Ergotherapie mit Hund: Julia und Lucy sind ein eingespieltes Team

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Ergotherapie mit Hund

Wenn Patienten in die Düsseldorfer Ergotherapie-Praxis kommen, werden sie nicht nur von Therapeutin Julia Beermann empfangen, sondern auch von ihrer schwarz-roten Assistentin Lucy begrüßt. Dabei handelt es sich um eine vierjährige Zwergrauhaardackel-Dame, die von ihrem Frauchen eigenhändig zum Therapiebegleithund ausgebildet wurde. Hierfür hat die staatlich anerkannte Ergotherapeutin extra eine spezielle Hundetrainerausbildung mit Schwerpunkt tiergestützte Therapie absolviert. „Das ist zwar für meinen Beruf nicht vorgeschrieben, doch ich wollte es von Anfang an richtig machen und meinen Hund jederzeit verstehen können“, erklärt Julia Beermann. Gemeinsam bieten Julia und Lucy eine Ergotherapie mit Hund an.

Ergotherapie mit Hund: mit Hundetricks und Empathie den Patienten helfen

Klar, dass Lucy alle klassischen Kommandos wie „Sitz„, „Bleib„, „Warte“ oder „Komm“ im Schlaf beherrscht. Darüber hinaus macht die Hündin ihrem Beinamen Trickdackel Lucy alle Ehre, denn sie hat viele Hundetricks parat: Vorwärts und rückwärts Slalomlaufen, durch die Arme springen, Pfoten auf der Matte abwischen oder auf den Füßen seiner Besitzerin mitlaufen (Feet on). Außerdem stapelt sie Ringe auf, spielt Gitarre und hilft beim Aufräumen. Und wenn die kleinwüchsige Lady mal Aufmerksamkeit haben möchte, zieht sie den Menschen kurzerhand die Socken aus und legt sie in den Wäschekorb.
Viele dieser Tricks kommen auch in der Ergotherapie mit Hund zum Einsatz. Denn bei einigen Anwendungen ist Lucy mit von der Partie und hilft mit allen Pfoten mit, damit es den Patienten bald wieder besser geht. Wobei in der Ergotherapie eher von Klienten die Rede ist. Denn die Betroffenen bestimmen in der Regel aktiv und eigenverantwortlich über die Inhalte ihrer Therapie. Natürlich genießt die Hündin auch die zusätzlichen Streicheleinheiten als Teil der Maßnahmen, doch die gemeinsame Lösung von Aufgaben mit dem Klienten stehen im Vordergrund. Dabei ist die natürliche Fähigkeit eines Dackels zu hoher Empathie von Vorteil. Und davon hat die freundliche und kommunikative Lucy eine Menge in petto.

Was ist eigentlich Ergotherapie?

Bei der Ergotherapie handelt es sich um eine alltagsnahe Therapie, in der neben motorischen Fähigkeiten auch die Stärkung und Förderung von Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen im Vordergrund stehen. Sie kommt in sehr unterschiedlichen Situationen zum Einsatz, etwa bei Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule, nach einem Unfall oder bei Sprachproblemen. So zählen erwachsene Patienten zu den Klienten von Julia Beermann und Lucy, die nach einem Schlaganfall, einer Parkinson-Erkrankung oder bei Multipler Sklerose (MS) professionelle Hilfe benötigen. Ebenso sind viele Kinder dabei, die an einer Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), an Autismus oder dem Downsyndrom leiden.

Therapiehündin Lucy schläft

Therapiehund Lucy macht hier keinen Unterschied, sie geht freudig und völlig unvoreingenommen auf jeden Klienten zu und erobert alle mit ihrem Dackelblick im Sturm. Wirklich alle? Natürlich könne man alle Therapiemaßnahmen auch ohne Tier ausführen, weiß Julia Beermann, und nicht jeder Klient hat während der Behandlung gerne einen Hund um sich. Doch meistens wird die tierische Assistenz begrüßt und die Ergotherapie mit Hund gut angenommen. Dabei ist Lucy häufig so etwas wie ein Eisbrecher. Die Verbindung von Mensch zu Hund nimmt augenblicklich die Spannung. Sogar eher verschlossene Klienten würden in Minutenschnelle auftauen und beginnen mit dem Tier zu spielen und zu sprechen. „Hunde erhalten viel schneller einen Zugang als jeder Therapeut“, ist die Praktikerin überzeugt.

Was sind Lucys Aufgaben als Therapiehund?

Grundsätzlich können und sollen Hunde eine Ergotherapie nur begleiten und mit ihrer positiven Ausstrahlung zum Mitmachen motivieren. Daher ist Lucy ganz oft einfach nur im Raum anwesend, wenn Julia Beermann ihre Klienten betreut. Doch wann immer es passt, ist Ergotherapie-Hündin Lucy auch aktiv dabei und unterstützt die kleinen und großen Patienten bei ihren Konzentrationsaufgaben. Dann dreht sie das Glücksrad zur Buchstabenauswahl, zieht Ereigniskarten oder hilft Bauklötze und Bälle einzusammeln. Dabei hilft der Körperkontakt zu Hunden insbesondere Kindern dabei, sich zu entspannen.
Eine häufige wiederkehrende Konzentrations- und Greifübung ist zum Beispiel das Abzählen von Gegenständen. „Statt Murmeln zu zählen, können meine großen oder kleinen Klienten auch Hundeleckerli abzählen und bereitlegen“, erklärt die Therapeutin. Diese werden dann bei den zu lösenden Aufgaben eingesetzt. Ausgeführt werden sie von den Klienten selbst, denn Lucy ist so ausgebildet, dass sie nicht nur die Kommandos ihrer Trainerin umsetzt, sondern auch die Aufforderungen der Patienten befolgt. Doch nicht nur Kinder haben Freude am Ergotraining, wenn Lucy mit von der Partie ist. Das Gangtraining draußen mit dem Rollator macht auch Erwachsenen viel mehr Spaß, wenn die vierbeinige Assistentin motiviert.

Besuche in Seniorenheimen

Regelmäßig besuchen Julia Beermann und Lucy auch ihre Klienten im Seniorenheim. Die vorwiegend älteren Bewohner freuen sich jedes Mal über den Besuch der beiden. Viele von ihnen hatten früher selbst einmal einen Dackel und erinnern sich gerne. Dann rollt Lucy ihnen einen weichen Ball zu und animiert sie zur Bewegung. Gerne lässt sie sich auch streicheln und spendet Gesellschaft. Gemeinsam führen die Therapeutin und der Zwergdackel kleine Tricks und Kunststückchen vor. Das regt geistig und körperlich an, fördert die Gespräche und bringt ganz einfach Freude in den Alltag der Senioren.

Lucy bekommt Verstärkung durch Balu

Damit Lucy auf ihren kurzen Dackelbeinen nicht die ganze Arbeit allein bewältigen muss, erhält sie zunehmend Verstärkung durch ihren großen Kumpel Balu. Dabei handelt es sich um einen Australian Shepherd, der jedoch gerade in der Ausbildung ist und die ganzen Tricks, die Lucy bereits beherrscht, erst noch lernen muss.

Therapiehunde Lucy und Balu

Pausen und Freizeit sind wichtig

Anders als wir Menschen haben Lucy und Balu keinen 8-Stunden-Tag. Bei maximal zwei Sitzungen mit Klienten sind sie pro Tag dabei. „Es ist wichtig, dass die Hunde ihre regelmäßigen Pausen haben und sich ausruhen können“, erklärt Julia Beermann. Denn die Aufgaben der Vierbeiner mögen spielerisch wirken, doch tatsächlich sind sie anstrengend für die Tiere. In der Praxis gibt es daher einen eigenen Ruheraum für sie, damit sie zwischendurch entspannen, ganz Hund sein und alle viere von sich strecken können.
Darüber hinaus sorgt die Ergotherapeutin für ein vielseitiges Ausgleichsprogramm. Montags haben Lucy und Balu immer praxisfrei. Darüber hinaus gibt es ausgedehnte Spaziergänge in der Natur, Kuscheleinheiten und Spielphasen. Verständnis für die Bedürfnisse von Hunden, gegenseitiges Vertrauen und viel Zuneigung – daraus besteht das Geheimrezept für ein eingespieltes Team.

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