Hundeimpfungen? Ja, aber wogegen…

… und wie oft eigentlich?

Ein gesunder Hund sieht seinen Tierarzt häufig nur, um jährlich geimpft zu werden. Doch ist eine jährliche Auffrischung überhaupt sinnvoll? Viele Tierärzte – und vor allem viele Hundebesitzer – sehen die übliche Praxis der jährlichen Impfung inzwischen kritisch und befürworten ein neues Impfschema.

Hundeimpfungen sind wichtig …

Auch wenn einige Erkrankungen heute nur noch selten auftreten, sind die Erreger der Hundestaupe, der Parvovirose und der Leptospirose doch in den heimischen Hundepopulationen bzw. in der Umwelt vorhanden. Für ungeimpfte Hunde besteht somit ein Risiko, zu erkranken. Außerdem trägt jedes geimpfte Tier zum Schutz der Gesamtpopulation bei. Wenn ein hoher Prozentsatz der Tiere geschützt ist, können sich die Erreger nur im geringen Ausmaß verteilen. Somit trägt jeder Hundebesitzer auch eine Verantwortung für den Schutz aller anderen Hunde.

… aber auch nicht ungefährlich

Jede medizinische Behandlung birgt Risiken, so auch die Impfung. Es gibt akute Impfreaktionen, aber auch Spätfolgen, die häufig nicht mehr mit der Impfung in Verbindung gebracht werden. Die meisten Beschwerden klingen glücklicherweise schnell ab, aber nichtsdestotrotz kann es auch zu dauerhaften Folgeschäden kommen wie etwa Epilepsie oder Allergien. Studien dazu gibt es leider nur wenige. Es ist deshalb wichtig, verantwortungsvoll mit dem Thema Impfungen umzugehen, und so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich zu impfen. Das Risiko einer Impfung ist dennoch geringer als die Gefahr, die von den Krankheiten ausgeht, gegen die wir unsere Hunde impfen können. Denn das sind schwerwiegende, meist virale Erkrankungen, die nicht ursächlich behandelbar und deshalb nur schwer und zum Teil gar nicht heilbar sind. Viele enden tödlich.

Extra-Tipp

Individueller Impfschutz

Ob man überhaupt impfen sollte, wie oft und wogegen – dazu gibt es zahlreiche Meinungen. Als verantwortungsvoller Hundebesitzer solltest du dieses Thema mit deinem Tierarzt besprechen und dich von ihm beraten lassen. Er sollte deine möglichen Bedenken unbedingt ernst nehmen und den Impfplan deinem Hund anpassen. Denn nicht jeder Hund ist den gleichen Risiken ausgesetzt: So begegnet der Hund eines Tierheimmitarbeiters vielleicht regelmäßig neu eingetroffenen Auslandshunden, ein Hund eines Jägers hat direkten Kontakt zu Wild und Füchsen, wohingegen der kleine Yorki einer Seniorin nur kleine Runden in der Stadt um den Block läuft. Die Möglichkeiten und die Wahrscheinlichkeit, sich mit einer bedrohlichen Krankheit anzustecken, sind hier ganz unterschiedlich.

Wichtig: Um mögliche Nebenwirkungen auszuschließen, ist es wichtig, dass der Hund bei der Impfung absolut gesund ist. Hast du das Gefühl, dass Dein Hund einen leichten Infekt hat, dann scheue dich nicht, den Impftermin noch einmal zu verschieben. Mögliche Impfreaktionen sind:

Und noch ein Tipp: Lasse vor dem Impfen den Kot deines Hundes auf Wurmbefall untersuchen, denn eine Verwurmung kann – besonders bei Welpen – die Wirksamkeit der Impfung beeinträchtigen.

Gegen welche Krankheiten wird geimpft?

Die folgenden Erkrankungen können durch eine Impfung vermieden bzw. das Risiko einer Infektion verringert werden. Dadurch, dass es meist verschiedene Virenstämme gibt, die sich auch noch „weiterentwickeln“, ist nicht immer ein 100%iger Schutz gegeben – ähnlich wie bei einer Grippeimpfung bei uns Menschen.

Staupe

Die Staupe ist eine Viruserkrankung, die hoch ansteckend und seit dem 18. Jahrhundert bekannt ist. Hierzulande ist sie durch das regelmäßige Impfen der Hunde glücklicherweise selten geworden, doch war sie noch in den 1960er-Jahren eine der Erkrankungen, an der die meisten Hunde starben.

Vor allem Welpen und junge Hunde werden von dieser Krankheit befallen. Der Virus breitet sich im Körper aus und befällt – je nach Verlauf – die inneren Organe, das Nervensystem (vor allem Gehirn und Rückenmark) und/oder das Auge. Das kann zu schwersten Folgeschäden führen, nicht selten endet die Krankheit mit dem Tod. Ist ein Welpe noch vor dem Zahnwechsel an der Staupe erkrankt, behält er selbst nach seiner Genesung meist zumindest ein geschädigtes Gebiss zurück: Die Zähne sind dann auch beim erwachsenen Hund bräunlich verfärbt und weniger kräftig. Der Zahnschmelz schützt nicht mehr richtig und die Zähne werden manchmal schon in jungen Jahren auf kleine Stumpen abgenutzt.

Parvovirose (Hundeseuche)

Bei der Parvovirose handelt es sich um eine noch recht „junge“ Infektionskrankheit, die erst vor weniger als 40 Jahren entdeckt wurde. Auch hierbei haben wir es mit einer Viruserkrankung zu tun, die vor allem – aber nicht ausschließlich – junge Hunde befällt. Der Verlauf ist meist dramatisch: Der Hund leidet an einem blutig-wässrigen Durchfall, der kaum zu stoppen scheint. Durch den hohen Flüssigkeitsverlust besteht akute Lebensgefahr. Gerade Welpen können innerhalb weniger Stunden an der Parvovirose sterben, wenn sie nicht schnellstens tiermedizinisch versorgt werden. Und was die Krankheit so besonders gefährlich macht: Der Virus ist auch außerhalb des Hundes monatelang – beispielsweise durch infizierten ausgeschiedenen Kot – in der Umwelt überlebensfähig! So kann sich ein Hund auch ohne direkten Kontakt zu einem infizierten Artgenossen mit dem Virus anstecken.

Hepatitis

Diese nicht auf den Menschen übertragbare Viruserkrankung befällt die Leber des Hundes. Der Hund steckt sich über Kot oder Urin infizierter Hunde mit der Krankheit an. Vor allem bei jungen, nicht geimpften Hunden kann die Hepatitis in kürzester Zeit und ohne das Auftreten von Symptomen plötzlich tödlich enden. Infizieren kann sich aber prinzipiell jeder Hund, egal welchen Alters. Verläuft die Krankheit akut mit sichtbaren Symptomen sind diese oft Schmerzen im Oberbauch, erhöhte Blutungsneigung, gerötete Maulschleimhaut, Augentrübungen und hohes Fieber über 40°C. Chronische Verläufe führen meist zu einer stetig abnehmenden Leberfunktion, die in einer Zirrhose und damit einer lebenslänglichen Leberinsuffizienz endet. So erkrankte Tiere scheiden das Virus ständig aus und tragen damit zur Verbreitung der Krankheit bei. Aber selbst nach einer überstandenen Hepatitis kann der Hund über seinen Urin die Viren noch fast ein Jahr lang ausscheiden.

Leptospirose

Hier sind nicht Viren, sondern Bakterien die Auslöser der Erkrankung. Es gibt verschiedene Bakterienstämme, die beispielsweise auch über den Urin von Igeln, Mäusen und Ratten ausgeschieden werden. Diese Tiere erkranken nicht oder nur milde, weil sie die natürlichen Wirte der Bakterien darstellen. Trinkt nun ein Hund beispielsweise aus einer Pfütze oder einem stehenden Gewässer, in dem sich Leptospirose-Bakterien befinden, gelangen diese durch kleinste Verletzungen der Schleimhaut direkt in die Blutbahn, zerstören die roten Blutkörperchen und befallen vor allem die Nieren und die Leber. Schwerste Krankheitsverläufe können die Folge sein.

Doch nicht jeder infizierte Hund muss auch erkennbar erkranken – und stellt trotzdem eine Gefahr für seine Umwelt dar, denn er kann mehrere Jahre lang die Bakterien über seinen Speichel und Urin ausscheiden! Und hinzukommt, dass diese Erkrankung auch für den Menschen ansteckend und gefährlich ist.

Tollwut

Die Tollwut ist eine tödlich verlaufende Viruserkrankung, die fast alle Tiere und auch den Menschen befallen kann. Der Virus ist vor allem im Speichel der infizierten Tiere vorhanden und wird meist über Bisse übertragen. Das Virus wandert entlang der Nervenbahnen zum Gehirn und Rückenmark. Eine schwere Gehirn- und Gehirnhautentzündung ist die Folge. Ist die Krankheit ausgebrochen, steht weder für Menschen noch für Tiere ein Heilmittel zur Verfügung.

Deutschland gilt seit 2008 als tollwutfreies Land und das ist nur einer konsequenten Impfung vor allem der Haustiere, aber auch der Füchse zu verdanken, die den Impfstoff durch ausgelegte Köder aufnehmen.

In anderen Ländern sieht es anders aus. Und so bleibt die Tollwut eine tödliche Erkrankung, an der in Asien, Afrika und Osteuropa jährlich nicht nur Tiere, sondern auch zehntausende Menschen sterben.

Achtung: Besteht der „berechtigte Verdacht“ auf Tollwut, etwa weil dein Hund von einem Fuchs gebissen wurde, kann der Amtstierarzt die Einschläferung des Hundes anordnen. Ist dein Hund jedoch mit einem gültigen Impfschutz versehen, sind du und dein Hund auf der sicheren Seite.

Eine Impfpflicht gegen Tollwut gibt es in Deutschland nicht. Allerdings verlangen fast alle Länder eine gültige Tollwutimpfung, wenn man mit Hund einreisen möchte. Und auch die Teilnahme an vielen Hundeturnieren oder -ausstellungen oder die Unterbringung in einer Hundepension setzt eine gültige Impfung voraus. Besonders bei der Aufnahme von Hunden aus dem Ausland (z. B. über Tierschutzorganisationen) solltest du deshalb auf gültigen Tollwutimpfschutz achten – zu deinem eigenen Schutz vor einer tödlichen Erkrankung!

Zwingerhusten

Dabei handelt es sich um eine Infektion der oberen Atemwege, die durch verschiedene Viren und Bakterien hervorgerufen wird. Impfungen richten sich gegen die beiden Haupterreger des Zwingerhustens, decken aber nicht das gesamte Spektrum ab, sodass auch geimpfte Tiere erkranken können. Hierbei sind die Verläufe aber meist milder. In der Regel lässt sich der Zwingerhusten durch Medikamente gut behandeln. Da sich die Erkrankung über eine Tröpfcheninfektion epidemieartig verbreiten kann, ist bei hohem Infektionsdruck, etwa in Tierheimen, eine Impfung aber sinnvoll. Auch wenn dein Hund regelmäßig in Pensionen untergebracht ist oder mit großen Gruppen von Hunden in Kontakt kommt, empfiehlt sich die Impfung.

Wie lange ist die Impfung wirksam?

Vielleicht hast du dich auch schon gewundert, warum die Impfungen beim Hund jährlich wiederholt werden sollen. Bei uns Menschen halten viele Impfungen jedoch ein Leben lang oder bieten zumindest viele Jahre  Schutz. Ob früher rein finanzielle Aspekte dahintersteckten, sei einmal dahingestellt. Jedenfalls hat sich die Ständige Impfkommission der Veterinärmedizin mit den Impfintervallen beschäftigt und empfiehlt nun nach einer kompletten Grundimmunisierung eine Wiederholung der Impfungen gegen virale Erkrankungen nur noch alle drei Jahre.

Wahrscheinlich besteht der Impfschutz jedoch noch länger. Sicherheit kann eine Titerbestimmung geben, die bei Staupe, Parvovirose und Hepatitis sinnvoll sein kann. Dabei wird das Blut des Hundes darauf untersucht, ob sich darin noch genügend Antikörper gegen die Erkrankung befinden. Dann ist eine Auffrischungsimpfung unnötig. Solch ein Test ist bei einigen Tierärzten sogar als Schnelltest vor Ort in der Praxis möglich.

Bei der Leptospirose hält der Impfschutz nicht sehr lange. Möchte man hier auf Nummer sicher gehen, muss man mindestens jährlich, eher sogar alle 6 bis 9 Monate nachimpfen.

Aber nicht vergessen: Bei Tollwut ist es egal, ob die Titerbestimmung besagt, dass noch ein Schutz besteht. Hier gilt nur, was der Gesetzgeber für die Einreise eines Hundes bestimmt. Und das bedeutet bei Auslandsreisen: Es muss eine gültige Hundeimpfung vorliegen, die auch im Internationalen Impfpass eingetragen ist.

 


Dieser Text wurde erstellt in Zusammenarbeit mit Regina Rademächers: