Kromfohrländer im Rasseportrait

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Kromfohrländer

Kromfohrländer

Familienhunde
Herkunft Deutschland Lebenserwartung 12 und mehr Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde Funktion Familienhunde
Größe Mittelgroße Hunderassen Häufige Krankheiten Keine
Gewicht 10-12 kg Felllänge kurz
Charakter/Wesen temperamentvoll, lernwillig, gutmütig, wachsam Fellfarbe weiß-braun
Besonderheiten

geringer Jagdtrieb, neue Hunderasse

Herkunft und Rassegeschichte

Der Kromfohrländer ist eine mittelgroße Begleithunderasse, die im Nachkriegsdeutschland entstanden ist. Wie so oft ranken sich viele Erzählungen um Gründung und Herkunft einer Hunderasse, wo Wahrheit und Dichtung kaum zu unterscheiden sind. So auch beim Kromfohrländer. 1945 sollen amerikanische Soldaten einen Hund mit ins Siegerland gebracht haben, den sie in Frankreich aufgegabelt hatten. Peter, wie dieser Rüde später genannt wurde, machte sich selbständig, fand dann aber kaum etwas zu fressen. Der völlig abgemagerte Hund sollte bereits erlöst werden. Da jedoch nahm ihn Ilse Schleifenbaum, Gattin eines Anwalts aus Siegen, auf. Später wird berichtet, dass Peter ein Bretonischer Griffon gewesen sei. Angesichts seines Aussehens, seiner unbekannten Herkunft und des unterschiedlichen Felltyps seiner Nachkommen ist das allerdings eine sehr gewagte Behauptung. Peter selbst wird das egal gewesen sein. Er erholte sich jedenfalls schnell und machte sich als Begleiter von Frau Schleifenbaum ganz hervorragend.

Die Nachbarn der Schleifenbaums hatten eine Hündin ohne Stammbaum, Fiffi genannt, die als Foxterrier beschrieben wird. So kam es zur Paarung und gesunden Welpen. Durch die Wirren und Entbehrungen des Krieges hatte überall die Zucht von Rassehunden gelitten. Manche Rassen standen sogar kurz vor dem Aussterben. Deshalb fanden die Welpen von Peter und Fiffi schnell ein gutes Zuhause.

Ilse Schleifenbaum ließ diese Paarung etliche Male wiederholen. Schließlich fasste sie den Plan, eine neue Hunderasse zu etablieren. Letztlich sollte sie über 400 Welpen vermarkten. So verzeichnete es der Schweizer Kynologe Hans Räber in seiner Enzyklopädie der Rassehunde. In Otto Borner aus Dortmund, dem damaligen Geschäftsführer des VDH, fand sie einen entscheidenden Verbündeten. Gegen alle Widerstände wurde 1955 der Kromfohrländer vom VDH als neue Hunderasse anerkannt. Ilse Schleifenbaum war zu dieser Zeit die einzige Züchterin. Es gab auch nur eine einzige Zuchtlinie, die von Peter und Fiffi. Etliche Male war sogar Inzestzucht angewandt worden, um ein einheitliches Bild der Hunde für deren Anerkennung als neue Rasse zu erhalten. Diese extrem schmale Zuchtbasis wirkt allerdings noch heute als ernste Belastung der Hunderasse.

Heute wäre die Anerkennung einer neuen Hunderasse auf einer solchen Basis nicht mehr denkbar; es gelten hier wesentlich strengere Regularien. Der Kromfohrländer hat es trotzdem geschafft. Bis heute hat er sich eine kleine aber stabile und engagierte Liebhaberschaft aufgebaut. 1955 wurde der Rassezuchtverein der Kromfohrländer in Siegen gegründet, der seine Zucht noch heute im VDH vertritt. Bereits am 28.11.1955 erfolgte die offizielle Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale. In Deutschland fallen heute etwa 200 Kromfohrländer-Welpen pro Jahr unter dem Dach des VDHs.

Angesichts der Inzucht-Problematik hat sich 2010 der Zuchtverein ProKromfohrländer e.V. gegründet, der mit gezielten Einkreuzungen und weitere Maßnahmen systematisch gegensteuern will. So wird der Dansk-Svensk Gårdshund zur Verbesserung der Zuchtbasis eingekreuzt. Bei ihm handelt es sich um eine von der FCI vorläufig anerkannte, sehr ähnliche dänisch-schwedische Hunderasse. Angesichts der Zuchtgeschichte des Kromfohrländers und der sehr schön passenden körperlichen wie psychischen Merkmale scheint dies ein guter Weg zu sein. Der Name Kromfohrländer stammt übrigens von einem Tal bei Siegen, das Krom Fohr = Krumme Furche genannt wird.

Beschreibung

Der Kromfohrländer ist ein mittelgroßer Hund mit 38 bis 46 Zentimetern Widerristhöhe. Dabei hat er ein Gewicht von 10 bis 12 Kilogramm. Es fallen zwei verschiedene Haararten: Rauhhaar und Glatthaar. Soweit die Bestimmungen des Standards zur allgemeinen Erscheinung. Zur Fellfarbe sagt der Standard:

Grundfarbe weiß; hellbraune, rotbraune bis stark dunkelbraune Abzeichen in Form von verschieden großen Flecken oder als Sattel. Schwarze Haarspitzen bei brauner Unterwolle erlaubt. Am Kopf: hellbraune, rotbraune bis dunkelbraune Abzeichen an den Backen, über den Augen und auf den Ohren. Weitgehend symmetrisch unterteilt mit einer bis auf die Stirn reichenden oder bis zum Nacken durchgehenden weißen Zeichnung (symmetrische Maske mit Blesse).

Als Folge der extremen Inzucht wurden die Hunde in der Praxis hinsichtlich ihrer Brauntöne immer blasser. Deshalb wurden in den 1960er Jahren Foxterrier eingekreuzt, um die Farben zu verbessern. Der Kromfohrländer hat handliche Maße, die er mit seiner fröhlichen, freundlichen, aufgeweckten Ausstrahlung verbindet.

Charakter und Wesen

Der Rassezuchtverein der Kromfohrländer bringt sein Wesen so auf den Punkt: „Der reinrassige Kromfohrländer ist seinem Wesen nach ein anpassungsfähiger, sensibler und auch feinfühliger Hund mit Terrierblut.“ Er ist ein echter Familienhund. Ihr folgt er wo er nur kann. Zugleich trägt er Züge des von Konrad Lorenz beschriebenen „Einmannhundes“. Innerhalb seiner Menschen gibt es immer ein, zwei Personen an die er sich besonders eng bindet. Hier können besonders innige Freundschaften erwachsen, wenn es seine Menschen nur zulassen. Dann ist die Welt für den Hund in Ordnung, wenn diese seine Herzensfreunde da sind. Ihnen ist er treu ergeben. Fehlen sie, ist er unruhig und schaut nur zur Tür, wann denn endlich Herrchen oder Frauchen kommen.

Mit etwas guter Erziehung und Führung ist er ein sehr umgänglicher Familienhund, der sich auch gut im Zusammenleben mit Kindern macht. Zugleich ist er Fremden gegenüber eher reserviert. Somit sind die meisten Kromfohrländer auch sehr wachsam. Manche bellen sehr dezent, andere melden jede Bewegung. An der Leine wie im eigenen Revier neigt der Kromfohrländer schon manchmal zum Größenwahn. Das scheint ein Erbe des Terriers zu sein. Hier müssen seine Bezugspersonen eine klare Führung zeigen. Erst mit der Entwicklung seiner eigenen Persönlichkeit, meist im Alter von zwei Jahren, wird er im Umgang nach außen gelassener. Ein weiterer Vorteil des Kromfohrländers ist, dass er kaum Jagdtrieb hat. Das macht Gassi Runden oder Wanderungen in der Natur mit ihm sehr entspannend.

Haltung

Der Kromfohrländer ist mit etwas Geschick und Hundeverstand gut führbar. Er braucht die liebevolle Umsorgung durch Herrchen und Frauchen, eine Liebe, die er gerne zurückgibt. Durch seine starke Orientierung an einer Person kommt dieser eine besondere Verantwortung zu. Ansonsten ist die Haltung eines Kromfohrländers völlig unproblematisch. Er ist sehr flexibel und passt sich gerne dem Lebensstil seiner Menschen an. Das macht ihn zu einem guten Begleithund.

Einigermaßen gut erzogen lässt sich ein Kromfohrländer überall hin mitnehmen, sei es in ein Restaurant, ein Hotel oder auf Reisen. Natürlich will auch er seine täglichen Ausflüge in die Natur. Er ist sportlich und leistungsfähig, aber kein Junkie, der Beschäftigung fordert. Er ist schlicht ein äußerst angenehmer Begleiter, der alles mitmacht aber nichts Besonderes braucht. Darüber hinaus ist er ein guter Familienhund und Partner der Kinder. Der Kromi eignet sich ebenso für Singles ob jung oder alt. Entscheidend ist, dass sich seine Bezugsperson(en) liebevoll um ihn kümmern.

Erziehung

Die Erziehung des Kromfohrländers ist ein gerne unterschätztes Kapitel. Als putziger Welpe in die Familie gekommen, neigt man gerne dazu, ihm einiges durchgehen zu lassen – sollte man aber nicht. Denn er braucht und will von Anfang an eine konsequente Hand. A und O seiner Erziehung ist dabei liebevolle Konsequenz. Es sollten Regeln aufgestellt werden, die dann eingehalten werden müssen. Das gilt gerade auch für seine Lieblings-Zweibeiner. Er lernt solche Regeln schnell. Er ist aber auch intelligent genug, jede Inkonsequenz zu erkennen. Diese nutzt er dann bei Bedarf aus. Konsequenz darf allerdings nie mit Härte oder gar Brutalität verwechselt werden. Diese würden den Hund psychisch zerstören. Die Führung muss auf der Basis inniger Bindung zwischen Hund und Halter erfolgen. Vertrauen gegen Vertrauen; damit kann der Kromfohrländer sehr gut leben. So gelingt seine Erziehung leicht und ist dann auch für den engagierten Anfänger problemlos machbar.

Pflege und Gesundheit

Fellpflege

Die Pflege eines Kromfohrländers ist problemlos; regelmäßiges Bürsten reicht.

Rassetypische Krankheiten

Der Kromfohrländer trägt zuchtbedingt ein erhöhtes Risiko für einige Erbkrankheiten. Dieses wird jedoch von den beiden Zuchtvereinen ernsthaft bekämpft.

Ernährung/Futter

Der Kromfohrländer ist in seiner Ernährung in der Regel unproblematisch.

Lebenserwartung

Der Kromfohrländer hat eine Lebenserwartung von 12 und mehr Jahren.

Kromfohrländer kaufen

Suchst du einen Kromfohrländer-Welpen, solltest du dich vor Ort mit einem Züchter in Verbindung setzen, der einem der beiden Kromfohrländer-Zuchtvereinen angeschlossen ist. Hunde dieser Rasse kosten um 1000 Euro.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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