Appaloosa im Rasseportrait

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AppaloosaEin Appaloosa ist ein Westernpferd mit Tigerscheckung, aber nicht jedes getupfte Pferd ist ein Appaloosa, nicht jeder Appaloosa ist ein getupftes Pferd. Die Abstammung und das Vorhandensein bestimmter Rassemerkmale kennzeichnen einen Appaloosa.

Steckbrief
Rassebezeichnung: Appaloosa
Stockmaß: 142 – 162 cm
Häufige Farben: rassetypische Scheckung, keine Plattenschecken
Ursprungsland: USA
Hauptsächliche Eignung: Westernpferd, Freizeitpferd
Charakter: Personenbezogen
Besonderheiten: Außergewöhnliche Fellmuster

Herkunft und Geschichte

Im 18. Jahrhundert kamen gefleckte Pferde, die per Schiff aus Europa nach Amerika gekommen waren, in das Gebiet der Nez Perce Indianer. Anfangs tauschten sie Waren gegen Pferde ein, später stahlen sie auch welche und lernten mit ihnen umzugehen. Sie begannen gezielt Pferde zu züchten und schätzen ganz besonders jene mit einer besonderen Fellzeichnung. Ihre Zucht spezialisierte sich auf ausdauernde und elegante Pferde, nur die besten wurden miteinander angepaart. Damit waren die Indianer sehr erfolgreich und der für Europa anerkannte Zuchtverband für Appaloosas „Appaloosa Horse Club Germany e. V.“ schreibt dazu:

Es ist sicher nicht der Verdienst der Nez Perce, dass es gefleckte Pferde gibt, aber es ist ihr Verdienst, dass es den Appaloosa gibt, der sich durch seine enorme Leistungsstärke auszeichnet.

Ihren Namen erhielten die gefleckten Pferde von der Gegend, in der die Nez Perce Indianer lebten: dem Fluss Palouse nieder. Zunächst nannte man die Pferde „Palouse“ oder „Palousey horses“ und aus „A Palousey“ wurde dann der Name Appaloosa. Leider gibt es in der Geschichte der Appaloosa Pferde auch ein trauriges Kapitel: 1877 mussten die Nez Perce Indianer in ein Reservat umziehen. Auf diesem Weg durch den Snake River ertranken etwa 900 Pferde in der eiskalten Strömung des Flusses. Der wahnwitzigen Umzug der Indianer wurde immer mehr zu einer Flucht und zu einem Kriegszug, der die Indianer schließlich nach unzähligen Schlachten zur Aufgabe zwang. Die Pferde der Indianer wurden versteigerten und die Appaloosa-Zucht war am Ende: Die weit verbreiteten bunten Tiere wurden wahllos mit anderen Pferden gekreuzt. Dennoch versuchten ein Paar Menschen die Rasse zu retten und weiter zu züchten: So gründeten Claude Thompson und Dr. Francis Haines 1938 den Appaloosa Horse Club USA (ApHC). Doch es gab nur wenige Pferde: 1940 gab es nur noch 21 beim Verband registrierte Appaloosa. Inzwischen zählt der Verband weltweit knapp 700 000 Pferde.

Interieur

Menschenbezogen ist der Appaloosa – und zwar so sehr, dass Liebhaber dieser Rasse ihn als großen Hund bezeichnen, der seinem Menschen eng folgt. Das macht ihn natürlich besonders angenehm im Umgang, lernfähig und freundlich. Zudem ist der Appaloosa oft sehr ausdauernd und leistungsbereit.

Exterieur

Ein Appaloosa ist zwischen 1,42 und 1,62 Meter groß. Das mittelgroße Westernpferd hat einen edlen Kopf, einen eher kurzen Rücken und ein kräftiges Fundament. Dabei soll es handlich, schnell und gut bemuskelt sein. Typisch für den Appaloosa sind folgende Merkmale: eine weiß umrandetes Auge (das sogenannte Menschenauge), gestreifte Hufe, eine gefleckte Haut und natürlich sein Fellmuster. Man unterscheidet verschiedene Muster: „Blanket“ ist ein Pferd, das eine Art Decke auf der Kruppe hat. „Spots“ nennt man helle und dunkle Flecken. „Roan“ ist die Bezeichnung für weißes Stichelhaar, das mit den Jahreszeiten wechseln und sich mit dem Alter des Pferdes weiter ausbreiten kann. „Solid“ wird ein einfarbiges Pferd genannt.

Eignung/Nutzung

Der Appaloosa gehört zu den Westernpferden und eignet sich natürlich besonders gut für die typischen Westerndiszipinen. Wie das Quarter Horse, so hat auch er einen „Cow Sense“, den Sinn, der das Pferd quasi selbstständig am Rind arbeiten und es treiben lässt. Damit eignet sich ein „Äppi“, wie die Pferde oft liebevoll genannt werden, für alle Westerndiszipinen. Ob Pleasure-Prüfungen, in denen die bequemen Gangarten bewertet werden oder im Trail, bei dem Geschicklichkeit an Hindernissen gefragt ist, der Appaloosa hat Talent für alle diese Prüfungen. Natürlich auch für die Reining, die Western Horsemanship und die Western Riding, mit ihren speziellen Reitaufgaben, sowie die Hunterprüfungen. Aber der Appaloosa kann auch am Rind arbeiten: Ob Cutting oder „Working Cowhorse“ – dank seines Cow Sense bewältigt der Äppi auch diese Aufgaben. Nicht zu vergessen ist seine Eignung als vielfältiges Freizeitpferd! Ob Wanderreiten oder leichte Dressuraufgaben, mit einem Appaloosa ist fast alles möglich. Es soll auch schon Äppis in kleineren Springpüfungen gegeben haben!

Haltung

Bei artgerechter Haltung ist der Appaloosa unkompliziert in der Haltung.

Rassetypische Erkrankungen

Leider hat der Appaloosa ebenso wie das Quarter Horse Probleme mit bestimmten Gendefekten. EMH (Equine Maligne Hyperthermie), GBED (Glycogen Branching Enzyme Deficiency), HERDA (Hereditäre Equine Regionale Dermale Asthenie), HYPP (Hyperkaliämische Periodische Paralyse) und CSNB (Congenital Stationary Night Blindness) kommen vor. Manche, wie GBED, HERDA oder SCID, führen unter Umständen schon bei Fohlen zum Tod. HYPP führt zu Krampfanfällen und auch EMH ist lebensbedrohlich. PSSM führt zu kreuzverschlagähnlichen Symptomen. Zuchtpferde sollten zwingend getestet werden.


Silke Behling

©Ricarda Wowries

Silke Behling ist selbstständige Redakteurin und arbeitet sowohl im Buch – als auch im Zeitschriftenbereich. Ihre Veröffentlichungen reichen von Fachbüchern bis zu Zeitschriftenartikeln. Als Diplom-Pädagogin liegt ihr der Bereich Bildung und Kinder besonders am Herzen, weshalb sie seit vielen Jahren für das Kindermagazin „Piaffino“ schreibt. Zudem bietet sie als ausgebildete Pferde-Physiotherapeutin (DIPO) Akupunktur und Physiotherapie für Pferde und Hunde im Raum Osnabrück an. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrem inzwischen 24-jährigen Vollblutaraber El Santee, mit dem sie beim Distanzreiten früher Wettkämpfe bis zu 120 Kilometern bestritten hat, und ihren beiden Hunden Lotta und Easy.


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