Einschläfern – ein aufwühlendes Thema

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Das Einschläfern ist ein schwieriges Thema. Aber wer einen tierischen Hausgenossen hat, auf den kommt dieses Thema meistens irgendwann zu. Bedenken sollte man, dass diese Entscheidung erwartet (z.B. bei sehr schweren Erkrankungen) aber manchmal eben auch sehr plötzlich und unerwartet auftreten kann (z.B. bei schweren Unfällen).

Der Notfallplan

Weil die Entscheidung einer Einschläferung oft doch für einen selbst recht unerwartet auftritt, ist es sinnvoll, sich vorher einmal von seinem Tierarzt oder seiner Tierärztin zu diesem Thema beraten zu lassen. So können bereits vorher wichtige Fragen geklärt werden und nicht erst in einer Situation, in der man sehr aufgeregt und traurig ist. Die wichtigste Frage ist sicherlich, wie erreiche ich meine Tierarztpraxis außerhalb der Sprechstundenzeiten und was ist, wenn meine Tierärztin/mein Tierarzt nicht erreichbar ist? Gibt es eine tierärztliche Notfallnummer in meiner Stadt oder gibt es eine Klinik in erreichbarer Nähe, die rund um die Uhr besetzt ist? Sprich deine Tierarztpraxis an, damit du diese Telefonnummern für den Notfall griffbereit hast! In diesem Zusammenhang kannst du auch mit deiner Praxis besprechen, ob du lieber mit deinem Tier in die Praxis kommen möchtest oder ob es auch die Möglichkeit gibt, dein Tier im häuslichen Umfeld einzuschläfern.

Der „richtige“ Zeitpunkt

Aber wann ist nun eigentlich der „richtige“ Zeitpunkt? Diesen „richtigen“ Zeitpunkt gibt es sicherlich nicht. Dies ist immer eine individuelle Entscheidung, die du gemeinsam mit deiner Tierärztin/deinem Tierarzt treffen sollten. Die entscheidende Frage ist hier: Können wir noch etwas tun, um die Lebenssituation und das Wohlbefinden meines Tieres zu stabilisieren und zu verbessern oder sind wir nun an einem Punkt angelangt, in der es dem Tier nur noch schlechter gehen wird und nicht mehr besser? Dann ist sicherlich der Moment da, an dem das Tier auch gehen darf. Bei vielen Tieren besteht eine sehr enge Bindung zwischen Mensch und Tier. Daher nehmen viele Tiere auch die Traurigkeit ihrer Besitzer sehr stark wahr und „halten durch“, obwohl es ihnen sehr schlecht geht. Dann ist auch der Zeitpunkt da, an dem wir Verantwortung für uns und unser Tier übernehmen müssen und ein Tier, dem es nicht mehr besser, sondern nur noch schlechter gehen wird, gehen lassen. Berate dich mit deiner Tierärztin/deinem Tierarzt. Er kennt dich und deinen Hausgenossen gut und kann gemeinsam mit dir die Situation einschätzen.

Aber was passiert denn jetzt genau?

Vielleicht hast du dich mit deiner Tierärztin/deinem Tierarzt schon besprochen, dass sie/er zu dir nach Hause kommt. Oder du kommst mit dem Tier in die Praxis. In vielen Fällen ist es sinnvoll, vorher in der Praxis Bescheid zu sagen, dass du mit dem Tier kommst. Dann kann die Praxis schon einmal einen ruhigen Bereich oder einen Extraraum vorbereiten, in dem du in deiner Trauer etwas für dich sein kannst. Auch wenn deine Tierärztin/dein Tierarzt zu dir kommt, ist es schön, einen ruhigen Platz zu haben, an dem du und dein Tier sich wohlfühlen. In der Regel erhält das Tier dann zunächst ein Medikament, um es ein wenig müde zu machen. Das kann durch eine Spritze in den Muskel erfolgen oder auch in die Vene (z.B. durch einen vorher gelegten venösen Zugang). Wenn das Tier dann müde genug ist, wird die Narkose durch Gabe eines weiteren Medikaments vertieft. Der Herzschlag verlangsamt sich, Reflexe erlöschen, das Tier gleitet immer tiefer in den narkoseähnlichen Schlaf bis das Herz zu schlagen aufhört. In vielen Fällen kann man richtig sehen, wie das Tier sich immer mehr entspannt und loslassen darf und gehen darf. Dies ist besonders bei Tieren, die vorher sichtlich gelitten haben, ein kleiner Trost in diesem traurigen Augenblick.

Hat das Tier Schmerzen?

Das Tier bemerkt natürlich den Stich durch die Haut. Dies ist aber vergleichbar mit dem Schmerz bei einer „normalen“ Behandlung oder Impfung. In den meisten Fällen schlafen die Tiere schnell ein und nehmen auch ihre Umgebung dann nicht mehr wahr.

Wer darf das Tier begleiten?

Ob der Tierbesitzer sein Tier während der gesamten Zeit des Einschläferns begleiten möchte, ist eine individuelle Entscheidung. Besprich dies vorher mit deiner Tierärztin/deinem Tierarzt. Das Abschiednehmen ist ebenso auch für die anderen Hausgenossen wichtig. Wenn du also noch weitere Haustiere hast, dann berate dich mit deiner Praxis, wie der Abschied auch für diese Tiere gestaltet werden kann.

Was passiert dann?

Wenn man ein eigenes Grundstück hat und nicht in einem Wasserschutzgebiet wohnt, kann man in vielen Fällen das Tier auf dem eigenen Grundstück beerdigen. Frag im Zweifelsfall nochmal in deiner Tierarztpraxis nach, ob dies in deiner Gemeinde erlaubt ist. Das Grab sollte ca. 40-50 cm tief sein. Schön ist es, wenn du ein Handtuch oder eine Decke hast, in die das Tier nach dem Tod eingewickelt werden kann. Wenn du keine Möglichkeit hast, das Tier zuhause zu begraben oder das auch nicht möchtest, dann gibt es die Möglichkeit, das Tier z.B. von einem Tierbeerdigungsunternehmen verbrennen zu lassen. Wenn man möchte, kann man die Asche seines Tieres in einer Urne zurückzubekommen. Die Mitarbeiter von diesen Tierbeerdigungsunternehmen holen die Tiere bei dir zuhause oder auch in der Praxis ab.

Ein Tipp zum Schluss

Nimm gleich an dem Tag, an dem das Tier eingeschläfert worden ist, die notwendigen Papiere von deinem Tierarzt mit (Bescheinigungen für Versicherung, Steuer und ähnliches). So brauchst du dich nicht im Nachhinein nochmal mit der notwendigen Bürokratie auseinandersetzen und wirst nicht in deiner Trauerarbeit zurückgeworfen.

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