Hund lahmt? – Das musst du tun

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Hund lahmt

Lahmheit bei Hunden kann verschiedene Ursachen haben. Es kann plötzlich auftreten oder auch allmählich schleichend beginnen. Dein Hund kann beispielsweise auf Grund einer vorliegenden Erkrankung oder durch eine akute Verletzung nicht „rund“ laufen und lahmen. Dein Hund lahmt? Wir wollen dir im Folgenden Infos und Tipps dazu an die Hand geben.

Der Bewegungsapparat und das Gangbild

Um besser verstehen zu können, wann dein Hund nicht richtig „rund“ läuft bzw. lahmt, ist ein kurzer Blick auf den Bewegungsapparat und das Gangbild des Hundes wichtig. Wir unterscheiden beim Bewegungssystem den passiven und den aktiven Teil. Dir sind diese Begriffe vielleicht schon im Zusammenhang mit dem menschlichen Bewegungsapparat begegnet. Denn dort kommt diese Unterscheidung ebenfalls vor.

Der passive Bewegungsapparat

Der passive Bewegungsapparat wir oft auch Stützapparat genannt. Dazu zählen die Knochen und Knorpel, die Gelenke und Bandscheiben und auch die Bänder. Hunde haben ca. 300 Knochen. Diese bilden die Grundlage des Skeletts und sind mittels Gelenke, welche für die Beweglichkeit der Knochen sorgen, miteinander verbunden. Das Skelett als Stützgerüst des Hundes kann in mehrere Abschnitte unterteilt werden. So haben wir die Wirbelsäule, die Rippen, das Brustbein, die Vordergliedmaßen und die Hintergliedmaßen.

Der aktive Bewegungsapparat

Die Skelettmuskulatur, Sehnen und Faszien hingegen zählen zum aktiven Bewegungsapparat. Dabei sorgen die Muskeln für die Bewegung und werden durch die Sehnen und Faszien dabei unterstützen.

Vier Gangarten des Hundes

Beim Hund unterscheiden wir vier Gangarten: Schritt, Trab, Pass und Galopp. Diese können zusätzlich noch in unterschiedlichen Geschwindigkeiten gezeigt werden. Die Rasse, der Körperbau, das Alter, der Gesundheitszustand oder auch der Kontext spielen eine Rolle, welche Gangart wann und wie gezeigt wird.

  • Der Schritt ist ein Viertakt, d. h. der Hund setzt jede Gliedmaße einzeln nacheinander auf. Dabei können immer zwei oder auch drei Gliedmaßen gleichzeitig am Boden sein. Der Schritt ist die langsamste Bewegungsart bei Hunden.
  • Der Trab ist dynamischer und ein Zwei-Takt-Gang, d. h. der Hund bewegt immer zwei Gliedmaßen gleichzeitig. Es werden also zwei Gliedmaßen gleichzeitig angehoben und abgesetzt. Die Reihenfolge erfolgt in einer Diagonalen. Zum Beispiel werden das linke Vorderbein und das rechte Hinterbein bewegt und dann erst das rechte Vorderbein und das linke Hinterbein.
  • Beim Pass handelt es sich auch um eine Zwei-Takt-Gangart. Allerdings werden die Gliedmaßenpaare nicht diagonal gesetzt, sondern jeweils auf der gleichen Körperseite.
  • Der Galopp ist die schnellste Gangart und wird unterteilt in einen langsamen, normalen und Renngalopp. Dabei hat der Hund entweder eine Gliedmaße, zwei, drei oder gar keine auf dem Boden. Beim Renngalopp hat der Hunde sogar zwei Schwebephasen, in denen keine Gliedmaße den Boden berührt.

Lahmheit beim Hund: Symptome und mögliche Ursachen

Die Ursache, weshalb ein Hund nicht rund läuft, ist nicht immer sofort ersichtlich. Daher ist es wichtig genau hinzuschauen. Grundlegend sollte immer dann ein Tierarzt aufgesucht werden, wenn

  • der Hund stark lahmt,
  • die Lahmheit, trotz Schonung nicht besser wird oder sich sogar verschlechtert,
  • die Beschwerden länger als ein paar Tage anhalten.

Die Intensität der Symptome kann sehr unterschiedlich ausfallen. So zeigen manche Hunde Schmerzen ganz offensichtlich. Sie vermeiden bestimmte Bewegungen oder nehmen sogar eine Schonhaltung ein. Sie können dann auch eine Pfote weniger stark belasten oder sogar gänzlich auf nur drei Beinen laufen. Ebenso kann dein Hund ein vermehrtes Belecken der Pfote oder der Gliedmaße zeigen. Bei leichteren Lahmheiten zeigt der Hund vielleicht nur in einer bestimmten Bewegungsart eine Veränderung oder ein leichtes Zögern, bevor er eine Bewegung ausführt. Neben diesen Möglichkeiten können noch andere Begleiterscheinungen auftreten. Die betroffenen Stellen können gerötet, wärmer oder auch geschwollen sein.

Warum lahmt mein Hund?

Mögliche Ursachen sind sehr vielfältig. Im folgenden die häufigsten Gründe für eine Lahmheit:

  • ein Fremdkörper in der Pfote, wie zum Beispiel Dornen, Splitter oder ein Stachel nach einem Insektenstich oder eine eigerissene Kralle
  • eine offene Wunde, wie beispielsweise eine Schnittverletzung am Ballen
  • Verletzungen von Muskeln, Sehnen oder Bändern, z. B. Kreuzbandriss
  • Knochenbrüche oder Gelenkverletzungen
  • Prellung, Zerrung oder Verstauchung
  • genetisch bedingte Erkrankungen, z. B. Hüftgelenkdysplasie, Ellenbogendysplasie
  • Alters bedingte Erkrankungen, z. B. Arthrose oder Wachstumsschmerzen beim Junghund
  • Infektionen

Was muss ich tun, wenn der Hund lahmt?

Zunächst ist es wichtig zu schauen, wann die Lahmheit aufgetreten ist. Kam sie plötzlich, nachdem dein Hund zum Beispiel aus dem Auto gesprungen ist? Oder hat sie sich eher schleichend entwickelt? Hat dein Hund vielleicht zunächst nur etwas gehumpelt, was sich jedoch nach ein bis zwei Tagen verschlimmert hat? Wie sieht die betroffene Stelle oder Gliedmaße aus? Kann dein Hund auftreten auf alle vier Pfoten belasten – oder will er vielleicht ein Bein gar nicht belasten? Bist du dir unsicher und kannst nicht einschätzen, ob es sich um eine schlimmere Verletzung handelt und dein Hund sich ggf. sogar gar nicht erst anfassen lässt, kontaktiere deinem Tierarzt. Dieser wird deinen Hund gründlich untersuchen, die betroffene Gliedmaße abtasten und mögliche Schmerzreaktionen identifizieren. Je nach Verdacht können weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich sein.

So kann der Tierarzt beispielsweise Röntgenaufnahmen machen, um Knochenerkrankungen oder Arthritis festzustellen, oder eine Ultraschalluntersuchung vornehmen, um Weich-teilverletzungen zu erkennen. Des Weiteren können Bluttests durchgeführt werden, die Aufschluss darüber geben, ob eventuell entzündliche oder infektiöse Erkrankungen vorliegen.

In einigen Fällen kann es notwendig sein, einen spezialisierten Tierarzt, beispielsweise einen orthopädischen Chirurgen, hinzuzuziehen. Die Behandlung einer Lahmheit hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. In einigen Fällen kann eine konservative Therapie ausreichen, die Ruhe und Schonung der betroffenen Gliedmaße beinhaltet. Ergänzend dazu können physikalische Therapie, Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu reduzieren. Wenn bestimmte Verletzungen oder Erkrankungen vorliegen, ist möglicherweise eine Operation erforderlich. Dies kann Maßnahmen wie die Stabilisierung von Frakturen oder die Rekonstruktion von Bändern oder Sehnen umfassen. Physiotherapie und Rehabilitation sind oft integraler Bestandteil des Behandlungsplans bei Gelenkproblemen, um die Mobilität des Hundes wiederherzustellen und die Muskeln zu stärken.

Fazit

Lahmheit beim Hund kann viele Ursachen haben und eine sorgfältige Diagnose und Behandlung durch den Tierarzt erfordern. Als Hundehalter ist es wichtig, die Anzeichen von Lahmheit frühzeitig zu erkennen und, falls notwendig, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine rechtzeitige Diagnose und angemessene Behandlung können entscheidend dazu beitragen, das Wohlbefinden und die Lebensqualität deines Hundes zu erhalten.

Beachte: Dieser Artikel kann keinen Tierarztbesuch ersetzen und stellt keine Alternative dazu dar. Wenn dein Hund gesundheitliche Probleme hat, ist es unerlässlich, einen Tierarzt aufzusuchen.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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