„Aus!“ trainieren

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Aus trainieren
Ein Signal, das aus der Erziehung eines Hundes nicht wegzudenken ist, ist „Aus“. Es zählt zur Grunderziehung und sollte bestenfalls früh geübt werden. Bekommst du bald einen Welpen, kannst du das Ablegen eines Gegenstandes schon mal mit ihm üben.

Wieso dieses Signal?

Hört der Hund das Signal „Aus“, soll er einen Gegenstand, den er im Maul hält, loslassen und ablegen. Das ist besonders wichtig, wenn der Hund beispielsweise etwas Essbares bei einem Gassi-Gang gefunden hat, das unverträglich oder sogar giftig sein könnte. Auch bei einem kontrollierten Zerrspiel mit einem Zergel sollte das Signal funktionieren, ebenso wie beim Apportieren. Das Signal ist also nicht nur im Notfall absolut wichtig, sondern auch im Alltag für mehr Kontrolle und Sicherheit unerlässlich. Vor allem in einem Haushalt mit Kindern ist es von Vorteil, wenn der Hund seine Gegenstände nicht hütet wie seinen Augapfel, sondern von Anfang an lernt, dass es nie schlimm ist, wenn mal nach seinem Spielzeug gegriffen wird.

Wie sieht das Training aus?

Das Signal „Aus“ lässt sich positiv trainieren, indem man mit Tauschgeschäften übt. Auf diese Weise lernt dein Hund, dass es sich für ihn lohnt, das herzugeben, was er im Maul hat, da er etwas noch viel Tolleres im Gegenzug dafür bekommt.

Schritt 1

Möchtest du deinem Vierbeiner „Aus“ beibringen, startest du im besten Falle bereits im Welpenalter. Aber keine Sorge, auch ein erwachsener Hund kann selbstverständlich dieses Signal noch erlernen, benötigt eventuell nur etwas mehr Zeit. Du gibst deinem Hund etwas, das er in den Fang nehmen kann, zum Beispiel ein Spielzeug. Dann bietest du ihm eine bessere Option an, wie beispielsweise Fleischwurst oder ein anderes, besonders schmackhaftes Leckerli. Generell kann es alles Mögliche sein, solange es spannender ist als das, was er bereits hat.

Schritt 2

Zeige deinem Hund das tolle Leckerchen oder das bessere Spielzeug. Lässt er daraufhin seine „Beute“ fallen, lobst du ihn und gibst ihm die tolle Belohnung. Nach einigen Wiederholungen wird dein Hund sein Spielzeug zuverlässig fallen lassen, sobald du etwas Besseres präsentierst.

Schritt 3

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, das Signal einzuführen. Kurz bevor du die Belohnung zückst, sagst du „Aus“ und präsentierst deinem Hund dann das tolle Leckerchen oder Spielzeug. So lernt dein Hund auf das Wort hin loszulassen, was auch immer er im Fang hat, da er dafür etwas Besseres bekommt. Das kannst du auch sehr gut im Spiel üben, indem dein Vierbeiner sein Spielzeug trägt und du für ihn attraktivere Leckerchen dabeihast. Diese bekommt er im Tausch für das Spielzeug und sehr schnell kannst du auch hier das Signal einbauen.

Das Signal festigen

Das Üben lässt sich auf diese Weise wunderbar in den Alltag integrieren. Du nutzt die Spieleinheiten mit deinem Hund einfach für das Üben von „Aus“. So kannst du Zuhause, aber auch beim Gassigehen immer mal wieder ein Tauschgeschäft machen und deinem Hund so zeigen, dass es sich immer lohnt, Gegenstände auf Signal herzugeben, statt diese zu bunkern und damit womöglich noch vor dir wegzulaufen. Bis das sitzt, sind viele Wiederholungen und damit etwas Geduld nötig.

Auflösen

Das Auflösen macht besonders bei einem Zerrspiel Sinn. Mit einem Welpen solltest du allerdings nicht zergeln, mit einem erwachsenen Hund gerne – aber kontrolliert. Du zergelst also mit deinem Hund solange, bis du „Aus“ sagst. Dein Hund sollte daraufhin sofort loslassen. Erst auf dein Okay hin kann es weitergehen. Als Belohnung dafür, dass dein Vierbeiner im ausgelassenen Spiel gehört hat, wird das Spiel fortgesetzt. So kannst du gegensteuern, falls dein Hund dazu neigt, sich ins Zerrspiel hineinzusteigern. Mithilfe des Signals „Aus“ kehrt also Ruhe und Kontrolle ein und das Auflösen kann in diesem Zusammenhang das Spiel fortsetzen.

"Aus" im Alltag üben

Im Alltag gehst du wie gehabt vor: Wenn ihr spazieren geht, nimmst du besonders tolle Leckerchen mit. Findet dein Hund einen Stock und trägt ihn, sagst du „Aus“. Sobald er den Gegenstand fallenlässt, gibst du ihm das Leckerli. Übe dabei auch, dass du den Stock anschließend auch selbst in die Hand nimmst, ohne dass es für deinen Hund zum Problem wird. Danach kannst du den Stock deinem Hund natürlich wiedergeben. Schließlich soll er lernen, dass das Abgeben eines Gegenstandes überhaupt nicht schlimm ist, sondern im Gegenteil: Manchmal lohnt es sich sogar doppelt.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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