mit der Herde wesentlich.

Exterieur

Auf den ersten Blick überwiegen zwei Merkmale der mittelgroßen Quarter Horses:

  • Sie haben einen kleinen, edlen Kopf mit breiter Stirn und eine sehr gut bemuskelte Hinterhand.
  • Der Rücken ist eher lang, die Brust kräftig.

Das Quarter Horse ist der Body Builder unter den Pferden. Bei trainierten Quartern sind die Muskeln deutlich erkennbar. Diese sehr gut bemuskelten Quarter Horses gehören meist zu der Gruppe der Pferde, die für Reining- und Cutting-Prüfungen gezüchtet und trainiert werden.

Die eher großen und schmalen Quarter Horses hingegen sind die Spezialisten für die Disziplinen Pleasure, Horsemanship und Hunter.

Quarter Horses gibt es in allen Farben. Nur Schecken gibt es nicht, die werden als Paint Horse eingetragen.

Eignung/Nutzung

Die Paradedisziplinen der Quarter Horses sind sicher die Westerdisziplinen:

  • Halter
  • Pleasure
  • Reining

In den Halterprüfungen werden die Pferde an der Hand vorgestellt.

In den Pleasure-Prüfungen zeigen die Pferde eine möglichst bequeme Gangarten. Im Trail präsentieren die Pferde und Reiter ihre Geschicklichkeit an verschiedenen Hindernissen. In der Western Horsemanship geht es darum, bestimmte Figuren zu reiten und im Western Riding bilden die Galoppwechsel den Schwerpunkt.

Hunterprüfungen ähneln den typischen Turnierprüfungen, den sogenannten Englisch-Reiter. Die bekannteste Disziplin ist natürlich die Reining. In der Reining sieht man die kleinen, gut bemuskelten Pferde, die rasant beschleunigen und spektakulär stoppen.

Eine Besonderheit unter den Westerndisziplinen bilden auch die Prüfungen mit Rindern. Bei diesen Prüfungen benötigt das Quarter Horse die „cow sense“.

  • Beim Cutting wird ein Rind aussortiert.
  • In der „Working Cowhorse“ werden zunächst Manöver ohne und dann am Rind gezeigt.

Die Spezialisierungen der Quarter Horses dürfen aber nicht darüber hinweg täuschen, dass diese Pferde wunderbare, entspannte und freundliche Freizeitpferde sind, deren Leichtrittigkeit von vielen Reitern geschätzt wird.

Haltung

Quarter Horses gelten als robust und unkompliziert – auch in der Haltung. Die artgerechte Haltung dieser Pferde sollte immer selbstverständlich sein!

Rassetypische Erkrankungen

Quarter Horses leiden häufig unter bestimmten Erbkrankheiten. Etwa 700.000 American Quarter Horses haben einen Genfehler, weshalb deutsche Züchter ausdrücklich Gentests empfehlen.

Zu den Erbkrankheiten, von denen das Quarter Horse betroffen sein kann, gehört:

  • PSSM (Polysaccharide Storage Myopathy), das zu einer degenerativen Muskelerkrankungen mit einer Störung im Kohlenhydrat-Stoffwechsel führen kann.
  • GBED (Glycogen Branching Enzyme Deficiency), bei dem betroffene Fohlen in der Regel innerhalb der ersten acht Wochen sterben.
  • Hauterkrankung HERDA (Hereditary Equine Regional Dermal Asthenia), bei der die Pferde eine extrem verletzbare Haut haben.
  • Die unheilbare Stoffwechselkrankheit HYPP (Hyperkalemic Periodic Paralysis Disease), die zu Muskelkrämpfen und Lähmungen führt.
  • MH (Maligne Hyperthermie), bei der bestimmte Narkosesubstanzen eine lebensbedrohliche Stoffwechselentgleisung verursachen.

Gewissenhafte Züchter bedienen sich daher der Gen-Tests, um gesunde Pferde hervorzubringen. Solch ein Test ist auch vor dem Erwerb eines Tieres sinnvoll – insbesondere bei Zuchtpferden.


Silke Behling

©Ricarda Wowries

Silke Behling ist selbstständige Redakteurin und arbeitet sowohl im Buch – als auch im Zeitschriftenbereich. Ihre Veröffentlichungen reichen von Fachbüchern bis zu Zeitschriftenartikeln. Als Diplom-Pädagogin liegt ihr der Bereich Bildung und Kinder besonders am Herzen, weshalb sie seit vielen Jahren für das Kindermagazin „Piaffino“ schreibt. Zudem bietet sie als ausgebildete Pferde-Physiotherapeutin (DIPO) Akupunktur und Physiotherapie für Pferde und Hunde im Raum Osnabrück an. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrem inzwischen 24-jährigen Vollblutaraber El Santee, mit dem sie beim Distanzreiten früher Wettkämpfe bis zu 120 Kilometern bestritten hat, und ihren beiden Hunden Lotta und Easy.


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