Tierdetektiv Colin Butcher im Interview

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Colin Butcher

Copyright: Colin Butcher, „Molly & ich“, Goldmann Verlag

Tierdetektiv Colin Butcher hat alle Hände voll damit zu tun, ausgebüxte und gestohlene Tiere aufzuspüren. Gar nicht so einfach! Auf der Suche nach einer Unterstützung, verliebt er sich in Cockerspanielhündin Molly, die einen neuen Besitzer sucht. Ein Geschäftspartner auf vier Pfoten mit wuscheligem Fell? Warum eigentlich nicht, denkt sich Colin Butcher. Er holt Molly zu sich und bildet sie – ein echtes Detektiv-Naturtalent – zum Suchhund aus. Zusammen löst das unschlagbare Team heute viele Fälle von gekidnappten oder mysteriös verschwundenen Katzen in ganz Südengland.

Wie kamen Sie auf die Idee, mit Molly als Tierdetektiv-Duo zu arbeiten?
Colin Butcher: Im Sommer 1989, damals war ich als ganz normaler Polizist tätig, hatte ich meinen ersten tierischen Fall. Ich hatte so viel Spaß daran, ein vermisstes Kätzchen aufzuspüren – und wusste schon damals, dass es das irgendwann sein würde. Es hat dann aber doch noch sehr lange gedauert, bis es letztlich geklappt hat.

Ganze 24 Jahre …
Colin Butcher: 2003 habe ich meine Dienste als Tierdetektiv erstmals angeboten. Die Nachfrage war so groß, dass ich zwei Jahre später meine Firma „The Pet Detectives UKPD“ gegründet habe. Anfänglich habe ich nur nach gestohlenen Pferden und Hunden gesucht, später dann aber auch nach allen anderen vermissten Tieren. Seit drei Jahren ist Molly mit im Team – und hat seitdem dabei geholfen, 89 vermisste Katzen, sechs Hunde und eine Schildkröte zu retten.

Wie wurde Molly ausgebildet?
Colin Butcher: Anhand einer Methode, die von der deutschen Polizei entwickelt wurde, um Kriminelle aufzuspüren. Bis Molly aber tatsächlich die Fährte eines Tieres aufnehmen konnte und wir es so gemeinsam finden konnten – das war ein langer Prozess. Anfangs habe ich mit Molly in geschlossenen Räumen geübt, damit sie nicht von anderen Gerüchen abgelenkt wird. Später habe ich es ihr bewusst etwas schwerer gemacht und sogenannte Ablenkungsdüfte verteilt. Und zum Schluss bin ich dann mit ihr nach draußen und habe reale Situationen nachgestellt.

Was ist das Besondere an Molly?
Colin Butcher: Von den 9 Millionen Hunden in Großbritannien ist Molly der einzige, der darauf trainiert wurde, vermisste Tiere zu finden. Sie ist äußerst intelligent, freundlich und geduldig, besitzt viel Ausdauer und ein hohes Konzentrationsvermögen – und sie mag alle Tiere.

Was sind Mollys Schwächen?
Colin Butcher: Sie ist nicht gerne allein. Wenn es aber doch mal dazu kommt, reagiert sie ängstlich, vor allem wenn jemand Fremdes bei ihr ist. Ich schätze, das liegt an ihrer Kindheit. Sie hatte damals viele wechselnde Herrchen, bevor sie mit einem Jahr zu mir kam. Ich bin heute ihre Bezugsperson. Sie braucht mich und vertraut mir – genau wie andersherum auch.

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitsalltag bei Ihnen beiden aus?
Colin Butcher: Zusammen arbeiten wir meist parallel an drei Fällen. Molly begleitet mich, wenn ich undercover recherchieren muss. Mit einem Hund herumzuschnüffeln ist weitaus unauffälliger, als wenn ich das alleine machen würde. Für andere Menschen sieht es dann so aus, als ob ich meinen Hund Gassi führe. An zwei Tagen pro Woche trainiere ich Molly. Und wenn sie mal nicht gefragt ist, schläft sie unter meinem Schreibtisch. Nicht mal das ständige Klingeln des Telefons bringt Molly aus der Ruhe.

Haben Sie denn viele Anfragen?
Colin Butcher: Oh ja, etwa 30 pro Woche und es werden immer mehr.

Woran liegt das?
Colin Butcher: Die Menschen hängen sehr an ihren tierischen Weggefährten und sind mehr als verzweifelt, wenn sie von einem Tag auf den anderen nicht mehr nach Hause kommen. Dann googeln sie nach Hilfe und stoßen auf unsere Website. Oder sie haben sowieso schon von Molly gehört, denn sie ist eine kleine Berühmtheit hier in England. Sie war schon viele Male im TV zu sehen und hat auch ihren eigenen Instagram-Account.

Wie gehen Sie und Molly vor, wenn Ihnen ein vermisstes Tier gemeldet wird?
Colin Butcher: Ich schaue mir den Fall erst einmal genau an, um festzustellen, ob Molly als Suchhund überhaupt benötigt wird. Wenn das vermisste Tier beispielsweise in einem Industriegebiet oder auf einer Baustelle vermutet wird, sage ich den Fall ab. Denn da könnte Molly sich verletzen. Wenn wir den Fall annehmen, benötigen wir eine Duftprobe vom vermissten Tier. Dafür lasse ich Molly zum Beispiel am Katzenbaum oder am Futternapf riechen. Wenn nur ein Tier im Haus lebt, ist es für Molly wesentlich einfacher, die Fährte aufzunehmen, als wenn es mehrere tierische Bewohner gibt. Und dann ist es auch noch sehr wichtig, dass der Tierhalter gut mit Molly und mir zusammenarbeitet.

Sind Sie auch schon mal in eine gefährliche Situation geraten?
Colin Butcher: Bei der Suche nach einer Katze vor ein paar Jahren ist Molly von einer giftigen Natter gebissen worden. Ich wusste tagelang nicht, ob sie den Angriff überlebt. Das war eine furchtbare Erfahrung, doch sie hat uns auch zusammengeschweißt.

Welcher Fall ist Ihnen besonders ans Herz gegangen?
Colin Butcher: Wann immer ein Tier verschwindet, geht mir das nah. Doch vor allem an einen Fall erinnere ich mich noch sehr gut: Molly und ich bekamen eines Tages einen Anruf von einer sehr beunruhigten Dame, die von ihrem Nachbarn alarmiert worden war. Denn der hatte mitangesehen, wie ihr Kater Tom von einem Auto angefahren wurde und weggelaufen ist. Mir war klar, dass dies ein Wettlauf mit der Zeit werden könnte. Denn wir wussten ja nicht, ob und wie schwer Tom verletzt war. Doch unsere Suche blieb erfolglos – bis zum nächsten Tag. Denn da konnte Molly dann doch seine Fährte aufnehmen – und die führte zu einer Garage. Wir verständigten den Besitzer und siehe da: Tom saß tatsächlich in der dunklen Garage. Er war unversehrt und genau wie seine Besitzerin überglücklich, befreit worden zu sein.

Kommt es eigentlich auch mal vor, dass Sie bei der Tiersuche keinen Erfolg haben?
Colin Butcher: Leider ja. Viele Katzen werden von Autos getötet und ihre Leichen von den Fahrern versteckt. Einige werden auch gestohlen und weit weggebracht. Sie aufzuspüren, ist dann für Molly unmöglich. Drei von vier Katzen finden wir aber – und darüber sind Molly und ich sehr froh!

Wenn Sie nicht gerade nach vermissten Tieren fahnden – wie verbringen Molly und Sie am liebsten Ihre Freizeit?
Colin Butcher: Ich lese viel und erforsche das Verhalten von Katzen. Molly liegt dann bei mir und erholt sich von ihren Einsätzen. Bei schönem Wetter gehen wir gerne am Strand spazieren. Und wir genießen es auch, an Schulen und in Altenheimen Vorträge über unsere Arbeit zu halten.

Womit belohnen Sie Molly nach einer geglückten Suchaktion?
Colin Butcher: Mit roher Blutwurst oder Cheddar, das liebt sie beides. Und dann belohne ich sie auch immer mit einer extra halben Stunde Spielzeit.

Nächstes Jahr feiern Sie Ihren 60. Geburtstag. Denken Sie schon übers Aufhören nach?
Colin Butcher: Wir lieben unseren Job so sehr und haben große Freude daran, Menschen und Tieren zu helfen. Molly und ich sind uns darin einig, dass es wohl noch viele Jahre dauern wird, bevor wir in Rente gehen.

„Molly & ich“ von Colin Butcher, Goldmann Verlag, 12 Euro

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