Schipperke im Rasseportrait

8834
0

Schipperke

Schipperke

Wachhunde
Herkunft Belgien Lebenserwartung ca. 14 Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde Funktion Wachhunde
Größe Kleine Hunderassen Häufige Krankheiten keine
Gewicht 4-7 kg Felllänge mittellang
Charakter/Wesen agil, unruhig, wachsam, neugierig Fellfarbe schwarz
Besonderheiten

keine

Herkunft und Rassegeschichte

Der Schipperke ist ein meist schwarzer etwas an einen Wolf erinnernder kleiner Hund aus Belgien. Der oder das Schipperke ist ein außergewöhnlicher Hund. Er könnte ein Schäferhund im Kleinformat sein, ist dazu in seiner Gesamtform aber zu quadratisch. Manche sehen ihn als eine Stammform der belgischen und überhaupt mitteleuropäischen Schäferhunde. Schipperke, im flämischen „Schäperke“ ausgesprochen, meint wörtlich übersetzt kleiner Schäferhund.

Das Wort Schipperke könnte aber auch aus dem Niederdeutschen stammen und auf seine Dienste auf Flussschiffen gemünzt sein. Schließlich wurde der Schipperke über die Grenzen Belgiens als behender und treuer Wächter auf den Binnenschiffen bekannt. So wurde er lange Schifferspitz oder kurz Spitzke genannt. Auch an Land macht er sich als effektiver Haus- und Hofwächter verdient, der nebenbei auch noch Ungeziefer klein hält und eine überschaubare Herde von Schafen oder Gänsen hüten hilft. Offiziell zählen ihn die Zuchtverbände wie VDH oder FCI zu den Hüte- und Treibhunden.

Die Erkenntnisse der modernen Genetik sagen etwas anderes. In einer umfassenden Gen-Analyse aus dem Jahr 2017 über mehr als 100 Hunderassen mit mehr als 13.000 Hunden durch ein Team von Genetikern um Heidi Parker, wird der Schipperke neben Kleinspitze wie den deutschen Pomeranian oder den italienischen Volpino und das Brüsseler Griffon gestellt. Eine genetische Nähe zu Belgischen Schäferhunden wie Malinois oder Bouvier des Flandres, die ebenso an dieser Studie teilnahmen, wird von den Wissenschaftlern nicht gesehen. Das spielt aber letztlich keine Rolle. Ob mehr Schäferhund oder Spitz: Der Schipperke ist ein toller, einzigartiger, äußerst interessanter Hund! Er verbindet alle Vorteile eines Kleinhundes mit denen eines gemäßigten Arbeitshundes. Dazu ist er ausgesprochen umgänglich, pflegeleicht und robust.

Der Schipperke ist eine alte Hunderasse, die bereits im Mittelalter existierte. Allerdings bildeten sich in den Regionen Antwerpen, Löwen und Brüssel jeweils Varietäten heraus. Im belgischen Spa wurde er 1882 erstmals auf einer Hundeausstellung vorgestellt. Seit 1885 wird er nach Stammbuch gezüchtet. Während des II.Weltkriegs wäre er fast ausgestorben. In Deutschland wird er heute vom Verband Deutscher Kleinhundezüchter im VDH betreut. Nur 20 bis 30 Welpen fallen pro Jahr unter dem Dach des VDH. Dem Schipperke wäre eine größere Verbreitung zu wünschen, denn er ist ein pflegeleichter und ausgesprochen interessanter Begleiter für viele Hundefreunde.

Beschreibung

Mit 29 bis 36 Zentimetern Widerristhöhe sind Schipperkes körperlich eher kleine Hunde. Doch Schipperkes habe es in sich, sie haben einen großen Charakter und starken Willen. Auch in ihrer Leistungsfähigkeit sind sie groß. Unverwechselbar ist ihre Gesamterscheinung. In Vielem sehen sie aus wie die – allerdings robuste, kräftige – Miniaturausgabe eines Wolfes. Sie sind nur nicht so lang, vielmehr quadratisch im Profil. Der Fang ist kürzer und spitzer. Der ganze Gesichtsausdruck erinnert an einen Fuchs mit dessen Schläue. Der Standard führt weiter aus:

Er hat einen harmonischen Körper, kurz, ziemlich breit und gedrungen. Die Gliedmaßen haben einen feinen Knochenbau. Sein sehr charakteristisches Haarkleid ist dicht und gerade, Halskragen, Mähne, Schürze und Hose bildend, was ihm sein wirklich eigenartiges Aussehen gibt. Die Geschlechtsunterschiede (Geschlechtsdimorphismus) sind betont. Seine Erscheinung, dazu seine charakteristischen Merkmale und sein Schäferhundwesen, alles zusammen im kleinen Format erklärt seine große Beliebtheit weit über die belgische Grenze.

Der Schipperke ist einfarbig, meist schwarz. Schoko und beige sind aber auch zulässig. Die Rute ist hoch angesetzt, oft etwas geringelt aber in Ruhestellung meist herabhängend. Die Augen sind dunkelbraun und mandelförmig. Das Gewicht sollte zwischen 4 und 7 Kilogramm liegen.

Charakter und Wesen

Der Schipperke ist agil und leistungsbereit. Er ist kein Partner für Langweiler und Stubenhocker. Und doch braucht er keinen täglichen Halbmarathon, um ausgelastet zu sein. Der Schipperke ist lernbegierig und lernfähig. Er hat zugleich einen starken eigenen Willen und will die Dinge, die ihm am Herzen liegen, wie das Bewachen der Wohnung, auch nach eigenem Geschmack praktizieren. Da müssen Herrchen und Frauchen vom Welpen an klar zeigen, wo die Hausordnung hängt. Das Schipperke ist ein ausgesprochen zuverlässiger Wächter und Behüter der Wohnung und Familie.

Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen treffend so: „Ein vorzüglicher kleiner Wachhund, hervorragender „Melder“, mit überschwänglicher Vitalität, Fremden gegenüber zurückhaltend. Beweglich, agil, unermüdlich, ständig beschäftigt mit dem was um ihn herum passiert. Er verteidigt heftig alle Gegenstände, die ihm zum Bewachen anvertraut wurden, sehr sanft mit Kindern, immer neugierig auf alles, was sich bewegt oder was hinter einer Tür ist. Mit seiner hellen Stimme, seiner aufgerichteten Mähne und Rückenhaaren, zeigt er seine Eindrücke. Er ist ein Schnüffler, der Jagd auf Ratten, Maulwürfe und anderes Ungeziefer macht.“ Schipperkes sind gegenüber ihren Menschen sehr anhänglich und zugewandt. Sie sind sehr kinderlieb und familienfreundlich. Sie lassen sich sehr gut mit anderen Haustieren halten. Das kluge und freundliche Wesen ist bestimmend für den Schipperke. Das gilt aber nicht für Fremde. Hier ist er zurückhaltend. Ungebetene Gäste können ihn sogar als „leibhaftigen Teufel“ erleben. Es heißt, dass man bei einem Schipperke im Haus, getrost den Schlüssel stecken lassen könne.

Haltung

Der Schipperke ist ein agiler Hund und braucht eher aktive Menschen um sich. Er braucht zudem den engen Familienanschluss, die innige Bindung zu seinem Herrchen und Frauchen. Er braucht vor allem eine klare Ansage, wer im Haus zu bestimmen hat. Das sollte einmal geregelt sein. Seine Menschen werden dann als Autoritätsperson gerne akzeptiert. Schipperkes sind hervorragende Wächter. Du musst deinem Schipperke aber erklären wo seine Aufgaben anfangen und vor allem wo sie aufhören, sonst kann er auch zum Kläffer werden. Der kluge, gelehrige Hund versteht das. Neben täglichen Runden durch die Natur liebt das Schipperke auch die Herausforderungen durch diverse Hundesportarten. Schipperkes sieht man sogar als Rettungshunde. Durch die geringe Größe haben sie ein sehr interessantes Verhältnis von Leistungsfähigkeit und Ansprüchen an ihre Haltung. Der Schipperke ist hinsichtlich der äußeren Rahmenbedingungen sehr anspruchslos. Man kann ihn  auch in einer Großstadtwohnung halten. Schipperkes sind keine Raufer und können sich, konsequent erzogen, als Begleithund vorbildlich selbst im ärgsten Großstadtdschungel bewegen. Natürlich sind sie auch hervorragende und problemlose Begleiter auf Reisen, im Restaurant oder Hotel. Ihre Robustheit und geringe Größe machen sie zudem ausgesprochen praktisch.

Erziehung

Ein Schipperke lässt sich sehr gut erziehen. Herrchen und Frauchen sollten die richtige Mischung aus gegenseitigem Vertrauen, emotionaler Bindung und konsequenter Ansage finden. Der Schipperke hat ein offenes Wesen, will lernen und sich an seinem Herrchen und Frauchen orientieren. Mit seiner Intelligenz, Agilität und starkem Willen fordert er die Erziehungsfähigkeit seiner Menschen zuweilen heraus. Mit etwas Fachkunde, Konsequenz und einer liebevollen Bindung zwischen Zwei- und Vierbeiner lassen sich solche Herausforderungen sehr gut meistern. Der Schipperke verzeiht auch schon einmal Erziehungsfehler. Dieser intelligente, menschenbezogene Hund braucht eine verständnisvolle, mit Liebe führende Hand. Grundlage jeder Erziehung ist die enge gegenseitige Bindung. Härte oder Kasernhofstil sind vollkommen kontraproduktiv.

Pflege und Gesundheit

Die Pflege eines Schipperkes ist anspruchslos. Lediglich während der Zeiten des Fellwechsels muss man regelmäßig bürsten.

Rassetypische Krankheiten

Der Schipperke ist eine gesunde und robuste Hunderasse. In der Population des Schipperke ist seit dem Mittelalter ein Gendefekt verbreitet, der sich in Schwanzlosigkeit (Anurie) zeigt. Lange Zeit war die Schwanzlosigkeit sogar erwünscht und es wurde danach gezüchtet. Neben vielen weiteren schädlichen Effekten dieses Gendefektes führt er immer zum Tode, wenn er von beiden Elternteilen vererbt wird. Daher solltest du aus Tierschutzgründen davon Abstand nehmen, einen schwanzlosen Welpen zu kaufen. Diese werden glücklicherweise heute eh nur noch selten angeboten.

Ernährung

Der Schipperke ist beim Thema Ernährung in aller Regel unproblematisch.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung eines gesund gezüchteten Schipperkes sollte bei etwa 14 Jahren liegen.

Schipperke kaufen

Wenn du einen Schipperke in dein Leben holen willst, solltest du rechtzeitig mit einem Züchter Kontakt aufnehmen und dich beizeiten auch vor Ort umschauen. Du solltest Züchter meiden, die schwanzlose Welpen anbieten. Ein Welpe kostet ca. 1.200 Euro.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.