Chinesische Medizin und Katzen

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Chinesische MedizinDie traditionell chinesische Medizin (TCM) ist ein Jahrtausende altes Medizinsystem, welches aus dem Osten zu uns gelangt ist und eine wunderbare Ergänzung zur normalen Schulmedizin darstellt (Ganzheitliche Medizin).

Was hat chinesische Medizin mit Katzen zu tun?

Die Besonderheit besteht darin, dass das System (TCM) durch Beobachtung entstanden ist.
Der Therapeut fragt also nicht nur nach den akuten Beschwerden, sondern auch nach dem „Drumherum“. Er braucht für eine Diagnose eine Einschätzung der Lebensumstände des menschlichen oder eben auch tierischen Patienten im Hinblick auf soziales Umfeld, Ernährung, welches Wetter die Beschwerden verstärkt und was dem Patienten gut tut.


Der erste Schritt ist allerdings die Beobachtung des Lebewesens und infolgedessen Zuordnung in die sogenannten 5-Elemente-Typen. Jeder Typ zeigt bestimmte körperliche und seelische Merkmale, die dementsprechend auch individuelle Krankheitsbilder entstehen lassen.
So wird ein Magen-Darm-Infekt zweier Katzen in der Schulmedizin vielleicht mit ein und demselben Antibiotikum behandelt. In der TCM wird die Behandlung dem Einzelpatienten angepasst, auch im Hinblick auf Ernährung und Haltung und kann deshalb für jedes Tier ganz anders aussehen.
Für den Therapeuten ist es eine Freude und Herausforderung diese Typen zu erkennen , ganz nach dem Rheinischen Spruch „jeder Jeck ist anders“. Will sagen, jeder Jeck braucht eine andere Behandlung…
Oder haben die Rheinländer chinesische Wurzeln?
(falsches Thema!)

Jetzt folgt die praktische Umsetzung:

Wasser-Typ

„Aus dem Wasser entsteht alles“ 
Der Kater „Kleiner“ ist zierlich und wirkt jünger als seine gleichaltrigen Geschwister. Er ist ängstlich, hat Angst vor allem Unbekannten und Geräuschen, versteckt sich gerne und fällt in eine „Schreckstarre“ wenn er kein Versteck findet. Er hatte als Katzenbaby eine Blasenentzündung und markiert gerne bei Unsicherheit die Wohnung oder die Schuhe von Frauchens neuem Schatz.
Er liebt es Wasser zu trinken, besonders aus dem Badewannenhahn und mag es am liebsten warm und kuschelig. Bei Kälte zieht er nicht um den Block, sondern verschanzt sich in seinem Kratzbaum.
„Kleiner“ ist der Wasser-Typ, auch Blasen/Nieren-Typ genannt.

 

Holz-Typ

„zurückschwingender Bambus“ 
„Rambo“ ist ein stabil wirkender kräftiger schwarzer Kater mit diversen eitrigen Ohrproblemen und Kratzverletzungen und neigt zu starkem Juckreiz. Er ist der Chef seines und anderer Reviere, geht keinem Kampf aus dem Wege, bezahlt keine Alimente und findet sich trotz seiner Schrammen unwiderstehlich und attraktiv.
Er leidet unter Stimmungsschwankungen, schleicht zärtlich um die Beine von Frauchens neuem Schatz, dreht sich dann plötzlich um und beißt herzhaft in dessen Waden. Was durchaus oft zu Trennungen geführt hat. Er macht eben keine Gefangenen!
Er ist der eigentliche Mann im Haus und genießt sein Futter mit der Petersilien-Garnitur und Frauchens Hingabe.
„Rambo“ ist der sogenannte Holz- oder Leber/Gallenblasen-Typ.

 

Feuer-Typ

„da geht einem das Herz auf“ 
„Duchesse“ ist eine wunderschöne, aparte Siamesin. Sie weiß wie man sich in Pose setzt und Aufmerksamkeit erregt. Dazu setzt sie permanent ihr nicht unbedingt für Menschenohren attraktives Stimmchen ein. Sie sucht Zärtlichkeit und Nähe, will man sie aber festhalten und in den Arm nehmen wird sie hysterisch, kratzt plötzlich und Frauchen befürchtet einen Herzinfarkt bei ihrem geliebten Tier. Der geplante jährliche Tierarztbesuch bringt Frauchen nicht zuletzt deshalb schon Monate vorher in Stress.
Duchesse kommt im Sommer mit der Hitze nicht zurecht und verzieht sich in den Keller.
„Duchesse“ ist der sogenannte Feuer- oder Herz-Typ.

 

 

Erd-Typ

„all You need is food“ 
„Garfield“ ist etwas mehr als leicht übergewichtig. Essen ist das Größte für ihn. Mäusefang verschwendete Energie, weil man doch die Dosenöffnerin zu hause hat.
Garfield liebt die Gemütlichkeit, schläft gerne lange aus, ist sanftmütig und möchte, dass es seinem Frauchen gut geht, wenn sie abends gemeinsam beim Fernsehen Toffee-Eis geniessen. Der kurze Inspektionsgang aus der Verandatür reicht an Bewegung. Denn jeglicher Stress durch mögliche Auseinandersetzungen mit „Rambo“, welcher gerade sein Revier ausweiten will, führen unweigerlich zu Erbrechen und Durchfall. Das wäre schade um das Eis!
Garfield ist ein Erd- oder Milz/Magen-Typ

 

 

Metall-Typ

„Zuverlässigkeit und Treue“
Galahad, ein großrahmiger grauer schlanker Kater mit chronischem Katzenschnupfen ist vorausschauend in seinem Revier, geht Streit aus dem Weg. Er neigt zu Allergien und trockener Haut.
Er braucht seine Zeiten und seine Regeln.
Galahad ist ein zuverlässiger, nicht so auffälliger, aber treuer Wegbegleiter.
Er ist ein Metall oder Lungen-Dickdarm-Typ.

Was machen wir mit den Konstitutionstypen?
Nach dem Motto „Körper und Seele“ gehören zusammen, würde der TCM-Tierarzt einen der Erkrankung angemessenen Behandlungsplan erstellen. Wenn der Patient durch sein „Drumherum“ noch nicht optimal in seiner Gesundheit unterstützt wird, kann eine Ernährungsanpassung und oder eine Veränderung in seiner Lebensumgebung hilfreich sein.

Der kleine „Wassermann“ würde etwa ausreichende warme und sichere Rückzugsmöglichkeiten angeboten bekommen. Holz-Typ Rambo würde ein bisschen mehr in seine Schranken gewiesen, damit er nachts nicht Wadenbeissen kann. Die zu Hysterie neigende Duchesse bekäme als Feuer-Typ vor dem Tierarztbesuch Bachblüten verordnet (und Frauchen gleich mit). Der “Vielfraß” und Erd-Typ Garfield bekäme LEIDER Toffee-Eis-Verbot. Und bei Metall-Typ Galahad wäre eine Stärkung des Immunsystems vor seinen „Hauptschnupfenzeiten“ empfehlenswert.


Sabine Bönner Sabine Bönner ist seit 1994 Tierärztin. Vor 20 Jahren hat sie die Leidenschaft für die Traditionell Chinesischen Medizin und andere ganzheitliche Behandlungsmethoden erwischt. Infolgedessen ist sie als Dozentin und Ausbilderin für den tierärztlichen Nachwuchs tätig. Neben der ganzheitlichen Tiermedizin bietet sie in ihrer Praxis Seminare für Tierhalter und TCM-Ernährungstherapie für „Zweibeiner“ an.


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