Warum Rituale im Hundealltag so wichtig sind

Führt dein erster Weg morgens in die Küche, um die Kaffeemaschine einzuschalten oder doch erst ins Badezimmer, um dir die Zähne zu putzen? Die meisten Menschen beginnen ihren Tag mit einem Ritual, einer gewohnten Abfolge, die wir tagtäglich wiederholen. Diese Gewohnheiten geben einen bestimmten Ablauf vor, der uns Ruhe und Sicherheit vermittelt. Aber nicht nur wir Menschen benötigen diese Rituale, um unsere Umwelt zu strukturieren, sondern auch unsere Hunde. Denn Rituale erleichtern das Zusammenleben von Mensch und Tier.

Warum auch du Rituale einführen solltest

Rituale haben viele positive Eigenschaften. Zum einen unterstützen sie uns und unsere Hunde im Alltag aber auch im Training oder in besonderen Momenten. Das ritualisierte Verhalten läuft sozusagen automatisch ab, ohne dass unser Gehirn Energie darauf verschwenden muss, Entscheidungen zu treffen. Für unseren Hundealltag sind Rituale kleine Helfer, vertraute Verhaltensweisen, die immer da sind und gleich ablaufen. Sie dienen unseren Hunden wie Leuchttürme für die Orientierung.
Hat der Hund einmal ausprobiert, was sich für ihn in bestimmten Situationen lohnt und was funktioniert, wird er es immer wieder so zeigen. Der Hund handelt demnach effizient, um so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen. Warum auch nach neuen Lösungen suchen, wenn die existierende für unseren Hund gut funktioniert?
Wir möchten dir ein paar Beispiel-Rituale nennen, welche du dir im Hundealltag zu Nutze machen kannst.

Entspannter und harmonischer Spaziergang

Der entspannte Spaziergang sollte schon zu Hause beginnen. Lege deinem Hund sein Halsband an und fülle deine Jackentasche mit Futter und / oder einem Spielzeug. Fängt dein Hund an, dir vor Freude zwischen den Beinen herum zu laufen, empfehlen wir dir, dieses Verhalten zu ignorieren und deine Aufmerksamkeit anderen Dingen zuzuwenden. Setze dich nochmal aufs Sofa und trinke einen Schluck Wasser oder gehe ins Badezimmer, um dir die Hände zu waschen. Warte, bis dein Hund sich wieder beruhigt hat. Wenn du gleich zu Beginn des Spazierganges die Aufregung in der Situation eliminierst, startest du die Spazierrunde viel entspannter.
Leine deinen Hund nun an, laufe mit ihm zur Türe und lasse ihn dort sitzen. Richte deine Aufmerksamkeit auf die Türe, öffne diese und gebe deinem Hund nun ein Auflösesignal, damit er aufstehen kann. Dann lässt du deinen Hund wieder sitzen, diesmal draußen vor der Türe, und ziehst in aller Ruhe die Haustüre hinter dir zu. Erst jetzt geht ihr gemeinsam und entspannt auf Entdeckungstour.

Entspannt allein

Mit Ritualen wird für unsere Vierbeiner auch das Alleine bleiben angenehmer. Hier lohnt es sich, dem Hund Feedback zu geben, ob er mitkommen kann oder ob er zu Hause bleiben soll.
Packe deine Handtasche oder deinen Rucksack und stelle ihn an die Türe. Nimm dir ein paar kleine Leckerchen zur Hand und schicke deinen Hund auf seinen Liegeplatz. Dieser kann im Schlaf- oder Wohnzimmer stehen. Wir empfehlen, das Körbchen immer an einen ruhigen Ort zu platzieren und nicht gerade vor einem Fenster. Dein Hund soll schließlich zur Ruhe kommen, auch wenn du nicht zu Hause bist. Nun legst du das Futter in sein Körbchen. Gerne kannst du es unter seine Decke legen oder es in einem Futterspielzeug verstecken. So darf dein Hund das Futter suchen und ist abgelenkt. Nun gibst du ihm das Zeichen, dass er die Leckerchen suchen darf, drehst dich um und gehst kommentarlos zur Türe, nimmst deine Tasche oder deinen Rucksack und gehst ohne dich nochmal umzudrehen aus der Türe hinaus.
Viele Hundehalter schenken ihrem Hund nochmal einen letzten Blick. Durch unseren Blickkontakt kommunizieren wir allerdings mit unseren Hunden und der ein oder andere kann dies durchaus als Aufforderung verstehen mit nach draußen zu kommen. Daher raten wir zur Ablenkung durch Leckerchen und dem kommentarlosen Hinausgehen aus der Wohnungstür.

Abendritual für einen erholsamen Schlaf

Ein gesunder Schlaf trägt zur Gesundheit unserer Vierbeiner bei. Gerade in stressigen Zeiten ist es sinnvoll, Rituale vor dem Zubettgehen einzuführen. Dadurch finden nicht nur wie einen erholsamen Schlaf, sondern auch unsere Hunde.
Nimm dir 5 oder 10 Minuten Zeit. Setze dich neben deinen Hund und beginne ihn ganz sanft und langsam am Brustkorb zu streicheln. Möchte dein Hund keinen Körperkontakt, dann lasse ihn gehen. Versuche es zu einem anderen Zeitpunkt erneut. Bleibe einfach 5 Minuten neben ihm sitzen und beobachte deinen Atem. Atme tief durch die Nase ein und durch den Mund wieder aus. Lässt dein Hund den Körperkontakt zu, dann kannst du gerne die Augen schließen und einfach nur fühlen. Fasse ganz leicht seine Ohren an. Du kannst sie sanft massieren, wenn dein Hund dies mag. Streichle weiter über die Wirbelsäule. Spüre Wirbel für Wirbel. Versuche die Hände nicht vom Hundekörper abzunehmen und ganz langsam zu streicheln. Dies lässt deinen Hund voll und ganz entspannen. Nun streichst du über die Oberschenkel bis runter über das Sprunggelenk und über die Hinterpfoten. Dann über den Bauch, die Schultern und die Vorderbeine über die Vorderpfoten.
Wie fühlt sich das Fell an? Spürst du die Wärme und wie weich das Fell sich auf deiner Haut anfühlt? Zum Schluss streichelst du ihn ganz langsam über den Kopf, über den Rücken bis hin zur Rute. Bleibe danach noch 1 oder 2 Minuten sitzen. Lass deinen Atem fließen und gehe dann zu Bett.

Fazit

Rituale bieten uns und unseren Hunden Struktur, Orientierung und Sicherheit. Sie sind unsere Komfortzone, in welcher wir uns sicher und geborgen fühlen. Gerade in der heutigen Zeit ist es sinnvoll, solche Anker der Vertrautheit zu haben und die Rituale für eine intensivere Mensch-Hund-Bindung zu nutzen.


Lisa Gunzenheimer und Kirsten Mahne (Lisa und Kiki) haben ihre Vision von einer eigenen Online-Hundeschule “Pawsitive Life Coaching” im Jahr 2017 in die Tat umgesetzt.
Als ausgebildete Hundetrainer und Hundepsychologen haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, Mensch-Hund-Teams professionell darin zu unterstützen, eine gesunde und harmonische Bindung zueinander aufzubauen und das Leben mit Hund – weit weg von allen gesellschaftlichen Zwängen – zu genießen.
Dabei ist es ihnen besonders wichtig, ganzheitlich zu arbeiten und sowohl Hund als auch Mensch in unterschiedlichen Lebensbereichen zu coachen.