Nahrungszusätze im Katzenfutter

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Nahrungszusätze im Katzenfutter

Steht man vor dem Futterregal der modernen Katze, könnte man glatt ein bisschen neidisch werden. Da sieht man einen schmackhaften Gänsebraten mit Süßkartoffeln und Cranberrys, Känguru mit Chiasamen und allerlei lecker klingende Gerichte, die man ebenso auf der Speisekarte im Restaurant lesen könnte. Nahrungszusätze im Katzenfutter gibt es in allen möglichen Variationen. Auch das Sortiment an Nahrungsergänzungen für die vermeintlich ewige Jugend, aber auch gegen kleinere Alterszipperlein steht unserem kaum noch nach. Da gibt es Knoblauchtabletten gegen Parasiten, Lachsölkapseln für ein schönes Fell, Produkte für den Erhalt der Gelenke und vieles mehr.

Doch sind Nahrungszusätze im Katzenfutter überhaupt nötig oder gibt es sogar Zusätze, von denen wir lieber die Finger weglassen, mindestens jedoch ein bedachtes Auge auf die verfütterte Menge haben sollten? Bei vielem gilt: Die Dosis macht das Gift – aber wann genau ist es gefährlich für die Mieze?

Was sollten Katzen fressen?

Dass Katzen reine Fleischfresser, sogenannte Carnivoren, sind, hat sich weitgehend herumgesprochen. Dennoch ist in vielen Fertigprodukten nach wie vor ein hoher Anteil an Nahrungszusätzen in Form von Kohlenhydraten enthalten. Die Industrie wurde nach der vermehrten öffentlichen Diskussion über Sinn und Unsinn von Getreide als Energiequelle im Katzenfutter findig und mengt dem Futter mittlerweile mehr und mehr alternative Kohlenhydratquellen bei.

(Süß-)Kartoffeln, Reis, Mais, aber auch Quinoa & Co klingen erst mal besser als das „böse“ Getreide, sind aber nichts anderes als eine Kohlenhydratart, auf welche die gesunde Katze nicht angewiesen ist. Genau genommen kann sie diese nur in „vorverdautem“, nämlich gegartem Zustand verwerten und auch das nur begrenzt. Dennoch kann eine geringe Menge davon in Katzennahrung durchaus sinnvoll sein, wenn Miez nämlich aufgrund einer chronischen Erkrankung eine phosphorarme Kost erhalten sollte (z.B. bei einer fortgeschrittenen Nierenschwäche). Im Bäuchlein einer gesunden Katze haben Kohlenhydrate wiederum wenig bis gar nichts zu suchen – selbst wenn sie ihr nicht unmittelbar schaden.

Um die Hauptzusammensetzung der felinen Nahrung soll es uns heute jedoch nicht gehen, sondern vielmehr um das Drumherum und was sich dahinter verbirgt. Grundsätzlich solltest du dich beim Speiseplan deiner Katze an ihrer natürlichen Beute orientieren. Die Maus als Hauptnahrungsbestandteil besteht überwiegend aus Fleisch bzw. Organen, Knorpel, Knochen, aber auch bspw. dem winzigen Nahrungsbrei der Beute. Grundsätzlich gilt: alles, was deine Katze zu sich nimmt, hat eine besondere Bedeutung für ihren Körper. So simpel und gleichermaßen kompliziert ist es.

Sind Nahrungszusätze im Katzenfutter sinnvoll?

Ab hier kommen wir in einen komplexeren Bereich der Katzenernährung. Nahrungszusätze im Katzenfutter wie Cranberrys können deiner Katze zum Beispiel durchaus bei einer Blasenproblematik helfen. Es gibt sie in geringen Mengen mitunter in Feucht- und Trockenfutter, aber vor allem als Nahrungsergänzung, die du in Rücksprache mit deinem Tierarzt/deiner Tierärztin, Heilpraktiker:in oder auch Ernährungsberater:in bei Problemen rund um die Blase vielleicht unterstützend geben kannst. Knoblauch wiederum gibt es als frei verkäufliches Produkt gegen Zecken und wird als natürliches Abwehrmittel beworben. Gleichzeitig liest man im Netz, dass Knoblauch, Zwiebeln und Lauchgewächse giftig seien. Was stimmt nun?

Die Inhaltsstoffe des Knoblauchs verändern den Geruch der Haut des Tiers, was auf Zecken wiederum abstoßend wirken soll. Gleichzeitig sind jedoch, für die Katze schädliche Stoffe in der „gesunden Knolle“ enthalten, die in größeren Mengen Erbrechen; Durchfall, aber auch Blutarmut, Herzrasen und eine allgemeine Schwäche zur Folge haben können. Die Menge in den frei verkäuflichen Präparaten ist zwar gering – aber wie sicher können wir sein, dass gerade unsere Miez‘ nicht vielleicht einen, in dieser Hinsicht besonders sensiblen Organismus hat und bereits bei geringen Mengen mit Bauchgrummeln oder gar schlimmerem reagiert? Fakt ist, dass Knoblauch ab einer, für jedes Tier individuellen Menge schädlich wird und es obliegt uns zu entscheiden, ein Risiko für unseren Minitiger einzugehen oder gleich auf ein unbedenkliches Produkt auszuweichen.

Ähnlich wie beim Knoblauch wirkt auch beispielsweise Sorbitol ab einer bestimmten Menge für die Katze schädlich. Durch den Zuckerersatzstoff sinkt der Blutzuckerspiegel des Tiers rasant. Es können zudem schwere Magen-Darm-Probleme und Vergiftungserscheinungen auftreten. Gleichzeitig ist Sorbitol in Nahrungsergänzungsmitteln für die Gesunderhaltung der Gelenke und in anderen Produkten enthalten. In der Einzelbetrachtung sind die Mengen in diesen Produkten harmlos. Kritisch wird es, wenn deine Katze verschiedene Produkte mit diesem Inhaltsstoff gleichzeitig erhält. Achte daher unbedingt auch bei Nahrungsergänzungsmitteln auf die Inhalts- und Zusatzstoffe, um einen Überblick zu behalten, ab wann es für die Miez‘ gefährlich werden könnte. Im Zweifel weiche auch hier lieber auf andere Produkte aus oder ziehe einen Tierarzt zu Rate.

Übrigens: andere, bei uns Menschen teilweise beliebte Zuckerersatzstoffe wirken schon in geringen Mengen giftig für Katzen (und häufig auch Hunde). Stevia und Xylit (Birkenzucker) gehören beispielsweise in diese Kategorie und sollten daher immer in gut verschlossenen, sicheren Behältern aufbewahrt und damit zubereitete Lebensmittel unbedingt vor den frechen Pfoten deiner Haustiere geschützt werden.

Wie entscheide ich, was gut oder schlecht für meine Katze ist?

Sicher liegst du, wenn du dich grundsätzlich am natürlichen Speiseplan der Katze orientierst und alle Nahrungszusätze im Katzenfutter, die darüber hinausgehen, zumindest kritisch hinterfragst und im Zweifel eine ausgebildete Fachkraft zu Rate ziehst – was häufig nicht die engagierte Verkaufskraft im Futtermittelladen, sondern ein Tierarzt und/oder ein:e Ernährungsberater:in. Mach dir bewusst, dass alles, was du deiner Katze fütterst, auch etwas im Körper des Tiers auslöst und nur dann gegeben werden sollte, wenn es nicht nur unschädlich, sondern sinnvoll ist. Cranberrys, Karotten, Zucchini und anderes Gemüse können ergänzend ebenso sinnvoll sein wie Nahrungsergänzungsmittel. Sie sollten jedoch nicht unüberlegt und nicht beliebig miteinander kombiniert werden, sondern mit Bedacht und nach Notwendigkeit ausgewählt werden. Nahrung ist ein essenzieller Baustein für einen gesunden Körper – nicht nur bei der Katze, aber eben auch bei ihr.


Carmen Schell, Inhaberin von Cattalk®, ist als ausgebildete Tierpsychologin (ATN) mit dem Fachgebiet Katze im Rhein-Main-Gebiet, überwiegend rund um Darmstadt und Frankfurt sowie im Online-Coaching tätig. Sie bietet professionelle Unterstützung bei allen Fragen zu der Haltung und Problemverhalten von Samtpfoten. Neben der persönlichen Beratung gibt sie regelmäßig Vorträge und bundesweite Seminare für interessierte Laien und Profis. Ihr Herz hat die Autorin besonders an Katzen aus dem Tierschutz verloren und engagiert sich ehrenamtlich im regionalen Tierschutz.


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