Harnwegserkrankungen bei der Katze

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Harnwegserkrankungen KatzeHeute merkst du es deiner Katze wahrscheinlich nicht mehr an, dass ihre Vorfahren einst Wüstenbewohner waren. Die Katzen, die bei den alten Ägyptern als heilig galten, traten von kargen und wasserarmen Gegenden aus ihren Siegeszug in unsere Behausungen und Herzen an. Erst auf den zweiten Blick fällt dir vielleicht ein Merkmal auf, das unsere Katzen auch heute noch aus dieser Zeit behalten haben: sie trinken sehr wenig.

Was beim Leben in der Wüste ein großer Vorteil war, hat heutzutage oft gravierende Folgen. Katzen konzentrieren ihren Urin sehr stark, um ihren Wasserbedarf zu senken. Die Wahrscheinlichkeit, an Nieren- oder Harnwegserkrankungen zu leiden, ist vermutlich dadurch bei der Katze um ein Vielfaches höher als beim Hund.

Die wichtigsten Erkrankungen des Harntraktes

Zunächst möchten wir dir eine kurze Übersicht über den Aufbau des Harntrakts geben. Zu diesem zählen die beiden Nieren, die Harnleiter, die Blase und die Harnröhre. Die wichtigste Aufgabe der Nieren ist das Ausfiltern von Schadstoffen aus dem Blut. Diese werden mit dem Urin ausgespült. Der Urin wird also in den Nieren produziert und mittels der Harnleiter (pro Niere ein Harnleiter) in die Blase geleitet. Sie dient als Speicherort für den Urin, bis dieser durch die Harnröhre ausgeschieden wird. Harnwegserkrankungen sind nicht immer nicht klar voneinander abzugrenzen, da die eine oft zur anderen führen kann und die Übergänge vielfach fließend sind. Um dir das Verständnis zu erleichtern, möchten wir sie dir hier in einer Auflistung präsentieren.

Harnsteine (Urolithiasis)

Je nach Lokalisation der auftretenden Harnsteine spricht man von Nieren- oder Blasensteinen. Ihre Entstehung wird im Urin durch viele Umstände beeinflusst. Zunächst ergeben sich winzige Kristalle, daraus werden dann größere Steine. Die wesentlichen Faktoren dabei sind zum einen die Konzentration der steinbildenden Substanzen und zum anderen der pH-Wert (Säuren-Basen-Verhältnis) des Urins. Die häufigsten Harnsteine bei Katzen sind Struvitsteine, gleich darauf folgen die Calcium-Oxalat-Steine. Struvit entsteht vor allem in basischem Urin, Calcium-Oxalat dagegen in saurem. Daher sollte zur Vorbeugung dafür gesorgt werden, dass der pH-Wert des Urins deiner Katze in der Norm liegt. Das lässt sich über die Fütterung beeinflussen. Außerdem ist eine übermäßige Mineralzufuhr zu verhindern. Eine mögliche Folge von Harnsteinen kann die Blasenentzündung sein. Der Tierarzt kann über die Untersuchung des Urins die Art und Häufigkeit der Kristalle beurteilen und so eine Diagnose stellen.

Harnblasenentzündung (Cystitis)

Eine gesunde Blase wird zur Speicherung des von den Nieren produzierten Urins bis zum Harnabsatz benötigt. Wird sie durch eine bakterielle Infektion oder Harnsteine gereizt, kommt es zu einer unangenehmen Entzündung. Und unangenehm ist sie nicht nur für die betroffene Katze, auch die Besitzer leiden darunter. Denn an einer Blasenentzündung erkrankte Katzen bevorzugen für das in diesem Falle schmerzhafte Urinieren weiche Untergründe. Die Sofakissen oder das Bett werden deshalb vom Stubentiger gerne kurzerhand zum Katzenklo umfunktioniert. Zum Teil ist der Urin während einer Blasenentzündung offensichtlich blutig, das muss aber nicht sein. Die Katze setzt außerdem häufiger als üblich Urin ab. Für eine gezielte Behandlung sollte die Ursache der Entzündung gefunden werden.

Chronische Niereninsuffizienz

Der eigentliche Grund für eine Niereninsuffizienz bei der Katze bleibt oft unbekannt. Für ihre Entstehung gibt es mannigfaltige Ursachen, die auch gemeinsam auftreten: Giftstoffe, mechanische Einflüsse, angeborene Missbildungen, rassebedingte Neigungen, Infektionen, Harnsteine – diese Liste ließe sich weiter fortsetzen und ist nahezu endlos. Das traurige an dieser Erkrankung: Auch der Tierarzt erkennt sie bisher nur in einem weit fortgeschrittenen Stadium. Mehr als 50% der Nierenfunktion muss verloren gehen. Dann erst treten Symptome und eine Veränderung des Blutbildes auf. Damit kann die Niereninsuffizienz schlussendlich erkannt werden. Bildlich gesprochen funktioniert eine der zwei Nieren zu diesem Zeitpunkt aber schon gar nicht mehr. Die Symptome einer Niereninsuffizienz können zum Beispiel Appetitmangel, Gewichtsverlust, vermehrtes Trinken und häufigerer Harnabsatz sein. Oft riechen nierenkranke Katzen typisch nach Urin. Erkrankt eine Katze, ist eine früh einsetzende Behandlung wesentlich, um eine gute Lebensqualität zu sichern. Leider ist die Krankheit oft lebensbedrohlich und nie heilbar. Deshalb ist es besser, gezielt vorzubeugen.

FLUTD (feline lower urinary tract disease)

Als FLUTD wird ein entzündlicher Prozess in den unteren Harnwegen der Katze bezeichnet. Dieser geht einher mit Störungen des Harnabsatzes. Betroffene Katzen leiden sehr und schreien manchmal sogar vor Schmerzen beim Wasserlassen. Mitunter ist es der Katze unmöglich, überhaupt zu urinieren. Ursache dafür ist eine Blockade der Harnröhre. In diesem Falle liegt ein echter Notfall vor, die Katze sollte schnellstmöglich zu einem Tierarzt gebracht werden. Vor allem beim Kater gibt es Probleme dieser Art. Seine unteren Harnwege sind nämlich erheblich enger und länger als die des weiblichen Tieres.

Hast du den Verdacht auf ein Problem der Harnwege bei deiner Katze oder deinem Kater? Dann empfehlen wir dir, dein Haustier einem Tierarzt zur Untersuchung vorzustellen und gegebenenfalls behandeln zu lassen. Im besten Fall bringst du ihm direkt eine frische Urinprobe mit.

Harnwegserkrankungen vorbeugen

Viele Stellschrauben kannst du bei der Katzenhaltung dazu nutzen, deine Lieblinge lange fit und gesund zu halten. Bei der Auswahl deines Haustieres solltest du auf eine gesunde Zuchtlinie achten. Übergewicht muss vermieden werden. Die wesentlichen Faktoren für die Vorbeugung sind aber sicherlich die Wasseraufnahme und Ernährung deiner Katze.

Wasseraufnahme steigern

Du solltest als Katzenhalter deshalb immer darauf achten, dass dein Liebling ausreichend und regelmäßig trinkt. Die normale Aufnahme einer Katze liegt bei um die 50 Milliliter Wasser Pro Kilo Körpergewicht täglich. Trinkt die Katze mehr, fördert das die Harnwegsgesundheit. Achte also auf die Trinkgewohnheiten deines Lieblings. Mag deine Katze vielleicht fließendes Wasser und trinkt zum Beispiel gern aus dem Wasserhahn? Ein Trinkbrunnen kann helfen, die Aufnahme erhöhen. Das Sprudeln und Plätschern macht die Katze neugierig und animiert zum Trinken. Bevorzugt deine Katze abgestandenes Wasser? Dann biete es ihr an. Achte aber dennoch auf gute Napfhygiene. Wenigstens 1 mal wöchentlich ist der Trinknapf gründlich zu reinigen! Das Gefäß mit dem Wasser sollte übrigens wenigstens zwei Meter vom Futter entfernt stehen, denn Katzen haben instinktiv die Befürchtung, älteres Futter könne ihr Wasser verunreinigen und rühren es ungern an, wenn es unmittelbar neben ihrem Essen steht.

Auch mehrere gut zu erreichende Näpfe und Trinkbrunnen in der Umgebung deiner Katze fördern eine hohe Wasseraufnahme. Zeigt deine Katze ungewöhnlich großen Durst, kann das schon ein Symptom einer bereits bestehenden Harnwegs- oder Stoffwechselerkrankung sein. In diesem Falle solltest du dich an einen Tierarzt wenden.

Fütterung anpassen

Ganz egal, was du fütterst: Achte stets auf gute Hygiene. So verhinderst du Erkrankungen durch verdorbene Nahrung. Auch lässt sich die Wasseraufnahme über das Futter erhöhen. Nass- oder Feuchtfutter enthält mehr Wasser als Trockenfutter. Aber auch Trockennahrung kann weiterhin gut gefüttert werden – solange sie den Erhalt eines gesunden pH-Wertes im Urin fördert und an harnsteinbildenden Mineralien keine unnötig großen Mengen enthält. Eine übermäßige Versorgung mit diesen Substanzen muss schließlich verhindert werden.

Ergänzungsfutter: Pasten und Co.

Spezielle Futtermittel verfügen über regulierende Inhaltsstoffe, die dazu beitragen, die natürliche Balance im Urin zu erhalten und die Harnwege zu pflegen. Hierzu gibt es zum Beispiel schmackhafte Pasten, die du zusätzlich zum Hauptfutter geben kannst. Oder aber du fütterst direkt ein Futter, dass für den Harntrakt optimiert ist. So kannst du über die Ernährung gut vorbeugen. Leidet deine Katze jedoch bereits an einer Harnwegserkrankung, muss sie spezielle und auf ihr Krankheitsbild optimierte tiermedizinische Kost bekommen. Ein solches Diätfutter für kranke Katzen sollte nach gestellter Diagnose und Empfehlung durch den Tierarzt, aber keinesfalls zur Vorbeugung verfüttert werden.

Harnwegserkrankungen: lieber vorbeugen als heilen

Harnwegserkrankungen sind mitunter langwierig und verursachen Schmerzen und Leiden für deine Katze. Bei den ersten Anzeichen solltest du den Rat eines Tierarztes einholen. Dennoch sind nicht alle Harnwegserkrankungen heilbar. Daher ist die Vorsorge enorm wichtig. Durch motivierenden Einfluss auf ihr Trinkverhalten und ausgewogene Fütterung kannst du deiner Katze dabei helfen, gesund zu bleiben.

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