Hundegedächtnis: Kurz- und Langzeitgedächtnis

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Hundegedächtnis

Das Wissen um die Funktionen und die Leistung des Gedächtnisses unserer Hunde ist spannend und zugleich sehr wichtig, um im Alltag den eigenen Hund besser verstehen und die Erziehung und das Training noch effektiver gestalten zu können. Das bedeutet, wenn du genau weißt, wo was und wie abgespeichert wird, kannst du zielgerichteter agieren und auch reagieren. Wir möchten mit dir daher eine spannende Reise durch das Labyrinth Hundegedächtnis machen.

Das Hundegedächtnis - was ist das?

Das Wort Gedächtnis wirst du bestimmt schon in vielen Zusammenhängen gehört haben. Es bezeichnet die Fähigkeit des Gehirns, aufgenommene Informationen zu merken, miteinander zu verknüpfen und auch abrufen zu können, und das sogar noch zu einem viel späteren Zeitpunkt. Über die Sinnesorgane werden zahlreiche Informationen rund um die Uhr aufgenommen.

Wir können das Hundegedächtnis dabei in drei verschiedene Formen unterteilen:

  1. Ultrakurzzeitgedächtnis, auch sensorisches Gedächtnis genannt
  2. Kurzzeit- bzw. gleichermaßen Arbeitsgedächtnis
  3. Langzeitgedächtnis.

Ultrakurzzeitgedächtnis

Das Ultrakurzzeitgedächtnis wird auch als sensorisches Gedächtnis bezeichnet. Hier kommen alle Informationen der Sinnesorgane an. Es handelt sich um eine Art Zwischenspeicher, in dem alles gelangt, was wahrgenommen wird. Das ist eine große Menge und es wird kräftig aussortiert. Nur die wichtigen Informationen werden in elektrische Ströme umgewandelt und weitergeleitet. Diese verweilen nur eine kurze Zeit im sensorischen Gedächtnis. Gerade mal maximal 2 Sekunden befinden sich hier die Informationen, bevor die Informationen weitergeleitet oder gelöscht werden. Die nächsten Sinneseindrücke können nachrücken. Das Ultrakurzzeitgedächtnis filtert also die wichtigsten Informationen für unser Gehirn heraus.

Kurzzeitgedächtnis

Das auch als Arbeitsgedächtnis betitelte Kurzzeitgedächtnis ist wichtig für die bewusste Informationsverarbeitung. Hier stehen die zuvor im Ultrakurzzeitgedächtnis aufgefangenen Wahrnehmungen nun der weiteren Verarbeitung zur Verfügung. Sie werden mit bereits gemachten Erfahrungen und Erlebnissen verglichen und entsprechend angepasst. Auch mit bestehenden Informationen findet dieser Vergleich bzw. die Aktualisierung statt, ein stetig ablaufender Prozess. Dies ist sehr wichtig zu wissen, denn somit ist auch klar, dass unsere Vierbeiner ihr ganzes Hundeleben lang lernen, auch noch im hohen Alter.

Im Kurzzeitgedächtnis findet ein entscheidender Prozess statt. Die elektrischen Ströme werden hier umgewandelt. Vielleicht hast du die Bezeichnung Ribonukleinsäure schon einmal gehört. Neurobiologen vermuten, dass diese die chemische Form ist, in die die elektrischen Ströme umgewandelt werden. Diese chemische Form hat eine Verweildauer von wenigen Sekunden bis zu 1 Minute im Arbeitsgedächtnis. Sie kann von hier aus in das Langzeitgedächtnis übergehen. Werden sie innerhalb dieses Zeitfensters jedoch nicht weiterverarbeitet, verschwinden sie, indem sie durch neu eintreffende Informationen ersetzt werden. Der Speicher des Kurzzeitgedächtnis ist begrenzt. Somit wird also auch hier gefiltert und geprüft, was vergessen oder an das Langzeitgedächtnis übergeben wird.

Langzeitgedächtnis

Das Langezeitgedächtnis ist das, was wir mit wiederholtem Training erreichen möchten. Schließlich befinden sich hier genau die Informationen, die auch später wieder abgerufen werden können.

Damit die Infos jedoch auch länger gespeichert werden, ist Wiederholung der Schlüssel zum Erfolg. Nur dann können die Informationen auch an bereits vorliegende Informationen fixiert werden. Die im Kurzzeitgedächtnis in Ribonukleinsäure umgewandelten elektrischen Ströme werden hier nun wieder umgewandelt, nämlich in Proteine.

Für das Training mit deinem Hund ist das Wissen um diese Gedächtnisart sehr wichtig. Denn wie wir wissen, ist eine regelmäßige Wiederholung der entscheidende Faktor. Übungen solltest du dementsprechend oft und kontinuierlich mit deinem Hund wiederholen, damit das Hundegedächtnis sie für lange Zeit abspeichert. Trainiere nicht nur an einem Tag in der Woche, sondern an mehreren Tagen in vielen kleinen Einheiten. Ein Trainingsplan oder ein Trainingstagebuch können dir dabei helfen.

Ein weiterer wichtiger Faktor für das Training ist das Vermeiden von besonders emotional negativen Erlebnissen oder solchen, die besonders intensiv für deinen Hund sind. Denn gerade diese werden ziemlich schnell im Langzeitgedächtnis abgespeichert. Ein gutes Beispiel hierfür sind Traumata. Da diese Infos auch über Jahre hinweg gespeichert werden, können sie leider, angefixt durch Schlüsselreize, auch jederzeit und ungewollt wieder hervorgerufen werden. Das kann in alltäglichen Situationen geschehen, in denen dein Hund mit solch einem Schlüsselreiz konfrontiert wird und darauf reagiert. Als Hundehalter kann diese Situation vielleicht überraschend auftreten und unerklärlich sein.

Hast du einen Welpen, sorge am besten für eine entspannte sozial sensible Phase mit vielen positiven Erlebnissen. Denn gerade in dieser Zeit kann dein Welpe besonders gut und intensiv lernen, sowohl Positives als auch Negatives.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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