Pfeilgiftfrosch: Teils tödlich giftig und doch harmlos in der Haltung

2444
0

PfeilgiftfroschDie extrem auffällig gefärbten Baumsteigerfrösche zählen in der Terraristik zu beliebten Froschlurchen. Wer hat schon nicht gern ein Tier daheim, das einen ausgewachsenen Mann in kurzer Zeit töten kann?! In der Tat sind die kleinen Tropenfrösche in der Haltung unkompliziert und, vor allem, gänzlich ungefährlich. Warum das so ist, erfährst du in diesem Beitrag, ebenso wie man sich richtig um die possierlichen Südamerikaner kümmert.

Zur Biologie

Die Baumsteigerfrösche (Dendrobatidae, daher auch Dendrobaten genannt) werden oft auch als Pfeilgiftfrösche oder Farbfrösche bezeichnet. Derzeit werden ca. 170 Arten unterschieden. Einige Baumsteigerfrösche sind zwar extrem giftig, werden aber dennoch nur etwa 12 – 50 mm groß, sind also eher „Winzlinge“. Die verallgemeinerte deutsche Bezeichnung „Pfeilgiftfrösche“ für die ganze Familie ist verwirrend und nicht korrekt, da eigentlich nur drei Arten der Gattung Phyllobates von indigenen Völkern für die Gewinnung von Pfeilgift verwendet werden.

Herkunft und natürliche Verbreitung

Baumsteigerfrösche sind tagaktive Froschlurche, die zu den buntesten Amphibien überhaupt zählen. Die bislang beschriebenen Arten leben in tropischen Regionen Süd- und Mittelamerikas. Die natürliche Verbreitung reicht von Peru und Bolivien bis hin nach Brasilien. Das Amazonasbecken wird besiedelt und die Lebensräume erstrecken sich weiter auf Surinam, den Guyanaschild bis Venezuela. Auch westlich der Anden sind Dendrobaten von Ecuador über Kolumbien bis nach Mittelamerika heimisch.

Im natürlichen Habitat leben diese bunt gefärbten Frösche bei Tagestemperaturen von 25 bis 28 °C und Nachttemperaturen um 22 bis 25 °C sowie einer relativen Luftfeuchtigkeit von 70 bis 100 %. Dendrobaten finden sich, je nach Art, am Boden lebend, an den Bäumen oder sogar in den Baumkronen.

Wissenswertes

Die meist kontrastreiche und grelle Färbung zeigt den Fressfeinden der Baumsteiger an, dass sie vollkommen ungenießbar sind. Das plötzliche Ausstoßen giftiger Stoffe durch die Haut ist eine wirkungsvolle Abwehrstrategie, die auch viele andere Tiere einsetzen, etwa der heimische Feuersalamander.

Indigene Völker Kolumbiens und Panamas nutzen traditionellerweise das giftige Hautsekret der Frösche als Pfeilgift. Manche Spezies enthalten so viel Gift, dass die Jäger ihre Blasrohrpfeile nur über den Rücken des lebenden Frosches streichen müssen. Andere Taxa werden auf Holzstäbchen aufgespießt und über dem Feuer leicht erwärmt. Das dabei austretende Sekret wird auf die Pfeilspitzen aufgetragen. Mit einem Giftpfeil erlegte Beutetiere sterben sofort. Einige Toxine sind auch für Menschen tödlich!

Baumsteigerfrösche sind aber nicht von Geburt an giftig. Vielmehr erwerben sie ihre Giftigkeit durch das Fressen von verschiedensten Kleinlebewesen, insbesondere harmlose Milben. Die Pfeilgiftfrösche reichern offenbar die, teils ungefährlichen, stickstoffhaltigen Substanzen der Arthropoden, sogenannte Alkaloide, im Körper an und verändern sie chemisch so, dass sie viel giftiger sind als die Ausgangsstoffe. Welches Enzym im Froschleib aber die Kreation von diesen heftigen Toxinen möglich macht, ist wissenschaftlich noch nicht endgültig geklärt.

Es kommt aber nicht nur zu Veränderungen von Giftstoffen durch den Frosch-Organismus (Metabolisierung), sondern auch zur unveränderten Anreicherung von Giften, die durch Fraß aufgenommen werden. Die Giftigkeit von in Gefangenschaft gehaltenen Tieren nimmt mit der Zeit ab, wenn keine giftigen bzw. passenden Futtertiere zur Verfügung stehen. In Gefangenschaft geborene Nachzuchten besitzen in den meisten Fällen kein Hautgift mehr. Spätestens nach der zweiten Generation sind die Nachkommen vollkommen giftfrei.

Übrigens: Etwa ein Drittel der Arten in der Familie der Dendrobaten produziert Hautgifte. Der restliche Teil der Familie, also solche, die keine Alkaloide zum Selbstschutz bilden können, gleichen in ihrer Färbung und Zeichnung den ungenießbaren Arten. Sie täuschen durch diese Anpassung mögliche Fressfeinde. Man bezeichnet diesen evolutiven Selektionsvorteil als Batessche Mimikry.

Potenzielle Fressfeinde müssen allerdings die Ungenießbarkeit von Baumsteigerfröschen erst erlernen. Meist ist eine einzige Erfahrung für einen Fressfeind ausreichend, um eine lebenslange Aversion zu entwickeln. Nun kann es vorkommen, dass ein Pfeilgiftfrosch zum Opfer wird, allerdings bleiben alle anderen Individuen dieser Population von diesem Jäger fortan verschont und gewinnen somit einen Überlebensvorteil.

Haltung und Pflege

Da aus Nachzuchten stammende Pfeilgiftfrösche ungefährlich sind, eignen sich diese wunderschön gefärbten Froschlurche zur Haltung im Tropenterrarium. Bei all meinen Ausführungen solltest du berücksichtigen, dass sich die Haltungsbedingungen verschiedener Arten unterscheiden. Auf jeden Fall solltest du dir vor der Anschaffung der notwendigen Utensilien und der Tiere ausreichend Fachliteratur besorgen!

Nun zum Terrarium: Das Terrarium sollte für ein Einzeltier mindestens 50 cm x 50 cm x 50 cm betragen. Zur Bepflanzung eignen sich Bromelien und Rankpflanzen, sodass die Baumsteiger auch klettern können. Der Boden kann mit Eichenlaub oder Rindenmulch bedeckt werden. Um für eine hohe Luftfeuchtigkeit zu sorgen, empfehle ich Rück-und Seitenwände aus Kokosfasern oder ähnlichem Material. Auch solltest du auf Versteckmöglichkeiten achten. Hierzu eignet sich eine Mangrovenwurzel sowie eine halbe Kokosnussschale. Eine Wasserstelle sorgt für die notwendige Befeuchtung.

Baumsteigerfrösche sind tagaktiv und fühlen sich schon in kleinen bis mittelgroßen Terrarien wohl. Du solltest allerdings berücksichtigen, dass die Tiere ihr Territorium verteidigen und daher bei Gruppenhaltung ein dementsprechend großes Terrarium mit ausreichend Rückzugsmöglichkeiten vorhanden sein muss. Ich empfehle dir zudem für einen kleinen Wasserteil samt Wasserfall zu sorgen.

Um die Luftfeuchtigkeit konstant hochzuhalten (mindestens 80 %), empfehle ich die Anschaffung einer automatischen Beregnungsanlage. Die Temperatur lässt sich mit Heizmatten bzw. Heizkabeln regulieren und sollte zwischen 22 °C und 28 °C betragen.

Natürlicherweise ernähren sich die Dendrobaten von einer Vielzahl an kleinen und kleinsten Insekten, Spinnentieren und Gliederfüßern. Die Frösche reagieren rein auf die Bewegung des Futters, daher kommt nur lebendiges Futter als Nahrung infrage. Dazu zählen Obstfliegen, Bohnenblattläuse, Springschwänze, Asseln usw.

Kleine Heimchen und Grillen stellen ebenfalls eine geeignete Nahrung dar, die allerdings auch für etwas Lärm sorgt.

Einige Halter empfehlen, das Futter mit einem Nahrungsergänzungspräparat anzureichern, da dieses Vitamin-Mineralstoff-Gemisch positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Tiere haben soll.

Als tägliche Pflegemaßnahmen fallen verschiedene Aufgaben an, wie z. B. die Kontrolle der Luftfeuchtigkeit, die Temperaturkontrolle, die Reinigung des Wasserteils (sofern kein Filter vorhanden ist), die regelmäßige Fütterung (ca. alle 2-3 Tage) und die tägliche Befindlichkeitskontrolle.

Zur Haltung für Anfänger eignen sich die folgende Arten: Dendrobates auratus, Dendrobates galactonotus, Dendrobates tinctorius und Phyllobates auroatenia.

Beim Kauf der Tiere solltest du auf den Gesundheitszustand achten. Innerhalb von zwei Wochen nach dem Kauf musst du die Tiere bei der zuständigen Behörde (z. B. Landratsamt) melden, da sie unter Artenschutz stehen. Die Gattungen Dendrobates, Epipedobates, Phyllobates sowie Minyobates werden auf Anhang II des Washingtoner Artenschutz-Übereinkommens (CITES) geführt. Der Handel mit diesen Tieren ist streng reglementiert.

Fazit

Baumsteigerfrösche sind wunderschön gefärbte Froschlurche, die toll zu beobachten sind und viele interessante Gesprächsanlässe bieten können.


Michael Freund ist hauptberuflich Lehrer an einer bayerischen Mittelschule mit einem Faible für die belebte Natur. In seinem Studium absolvierte er Biologie als Didaktikfach. Nebenbei engagiert er sich als Autor für diverse Zeitschriften und ist tatkräftiges Mitglied in verschiedenen Vereinen, unter anderem bei den „Sukkulentenfreunden Passau“.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.