Anhängerfahrten mit Pferd: Tipps für sichere Fahrten

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Anhängerfahrten mit Pferd

Um dein Pferd von A nach B zu transportieren, ist manchmal eine Fahrt mit dem Pfredeanhänger nötig. Doch bevor du mit deinem Pferd entspannt auf Reisen gehen kannst, solltest du diese Fahrt üben und ein paar wichtige Dinge beachten. Wir erklären dir hier, wie Anhängerfahrten mit Pferd möglichst entspannt und sicher ablaufen.

Der Hänger

Bevor du mit deinem Pferd auf Reisen gehst, solltest du einen Blick auf den Pferdehänger werfen. Vor allem nach dem langen Winter, indem der Hänger nicht gebraucht wurde, lohnt es sich, einmal genauer hinzusehen. Hat der Hänger noch TÜV? Wie sieht es mit den Reifen aus? Rissige Reifen solltest du besser austauschen lassen und auch die Bremsen dürfen ruhig einmal von einer Fachwerkstatt geprüft werden. Sie können sich sonst nämlich tatsächlich auch während der Fahrt festsetzen. Auf die Elektrik kannst du zur Kontrolle auch selbst mit einem Helfer einen Blick werfen: funktionieren alle Lampen und auch der Blinker? Und wie sieht es eigentlich mit dem Boden aus? Nach einigen Jahren können Holzböden gammelig werden. Den Boden solltest du deshalb regelmäßig von einer Werkstatt prüfen lassen – der TÜV achtet nämlich erfahrungsgemäß leider nicht immer darauf.

Außerdem empfehle ich einmal zu gucken, ob der Hänger auch passend fürs Pferd ist. Warmblutpferde werden heutzutage gern recht groß und breit – manch ein Pferd fühlt sich deshalb in einem engen Hänger nicht mehr wohl, sodass ein extra großer Hänger, oft XXL genannt, angebracht wäre. Auch bei den sogenannten Kleinpferdeanhängern lohnt sich ein prüfender Blick: Hat das robuste Kleinpferd noch ausreichend Platz? Falls die Höhe des Hängers passend ist, lässt sich sonst durch Versetzen der Trennwand mehr Raum für den Vierbeiner schaffen.
Auch der Hängerboden ist den meisten Pferden nicht egal: Klapprige Verladerampen machen ihnen Angst und auch innen im Hänger sollte eine feste Gummimatte verlegt oder verklebt sein. Bei neuen Anhängern ist das Standard.

Mit dem Einsteigen über die Rampe haben die meisten Pferde übrigens kein Problem, aber beim Aussteigen ist ihnen das Ganze oft nicht geheuer. Nicht ohne Grund gibt es inzwischen zahlreiche Hänger mit Frontausstieg und wenn du gerade nach einem neuen Pferdeanhänger schaust, könnte das eine Alternative sein.
Ältere Hänger haben zudem oft noch Planenhauben. Da diese keine Fenster zum Öffnen haben und  bei Wind natürlich auch klappern und „rascheln“, fahren viele Pferde lieber mit Polyhaube. Wer also oft weite Strecken zurücklegen muss, ist mit einer festen Haube eventuell besser bedient.

Ausrüstung für Anhängerfahrten mit Pferd

Dein Pferd braucht eigentlich nicht viel zum Verreisen: Wenn es sicher steht und keine Hufeisen trägt, spricht meiner Ansicht nach nichts dagegen, es ohne Gamaschen zu verladen. Hast du allerdings Sorge, dass es sich unterwegs selbst treten könnte oder beim Aussteigen verletzen könnte, dann sind normale Gamaschen und eventuell Hufglocken oft hilfreich. Transportgamaschen empfehle ich eigentlich nur, wenn das Pferd sie wirklich kennt. Da sie die Beweglichkeit doch stark einschränken, fühlen sich viele Pferd mit ihnen unwohl. Möchtest du Transportgamaschen verwenden, dann solltest du sie vor der ersten Fahrt damit schon ein paamal angelegt haben und dein Pferd daran gewöhnt haben. Dann sind sie natürlich ein guter Schutz!
Eine Decke braucht dein Pferd eigentlich nur, wenn es geschwitzt hat oder es auf dem Hänger recht zugig ist. Die Verwendung einer Decke würde ich immer davon abhängig machen, was dein Pferd ansonsten gewohnt ist: Das Offenstallpony, das zehn Minuten zur örtlichen Reithalle fährt, braucht auf dem Hinweg eher keine Decke, auf dem Rückweg aber eventuell schon, wenn es geschwitzt hat. Ein Pferd, das auch in der Box eingedeckt ist, wirst du sicherlich sowieso mit Decke fahren.

Verladen üben

Damit das Verladen wirklich stressfrei klappt, solltest du es vorab in Ruhe und mit ausreichend Zeit geübt haben. Selbstverständlich ist der Hänger dabei an ein Fahrzeug angekuppelt, damit er sicher steht.
Zum Verladetraining gibt es viele Tipps und zahlreiche Experten bieten dem Pferdebesitzer Unterstützung an. Welche Methode du auch bevorzugst, ich empfehle, mit nicht zu vielen Menschen zu verladen. Oft ist eine Person hilfreich, die die Stange hinter dem Pferd verschließen kann, aber keinesfalls sinnvoll ist es sicherlich, wenn der halbe Reitstall herumsteht und Tipps gibt und jeder mal seine Vorschläge ausprobieren möchte. Desweiteren mag ich es gern, wenn das Pferd sich langfristig von einer Person verladen lässt: Das bedeutet, dass dein Pferd lernt, sich von dir mithilfe eines Bodenarbeitsseils in den Hänger hineinschicken zu lassen, sodass du die Stange hinten schließen kannst. Du kannst natürlich auch mit dem Pferd in den Hänger hineingehen und ihm beibringen zu warten, während du nach hinten gehst und die Stange zu machst.

Ein Futtereimer erleichtert dabei das Warten. Manch ein Kandidat geht dabei natürlich gern wieder rückwärts mit dir heraus. Aber Achtung, niemals bindest du ein Pferd an, bevor die Stange und die Klappe hinter dem Pferd geschlossen sind! Das Pferd könnte Panik bekommen und angebunden versuchen, rückwärts zu rennen. Also verschließe den Hänger immer, bevor du nach vorne gehst und dein Pferd anbindest. (Und beim Ausladen machst du natürlich erst das Pferd los, bevor du hinten den Hänger aufmachst.)

Zum Trainieren brauchst du also gegebenenfalls etwas mehr Zeit und Futter, aber es lohnt sich. Ein Pferd, das man alleine verladen kann, ist äußerst praktisch! Wenn du beim Verladen selbst nicht sicher bist, so hol dir einen erfahrenen Verladetrainer, der dir beim Training helfen kann.

 Wohlfühlatmosphäre

Wenn das Verladen gut klappt, kannst du auch kurze Übungsfahrten unternehmen. Vielleicht fährst du um die nächste Ecke zur Weide oder nur einmal um den Block wieder nach Hause. Damit dein Pferd sich während der Fahrt wohl fühlt, fährst du selbstverständlich ganz besonders vorsichtig und sorgst für ausreichend Futter. Das kann eine in den Hänger gehängte Turnierkrippe mit Lieblingsfutter sein, eine Handvoll Hafer im festeingebauten Futtertrog oder ein eingehängtes Heunetz. Wichtig ist, dass dein Pferd zur Entspannung etwas zum Kauen hat – und falls du ein Heunetz oder einen tragbaren Eimer verwendest – dass Nichts herunterfallen kann. Wenn du nun entspannt Verladen und Fahren kannst, stehen Anhängerfahrten mit Pferd und somit einem Besuch in der nächsten Reithalle, beim Freunden oder ein Urlaub mit dem Pferd nichts mehr im Wege!


Silke Behling

©Ricarda Wowries

Silke Behling ist selbstständige Redakteurin und arbeitet sowohl im Buch- als auch im Zeitschriftenbereich. Ihre Veröffentlichungen reichen von Fachbüchern bis zu Zeitschriftenartikeln. Als Diplom-Pädagogin liegt ihr der Bereich Bildung und Kinder besonders am Herzen, weshalb sie seit vielen Jahren für das Kindermagazin „Piaffino“ schreibt. Zudem bietet sie als ausgebildete Pferde-Physiotherapeutin (DIPO) Akupunktur und Physiotherapie für Pferde und Hunde im Raum Osnabrück an. Ihre Freizeit genießt sie mit ihrem inzwischen 24-jährigen Vollblutaraber El Santee, mit dem sie beim Distanzreiten früher Wettkämpfe bis zu 120 Kilometern bestritten hat, und ihren beiden Hunden Lotta und Easy.


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Kommentare, Fragen und Antworten
  1. Laura Urban sagt:

    Danke für diese Tipps zu Anhängerfahrten mit Pferd. Der Pferdeanhänger meiner Schwester ist nicht mehr durch den TÜV gekommen und nun braucht sie einen neuen. Da sie aktuell nicht genügend Geld für den Kauf eines neuen Anhängers hat, will sie einen Anhängerverleih ausprobieren. Ich werde ihr raten, darauf zu achten, dass die Verladerampe stabil ist und dass im inneren eine beste Gummimatte verlegt ist.

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