Pubertät bei Hunden

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Pubertät bei Hunden

Die Pubertät bei Hunden ist für viele Hundehalter eine sehr anstrengende Phase. Dabei ist sie ein so wichtiger Schritt in Richtung Erwachsenwerden. Wir wollen dir gern mehr Informationen zu diesem spannenden Thema an die Hand geben und dich ermuntern, durchzuhalten und nach vorne zu blicken. Und versprochen, auch diese Zeit wird vorübergehen. Mit etwas Geduld, Durchhaltevermögen, liebevoller Konsequenz und einer guten Portion Verständnis könnt du und dein Hund diese aufregende Zeit entspannter meistern.

Nach der Welpenzeit kommt die Pubertät

Ist die Welpenzeit vorüber und die nächste Entwicklungsphase tritt ein, fühlen sich viele Hundehalter unsicher. Das zuverlässige Funktionieren von Sitz, Platz und Co. scheint auf einmal wie weggeblasen. Stattdessen hinterfragt der liebste Vierbeiner auf einmal, ob das Umsetzen der gelernten Signale tatsächlich seine Richtigkeit hat und was die Folge ist, wenn er diese nicht ausführt. Vielleicht befindet sich deine Fellnase auch gerade in dieser Phase oder du kannst dich noch gut an sie erinnern.

Was passiert während der Pubertät bei Hunden im Hundekörper?

Mit der Pubertät geht zudem die Geschlechtsreife einher. Es handelt sich nicht um einen klar festgelegten Zeitraum. Vielmehr geht es um den biologischen Prozess, der im Hundeorganismus abläuft. Der Rüde schüttet vermehrt das Hormon Testosteron aus, die Hündin Östrogen. Wann dieser Zeitpunkt sein wird, ist nicht vorauszusagen. Schließlich ist jeder Hund ein Individuum und sollte auch als solches betrachtet werden. Zudem spielen mehrere Faktoren beim Startschuss in die Pubertät eine Rolle, wie beispielsweise die Größe des Hundes, die Rasse, äußere Umwelteinflüsse und die Gesundheit des Tieres. Auch jede Menge andere Hormone haben ein Wörtchen mitzureden und nicht nur die oben beschriebenen (Sexual-)hormone, sondern auch die, die wir eher dem Bereich der Ernährung zuordnen usw.

Wann beginnt die Pubertät bei Hunden?

Durchschnittlich startet die pubertäre Phase zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat. Tendenziell ist zu beobachten, dass sich kleinere Hunderassen schneller entwickeln und eher in die Pubertät starten als größere. Ebenso entwickeln sich im Trend Rüden und Hündinnen unterschiedlich schnell. Allerdings gibt es nicht nur hormonelle Veränderungen, sondern auch körperliche. Im Hundegehirn finden etliche Umstrukturierungen statt. Wie lange die Pubertät wirklich dauert und wann sie schließlich endet, ist nicht eindeutig definiert. Jeder Hund entwickelt sich innerhalb seines persönlichen Kontextes in seinem Tempo.

Wie äußert sich die Pubertät bei Hunden?

Pubertät bei Rüden

Bei Rüden ist optisch erkennbar, dass sie ihr Bein beim Urinieren heben – zur Freude der meisten Hundehalter. Sie hocken sich an vielen Stellen nicht mehr hin. Doch auch das Beinheben will gelernt sein. Nicht immer klappt es gleich beim ersten Versuch. Schließlich muss das Gleichgewicht erst noch gefunden werden. Außerdem wird nun vermehrt Interesse an anderen Markierungen und an Hündinnen gezeigt. Auch wenn es in der Welpenzeit mit anderen Rüden immer prima funktioniert hat, könnte es sein, dass es zu Aggressionen untereinander kommt. Konkurrenz belebt das Geschäft. Je nach Persönlichkeit und Ähnlichkeit zum eigenen Hundecharakter finden sich schnell Sympathien und Antipathien. Es kann mit dem einem Rüden gut klappen, mit dem anderen nicht. Das ist ganz normal. Kein Hund muss sich mit allen Hunden gut verstehen.

Pubertät bei Hündinnen

Bei Hündinnen steht die erste Läufigkeit an. Pubertäres Verhalten kann damit einhergehen. Hündinnen möchten – ebenso wie Rüden auch – verstehen, welche Rolle sie im sozialen Gefüge einnehmen. Das erfahren sie dadurch, dass sie zum Beispiel die Signale des Halters in Frage stellen. Auch können sie ihr Verhalten anpassen, von ruhig und anhänglich bis hin zur starken, pöbelnden Persönlichkeit.

Wie kann ich meinem Hund in der Pubertät helfen?

Die Pubertät ist eine herausfordernde Zeit, sowohl für deine Fellnase als auch für dich als HundehalterIn. Sie ist aber auch ein ganz normaler Bestandteil der Hundeentwicklung und du kannst dir sicher sein: Auch diese Zeit wird vorübergehen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, deinen Hund in dieser, für ihn so wichtigen Zeit zu unterstützen. Durchhalten und ganz viel Geduld sind die Devise.

Deine Stimmung und Einstellung sind besonders gefragt. Auch wenn dein Hund dich in vielen Momenten regelrecht stresst und vielleicht sogar demotiviert, ist es wichtig, ruhig und besonnen zu bleiben. Lass dich nicht von der Stimmung deines Hundes anstecken, wenn dieser scheinbar auf Durchzug gestellt hat oder lieber seine eigenen Wege gehen will. Versuche, deine eigene Stimmung in diesem Moment wahrzunehmen, sie bewusst zu kontrollieren und Ruhe auszustrahlen. Dein Hund kann deine Stimmung wahrnehmen und annehmen. Er wird merken, dass du deine Führungsqualitäten in diesem Moment behältst.

Fokussiere, was dein Hund richtig macht und was in dieser Phase funktioniert. Ärgerst du dich nur über die Dinge, die nicht klappen, wird deine Stimmung kippen. Wie heißt es so schön: Das Glas ist halb voll und nicht halb leer. Versuche, deinen Blickwinkel auf das Positive zu lenken und mit Verständnis und Geduld zu reagieren.

Hundetraining in der Pubertät

Auch wenn es dir in dieser Zeit scheinbar überflüssig erscheint, ist auch ein konsequentes Training wichtig, denn die Pubertät ist eine Entwicklungsphase. Behalte deine liebevolle Konsequenz und Struktur in dieser Zeit bei. Das bietet deinem Hund Orientierung, Sicherheit und Halt. Überlege jedoch, ob das eine oder andere Signal in der jeweiligen Situation tatsächlich Sinn macht. Der Abruf aus dem Spiel heraus beispielsweise ist schon etwas für Fortgeschrittene. Wenn du vorher bereits weißt, dass es nicht funktionieren wird, fordere es nicht ein, sondern übe es in einem entspannteren Kontext parallel dazu. Trainiere außerdem in kleinen Schritten in einer Umgebung mit weniger Ablenkung. Nach und nach kannst du diese steigern. Das ist erfolgsversprechender und motiviert, am Ball zu bleiben.

Aber nicht nur der Abruf sollte weiterhin trainiert werden. Ebenso die anderen Basics der Hundeerziehung können weiter erarbeitet werden. Gestalte die Übungen abwechslungsreich und beende jede Trainingseinheit positiv. Dein Hund wird lernen, dass es sich für ihn lohnt mitzumachen, da am Ende ein Lob, ein Spiel, ein Leckerchen oder etwas anderes Positives folgt. Das stärkt auch euer Miteinander.

Wichtig! Gerade in der Pubertät ist das Management im Alltag sehr wichtig. Dein Hund wird vielleicht nicht zuverlässig zurückkommen beim Abruf. Um einem Wegrennen entgegenzuwirken, sollte dein Hund angeleint bleiben. Auch das Jagdverhalten zeigt er in dieser Phase oftmals gern. Stell dich darauf ein und freue dich, dass du und dein Hund die Pubertät gemeinsam erleben dürft. Das schweißt zusammen.


KristinaKristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen.
Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften.


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