Hannoveraner im Rasseportrait

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HannoveranerDer Hannoveraner ist wahrscheinlich eine der häufigsten Pferderassen der Welt. Zu seinem Zuchtgebiet gehören nicht nur Pferde aus Niedersachsen – etwa 16.000 eingetragene Zuchtstuten und über 400 Hengste.
Hannoveraner sieht man deshalb nicht nur in fast jedem großen Reitstall, sondern auch auf allen großen und kleineren Reitsportturnieren mit den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Selbstverständlich stehen Reiter von Hannoveranern auch auf den Siegertreppchen dieser Wettkämpfe: Es gibt Olympiasieger, Welt- und Europameister unter ihnen.

Steckbrief
Rassebezeichnung: Hannoveraner
Stockmaß: ca. 165 cm
Häufige Farben: Grundfarben Fuchs, Brauner, Rappe und Schimmel
Ursprungsland: Deutschland
Hauptsächliche Eignung: Dressurpferd, Springpferd, Freizeitpferd
Charakter: Ehrgeizig und sportlich
Besonderheiten: Schwungvolle, dynamische Bewegungen und hohe Leistungsbereitschaft

Herkunft und Geschichte

Schon früh sollen im heutigen Bundesland Niedersachsen Pferde gezüchtet worden sein und schon im 16. Jahrhundert begann die Zucht der Hannoveraner Pferde. Ursprünglich war der Hannoveraner ein Arbeitspferd, das heißt er wurde für die Landwirtschaft und für das Militär gezüchtet. Viele Bauern züchteten Hannoveraner und setzen sie auch für die Arbeit auf dem Feld ein. Die Pferde waren wochentags vor dem Ackerwagen und am Sonntag fuhr man mit ihnen mit der Kutsche in die Kirche. Schon 1735 wurde das Landgestüt Celle gegründet, wo die Decksprünge der Hengste und die Fohlengeburten eingetragen wurden. Die zunächst schweren Arbeitspferde wurden dann zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit Hilfe von Trakehnern und Englischen Vollblütern veredelt, doch in diesem Jahrhundert stand die Eignung des Hannoveraner als Kutsch- und Militärpferd weiter im Vordergrund, sodass wieder vermehrt schwere Pferde gezüchtet wurden. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Landwirtschaft langsam industrialisiert, die ersten Traktoren wurden gekauft und die Pferde wurden nicht mehr gebraucht. So mancher Bauer schaffte die Pferde ab und so sank der Bestand. Erst der boomende Reitsport verhalf den Hannoveranern wieder zu neuer Blüte: Mithilfe von Trakehnern und Vollblütern wurde die Zucht wiederum umgestellt und aus dem schweren Arbeitspferd wurde das moderne Sportpferd.
Das ursprüngliche Zuchtgebiet des Hannoveraners liegt zwischen Ems, Weser und Elbe, aber inzwischen wird der Hannoveraner auf der ganzen Welt gezüchtet. In Deutschland wurde die Zucht des Rheinländers mit der des Hannoveraners zusammengelegt.

Interieur

Hannoveraner sind freundliche und umgängliche Pferde. Ihre Intelligenz und Leistungsbereitschaft macht diese Pferde zu idealen Sportpartnern, auch für höhere Ansprüche. Doch obwohl sie so sportlich sind, sind sie meist sehr umgänglich und deshalb nicht nur für Profireiter und deren Turniersport geeignet, sondern auch für Freizeitreiter. Ihr angenehmes Wesen führt dazu, dass man sie tatsächlich in fast jedem größeren Stall findet. Nicht umsonst gehören sie zu den weit verbreitetsten Pferderassen der Welt.

Exterieur

Optisch unterscheidet sich der Hannoveraner nicht von den anderen Warmblutzuchten. Der Hannoveraner ist großrahmig und soll für alle Sportarten geeignet sein. Das bedeutet, dass er um 165 Zentimeter groß ist und schwungvolle, raumgreifende Bewegungen hat. Dabei ist der Hannoveraner geprägt durch den hohen Anteil Englischer Vollblüter in der Zucht. So kommen heute kaum noch derbe Ramsköpfe vor, stattdessen hat der Hannoveraner einen edlen Kopf mit großen Augen und langen Ohren. Der Hals ist lang und wohlgeformt, enge Ganaschen wie bei Ponyrassen kommen nicht vor. Die Schulter ist besonders schräg und ermöglicht raumgreifende Bewegungen. Der Rücken ist lang, sollte gut bemuskelt sein und in der Bewegung elastisch schwingen.

Haltung

Der Hannoveraner gilt als unkompliziert in der Haltung. Natürlich benötigt er, wie jedes Pferd, ausreichend Platz und Bewegung. Seinem Leistungswillen muss man gerecht werden, indem man den Hannoveraner geistig und körperlich auslastet. Beschäftigung braucht er für sein Wohlbefinden. Er ist temperamentvoll und braucht selbstverständlich neben gutem Futter auch Weidegang und Kontakt mit Artgenossen. Die Hannoveraner-Pferde gelten als genügsam und leichtfuttrig und sollten deshalb bei normaler Arbeit keine Unmengen an Kraftfutter brauchen. Auf Raufutter in guter Qualität sollte dagegen viel Wert gelegt werden, es muss natürlich in ausreichender Menge zur Verfügung stehen.

Rassetypische Erkrankungen

Beim Hannoveraner sind keine rassetypischen Erkrankungen bekannt. Im Rahmen der Zucht wird viel Wert auf leistungsfähige und damit auch gesunde Tiere gelegt. Durch den Einsatz im Sport ist allerdings häufig der Bewegungsapparat dieser Pferde großen Belastungen ausgesetzt. Daher sind gegebenenfalls Erkrankungen der Sehnen, Bänder und Gelenke zu beobachten.

Eignung/Nutzung

Der Hannoveraner verfügt in der Regel über ausgezeichnete Grundgangarten: Der Schritt ist lang, der Trab ebenfalls raumgreifend und mit gutem Schwung aus der Hinterhand, der Galopp gut gesprungen. So eignet er sich hervorragend für die Reitsportdisziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit. Hannoveraner Pferde und ihre Reiter zählen zu den Legenden des Pferdesports. Namen wie Desperados FRH mit seiner Reiterin Kristina Bröring-Sprehe, die bei den Europameisterschaften 2015 in Aachen Mannschaftsbronze und Einzelsilber sowie bei den Olympische Spielen 2016 in Rio de Janeiro Einzelbronze und Mannschaftsgold im Dressureiten gewannen, sind in aller Munde. Auch Ingrid Klimke mit der Stute FRH Escada JS gehört zu den ganz Großen: Sie gewannen bei den Europameisterschaften 2013 in Malmö Silber und Mannschaftssilber und bei den Weltreiterspielen 2014 in Caen das Mannschaftsgold in der Vielseitigkeit.

Die Liste der berühmten Pferde ließe sich beliebig verlängern, aber auch im Kleinen, als Freizeitpferde oder auf dörflichen Vereinsturnieren ist der Hannoveraner beliebt. Er eignet sich für den Ausritt im Gelände ebenso wie für Dressurreiten oder Springreiten. Mancher Hannoveraner macht auch vor der Kutsche eine gute Figur oder trainiert mit der Voltigiergruppe des örtlichen Reitvereins. Und auch beim Westernreiten wurden schon Hannoveraner gesehen: Eher nicht im Turniersport, aber im Freizeitbereich trägt er gar nicht so selten auch mal einen Westernreiter. Hannoveraner sind einfach vielseitig!


Silke Behling

©Ricarda Wowries

Silke Behling ist selbstständige Redakteurin und arbeitet sowohl im Buch – als auch im Zeitschriftenbereich. Ihre Veröffentlichungen reichen von Fachbüchern bis zu Zeitschriftenartikeln. Als Diplom-Pädagogin liegt ihr der Bereich Bildung und Kinder besonders am Herzen, weshalb sie seit vielen Jahren für das Kindermagazin „Piaffino“ schreibt. Zudem bietet sie als ausgebildete Pferde-Physiotherapeutin (DIPO) Akupunktur und Physiotherapie für Pferde und Hunde im Raum Osnabrück an. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrem inzwischen 24-jährigen Vollblutaraber El Santee, mit dem sie beim Distanzreiten früher Wettkämpfe bis zu 120 Kilometern bestritten hat, und ihren beiden Hunden Lotta und Easy.


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