Übertriebene Ressourcenverteidigung beim Hund

2406
0

Übertriebene Ressourcenverteidigung beim Hund

Allgemeines zum Verhalten

Dass ein Hund eine Ressource, wie beispielsweise sein heiß geliebtes Spielzeug, verteidigt, ist erst einmal nichts Ungewöhnliches, sondern zählt zum normalen hündischen Verhalten. In einem gewissen Rahmen mag uns dies sogar ganz niedlich erscheinen. Zeigt sich jedoch in übertriebenem Maße, sprechen wir von übertriebener Ressourcenverteidigung beim Hund. Doch warum zeigt unser Hund überhaupt dieses Verhalten? Um verstehen zu können, wie die übertriebene Ressourcenverteidigung beim Hund entsteht, müssen wir die Ursachen ganz genau beleuchten.

Was muss ich über Ressourcenverteidigung wissen?

Hunde können Verschiedenes als wichtige Ressource empfinden. Wir unterscheiden dabei zwischen Objekten und sozialen Rechten. Zu ersterem zählen Gegenstände aller Art, die für unseren Hund eine Bedeutung haben, wie beispielsweise ein gefundenes Stöckchen, Spielobjekte, das Haus, der Garten, die Hundebox, aber auch das Futter oder Wasser. Auch Artgenossen oder wir als Bezugsperson oder andere Familienmitglieder können von unserem Hund als wichtige Ressourcen wahrgenommen werden, die es gilt, zu verteidigen.
Bei den sozialen Rechten hingegen kann es sich um Liegeplätze oder den Türdurchgang handeln.

Wie vehement ein Hund eine Ressource verteidigt und wie stark er dabei Aggressionen zeigt, hängt von verschiedenen Faktoren, wie beispielsweise der genetischen Disposition, des Gesundheitszustandes, von gemachten Erfahrungen, der Beziehung zum Sozialpartner Mensch usw., ab.

Die übertriebene Ressourcenverteidigung beim Hund geht immer mit der Angst einher, eine wichtige Ressource zu verlieren. Das kann sich bis zum krankhaften Verhalten steigern.

Was tun, wenn der Hund zu besitzergreifend ist?

Ist dein Hund von übersteigerter Ressourcenverteidigung betroffen, empfehlen wir dir, sein krankhaftes Verhalten als solches wahrzunehmen und nicht mit Wut, Zorn oder Ungeduld zu reagieren. Dein Hund verhält sich bestimmt nicht so, weil er Lust dazu hat oder dich ärgern und dir das Leben erschweren möchte. Er selbst leidet unter diesem Verhalten und ist großem Stress ausgesetzt. Er benötigt Unterstützung und Hilfe. Ebenso ist es wichtig, die Situation nicht eskalieren zu lassen und zu verschlimmern, da es mitunter auch gefährlich sein könnte.

Der Alltag kann sehr belastend sein. Zögere daher nicht und nimm ruhig fachmännische Unterstützung (vom Tierarzt, Tierheilpraktiker und Hundeverhaltensberater) an. Du erhältst einen auf eure Bedürfnisse maßgeschneiderten Trainingsplan mit wertvollen Übungen und kannst dich jemandem anvertrauen.

Wie bereits erwähnt, schwingt mit der Ressourcenverteidigung auch Aggressionsverhalten mit. Je nach Wichtigkeit der Ressource kann das Aggressionsverhalten unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sowohl Artgenossen als auch Menschen gegenüber gezeigt werden. Um Mitmenschen und andere Vierbeiner zu schützen und den Druck rauszunehmen, solltest du über die Verwendung eines Maulkorbs nachdenken. Ist der Maulkorb positiv antrainiert, kann dein Hund ihn problemlos und entspannt tragen.

Übertriebene Ressourcenverteidigung beim Hund im Alltag

Deine Stimmung spielt eine wichtige Rolle. Lasse dich nicht auf einen Machtkampf mit deinem Hund ein und vermeide jegliche Provokation. Setze stattdessen auf eine ruhige Stimmung und deeskalierendes Verhalten. Überlege dir in Ruhe, was im Alltag deines Hundes als wichtige Ressource gilt. Es kann sehr nützlich sein, sich dessen bewusst zu werden und darauf zu achten.

Befasse dich zudem mit dem Kommunikations- und Ausdrucksverhalten deines Hundes. Du kannst in Büchern nachlesen, an Workshops und Seminaren teilnehmen oder dich online weiterbilden. Die Möglichkeiten, die Hundesprache besser lesen und verstehen zu können, sind sehr vielfältig. Dieses Wissen kann dir dabei helfen, Aggressionsverhalten und Stress schneller zu erkennen. Denn bevor dein Hund solche Verhaltensweisen sehr offensichtlich zeigt, gibt es in der Regel Vorboten. Beobachte deinen Hund ganz genau. Wie ist sein Verhalten zum Beispiel bei dem Spielzeug? Wie verhält er sich beim Spiel, oder wenn das Spielzeug nur irgendwo auf dem Boden liegt? Wie reagiert er, wenn du das Spielzeug wegräumst? Nimmt das mitunter seinen Stress? Dies könnte eine Möglichkeit sein, Druck und Anspannung aus der Situation zu nehmen. Reagiert dein Hund entspannter, wenn das Spielzeug nicht auf dem Boden herumliegt, räume es erstmal zur Seite bis eine entsprechende Lösung für euch erarbeitet ist.

Dieser Artikel stellt keine Alternative zum Tierarztbesuch da.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften. Als Dozentin ist Kristina Ziemer-Falke sehr gefragt und deutschlandweit auf Seminaren und Vorträgen zu Themen rund um den Hund anzutreffen.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.