Was ist BARF?

Viele Hundehalter streben eine möglichst naturnahe Fütterung ihres Hundes an. Das heißt, eine Ernährung, die sich daran orientiert, was der Wolf, als Vorfahre unseres Haushundes, frisst. BARF hat sich hierzu als eine mögliche Methode etabliert. Aber was gehört dazu? Was muss man beachten? Das verraten wir dir jetzt!

BARF – was heißt das eigentlich?

BARF ist ein Kürzel, so viel ist klar. Es gibt aber mehrere Möglichkeiten der Ausformulierung. Die gängigste ist mittlerweile „Biologically Appropriate Raw Food“, ins deutsche meist übersetzt als „Biologisch Artgerechte RohFütterung“. Zunächst war BARF aber die Abkürzung von „Bones And Raw Food“, wörtlich übersetzt heißt das „Knochen und rohe Nahrung“. Das Wesentliche wird in beiden Varianten schnell deutlich: Wer seinen Hund barft, füttert ihn mit rohen Futtermitteln. Es gibt dabei verschiedene Varianten: Manche Hundebesitzer ziehen es strikt durch und füttern nichts ungegart, andere füttern zusätzlich auch gegarte Futtermittel (zum Beispiel Kartoffeln oder Reis). Vorweg haben wir die wichtigsten Infos und häufigsten Mythen schon einmal in einem Video für dich zusammengefasst:

Die Vorteile

BARF gilt als besonders naturnah. Ein riesengroßer Vorteil (insbesondere für Hunde mit Unverträglichkeiten und Allergien) ist der, dass der Besitzer maximale Kontrolle darüber hat, was sein Hund frisst. Schließlich kann er das Futter selbst zubereiten und ist so völlig flexibel in der Wahl der Zutaten. So kann man auf individuelle Bedürfnisse gezielt eingehen – auch bei verschiedenen Krankheiten. Hierbei sollte vorab aber unbedingt der Rat eines auf dem Gebiet der Ernährung versierten Tierarztes eingeholt werden.

Bei der Verarbeitung frischer Zutaten hat man außerdem den Vorteil, dass Nährstoffverluste durch die Verarbeitung auf ein Minimum reduziert werden. Prinzipiell gelten BARF-Rationen als sehr gut vom Hund verwertbar, dadurch reduziert sich der Kotabsatz meist merklich. Die Akzeptanz ist hoch, die meisten Hunde lieben ihre BARF-Menüs. Ab und an gibt es Hunde, die zunächst mit dem Rohfutter fremdeln. Dann hilft es meist, wenn du das Futter zunächst kochst. Anschließend kannst du langsam auf Rohfutter umstellen.

Und BARF hat durchaus auch gesundheitliche Vorteile: Werden ganze, rohe Knochen und größere Teilstücke gefüttert, wird beim Kauen der Zahnbelag abgerieben. Das reduziert das Zahnsteinrisiko.

Woraus besteht eine BARF-Ration?

Um eine gute Ration zusammenzustellen, braucht es viel Know-how. Schnell neigt man dazu, dem vermeintlichen Fleischfresser einfach viel gutes Fleisch zu füttern. Aber allein das zu füttern ist bei weitem nicht ausreichend! Du könntest deinen Hund ausschließlich mit allerbestem rohen Filet ernähren – und würdest ihn damit ganz sicher in einen dramatischen Nährstoffmangel bringen. Die Zusammenstellung der Mahlzeiten sollte deshalb gut durchdacht sein – sonst drohen Mangel- oder Überversorgungen. Auch hierbei kann dir ein auf Tierernährung spezialisierter Tierarzt oder versierter Ernährungsberater helfen. Welche Futtermittel geeignet sind, kannst du unserer Futtermittelliste entnehmen.

Hier haben wir dir eine Beispielsration für einen 20kg schweren Hund erstellt. Er ist mittleren Alters, ausgewachsen und idealgewichtig. So könnte seine Ernährung mit BARF aussehen:

Täglich:
Rindfleisch, mittelfett: 275 g
Innereien vom Rind
(Mix oder Wechsel aus Milz,Lunge, Herz, Niere, Leber): 30 g
Pansen, grün: 50 g
Fleischige Knochen: 100 g
Gemüse: 160 g
Obst: 90 g
Eierschalen: 1,5 g
Weizenkeimöl/Distelöl/Lachsöl/Rapsöl (im tgl. Wechsel): 1 EL
Vitamin- und Mineralergänzungsfutter für BARF-Rationen: 2 g
Wöchentlich: 1 1/2 EL Lebertran

Typische Zutaten in einer BARF-Ration

Fleisch und Innereien

Typisch für eine BARF-Ration ist ein großer Anteil frisches oder aufgetautes rohes Fleisch, meist von Rind, Lamm, Pferd oder Geflügel. Hier kannst du variabel wählen und auch andere Fleischsorten verwenden. Nur rohes Schweinefleisch (auch Wildschwein!) darf nicht an Hunde verfüttert werden. Gut durchgegart dürfte es verfüttert werden. Gerne verwendet wird beim BARFen Muskelfleisch, durchwachsenes Fleisch mit anhaftendem Fett und Bindegewebe, Kopffleisch, Zunge, Stichfleisch, Kronfleisch, Lefzen, Leber, Lunge, Herz, Niere, Milz, Euter, Blut, Pansen (gewaschen oder ungewaschen), Geflügelmägen. Fleisch und Innereien machen den Hauptanteil der Mahlzeit aus, in der Regel besteht mindestens die Hälfte der Ration daraus, häufig sogar mehr als zwei Drittel.

Fleischige Knochen und Knorpelgewebe

Knochen zu fressen hat für den Hund viele Vorteile: Sie reinigen die Zähne, beschäftigen ihn eine Weile und versorgen mit Mineralien. Gut eignen sich Geflügelhälse, Brustbein, Kalbs- oder Lammrippen, Ochsenschwanz und Luftröhre (sie enthält Knorpelspangen). Die Knochen und Knorpel, die du deinem Hund gibst, sollten idealerweise von jungen Schlachttieren stammen – sie sind nicht so stark mineralisiert und brüchig wie die von älteren Tieren. Wenn dein Hund zum Schlingen neigt, füttere besser gewolfte fleischige Knochen. So reduzierst du das Verletzungsrisiko durch Knochenbestandteile. Dennoch solltest du deinen Hund beim Verzehr von Knochen im Blick haben. Maximal ein Drittel der Ration besteht aus fleischigen Knochen, eher weniger. Es ist möglich, auf die Fütterung von frischen Knochen zu verzichten. Dann musst du die Ration mit entsprechendem Mineralfutter, Eierschalen oder Knochenmehlen ergänzen.

Gemüse und Obst

Ballaststoffe, Vitamine und Abwechslung bringen Obst und Gemüse in den Hundenapf. Und noch dazu haben die meisten Gemüse vergleichsweise geringe Kaloriengehalte und sättigen dennoch. Das ist prima, um unnötiges Hüftgold zu vermeiden. Blanchieren, kochen oder dünsten macht es bekömmlicher und viele Hunde fressen es so lieber. Immer aber sollte es geraspelt oder püriert und mit etwas Öl gefüttert werden: So ermöglichst du deinem Hund eine gute Nährstoffaufnahme. Obst muss entkernt sein. Verwenden kann man zum Beispiel Karotten, Zucchini, Salatgurke, Spinat, Äpfel, Birnen und diverse Beerenfrüchte. Genaueres hierzu kannst du auch in der Futtermittelliste nachsehen.

Fette und Öle

Um deinen Vierbeiner mit wichtigen ungesättigten Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren zu versorgen und ihm die Aufnahme fettlöslicher Vitamine zu ermöglichen, sind Fette und Öle in der ration Pflicht. Da die Zusammensetzung der Öle ganz unterschiedlich ist, werden sie abwechselnd eingesetzt. Auch kostengünstige Sonnenblumen- oder Rapsöle sind ernährungsphysiologisch wertvoll. Außerdem haben sich Fischöle, Keimöle und beispielsweise Lein-, Distel-, Borretsch- und Nachtkerzenöl in der Hundefütterung bewährt. Die Fütterung tierischer Fette wie Rindertalg und Schmalz ist ebenfalls möglich und ratsam bei Hunden, die mit sehr magerem Fleisch ernährt werden oder zu dünn beziehungsweise sehr aktiv sind.

Eier

Die meisten Hunde lieben Eier! Sie liefern viel hochwertiges Protein. Man kann sie theoretisch roh füttern – jedoch gibt es dabei einen großen Nachteil: Das Eiklar enthält Substanzen, die Biotin abfangen. Im schlimmsten Fall und bei häufigerer Fütterung von rohen Eiern könnte man so einen Mangel an Biotin provozieren. Viele BARFer füttern sie daher nur gegart. Die gemahlene Eierschale liefert viel Calcium – sie ist wirklich randvoll damit!

Milchprodukte

Auch Milchprodukte sind bei Hunden und in einer BARF-Ration begehrt. Sie müssen nicht zwingend verwendet werden, können aber einen Teil des Fleisches ersetzen, denn auch sie liefern viel Eiweiß. Bitte beachte aber: Hunde vertragen Lactose weniger gut als wir, sie bekommen davon Durchfall. Daher eignen sich besser Milchprodukte mit vergleichsweise geringem Lactosegehalt. Beliebt sind beispielsweise Quark, Hüttenkäse und Joghurt.

Fisch

Wie Fleisch ist auch Fisch sehr gut verdaulich und ein hochwertiger Eiweißlieferant. Fetter Fisch enthält zudem ungesättigte Fettsäuren, die für viele Stoffwechselvorgänge und gesunde Haut sowie glänzendes Fell wichtig sind. Kein Wunder also, dass er auch im BARF-Napf landet. Nur ist etwas Vorsicht geboten: Viele Fischsorten enthalten Thiaminase. Sie reduzieren damit – roh gefüttert – die Aufnahme von Thiamin (Vitamin B1). Ist der Fisch gegart, ist auch die Thiaminase inaktiv und das Problem besteht nicht mehr. In der Futtermittelliste findest du Fischsorten, die gut roh gefüttert werden können.

Nüsse und Samen

Optional kann man das BARF-Menü mit Nüssen und Samen aufpeppen. Wie bei Obst und Gemüse gilt auch hier: Besser zerkleinern. Das erleichtert die Verdauung. Möglich sind zum Beispiel Haselnüsse und Sonnenblumenkerne.

Ergänzungsfuttermittel

Um eine vollwertige und bedarfsdeckende BARF-Ration zu erhalten, kommst du um sie meist nicht herum. Außerdem sind sie gut einsetzbar, um einem speziell bedürftigen Hund nach seinen Ansprüchen zu unterstützen. Grünlippmuschel eignet sich beispielsweise gut für Hunde mit Gelenksproblemen. Außerdem ist in BARF-Rationen der Vitamin D-Gehalt meist niedrig. 1x wöchentlich etwas Lebertran liefert es dann in ausreichender Menge. Weitere Ergänzungen sind in der Futtermittelliste aufgeführt.

BARF – die Mischung macht’s

Wie du siehst, ist BARFen viel mehr als einfache Rohfleischfütterung. Das Zusammenstellen einer bedarfsgerechten Ration will gelernt sein. Scheue dich daher nicht, den Rat eines Experten einzuholen, wenn du die Mahlzeiten selbst zubereiten möchtest. Und falls dir das jetzt alles viel zu kompliziert erscheinen sollte: Tief durchatmen! Du kannst auch ganz einfach BARFen, indem du dich fertiger Komplettmenüs aus dem Zoofachhandel bedienst. Diese gibt es fertig gemischt und tiefgekühlt. Achte hierbei darauf, dass du ein sogenanntes „Alleinfuttermittel“ kaufst. Darin ist alles enthalten, was nötig ist, um den Bedarf eines Hundes zu decken, du musst es nur auftauen und portionieren. Mit BARF entscheidest du dich zu einer sehr naturnahen und hinsichtlich der Zusammensetzung maximal flexiblen Form der Fütterung!