Lusitano im Rasseportrait

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Lusitano im Rasseportrait

Lusitanos und Andalusier stammen beide von der iberischen Halbinsel. Ursprünglich wurden die beiden iberischen Rassen nicht unterschieden – beide wurden zum Stierkampf eingesetzt. Noch heute eignet sich das temperamentvolle und mutige Pferd für den inzwischen umstrittenen Stierkampf, denn seine hohe Versammlungsfähigkeit prädestiniert den Lusitano für die schnellen Wendungen in der Arena. Diese Fähigkeiten machen ihn aber auch zu einem faszinierenden Dressur- und Freizeitpferd für den anspruchsvollen Reiter.

Steckbrief
Rassebezeichnung: Lusitano
Stockmaß: etwa 155 – 165 cm
Häufige Farben: alle Farben
Ursprungsland: Portugal
Hauptsächliche Eignung: Freizeit, Dressur, Working Equitation
Charakter: Temperamentvolle Dressurtalente
Besonderheiten: Lusitanos sind feinfühlig und intelligent.

 

Herkunft und Geschichte

Seinen Namen hat der Lusitano von dem Begriff, mit dem die Römer das Gebiet des heutigen Portugal bezeichneten: Lusitania. Eng verwandt mit dem Andalusier, ist der Lusitano eine typisch iberische Rasse: Ein mutiger Kämpfer, gut geeignet für den Stierkampf und gleichzeitig mit einer hohen Versammlungsbereitschaft und Talent für die klassische Dressur und die Hohe Schule. Dabei ist die Zucht der Lusitanos ursprünglicher als die der spanischen Verwandtschaft: Die Pferde haben oft konkave Nasenlinien, etwas gröbere Köpfe und schwungvollere Bewegungen als die Andalusier. Manchmal erinnern sie noch ein wenig an die Sorraia Pferde, von denen sie, ebenso wie die spanischen Pferde, abstammen. Sorraias gehören zu den ältesten Pferden der Welt, die man wahrscheinlich schon auf Höhlenzeichnungen von 22.000 v. Chr. sehen konnte. Im 17. Jahrhundert trennte sich die Zucht der Lusitanos und der Andalusier. Die Zucht des Lusitanos war weiterhin vor allem auf die Stierkämpfe ausgerichtet. Erst 1966 wurde die Trennung wirklich offiziell vollzogen und ein Zuchtregister für Lusitanos wurde gegründet. Seit über 300 Jahren präsentiert sich die portugiesische Pferdezucht einmal im Jahr, üblicherweise in der zweiten Novemberwoche, in Golegã. Auf der „Feira de São Martinho“ finden neben dem traditionellen Pferdemarkt Vorführungen mit Hunderten von Lusitanos statt.
Eine Besonderheit unter den Lusitanos ist der Altér Real. Eine Zuchtlinie, die im ehemaligen Hofgestüt „Real de Altér“ gezüchtet wurde und die teilweise als eigene Rasse bezeichnet wird. Die Altér Real sind überwiegend braun und waren für die portugiesische Hofreitschule vorgesehen. Bis heute wird die traditionelle Reitkunst in der „Escola Portuguesa de Arte Equestre“ gepflegt.

lusitano

Interieur

Lusitanos sind sensible und temperamentvolle Pferde, die einen erfahrenden Reiter brauchen. Diesem schließen sie sich eng an und sind dann wunderbare gelehrige Partner. Ihr Dressurtalent durch ihre hohe Versammlungsfähigkeit ist oft faszinierend und ihr Mut macht auch Freizeitreitern im Gelände viel Spaß. In den richtigen Händen ist ein Lusitano ein echtes Traumpferd.

Exterieur

Lusitanos sind kurze und kompakte Pferde mit einer mittleren Größe von 155 – 165 cm. Es gibt viele Schimmel, aber auch alle anderen Farben sind möglich, auch Palominos und Falben. Die Köpfe der Lusitanos sind trocken, manchmal leicht konkav, die Augen groß und freundlich, der Hals kräftig, mit guter Ganaschenfreiheit und die Brust ist breit. Die portugieschen Pferde haben einen kräftigen Rücken und eine gut bemuskelte, runde Kruppe. Die Bewegungen sind mit höherer Aktion der Vorderhand und einer guten Hankenbeugung verbunden. Dennoch hat der Lusitano in der Regel einen guten Raumgriff.

Eignung/Nutzung

Der Lusitano ist ein perfektes Freizeitpferd: wendig, nervenstark und charakterstark. Noch heute ist das Zuchtziel der Portugiesen der berittene Stierkampf, der mutige und schnelle Pferde braucht. Das für den Stierkampf ebenfalls benötigte Talent zur Versammlung hilft dem Lusitano auch bei den hohen Dressuraufgaben und macht ihn gleichzeitig zu einem Spezialisten in der Disziplin Working Equitation. Die Working Equitation hat sich aus der Arbeitsreitweise der Rinderhirten entwickelt, zu der auch die „Doma Vaquera“ gehört. Zur Working Equitation gehören Dressuraufgaben, ein Trail und ein Speedtrail, bei dem der Geschicklichkeitsparcours so schnell wie möglich geritten wird. Ein weiterer Teil ist die Rinderarbeit, die dem Team Penning der Westernreiterei ähnelt.
Egal, ob der Lusitano ein Working Equitation Turnierpferd oder ein reines Freizeitpferd werden soll, er benötigt immer einen Reiter, der seiner Sensibilität und Intelligenz gewachsen ist.

Haltung

Lusitanos brauchen viel Auslauf und eine artgerechte Haltung, wie eigentlich jedes andere Pferd auch. Da er aus einer eher kargen Umgebung stammt, kommt er manchmal mit zu energiereichem Futter nicht gut zurecht und neigt dann zu Hautproblemen. Aber eigentlich ist der Lusitano robust und unkompliziert.


Silke Behling

©Ricarda Wowries

Silke Behling ist selbstständige Redakteurin und arbeitet sowohl im Buch- als auch im Zeitschriftenbereich. Ihre Veröffentlichungen reichen von Fachbüchern bis zu Zeitschriftenartikeln. Als Diplom-Pädagogin liegt ihr der Bereich Bildung und Kinder besonders am Herzen, weshalb sie seit vielen Jahren für das Kindermagazin „Piaffino“ schreibt. Zudem bietet sie als ausgebildete Pferde-Physiotherapeutin (DIPO) Akupunktur und Physiotherapie für Pferde und Hunde im Raum Osnabrück an. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrem inzwischen 24-jährigen Vollblutaraber El Santee, mit dem sie beim Distanzreiten früher Wettkämpfe bis zu 120 Kilometern bestritten hat, und ihren beiden Hunden Lotta und Easy.


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