Kromfohrländer im Rasseportrait

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Kromfohrländer

Steckbrief

Familienhunde
Herkunft Deutschland Lebenserwartung 12 und mehr Jahre
FCI-Standard FCI Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde Funktion Familienhunde
Größe Mittelgroße Hunderassen Häufige Krankheiten Keine
Gewicht 10-12 kg Felllänge kurz
Charakter/Wesen temperamentvoll, lernwillig, gutmütig, wachsam Fellfarbe weiß-braun
Besonderheiten

geringer Jagdtrieb, neue Hunderasse

Rassenmerkmale und Erscheinungsbild

Wie sieht ein Kromfohrländer aus?

Der Kromfohrländer ist eine mittelgroße Begleithunderasse. Es fallen zwei verschiedene Haararten: Rauhhaar und Glatthaar. Das sagen die Bestimmungen des Standards zum allgemeinen Erscheinungsbild. Zur Fellfarbe sagt der Standard:

Grundfarbe weiß; hellbraune, rotbraune bis stark dunkelbraune Abzeichen in Form von verschieden großen Flecken oder als Sattel. Schwarze Haarspitzen bei brauner Unterwolle erlaubt. Am Kopf: hellbraune, rotbraune bis dunkelbraune Abzeichen an den Backen, über den Augen und auf den Ohren. Weitgehend symmetrisch unterteilt mit einer bis auf die Stirn reichenden oder bis zum Nacken durchgehenden weißen Zeichnung (symmetrische Maske mit Blesse).

Als Folge der extremen Inzucht wurden die Hunde in der Praxis hinsichtlich ihrer Brauntöne immer blasser. Deshalb wurden in den 1960er Jahren Foxterrier eingekreuzt, um die Farben zu verbessern. Ein Kromfohrländer hat handliche Maße, die er mit seiner fröhlichen, freundlichen, aufgeweckten Ausstrahlung verbindet.

Wie groß ist ein Kromfohrländer?

Er hat eine Widerristhöhe von 38 bis 46 Zentimetern bei einem Gewicht von 10 bis 12 Kilogramm.

Wie alt wird ein Kormforländer

Er hat eine Lebenserwartung von 12 und mehr Jahren.

Wesenszüge und Charaktereigenschaften

Welche Eigenschaften hat ein Kromfohrländer?

Der Rassezuchtverein der Kromfohrländer bringt sein Wesen folgendermaßen auf den Punkt:

Der reinrassige Kromfohrländer ist seinem Wesen nach ein anpassungsfähiger, sensibler und auch feinfühliger Hund mit Terrierblut.

Er ist ein echter Familienhund. Ihr folgt er wo er nur kann. Zugleich trägt er Züge des von Konrad Lorenz beschriebenen „Einmannhundes“. Innerhalb seiner Menschen gibt es immer ein, zwei Personen an die er sich besonders eng bindet. Hier können besonders enge, ja innige Freundschaften erwachsen, wenn es seine Menschen nur zulassen. Dann ist die Welt für den Hund in Ordnung, wenn und solange diese seine Herzensfreunde da sind. Ihnen ist er treu ergeben. Fehlen sie ist er unruhig und schaut nur zur Tür, wann den endlich Herrchen oder Frauchen kommen. Mit etwas guter Erziehung und Führung ist er ein ausgesprochen umgänglicher Familienhund, der sich auch sehr gut im Zusammenleben mit Kindern macht. Zugleich ist er Fremden gegenüber eher reserviert. So sind die meisten Kromfohrländer auch sehr wachsam. Manche bellen sehr dezent, andere melden jede Bewegung. An der Leine wie auf eigenem Territorium neigt der Kromfohrländer schon manchmal zum Größenwahn. Das scheint ein Erbe des Terriers zu sein. Hier müssen seine Bezugspersonen eine klare Führungsrolle zeigen. Erst mit der Entwicklung seiner eigenen Persönlichkeit, meist im Alter von zwei Jahren, wird er im Umgang nach außen gelassener. Ein weiterer Vorteil des Kromfohrländers ist, dass er kaum Jagdtrieb hat. Das macht Gassirunden oder Wanderungen in der Natur mit ihm sehr entspannend.

KromfohrländerHerkunft & Geschichte

Wo kommt der Kromfohrländer ursprünglich her?

Der Kromfohrländer ist im Nachkriegsdeutschland entstanden. Wie so oft ranken sich viele Erzählungen um Gründung und Herkunft einer Hunderasse, wo – überprüfbare – Wahrheit und Dichtung kaum zu unterscheiden sind. So auch beim Kromfohrländer. 1945 sollen amerikanische Soldaten einen Hund mit ins Siegerland gebracht haben, den sie in Frankreich aufgegabelt hatten. Peter, wie dieser Rüde später genannt wurde, machte sich selbständig, fand dann aber kaum etwas zu fressen. Der völlig abgemagerte Hund sollte bereits erlöst werden, da nahm ihn Ilse Schleifenbaum, Gattin eines Anwalts aus Siegen, auf. Später wird berichtet, dass Peter ein Bretonischer Griffon gewesen sei. Angesichts seines Aussehens, seiner unbekannten Herkunft und schließlich angesichts des unterschiedlichen Felltyps seiner Nachkommen eine sehr gewagte Behauptung. Peter selbst wird das egal gewesen sein. Er erholte sich jedenfalls schnell und machte sich als Begleiter von Frau Schleifenbaum ganz hervorragend. Die Nachbarn der Schleifenbaums hatten eine stammbaumlose Hündin, Fiffi genannt, die als Foxterrier beschrieben wird. So kam es zur Paarung und gesunden Welpen. Durch die Wirren und Entbehrungen des Krieges hatte überall die Zucht von Rassehunden gelitten. Manche Hunderassen standen kurz vor dem Aussterben. So fanden die Welpen von Peter und Fiffi schnell ein gutes Zuhause. Ilse Schleifenbaum ließ diese Paarung etliche Male wiederholen und fasste schließlich den Plan, eine neue Hunderasse zu etablieren. Letztlich sollte sie über 400 Welpen vermarkten wie der Schweizer Kynologe Hans Räber in seiner Enzyklopädie der Rassehunde anmerkt. In Otto Borner, dem damaligen Geschäftsführer des VDH, im benachbarten Dortmund ansässig, fand sie einen entscheidenden Verbündeten. Gegen alle Widerstände wurde 1955 der Kromfohrländer vom VDH als neue Hunderasse anerkannt. Ilse Schleifenbaum war zu dieser Zeit die einzige Züchterin. Es gab auch nur eine einzige Zuchtlinie, die von Peter und Fiffi. Etliche Male war sogar Inzestzucht angewandt worden, um ein einheitliches Bild der Hunde für deren Anerkennung als neue Rasse zu erhalten. Diese extrem schmale Zuchtbasis wirkt noch heute als ernste Belastung dieser Hunderasse. Heute wäre die Anerkennung einer neuen Hunderasse auf einer solchen Basis nicht mehr denkbar; es gelten hier wesentlich strengere Regularien. Der Kromfohrländer sollte es aber schaffen und hat sich bis heute eine kleine aber stabile und engagierte Liebhaberschaft aufgebaut. 1955 wurde der Rassezuchtverein der Kromfohrländer in Siegen gegründet, der seine Zucht noch heute im VDH vertritt. Bereits am 28.11.1955 erfolgte die offizielle Anerkennung durch die Fédération Cynologique Internationale. In Deutschland fallen heute etwa 200 Kromfohrländer-Welpen pro Jahr unter dem Dach des VDHs. Angesichts der Inzuchtproblematik hat sich 2010 der Zuchtverein ProKromfohrländer e.V. gegründet, der mit gezielten Einkreuzungen und weitere Maßnahmen systematisch gegensteuern will. So wird der Dansk-Svensk Gårdshund, eine von der FCI vorläufig anerkannte, sehr ähnliche dänisch-schwedische Hunderasse, zur Verbesserung der Zuchtbasis eingekreuzt. Angesichts der Zuchtgeschichte des Kromfohrländers und der sehr schön passenden körperlichen wie psychischen Merkmale beider Hunderassen scheint das ein guter Weg zu sein. Der Name Kromfohrländer stammt übrigens von einem Tal bei Siegen, das Krom Fohr = Krumme Furche genannt wird.

Beliebte Mixe

Mixe von Kromfohrländer mit anderen Hunderassen sind selten aber unproblematisch.

Pflege, Gesundheit und Krankheiten

Wie viel Pflege braucht ein Kromfohrländer?

Die Pflege eines Kromfohrländers ist problemlos; regelmäßiges Bürsten reicht.

Gibt es beim Kromfohrländer rassetypische Krankheiten?

Der Kromfohrländer trägt zuchtbedingt ein erhöhtes Risiko für einige Erbkrankheiten, das von den beiden Zuchtvereinen ernsthaft bekämpft wird.

Welches Futter ist für einen Kromfohrländer am besten?

Der Kromfohrländer stellt keine besonderen Ansprüche an seine Ernährung. Natürlich ist hochwertiges Futter gut für seine Gesundheit und er schmeckt es auch. Wie die meisten Hunde mag er auch mal einen fleischigen Rinderknochen und frisches Fleisch. Der Kromfohrländer eignet sich auch zum Barfen.

Aktivitäten

Wie viel Bewegung braucht ein Kromfohrländer?

Ein Kromfohrländer stellt keine besonderen Anforderungen aber er eignet sich für fast alle Aktivitäten, die Du mit Hund unternehmen kannst.

Überlegungen vor der Anschaffung

Wo kann man einen Kromfohrländer kaufen?

Willst Du dein Leben mit einem Kromfohrländer teilen, solltest Du dich lange vor der Anschaffung nach einem Züchter umschauen und hier Kontakte knüpfen. Der Züchter sollte einem der beiden Kromfohrländer-Zuchtvereinen angeschlossen sein. Es sollte keine Inzucht vorliegen, was Du anhand des Stammbaums abschätzen kannst, wenn dort kein Name doppelt auftaucht. Der Züchter sollte seinen Wurf per Foto gut dokumentiert haben. Du solltest Dir den Wurf zusammen mit der Mutterhündin, nach Absprache, vor Ort anschauen können.

Erziehung und Haltung

Passt ein Kromfohrländer zu mir?

Der Kromfohrländer ist mit etwas Geschick und Hundeverstand gut führbar. Er braucht die liebevolle Umsorgung durch Herrchen und Frauchen, eine Liebe, die er gerne zurückgibt. Durch seine starke Orientierung an eine Person kommt dieser eine besondere Verantwortung zu. Ansonsten ist die Haltung eines Kromfohrländers völlig unproblematisch. Er ist sehr flexibel und passt sich gerne dem Lebensstil seiner Menschen an. Einigermaßen gut erzogen lässt sich ein Kromfohrländer überall gut mitnehmen, sei es in einem guten Restaurant, einem Hotel oder auf Reisen. Natürlich will auch er seine täglichen Ausflüge in die Natur. Er ist sportlich und leistungsfähig, aber kein Junkie, der Beschäftigung fordern würde. Er ist schlicht ein äußerst angenehmer Begleiter, der alles mitmachen aber nichts Außergewöhnliches fordern würde. Darüber hinaus ist er ein guter Familienhund und Partner der Kinder. Der Kromfohrländer eignet sich ebenso für Singles ob jung oder alt. Entscheidend ist, dass sich seine Bezugsperson(en) liebevoll um ihn kümmern. Die Erziehung des Kromfohrländers ist ein gerne unterschätztes Kapitel. Als putziger Welpe in die Familie gekommen, neigt man gerne dazu, ihm einiges durchgehen zu lassen – sollte man aber nicht. Er braucht von Anfang an eine konsequente Hand. Er will und braucht diese Führung auch. A und O seiner Erziehung ist liebevolle Konsequenz. Es sollten Regeln aufgestellt werden, die dann eingehalten werden müssen – gerade auch von seinen Lieblings-Zweibeinern. Er lernt solche Regeln schnell, ist aber auch intelligent genug, jede Inkonsequenz zu erkennen und bei Bedarf auszunutzen. Konsequenz darf allerdings nie mit Härte oder gar Brutalität verwechselt werden. Diese würden den Hund psychisch zerstören. Die Führung muss auf der Basis inniger Bindung zwischen Hund und Halter erfolgen. Vertrauen gegen Vertrauen; damit kann der Kromfohrländer sehr gut leben. So gelingt seine Erziehung leicht und ist dann auch für den engagierten Anfänger problemlos machbar.

Interessantes, Wissenswertes & Extras

Der Kromfohrländer ist eine junge, neu ins Leben gerufene Hunderasse. Er ist ein idealer Hund für die Familie aber auch Singles. Er hat handliche Maße, die er mit seiner fröhlichen, freundlichen, aufgeweckten Ausstrahlung verbindet.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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