Wie Corona mein Leben mit Hund verändert

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Corona mit Hund

(Artikel von Christoph Jung, ZooRoyal Hundeexperte)

Blauer Himmel, die Sonne scheint, Königswetter, offenes Fenster. Ich sitze an meinem Notebook und schreibe gerade diesen Bericht. Meine Hunde liegen unter und neben mir. Sie grunzen wohlig. Eigentlich eine absolute Wohlfühlsituation. Ja, wenn nicht etwas in mein Leben reinfunken würde, etwas das man nicht mal sehen kann. Der Virus. Corona hat mein Leben, hat unser aller Leben verändert, massiv. Noch vor zwei Wochen schaute ich online in die Meldungen mit dem Hintergedanken: weit weg. Jetzt ist das Virus da und zwar unübersehbar.

Eigentlich würde ich heute mit reichlich Zeitdruck im Nacken an den letzten Feinheiten meiner Powerpoints arbeiten. Ich würde meine Reisetaschen packen. Übermorgen, ganz früh, würde es samt Hunde nach Dänemark gehen. Dort würde ich, wie schon im letzten Jahr, eine Woche als Dozent arbeiten. Es geht um die Ausbildung von Psychotherapeuten und Psychiatern in hundegestützter Therapie. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden hier zusammen mit ihren Hunden ausgebildet, wie sie Menschen besser helfen können. Autisten zum Beispiel öffnen sich Hunden gegenüber meist viel schneller. Diese Ausbildung ist ein Job, der mir viel Spaß macht. Dazu kommt noch das wandern mit den Hundis an den einsamen Stränden hoch im Norden Dänemarks. Für mich jedes Mal ein Höhepunkt des Lebens. Schöner geht es nicht.

Doch dann kam die Mail des Veranstalters: Absage wegen Corona. Am gleichen Tag noch schloss Dänemark seine Grenzen. Die anderen Veranstalter folgten. Nun habe ich – ungewollt und ungeplant – viel Zeit. Die Hunde freuen sich. Sie wussten ja nicht, dass sie die Nordsee verpassen, den Strand, den sie so lieben. Derweil genießen sie es, dass Herrchen nun den ganzen Tag zuhause ist. Home-Office. Nein, nicht den ganzen Tag. Einkaufen muss ich ja auch. Dabei erwische ich mich, wie ich eigentlich ungeplant etwas mehr von dem Hundefutter in den Einkaufswagen lege. Sogar ein paar große Dosen. Und ich gucke heimlich vor mir selber mal ganz schnell auf das Haltbarkeitsdatum, bin ganz beruhigt, dass es bis Ende Juni reicht. Sicherheitshalber. Eigentlich mag ich solches Hamstern überhaupt nicht und nein, soweit ist es nicht gegangen: Klopapier habe ich keines gekauft. Dabei ist das Hamstern ja völlig witzlos, denn die Regale sind voll, die Lieferketten intakt und ich könnte ja auch noch online bestellen. Die Hunde freuen sich derweil über das Leckerli, das ich ihnen wie immer von Einkauf mitbringe. Und ich freue mich mit ihnen.

Überhaupt spenden mir meine Hunde in diesen Tagen sehr viel Kraft. Ihre Unbekümmertheit, ihre Zugewandheit, ihre Liebe zu mir, lassen meine Sorgen anlässlich der Corona-Krise ein wenig vergessen. Wenn ich die Leinen in die Hand nehme, gibt es kein Halten mehr. Diese ungestüme Freude! Da geht mir das Herz auf. Ich freue mich wieder mit ihnen. Auch den Feldwegen, wo wir gewöhnlich gehen, kann ich sie ohne Leine laufen lassen. Ich weiß, dass ich sie im Bedarfsfall abrufen kann. Heute ist es noch einsamer. Kein Mensch, kein Hund außer uns vier. Da kommen mir als Vertreter der Spezies Homo sapiens wieder die Sorgen, was ist, wenn es nun auch noch Ausgangssperren gibt? Kann ich sie dann immer noch so frei laufen lassen? Das schert meine drei nicht. Obwohl alle schon 12 und älter sind, toben sie herum, genießen ausgelassen das schöne Wetter, den aufkommenden Frühling, schlicht das soziale Miteinander. Sie genießen aus vollen Zügen das Hier und Jetzt.

Als wir wieder zuhause sind, erscheint die nächste Absage per Email auf dem Bildschirm. Ich lese die Schlagzeilen der FAZ-online, wo ein Virologe von weiteren fünf Monaten oder länger mit Einschränkungen redet, die unser soziales Band gezielt und massiv durchschneiden sollen. Etwas Angst habe ich schon. Und ich spüre, dass meine Hunde diese bei mir Gedanken mitfühlen. Sie sorgen sich um mich. Gemeinsam werden wir das durchstehen. Die Krise schweißt uns nur noch mehr zusammen. Es ist herrlich, mit Hunden und Katzen zusammenleben zu dürfen. Sie geben mir unendlich viel Kraft. „Wird schon werden“, wie es meine Großmutter zu sagen pflegte. Und die hatte immerhin zwei Weltkriege überlebt.

Wie es Christoph Jung jetzt geht, liest du in Teil 2 seines Erfahrungsberichts.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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Kommentare, Fragen und Antworten
  1. Christel Gruebel sagt:

    Ach Herr Jung, sie sprechen mir aus der Seele. Mein Mann ist im Dezember verstorben, meine Enkel koennen mich im Moment nicht besuchen, ich bin alleine. Aber es macht mir nichts aus, ich habe meinen Hund der mich jeden Tag auf`s neue drängt mit ihm Gassi zu gehen und ich genieße es. Er gibt mir so viel… und wer weiß, vielleicht finden in dieser Situation einige Menschen wieder zu sich selbst!
    Alles Liebe für Sie und Ihre Vierbeinigen Freunde, es geht immer weiter!

  2. Christoph Jung sagt:

    Liebe Frau Grübel, es freut mich sehr, dass Ihnen der Artikel gefallen hat. Ja, nicht nur aber gerade heute schenken uns unsere Lieblinge soviel schöne Momente. Ich bin sicher, es geht vielen so ähnlich wie Ihnen. Der soziale Kontakt ist uns allen wichtig, Isolierung schrecklich. Wenn Ihnen meine Zeilen gut getan haben, dann haben sie bereits ihren Zweck erfüllt.
    Herzlichen Dank für Ihre Grüße
    Christoph Jung

  3. Ginny Hofstetter sagt:

    Ich bin froh, eine Katze zu haben. Er ist ein Hauskater.

    1. ZooRoyal sagt:

      Liebe Ginny,
      wir freuen uns sehr, dass du deinen Hauskater an deiner Seite hast.
      Bleibt gesund!

      Euer ZooRoyal Team

  4. Hallo Herr Jung, die Zeiten sind wirklich hart und wir sind ja erst am Anfang, sagen die Fachleute im Fernsehen und in der Zeitung. Seit 5 Jahren bin ich gesundheitlich so stark eingeschränkt, dass ich im Pflegeheim leben muss. Zu Hause hatte ich immer ununterbrochen meine Katze Meggy an meiner Seite,sie darf mich zwar besuchen, aber es ist nicht das gleiche. Sie fehlt mir so sehr. Deshalb freue ich mich aus tiefstem Herzen darüber, wenn ich einen Bericht lese wie den von Ihnen. Hier haben wir einen Hund im Haus, der einer Betreuerin gehört und ich genieße die Zeit und lebe richtig auf und trägt mich durch den ganzen Tag. Gerade jetzt in dieser angespannten Situation. Ganz herzliche Grüße und vielen Dank dafür, dass Sie mich an Ihrem Leben mit ihren Hunden teilhaben ließen.

  5. Liebe Frau Columbus,
    es ist schade, dass Ihre Katze Meggy nicht bei Ihnen wohnen darf. Ich kann nicht nachvollziehen, warum das in den meisten Heimen so restriktiv gehandhabt wird – obwohl nachgewiesen ist, dass besonders Hunde und Katzen eine so positive gesundheitliche und psychische Wirkung haben. Wenigstens haben Sie den Hund im Haus. Und Sie zeigen ja, wie wichtig und wohltuend selbst dieser Kontakt ist – gerade jetzt in einer Notzeit wie dieser, die ans Mark unserer Seele geht, an unser soziales Wesen.
    Ich denke an Sie und wünsche Ihnen viel Kraft und viel Glück!
    Christoph Jung und meine Hunde und Katzen

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