Tierarztpraxen offiziell als systemrelevant eingestuft

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Bei der derzeitigen Infektionslage wird natürlich auch beim Tierarzt (egal ob Praxis oder Klinik) darauf geachtet einer Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken. Dies kann aber nur gelingen, wenn sich sowohl das Personal, als auch die Tierhalter an die gegebenen Sicherheitsmaßnahmen halten. Tierarzt Sebastian Goßmann-Jonigkeit gibt einen Einblick in die derzeitige Arbeit von Tierarztpraxen und erklärt, auf was du bei einem Tierarztbesuch in Zeiten von Corona achten solltest.

Keine spontanen Besuche beim Tierarzt

Die grundlegenden Vorkehrungen wurden von Tierärztekammern und Bundesministerien vorgegeben und in den einzelnen Praxen und Kliniken an die jeweiligen Möglichkeiten angepasst – sowohl räumlich als auch personell. Aus diesem Grund solltest Du unbedingt vor einem geplanten Besuch anrufen und erfragen welche speziellen Strategien das jeweilige Tierarzt-Team verfolgt. Gegebenenfalls kannst Du Dich auch auf der Homepage Deines Haustierarztes informieren, worauf in der aktuellen Situation zu achten ist.

Manche Praxen haben ihre Sprechstundenzeiten angepasst – von offener Sprechstunde auf Terminsprechstunde. Dadurch soll das Patientenaufkommen möglichst entzerrt werden. Aufgrund der Enge im Wartebereich wird überwiegend außerhalb der Gebäude (zum Beispiel im Auto) gewartet.

Gerade Tierkliniken oder große Praxen mit entsprechendem Personalstamm arbeiten mitunter in Team-Schichten, zu denen immer nur eine dieser Gruppen anwesend ist. Die anderen Teams arbeiten entweder am gleichen Tag zu anderen Zeiten oder gar an anderen Tagen im Wechsel. Dadurch können bei krankheitsbedingtem Ausfall zumindest die anderen Teams eine Versorgung der Patienten gewährleisten.

Sicherheitsmaßnahmen in der Praxis

In manchen Tierarztpraxen dürfen die Tierhalter nicht mehr mit in den Behandlungsraum. Daher findet die Aufnahme des Vorberichts meist per Telefon statt. Anderorts meldet man sich zwar noch persönlich an der Rezeption an – diese ist jedoch oft mit einem sogenannten „Spuckschutz“ ausgestattet um einer Tröpfcheninfektion entgegenwirken zu können. Dadurch soll sowohl einer Übertragung von Rezeptionist auf Tierhalter, wie auch andersherum vermieden werden.

Auch wenn in den meisten Praxen keine großen Abstandsschilder wie an der Supermarktkasse stehen – sofern es möglich ist, solltest Du einen Mindestabstand zu anderen Menschen einhalten, während Du Dich in den Räumlichkeiten der Tierarztpraxis aufhältst. Viele Tierarztpraxen und Kliniken bevorzugen zudem die kontaktfreie Bezahlung per EC-Karte. Auch dies dient der Vermeidung einer Virusübertragung. Zwar überleben Viren nach aktuellen Wissensstand nicht allzu lang auf Geldstücken und -scheinen, dennoch möchte man das Risiko weitestgehend minimieren.

Schütze dich und das Praxispersonal

Bitte fahre nicht persönlich zum Tierarzt, sondern schicke einen Stellvertreter, der dein Tier begleitet, wenn Du:

  • Symptome wie Husten, Schnupfen u./o. Fieber hast
  • binnen der vergangenen 14 Tage in einem Corona-Risikogebiet warst
  • Kontakt zu einer nachweislich positiv getesteten Person hattest
  • selber positiv auf das Coronavirus getestet wurdest

Wirklich toll wäre es, wenn jeder Tierhalter schon mit einem Mundschutz und Einmalhandschuhen die Praxisräume betreten könnte. Dies würde das Infektionsrisiko auf beiden Seiten nochmals deutlich minimieren. Tierarztpraxen würden sicher gerne entsprechende Schutzkleidung stellen. Leider sind überall sämtliche Vorräte fast vollkommen aufgebraucht und Nachbestellungen derzeit schwierig bis unmöglich.

Vermeide unnötige Termine

Die Tierärztekammern appellieren an die Vernunft der Tierhalter mit aufschiebbaren Behandlungen zu warten. So gilt es zum Beispiel Jahresschutzimpfungen, Krallen kürzen und ähnliche Routineuntersuchungen zu verschieben. Du brauchst Dich aber selbstverständlich nicht um eine Notfallversorgung Deines Lieblings zu sorgen, denn lebensbedrohliche Zustände wie etwa eine Magendrehung, Vergiftungen usw. werden nach wie vor schnellstmöglich behandelt.

Keine Sorge – Tierarztpraxen bleiben offen

Die Aufrechterhaltung der tierärztlichen Infrastruktur ist aus Tierschutzsicht zwingend geboten. Daher hat das Bundeslandwirtschaftsministerium ganz aktuell dem Bund praktizierender Tierärzte (bpt) bekannt gegeben, dass Tierärzte, Tiermedizinische Fachangestellte und Tierpfleger ab sofort als systemrelevant eingestuft werden. Dieses Privileg  stand im Gegensatz zur Nutztiermedizin (vornehmlich Rinder und Schweine) für die Kleintiermedizin auf der Kippe, wurde nun aber bestätigt, sodass alle Praxen und Kliniken unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen geöffnet bleiben dürfen.

Nach wie vor ist das Virus nach aktuellem Wissensstand nicht mutiert und kann weder von Menschen auf unsere Haustiere wie Hunden und Katzen, noch von ihnen auf uns übertragen werden. Trotzdem gilt: nimm bitte die aktuellen Sicherheitsvorkehrungen Deiner Haustierarztpraxis oder Notdienstpraxis ernst. Niemand betreibt diesen immensen Aufwand grundlos, aber es muss jetzt sein. Jeder zählt!

Bleib gesund und pass auf Dich und Deine Lieben auf!


Sebastian Go?mann-JonigkeitTierarzt Sebastian Goßmann-Jonigkeit ist seit 2012 praktizierender Tierarzt für Kleintiere in Engelskirchen bei Köln. Dort leitet er die Praxis gemeinsam mit seiner Frau. Sein Faible gilt der Zahnmedizin für Hunde und Katzen – daher fühlt er sich zwischen Dentalröntgen und Zahn-OP auch besonders wohl. In seiner Freizeit bloggt er auf Facebook und Instagram.


 

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Kommentare, Fragen und Antworten
  1. Lucie Maier sagt:

    Ich bin beruhigt zu erfahren, dass Tierarztpraxen allesamt als systemrelevant eingestuft wurden. Mein Onkel betreibt einen Bauernhof und ist auf den regelmäßigen Besuch eines Fachtierarztes für Rinder angewiesen. Doch auch ich bin froh, dass ich weiterhin mit meiner Katze zum Tierarzt kann, wenn sie sich mal wieder eine größere Verletzung zugezogen hat, weil sie zu wild mit den Nachbarskatzen getobt hat.

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