3 Tipps für artgerechtes Spielen mit der Katze

vor 11 Monaten
21265
0

Artgerechtes Spielen mit der Katze

Während Kitten noch nach allem Jagen und sofort los hüpfen, sobald sich etwas vor ihnen bewegt, werden Katzen im Laufe ihres Lebens immer mehr zu spezialisierten Jägern, die nur noch nach einer Beute springen, wenn es sich für sie lohnt und sich das Objekt vor ihnen auch nach „echter“ Beute anfühlt. Recht häufig endet diese Spezialisierung in der Fehlannahme von uns Menschen, dass eine erwachsene oder gar ältere Katze eben einfach nicht mehr spielen möchte. Tatsächlich spielt eine Katze lebenslang – denn sie bleibt lebenslang ein kleines Raubtier, das über das Spiel die erfolgreiche Jagd nach Nahrung übt und simuliert, selbst wenn wir täglich für sie ein Döschen öffnen. Worauf solltest du achten, um artgerechtes Spielen mit der Katze lebenslang zu gewährleisten? Hier kommen die Top 3 Spielregeln!

1. Spielen muss realistisch sein

Mal ehrlich? Wie intensiv hast du dich schon mit dem Verhalten einer Maus, eines kleinen Falters oder vielleicht eines Vogels auseinandergesetzt? Noch gar nicht? Solltest du aber, denn ein Spiel ist dann für deine Katze besonders spannend, wenn es einer realen Jagd besonders ähnlich ist. Beim möglichst realistischen Spielzeug angefangen hin zu seinen Bewegungen und Geräuschen regt jedes Detail den Jagdinstinkt deines Minitigers an.

Die Beute einer Katze ist klein – als Maus bewegt sie sich vorsichtig durch raschelndes Laub. Sie verharrt, wenn sie im Fokus der Katze ist. Der kleine Nager zittert vielleicht ein bisschen vor Angst und flitzt blitzschnell in ein neues Versteck, wenn die Katze einen kurzen Moment unaufmerksam wird. Eine Motte ist winzig und sieht eher unauffällig aus. Der Falter bewegt sich vermeintlich unkoordiniert in einer Art „Schleifen“ durch die Luft und kommt dabei zufällig ins Sichtfeld der Katze, um – ähnlich einem Vogel – sofort wieder weiter zu fliegen. Der Vogel wiederum weiß wohl um seinen Fressfeind und fliegt möglichst außerhalb der Reichweite der Katze. Nur in einem ungeschickten oder schwachen Moment verliert er kurz an Höhe oder setzt sich in gewissem Abstand zu der Katze auf den Boden, um nach Nahrung zu picken.

Artgerechtes Spielen mit der Katze durch realistische Nachahmung

Vergleiche diese Bewegungen mit deinen während du spielst, um artgerechtes Spielen mit der Katze zu ermöglichen. Bewegst du das Spielzeug realistisch wie einen Vogel, der sich vorsichtig und weitegehend außer Reichweite deiner Katze bewegt und eben nur manchmal scheinbar unaufmerksam in ihre Nähe kommt? Oder scheint dein „Vögelchen“ keinen allzu ausgeprägten Überlebenswillen zu haben während du mit dem Federpuschel unmittelbar vor dem Gesicht deiner vermutlich eher irritierten oder sogar genervten Katze herum fuchtelst? Achte auf ein artgerechtes und faires Spiel. Sorge also auch dafür, dass deine Katze immer wieder erfolgreich im Erhaschen des Spielzeugs ist – sonst würde es den kleinen Jäger auf Dauer frustrieren.

2. Häppchenweise statt ausufernde Spieleinheiten

Der Körper der Katze ist für viele kleine Mahlzeiten „gebaut“. In der Natur erjagt sie sich durchschnittlich über ein gutes Dutzend kleiner und großer Beutetiere über den Tag verteilt (zwischen 15 und 30 sind es sogar). Eine Jagdsequenz dauert im Schnitt etwa 30 Minuten und beginnt schließlich bei Bedarf von Neuem. Die meiste Zeit einer Jagd besteht aus Lauern, Überlegen, Beobachten. Erst im letzten Moment schießt die Katze los, um ihre Beute zu fassen – oder erneut ins Lauern zu gehen. Möchten wir unserem Jäger ein artgerechtes und interessantes Spiel anbieten, sollten wir mehrere, eher kürzere Spieleinheiten über den Tag verteilt anbieten und nicht nur die berühmte abendliche Stunde, in der wir uns meist wundern, dass die Miez‘ nach wenigen Minuten scheinbar gelangweilt abdreht und sich anderem widmet.

Ist unser Spiel als solches nicht langweilig, kann es die Dauer des Angebots sein, die für das Tier unattraktiv ist. Schau am besten, ob du deine Alltagstätigkeiten mit mehreren, längeren und kürzeren Spielangeboten ergänzen kannst. Eine kurze Spieleinheit morgens nach dem ersten Kaffee oder Tee und schließlich eine weitere unmittelbar bevor du deine Arbeit aufnimmst oder aus der Wohnung gehst. Ergänze dein interaktives Spiel mit solitären Futterspielen während deiner Abwesenheit. Nach dem Heimkommen hast du vielleicht etwas mehr Zeit für eine längere, aktive Spielsession, in der du den kleinen Tiger so richtig aus der Reserve lockst. Dein Tag könnte schließlich mit einer weiteren Action-Einheit abschließen, die du langsam und mit einer etwas größeren Futterportion beendest, um die Katze für die Nacht ausreichend auszupowern und zu sättigen.

3. Gib euch Zeit & habt Spaß!

Artgerechtes Spielen mit der Katze beinhaltet auch, ihnen selbst unter größtem Zeitdruck das Gefühl zu vermitteln, sie seien nicht nur der Mittelpunkt unserer Welt (was sie zweifelsohne natürlich sind), sondern wir hätten zudem alle Zeit dieser Welt für sie. Gib dir und deiner Katze also vor allem Zeit und die Aufmerksamkeit, gemeinsam zu entdecken, was euch Spaß macht im Spiel. Statt stupide mit einem Federwedel vor ihr herumzuwedeln, teste aus, wer von euch als Erstes die Nerven verliert und sich bewegt während die Spielbeute bis zum Bersten angespannt mit nur einem winzigen Stückchen unter der Decke herausguckt und sich erst bewegt, wenn die Katze für einen kurzen Moment woanders hinschaut oder einem interessanten Geräusch folgt. Kennst du noch das Spiel aus der Kindheit: „Wer sich als Erste:r bewegt, hat verloren?“ Spiel es leicht abgewandelt mit deiner Katze, indem du das Spielzeug nur gering bewegst – du erinnerst dich: die Beute zittert! Je interessanter du spielst, desto mehr Spaß werden du und deine Katze haben!

Übrigens: Wenn die Miez‘ für einen kurzen Moment das Spielfeld verlässt, heißt das nicht zwangsläufig, dass sie keine Lust mehr hat. Vielleicht war die Jagd ein bisschen zu aufregend für sie und sie beruhigt sich bei einer kurzen Runde einfach wieder, um sich besser konzentrieren zu können. Warte also einen Moment bevor du das Spielzeug wieder wegpackst, wenn der kleine Jäger wirklich nicht mehr zurückkommt.


Carmen Schell, Inhaberin von Cattalk®, ist als ausgebildete Tierpsychologin (ATN) mit dem Fachgebiet Katze im Rhein-Main-Gebiet, überwiegend rund um Darmstadt und Frankfurt sowie im Online-Coaching tätig. Sie bietet professionelle Unterstützung bei allen Fragen zu der Haltung und Problemverhalten von Samtpfoten. Neben der persönlichen Beratung gibt sie regelmäßig Vorträge und bundesweite Seminare für interessierte Laien und Profis. Ihr Herz hat die Autorin besonders an Katzen aus dem Tierschutz verloren und engagiert sich ehrenamtlich im regionalen Tierschutz.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.