Zwergotter als Haustiere

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Zwergotter als Haustier

Sie hören auf die Namen Kotaro, Hana oder Bingo und sind die neuen vierbeinigen Stars bei YouTube und Co. Dabei sind es keine alltäglichen Haustiere, wie Hunde oder Katzen. Dennoch gibt es viele Parallelen, denn sie schlafen in gemütlichen Hundebetten, lieben Katzenfutter und gehen mit Herrchen und Frauchen im Park spazieren – selbstverständlich mit Halsband und Leine. Darüber hinaus sind die aufgeweckten Kerlchen sehr anhänglich und gelehrig. Und sie planschen für ihr Leben gerne im Wasser, was ihrer natürlichen Lebensweise entspricht. Gemeint sind die possierlichen Zwergotter, die insbesondere im asiatischen Raum bevorzugt als Haustiere gehalten werden. Doch auch hierzulande ist das Interesse groß. In unserem Betrag erfährst du alles, was du über die Exoten wissen musst.

Zwergotter – exotische Haustiere mit Anspruch

Dass Zwergotter auch bei uns im Trend liegen, ist offensichtlich. Sie sind besonders niedlich und besitzen ein kurzes, dichtes und seidenweiches Fell, das wir gerne anfassen und streicheln mögen. Hinzu kommt, dass Otter handzahm werden und sehr auf den Menschen bezogen sein können. Die lebhaften Tiere sind verspielt, neugierig und legen gerne zwischendurch eine Kuschelrunde ein. Tatsächlich scheinen Otter multitaskingfähig zu sein: Ihr Blick folgt konzentriert einer Bewegung, während ihre Pfoten bereits nach dem nächsten Spielzeug tasten und es untersuchen. Mit lustigen Pfeif- und Piepslauten verständigen sie sich. Sie schmiegen sich an Kuscheltiere an, wenn sie schlafen und suchen sich ein weiches Plätzchen. Vorsicht ist allerdings vor ihren scharfen Fangzähnen geboten. Ähnlich wie Hunde nehmen auch Otter unsere Hände und Finger gerne ins Mäulchen. Das ist Zeichen der Bindung und des Kennenlernens. Doch insbesondere junge Zwergotter agieren manchmal etwas zu forsch und es kann zu bösen Verletzungen kommen.

Possierliche Raubtiere aus Südostasien

Dazu solltest Du wissen, dass Zwergotter gemäß ihres Ursprungs Raubtiere sind, die sich ihre Mahlzeiten in ihrer natürlichen Umgebung erjagen müssen. Die tagaktiven Räuber ernähren sich hauptsächlich von Krebsen, Muscheln, Schnecken und anderen Weichtieren. Daher besitzen sie ein besonders kräftiges Gebiss, das in der Lage ist, die harten Schalen ihrer Beutetiere aufzuknacken. Dennoch können sie auch sehr zärtlich knabbern und nehmen gerne ein Vorderpfötchen ins Maul, wenn sie schläfrig sind – wie ein Kleinkind, das am Daumen lutscht.

Heimat der wild lebenden Zwergotter ist der südostasiatische Raum. Sie sind in Flussnähe angesiedelt und insbesondere in Indien, Vietnam, Südchina oder im Taiwan zu finden. In den sandigen Ufern graben sie stattliche Bauten, in denen sie schlafen und ihre Jungen zur Welt bringen. Meist leben sie in geselligen Gruppen von acht oder zwölf Tieren zusammen. Aus diesem Grund sollten sie auch als Hausgenossen nicht einzeln, sondern mindestens zu zweit gehalten werden.

Drollige Mimik und fingerhafte Pfoten

Zwergotter besitzen einen kleinen Kopf, der ansatzlos in den Rumpf übergeht. Ihre dunklen, wachen Augen liegen weit auseinander, wodurch sie einen guten Rundumblick haben. Dafür können sie nicht so gut sehen, was direkt vor ihnen liegt. Doch dieses Manko machen ihre langen Schnurrhaare wieder wett, die zum Tasten eingesetzt werden. Die Ohren der Marderähnlichen sind sehr klein und muschelförmig, dennoch können sie gut hören. Mit ihrer kurzen und rundlichen Nase nehmen sie Witterung auf und erschnüffeln neugierig ihre Umgebung. Ihr Maul ist dem Kopf entsprechend nicht allzu groß, aber gut ausgebildet mit langen Fangzähnen im Ober- und Unterkiefer sowie kräftigen Backenzähnen zum Kauen. Ist es geschlossen, bilden sich leicht nach unten gezogene Mundwinkel, sodass Zwergotter immer etwas missmutig dreinschauen. Das unterstreicht jedoch ihr putziges Tiergesicht.

Die kleinen zur Überfamilie der Hundeartigen zählenden Zwergotter wiegen etwa vier bis sechs Kilogramm und werden zwischen 45 und 75 Zentimeter lang. Dabei nimmt allein ihr kräftiger, spitz zulaufender und behaarter Schwanz fast die Hälfte der gesamten Körperlänge ein. Kein Wunder, denn Otter sind exzellente Schwimmer und setzen den Schwanz als Ruder und unterstützend zur Fortbewegung im Wasser ein. Auch an Land dient er ihnen zum Balancehalten. Von großer Dichte ist das Zwergotterfell, das im Rückenbereich dunkelbraun bis grau gefärbt ist. Bauch und Kinnpartie sind dagegen hell gehalten. Mit etwa 50.000 Härchen pro Quadratzentimeter gehört ihr Fell zu den dichtesten im Tierreich. Damit dient es der perfekten Isolierung gegen Nässe und Kälte.

Eine Besonderheit stellen die Pfoten der Zwergotter dar. Sie besitzen je fünf fingerähnliche Zehen mit sehr kurzen Krallen. Daher werden sie häufig auch Fingerotter oder Kurzkrallenotter genannt. Wie bei uns Menschen haben sie gut ausgebildete Zehenkuppen, die als hervorragende Tastorgane gelten. Darüber hinaus dienen insbesondere die Vorderpfoten zur Nahrungsaufnahme. Zwergotter nehmen in der Regel ihre Futterbrocken nicht mit dem Maul auf, sondern halten es mit einer oder beiden Pfoten fest, was niedlich anzusehen ist. Hinter- und Vorderpfoten sind gleichermaßen mit etwas zurückliegenden Schwimmhäuten ausgestattet, die wie Paddel im Wasser wirken. Trotz der kurzen Beine können sich Otter auch an Land erstaunlich schnell fortbewegen.

Welche Bedürfnisse haben Otter als Haustiere?

Um ihrem natürlichen Bewegungsdrang zu entsprechen, benötigen Zwergotter auch in Heimtierhaltung ein großzügiges Gehege. Ein Käfig oder Kleintierstall sollte allenfalls während der Eingewöhnungsphase genutzt werden und ist für eine dauerhafte Haltung ungeeignet. Am wohlsten fühlen sich die kleinen Otter, wenn du ihnen ein Gehege im Garten oder im Haus baust. Bei Innenhaltung empfiehlt sich ein ganzes Zimmer, in dem sie sich frei bewegen können. Ein Otterpaar benötigt aber mindestens 20 Quadratmeter. Ideal ist natürlich, wenn sie wie Hund oder Katze frei in der Wohnung laufen dürfen. Bedenke aber, dass sie sehr gut klettern und trotz der kurzen Beine noch besser springen können. Mit etwas Übung stellt auch die hohe Küchenarbeitsplatte bald kein Hindernis mehr für sie dar.

Darüber hinaus benötigen Zwergotter auch ihr tägliches Erfrischungsbad. Badewanne oder festes Planschbecken (Vorsicht Zähne bei luftgefüllten Modellen!) sollten es mindestens sein. Ein größeres Bassin oder ein Gartenpool ist noch besser geeignet. Wie zuvor erwähnt nehmen Otter gerne Gegenstände in ihre Hände – Pardon, in ihre Vorderpfoten – und tragen diese geschickt davon. Daher benötigen sie Spielzeuge zur Beschäftigung. Geeignet ist klassisches Hundespielzeug oder Katzenspielzeug. Auch in Sachen Ausstattung haben sie einen ähnlichen Bedarf wie andere Vierbeiner: Futter- und Wassernäpfe, Hundebett, Transportkiste sowie Geschirr und Leine stehen auf ihrer Einkaufsliste. Füttern kannst du Zwergotter überwiegend mit Trocken- oder Nassfutter für Katzen oder Hunde. Regelmäßige Fisch- und Fleischmahlzeiten sollten auch auf ihrem Ernährungsplan stehen.

Was sagt der Gesetzgeber zur Haltung von Zwergottern?

Zwergotter zählen nach dem deutschen Bundesnaturschutzgesetz als gefährdete Art. Nicht so sehr, weil sie wegen ihres Fells getötet werden, sondern weil ihr weltweiter Bestand durch die Zerstörung ihres Lebensraums zurückgeht. Aus diesem Grund und da es eigentlich Wildtiere sind, dürfen Otter nicht pauschal als Haustiere gehalten werden. Interessenten benötigen eine Genehmigung der jeweiligen Landesbehörde und müssen eine artgerechte Unterbringung sowie Sachwissen in der speziellen Haltung nachweisen. Dabei sind die Anforderungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.

Mit der Genehmigung in der Tasche kannst du in einigen Zoofachgeschäften Otter kaufen. Doch du solltest unbedingt darauf achten, dass die Tiere über gültige Papiere verfügen, die zum einen das Herkunftsland angeben und eine Handelsfreigabe beinhalten. Zwergotter vom Schwarzmarkt ohne Abstammungsurkunde solltest du jedoch besser nicht erwerben. Denn du würdest dadurch gegen Gesetze verstoßen und kannst nicht sicher sein, dass die Tiere bislang in artgerechter Umgebung gelebt haben.

Fazit

Zwergotter sind niedliche und verspielte Exoten, die unter bestimmten Voraussetzungen auch als Haustiere gehalten werden können. Wenn du dich für eine Haltung interessierst, solltest du dich mit ihren besonderen Bedürfnissen vertraut machen und zum Experten werden. Dein Fachwissen und artgerechte Haltungsbedingungen sind die ideale Basis.

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