Fjordpferd im Rasseportrait

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FjordpferdEinen Norweger erkennt man häufig an der typischen Farbe und der Mähne. Die Falben gibt es in verschiedenen Tönen, mit mehr oder weniger stark ausgeprägten Streifen an den Beinen und auf dem Rücken und auch die Mähne kann einfarbig oder zweifarbig sein. Doch häufig ist die Mähne schwarz und weiß und wird als auffällige Stehmähne geschnitten. Durch das sehr einheitliche Erscheinungsbild sind die kräftigen Ponys leicht erkennbar.

Steckbrief
Rassebezeichnung: Norweger, Fjordpferd, Norwegisches Fjordpferd
Stockmaß: 135–150 cm
Häufige Farben: Falben
Ursprungsland: Norwegen
Hauptsächliche Eignung: Freizeitpferd, Fahrpferd
Charakter: Freundlich und unerschrocken
Besonderheiten: Unverwechselbare Mähne, typischer Aalstrich

Herkunft und Geschichte

Die norwegischen Fjordpferde stammen, wie ihr Name schon sagt, aus Norwegen. Auch der ebenso gebrauchte Name „Fjordpferd“ deutet auf diese Herkunft hin. Weitere Namen sind „Norweger“ oder „Fjording“. Die felsige Landschaft Norwegens ist für seine Fjorde, das sind tiefe Einschnitte ins Land, bekannt. Das Fjordpferd selbst stammt wohl von den Pferden der Wikinger ab und ist noch sehr ursprünglich. Es hat deutliche Ähnlichkeit mit den Przewalski Pferden der Mongolei und ebenso wie diese hat es häufig sogenannte Zebrastreifen an den Beinen und einen Aalstrich. Das ist ein dunkler Strich, der über die Wirbelsäule verläuft. Der genetische Ursprung der Rasse gilt als noch nicht entschlüsselt, aber sicher ist, das eine Zeitlang auch norwegisches Dolepferde mit eingekreuzt wurde. Durch die Kaltblüter sollten die Norweger größer und tragfähiger werden, doch die Kreuzungen haben sich nicht bewährt. Seit Ende des 19. Jahrhunderts werden Fjordpferde ohne Fremdblut gezüchtet. Die Zuchtbasis ist mit drei Stammlinien recht eng, weshalb das Erscheinungsbild der Norweger sehr homogen ist.
Der Norweger wurde in seiner Heimat nicht nur in der Landwirtschaft eingesetzt, sondern auch als Packpferd für Lasten. Die eher karge und felsige Landschaft brachte dementsprechend ein robustes und genügsames Pferd hervor, das als trittsicher gilt. Wie alle Arbeitspferde wurden auch die Norweger seit Mitte des 20. Jahrhunderts immer weniger gebraucht – der Bestand ging zurück.
In Deutschland waren Fjordpferde in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg recht begehrt: Man brauchte leichtfuttrige Arbeitspferde, da der Bestand an eigenen Pferden durch den Krieg dezimiert war. In dieser Zeit wurden Fjordpferde auch mit anderen Rassen gekreuzt und die Kreuzungen teilweise als Fjordpferde eingetragen. Durch den Import reinrassiger Pferde wurden diese inzwischen weitgehend aus den Zuchtbüchern verdrängt. Aber auch in Deutschland wurden die Arbeitspferde immer weniger benötigt und erst die zunehmende Zahl an Freizeitreitern entdeckte den Norweger neu. Kreuzungen mit anderen Rassen, um den Norweger leichter und sportlicher zu machen, waren oft nicht erfolgreich. In Reinzucht konnte jedoch inzwischen ein sportliches Freizeitpferd entstehen.

Interieur

Das Fjordpferd ist robust und langlebig. Es hat ein ausgeglichenes Gemüt, sodass es sich nicht nur als Reitpferd für Erwachsene, sondern auch für Kinder eignet. Das Fjordpferd gilt als unerschrocken und scheufest.

Exterieur

Das Fjordpferd ist ein großes Pony, mit einer Größe von bis zu 150 Zentimetern. Es ist kräftig, oft fast barock. Der große Kopf sitzt auf einem kräftigen, nicht allzu langen Hals, der Rücken ist eher lang und tragfähig. Der Fjordi, wie er liebevoll genannt wird, hat kurze, kräftige Beine. An ihnen sind oft Zebrastreifen zu sehen sind. Auf dem Rücken zeigt sich der markante Aalstrich.
Fjordpferde sind Falben, die unterschiedlich hell oder getönt sein können. Man unterscheidet Braunfalbe, Graufalben, Rotfalben, Hellfalben und Gelbfalben. Die Mähne ist meist zweifarbig – der dunkle Aalstrich, den man auf dem Rücken gut erkennen kann, zieht sich von der Mähne bis zum Schweif. Die schwarz-weiße Mähne wird gern als Stehmähne geschnitten, bei der der schwarze Teil innen länger gelassen wird, als der weiße Teil. Manch einen Norweger zieren gar aufwändige kreative Frisuren mit unterschiedlichen Zacken in der zweifarbigen Mähne.

Eignung/Nutzung

Das Fjordpferd ist ein beliebtes Freizeitpferd. Es ist robust und trittsicher und eignet sich aufgrund der Größe sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Sie zeigen ihr Geschick gern bei Westernturnieren und bei Fahrprüfungen. Am häufigsten sieht man sie aber als Geländepferde für Freizeitreiter. Für die klassischen Turnierdisziplinen Dressur und Springen in höheren Klassen eignet sich der Norweger weniger. Dafür brilliert er beim Therapeutischen Reiten, bei dem sein freundlicher Charakter ihm zugute kommt.

Haltung

Der Norweger ist ein robustes Pony, dem eine Haltung auf zu fetten Weiden nicht gut bekommt. Seine Herkunft hat ihn genügsam gemacht, er braucht nicht allzu viel energiereiches Futter – das macht ihn ebenso wie andere robuste Ponyrassen krank. Wenn die Haltungsbedingungen stimmen, als Auslauf und Sozialkontakt gesichert sind, dann ist der Norweger eher unkompliziert ist der Haltung.


Silke Behling

©Ricarda Wowries

Silke Behling ist selbstständige Redakteurin und arbeitet sowohl im Buch – als auch im Zeitschriftenbereich. Ihre Veröffentlichungen reichen von Fachbüchern bis zu Zeitschriftenartikeln. Als Diplom-Pädagogin liegt ihr der Bereich Bildung und Kinder besonders am Herzen, weshalb sie seit vielen Jahren für das Kindermagazin „Piaffino“ schreibt. Zudem bietet sie als ausgebildete Pferde-Physiotherapeutin (DIPO) Akupunktur und Physiotherapie für Pferde und Hunde im Raum Osnabrück an. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrem inzwischen 24-jährigen Vollblutaraber El Santee, mit dem sie beim Distanzreiten früher Wettkämpfe bis zu 120 Kilometern bestritten hat, und ihren beiden Hunden Lotta und Easy.


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