Erste Hilfe bei Hunde-Unfällen

2816
0

Erste Hilfe bei Hunde-UnfällenEin Albtraum: Der Hund hatte einen Unfall. Sei es, dass er von einem Auto angefahren wurde, eine bissige Auseinandersetzung mit einem Artgenossen hatte oder sich beim Toben ernsthaft verletzt hat – es kann manchmal ganz schnell gehen. Daran mag keiner denken, aber beruhigend, wenn du dich als verantwortungsvoller Hundebesitzer schon in guten Zeiten darauf vorbereitet hast. Denn mit einer besonnenen Erstversorgung sparst du wichtige Zeit und kannst im Fall der Fälle deinem oder auch einem anderen Hund das Leben retten.

Erste Maßnahmen am Unfallort

Auch wenn dieses Thema Ängste und Bestürzung hervorruft: Die Tatsache, dass du dich vorab schon einmal mit den ersten Maßnahmen beschäftigt hast, wird dir im Ernstfall Sicherheit vermitteln.

Bleib ruhig!

Leichter gesagt als getan. Aber trotzdem oberstes Gebot, denn nur wer die Nerven behält, kann klar denken und die richtigen Entscheidungen treffen. Ist dein Hund verletzt, dann ruf ihn zu dir. Je ruhiger du dabei bleibst, desto schneller wird dein Hund zu dir kommen. Jede Hektik und lautes Geschrei verunsichern ihn nur – mit der Folge, dass er sich eventuell nur noch weiter vom Ort des Geschehens entfernt. Fremde Menschen, die helfen wollen, können deinen Hund in dieser Situation eventuell noch mehr verunsichern. Bitte die Leute, Abstand zu halten und z. B. bei einem Unfall mit einem Auto lieber die Unfallstelle zu sichern oder die Fluchtwege für den Hund zu blockieren. Ist dein Hund nicht mehr geh- oder stehfähig, nähere dich ihm langsam und behutsam, bleibe dabei möglichst entspannt. Das hilft in so einer schlimmen Situation auch deinem Hund.

Sicher Deinen Hund

Sobald dein Hund bei dir oder du bei deinem Hund bist, sicherst du ihn zunächst und leinst ihn an. Binde ihn möglichst mit der Leine an einen Pfahl oder Baum, damit du beide Hände frei hast. Auch wenn du ihn z. B. in den Kofferraum deines Autos legst, um ihn dort zu versorgen, solltest du ihn anbinden. Wenn dein Hund Schmerzen hat oder unter Schock steht, sind seine Bewegungen unvorhersehbar – und du musst auf jeden Fall vermeiden, dass er davonläuft.

Ein Hund mit starken Schmerzen kann beißen – auch wenn er sonst der bravste Vierbeiner der Welt ist. Wenn du keinen Maulkorb zur Hand hast, dann solltest du auf jeden Fall die Schnauze des Hundes mit einer Schlinge zubinden. Die Versorgung deines Hundes gelingt dir und dem Tierarzt nur, wenn du selbst sicher sein kannst. Das ist nun das Wichtigste.

So legst du eine Maulschlinge an:

  • Du brauchst dazu eine Mullbinde, ein Tuch, einen Schal oder eine Leine.
  • Lege die Mullbinde o. Ä. unter die Schnauze, führe die Enden nach oben, wickle sie noch einmal unter der Schnauze herum und kreuze dort die Enden.
  • Nun führe die Enden unterhalb der Ohren nach hinten hinter den Kopf.
  • Dort die beiden Enden fest verknoten.
  • Prüfe den festen Sitz. Eine zu lockere Maulschlinge verfehlt ihren Zweck.
  • Achte darauf, dass der Hund gut durch die Nase atmen kann.

Achtung: Einem bewusstlosen Hund darfst du keine Maulschlinge anlegen! Hier droht Erstickungsgefahr, falls der Hund – ja, das kann vorkommen – sich erbricht.

Nun kannst du die Wunden begutachten und gegebenenfalls erstversorgen, bevor es zum Tierarzt geht.

Wunden versorgen

Offene Wunden musst du möglichst direkt versorgen. Sind sie eher oberflächlich, reicht es, sie mit einer Mullbinde oder einem Taschentuch abzudecken, damit kein weiterer Dreck hineingeraten kann und die Blutung eingedämmt wird. Ist die Verletzung tiefer, kann sie mitunter stark bluten. Dunkles Blut deutet darauf hin, dass eine Vene verletzt wurde. Helles Blut, das stoßweise heraustritt, deutet auf eine Arterienverletzung hin. Hier besteht Lebensgefahr, denn mit jedem Herzschlag wird nun Blut aus der Wunde gepumpt, und es muss schnellstens ein Druckverband angelegt werden.

So legst du einen Druckverband an:

  • Lege zunächst Mull oder Taschentücher, also eine saugfähige Grundlage, auf die blutende Verletzung,
  • Umwickle diese mit einer Mullbinde oder einem Tuch.
  • Nun legst du ein festes Polster auf die Wunde. Das kann ein Röllchen Mullbinde oder auch ein Päckchen Tempos oder Ähnliches sein.
  • Binde dieses Druckpolster wiederum fest mit einer Binde zu und verknote die Binde.
  • Blutet dieser Verband sofort wieder durch, löse den Verband nicht, sondern lege einen zweiten darüber an.
  • Die Stillung der Blutung hat oberste Priorität! Was du auf die Wunde legst und ob dies steril ist, ist zweitrangig. Greife also zur Not auch auf T-Shirt oder Socken zurück.

Bei Hunden mit langem Fell kann der Druckverband leicht verrutschen. Klebe die Enden dann – wenn vorhanden – mit Klebeband fest.

Achtung: Ein Druckverband sollte nicht länger als 15 Minuten die Blutung stillen, denn er schnürt die Blutzufuhr ab. In diesem Fall gilt es also, schnellstmöglich den nächstgelegenen Tierarzt aufzusuchen. Dieser kann die Wunde kontrolliert adäquat versorgen.

Gebrochene Knochen versorgen

Es gibt „einfache“ Brüche, bei denen lediglich der Knochen gebrochen ist. Und es gibt die wesentlich gefährlicheren „offenen“ Brüche, bei denen an der Bruchstelle auch die Haut geöffnet ist. Die Gefahr ist hier, dass sich durch eindringende Keime der Knochen infizieren kann. Einen Bruch erkennst du daran, dass der Hund sich nur schmerzhaft bewegen kann. Bei einem Beinbruch tritt er nicht oder nur zögerlich auf und meist schwellt die Stelle stark an. Auch kann ein Bein stark verdreht sein und unnatürlich abstehen.

Einen Kiefer- oder Schädelbruch kannst du daran erkennen, dass Gesicht bzw. Kiefer asymmetrisch aussehen. Rippen- bzw. Wirbelbrüche sind oft nur schwer für den Laien zu erkennen.

  • Bei allen Brüchen gilt: So wenig wie möglich bewegen! Da meist keine Trage zur Verfügung steht, können Sie auch eine große Decke nehmen, in der du den Hund zum Auto transportierst.
  • Offene Brüche keinesfalls selbst schienen und vor allem so schnell wie möglich mit einem keimfreien Tuch abdecken, damit keine weiteren Keime in die Wunde eindringen können.

Suche schnellstens einen Tierarzt auf

Ist die Erstversorgung abgeschlossen, fährst du so schnell wie möglich zum nächsten Tierarzt. Wenn möglich, kündigst du deinen Besuch schon an und schilderst, mit welchen Verletzungen dein Hund in die Praxis kommt. So kann sich das Ärzteteam schon Vorbereitungen treffen, während du noch auf dem Weg bist. So lässt sich wertvolle Zeit sparen, die deinem Hund zugute kommt.

 


Dieser Text wurde erstellt in Zusammenarbeit mit Regina Rademächers:

Logo Leben mit Hund

Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.