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Wildvögel füttern: Ganzjahresfütterung sinnvoll?

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GanzjahresfütterungWildvögel füttern ist besonders im Winter beliebt. Doch mit den ersten warmen Tagen stellen wir die Fütterung der Wildvögel ein. Aber ist das überhaupt sinnvoll? Erfahre hier mehr über die Ganzjahresfütterung.

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Rückgang natürlicher Futterquellen

Die meisten von uns verbinden Meisenknödel mit der Herbst- und Winterzeit. Denn sobald es draußen kalt wird und der Boden gefriert möchten wir unsere heimischen Wildvögel füttern und ihnen die Futtersuche erleichtern, indem wir Meisenknödel und Co. zur Verfügung stellen. Wichtig wäre die regelmäßige Futtergabe allerdings auch im Frühjahr und Sommer. Denn gerade in diesen Jahreszeiten ist der Energiebedarf der Vögel besonders hoch und das Futterangebot ebenso wie im Herbst und Winter gering.

Durch die Urbanisierung und dem damit verbundenen Rückgang von Grünflächen stehen den Vögeln immer weniger Wildpflanzenarten zur Verfügung. Noch vor 100 Jahren hat es in Deutschland Feldflure voller Wildblumen gegeben. Diese beheimateten unzählige Insekten und bildeten damit ein reiches Menü für die Vogelwelt. Heute ist Deutschland eine Kulturlandschaft voller Autobahnen, Flughäfen und Siedlungen, mit Weizenfeldern und Kartoffelackern, auf denen keine Kornblume und kein Stiefmütterchen mehr zu finden ist. Die Folge: mehr als 200 Wildpflanzenarten sind verschwunden und mit ihnen die Insektenbegleitfauna wie Käfer, Raupen und Falter. Wildkräutern wird in der Landwirtschaft der Garaus gemacht, da sie als Unkraut angesehen werden. Früher produzierten die Weizenfelder Deutschlands mehr als eine Million Tonnen Sämereien pro Jahr. Der Rückgang der Sämereien hat leider auch negative Auswirkungen auf Bestand der Wildvögel. Vogelarten wie der Feld- und Haussperling oder der Star haben sich um 50 bis 70% reduziert.

Ganzjährlich Wildvögel füttern

Ornithologen und Naturschutzverbände rufen schon seit längerem dazu auf, dass heimische Wildvögel füttern über das ganze Jahr sinnvoll ist. Beobachtungen und Analysen haben ergeben, dass die Vögel selbst bei einem ganzjährigen Futterangebot durch den Menschen auf die natürlichen Nahrungsquellen zurückgreifen und diese lediglich ergänzen. Doch oft finden unsere heimischen Vögel nicht genug natürliche Nahrungsquellen. In der Folge kann der Futterbedarf der Vögel nicht ausreichend gedeckt werden.

Der Herbst

Im Herbst beispielsweise, reduziert sich die Zeit zur Nahrungssuche auf ein Minimum. Dadurch, dass es früh dunkel und spät hell wird, bleibt wenig aktive Zeit zur Nahrungssuche. Unsere heimischen Wildvögel, die den Winter in Deutschland verbringen werden, müssen sich Energiereserven anfressen, um die kalte Jahreszeit zu überstehen. Und auch die Zugvögel bereiten sich durch Futterreserven auf den anstrengenden Weg in den Süden vor.

Der Winter

Vögel, die den Winter in unseren Breitengraden verbringen, müssen in dieser Zeit viel fressen, um ihre Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Zugleich verbrauchen sie viel Energie bei der Nahrungssuche. Aufgrund der kalten Witterung und einer oftmals geschlossenen Schneedecke, gestaltet sich das besonders schwierig. Außerdem ist das Nahrungsangebot knapp.

Der Frühling

Wenn die Tage im Frühjahr länger werden und die Temperaturen langsam steigen, beginnt die Paarungszeit: Das Revier muss durch anstrengende Revierkämpfe verteidigt werden, es wird gebalzt, ein Nest muss gebaut werden und die Brutzeit steht bevor. Die Eier können bis zu 15% des Körpergewichts der Henne ausmachen, hohe Mengen an Proteinen, Fetten und vor allem Kalzium werden benötigt. Sind die Kleinen dann erstmal geschlüpft, dann müssen zusätzlich noch weitere kleine Schnäbel mit Futter versorgt werden. Um genügend Nahrung zu finden, sind die Vogeleltern ständig unterwegs. Während der Brutzeit verbrauchen sie bis zu 25x mehr Energie bei der Nahrungssuche, als es in der übrigen Zeit der Fall ist. Oft verhungern die Nesthocker in dieser Zeit, da die Eltern zunächst ihren eigenen Energiebedarf decken müssen. Und auch die zurückgekehrten Zugvögel versuchen nach der anstrengen Reise zunächst einmal die Kraftreserven wieder aufzufüllen, um sich dann ebenfalls der Balz und der Brutzeit widmen zu können.

Der Sommer

Sind die Küken erstmal flügge, beginnt bei den erwachsenen Tieren die Mauser. Die Vögel werfen ihr altes Gefieder ab und ein neues Federkleid bildet sich. Dazu werden Proteine und vor allem schwefelhaltige Aminosäuren benötigt. In dieser Zeit fressen die Vögel, je nach Art, bis zu 30% mehr.

Wildvögel füttern im ganzen Jahr – warum?

Neben den bereits erwähnten Gründen, Wildvögeln nicht nur im Winter ein zusätzliches Futterangebot zur Verfügung zu stellen, sind auch die folgenden Punkte weitere Pro-Argumente:

• Die Unterscheidung zwischen künstlichem Futter und natürlicher Nahrung ist in einer vom Menschen bestimmten Welt kaum noch auszumachen
• „Natürliche Selektion“ bedeutet bei vielen Tieren bereits: eine auf die Zivilisation des Menschen angepasste Selektion
• Der Mensch schützt nur, was er kennt: Wildvögel aber „kennenzulernen“ ist wegen ihrer geringen Größe und teils versteckten Lebensweise für Nicht-Ornithologen, Kinder und ältere Menschen eben nur an gut sichtbaren Futterstellen möglich; ist das Interesse für die gefiederten Besucher erst einmal geweckt, entsteht die Bereitschaft, den Garten etwas naturnaher zu gestalten und Nistkästen anzubringen.

Aber bitte beachte dabei stets: Durch die Ganzjahresfütterung veränderst du ein Stück weit den Lebensraum der Vögel. Für die allermeisten von Ihnen natürlich positiv. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass Arten, die vorher nicht viel Futter fanden, jetzt verstärkt „einwandern“. Beobachte gut, ob damit (vielleicht sogar seltene) Vögel aus ihrem bisherigen Biotop verdrängt werden. Das ist natürlich nicht zweckdienlich. Wenn du entsprechende Beobachtungen machen solltest, solltest du die Ganzjahresfütterung reduzieren oder in schweren Fällen einstellen.

Und allein durch eine ganzjährige Fütterung ist den Vögeln nicht geholfen. Das Futter sollte hochwertig sein. Qualität ist bei der Wahl des richtigen Wildvogelfutters das A und O. Hochwertige Saaten und Sämereien enthalten viele Vitamine, Mineralien und gesunde, ungesättigte Fettsäuren und Cartionide. Aber bedenke auch, dass es unter den Vögeln nicht nur Körnerfresser gibt. Auch das Anbieten von Insekten macht für viele Arten Sinn. Diese werden im Terraristikbedarf auch in praktischen Dosen angeboten. Sicherlich mag das den ein oder anderen vielleicht etwas Überwindung kosten. Die Vögel werden es es dir aber sicherlich danken! Verzichtet werden sollte auf Produkte aus Rindertalg. Sie liefern zwar Energie, wichtige Nährstoffe fehlen allerdings. Außerdem kann die Art und Qualität der zugemischten Saaten nicht mehr beurteilt werden, weshalb häufig billige Komponenten wie Weizen eingesetzt werden. Sind die Produkte der Sonne ausgesetzt, wird das fett schnell ranzig und schmilzt. Sich eventuell bildende Schimmelpilzsporen können dem empfindlichen Atmungstrakt der Vögel schaden und machen sie anfällig für Krankheiten.

Den richtigen Fütterungsstandort bestimmen

Die Vögel sollten sich an ihrem Futterplatz sicher und wohl fühlen, damit sie in Ruhe fressen können. Die Futterstelle sollte daher hoch und möglichst freihängend angebracht werden, damit Katzen und andere Raubtiere keine Möglichkeit haben, sich den Vögeln zu nähern.

Futterplätze vor großen Scheiben oder Balkontüren müssen entsprechend gesichert werden. Die Fenster sollten sichtbar gemacht werden, sodass die Vögel diese als Hindernis wahrnehmen und sich nicht verletzen können.

Wichtig ist außerdem, dass die Futterstelle immer gründlich sauber gehalten wird. Um das gewährleisten zu können, eignen sich Futterstationen mit Sitzstangen oder Futterstationen, an die die Tiere sich dran hängen können. So sitzen die Vögel neben dem Futter und eine Verunreinigung durch Kot und die damit verbundene Übertragung von Krankheiten wird vermindert. Zudem sollten die Futterstellen regelmäßig auf Verunreinigungen kontrolliert und gesäubert werden. Ebenso sollte das Futter vor der Witterung geschützt positioniert werden, um es vor dem Verderben zu bewahren. Solltest du faulige oder schimmelige Stellen entdecken, ist das Futter sofort zu entsorgen und die Futterstation vor erneutem Befüllen mit frischem Futter gründlich zu reinigen.

Hast du alle Tipps zum Standort und zur Qualität des Futters beherzigt, dann wirst du in Zukunft sicher oft von unseren heimischen Wildvögeln besucht. Außerdem trägst du damit zum Wiederaufbau der Artenvielfalt und der Population unserer Vogelwelt bei.

 

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Kommentare, Fragen und Antworten
  1. […] Noch mehr Tipps für die Fütterung und die richtigen Standorte gibt es in diesem Ratgeber. […]

  2. Sehr guter Beitrag um Vogelschutz! Unsere Artenvielfalt ist bedroht und alle sollten helfen, dass es unseren wildvögeln gut geht. Liebe grüße

  3. AleyKey sagt:

    Find ich super! Weiter so! Die Leute müssen aktiv am Artenschutz mitmachen sonst haben wir in kürze nur noch wenige gefiederte Freunde!!!
    LG
    Aley

    1. ZooRoyal sagt:

      Hallo AleyKey,

      vielen Dank für dein Lob!

      Liebe Grüße,
      dein ZooRoyal Team

  4. Fred sagt:

    Hallo, klasse und sehr tiefgehender Artikel zum Artenschutz! Die Tipps zum zum Standort und zur Qualität des Futters sollten viel mehr berücksichtig werden. Weiter so mit solchen Artikeln.
    LG

    1. ZooRoyal sagt:

      Hallo Fred,

      vielen Dank für dein nettes Lob! 🙂

      Liebe Grüße
      Dein ZooRoyal Team

  5. Max sagt:

    Hallo,
    hört sich ja alles schön und verkaufsfördernd an, daher,
    bevor ich mir die Mühe mache. Werden sachliche kritische Beiträge gelöscht ?
    Max

    1. ZooRoyal sagt:

      Hallo Max,

      wir freuen uns immer über konstruktive Kritik. Wenn du dir unsicher bist, kannst du dich auch bevor du kommentierst in unserer Netiquette informieren:
      http://www.zooroyal.de/magazin/allgemein/netiquette/

      Viele Grüße
      Dein ZooRoyal Team

      1. Max sagt:

        Ganzjahresfütterung nicht immer sinnvoll.

        Ich muss hier doch einige Ihrer Aussagen berichtigen (Ergänzen) da Ihr Bericht für mich doch etwas einseitig ist.

        So rät der Naturschutzverband NABU aus verschiedenen Gründen von einer Ganzjahresfütterung ab.
        Das Problem des Futtermangels in der Vogelwelt bezieht sich im Wesentlichen auch auf das Fehlen von Insekten, (Nahrung der meisten Zugvögel). Dies vermisse in dem Bericht.

        Zudem wird die Fütterung in der Aufzucht der Jungvögel kritisch gesehen. (Aufgeblähte Bäuche bei toten Meisenküken, (Bericht in einem Vogelforum).Auch ob der Allgemeine Vogelfreund alle Regeln der Hygiene und des Futters immer einhält bezweifle ich.

        Auch ich selbst wollte dieses Jahr mit der durchgehenden Fütterung beginnen. Dies lockte allerdings Schwärme von Sperlingen und Grünfinken an, so dass andere Arten kaum noch eine Chance hatten, trotz mehrerer Futterstellen. Mein Stieglitzpaar musste fliehen und ihren Nestbau, welches von den Sperlingen immer wieder zerpflückt wurde aufgeben.

        Ich habe dann sofort die Fütterung beendet und das ganze beruhigte sich wieder.
        Der Gute Gedanke zur Ganzjahresfütterung in Ehren, aber man sollte das Ganze auch etwas kritisch betrachten.

        Ich hoffe ich habe gegen keine Nettiquette verstoßen und konnte etwas zur Vogelhilfe beitragen.

        Grüße
        Max

        1. ZooRoyal sagt:

          Hallo Max,

          vielen Dank für deine konstruktive Kritik und deinen Input. Gerne ergänzen wir den Beitrag um einige Punkte.

          Viele Grüße
          dein ZooRoyal Team

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