Insektenhotel selber bauen

Insekten werden oft als lästig oder störend empfunden. Sie können uns stechen, unsere Lebensmittel verunreinigen, allergische Reaktionen hervorrufen oder Pflanzen schädigen, um nur einige Aspekte zu nennen, warum auch du vielleicht nicht zu den Insektenfans gehörst. Darüber hinaus vergessen wir leicht ihre entscheidende Rolle in unserem Ökosystem. In unserer schnell wachsenden und sich verändernden Welt sind natürliche Lebensräume für viele Insekten knapp geworden. Fragst du dich auch, wie du ihnen helfen kannst? Du kannst ein Insektenhotel selber bauen!

Du möchtest direkt mit dem Insektenhotel-Bau loslegen? – Hier geht es zur Anleitung!

Die Rolle der Insekten

Die Rolle der Insekten in unserer Welt ist nicht nur wichtig, sondern auch zauberhaft vielfältig. Sie sind die stillen Helden, die im Hintergrund agieren, um das Gleichgewicht unserer Umwelt zu erhalten. Sie sind wie kleine Gärtner, die sorgfältig unsere Pflanzen bestäuben und damit für die Schönheit unserer Natur verantwortlich sind. Mit ihrer natürlichen Schädlingsbekämpfung bewahren sie uns vor vielen Plagen.

Doch das ist noch nicht alles! Diese kleinen Wunder der Natur verbessern sogar die Qualität unseres Bodens, indem sie organisches Material zersetzen und die Erde belüften. So wird der Boden viel fruchtbarer. Wenn sie von Blüte zu Blüte fliegen und Nektar tragen, verteilen sie Samen und fördern so das Wachstum und die Blüte einer ganzen Landschaft.

Durch das Beobachten von Insekten können wir Veränderungen in ihrem Verhalten wahrnehmen und so Erkenntnisse über Umweltprobleme oder Klimaveränderungen gewinnen.

Planung des Insektenhotels – Das solltest du wissen!

Hier wird es jetzt interessant! Als ich anfing, mein Insektenhotel zu planen, wollte ich es natürlich so vielfältig wie möglich gestalten und so zahlreiche Insekten wie möglich anlocken. Gedacht, getan, ich begann, mein Hotel zu bauen und habe auch gleich ein Fach für Schmetterlinge eingeplant. Inspiriert durch unzählige Anleitungen und Ideen im Netz, wie man ein Insektenhotel befüllen kann, war ich hoch motiviert und begann sogleich, allerlei Füllmaterial zusammenzutragen. Doch dann stieß ich auf einen Artikel, der mich dazu bewog, ein wenig genauer zu forschen und meine Anfangsmotivation musste der Erkenntnis weichen, dass fast alle Insektenhotels, die man fertig kaufen kann, untauglich sind und gleichsam fast alle DIY-Anleitungen, die man findet, wieder und wieder dieselben Fehler kopieren.

Das hat zur Folge, dass aufgestellte Insektenhotels bestenfalls zu einem Dekorationsobjekt werden und es auch bleiben. Ich teile mit dir, was ich über den Bau von Insektenhotels gelernt habe und liste die 6 häufigsten Irrtümer auf.

Die 6 häufigsten Irrtümer

  1. Um eine Vielzahl von Insekten anzusprechen, fülle ich mein Insektenhotel in jedem Fach anders.
    Problem
    : Viele Insekten vertragen sich untereinander nicht. In der Hauptsache führt dieses Vorgehen dazu, dass sich die wichtigen Wildbienen dort nicht ansiedeln. Außerdem haben die Insekten unterschiedliche Standortansprüche. Wildbienen brauchen einen sonnigen Standort zum nisten und Insekten, die die Zufluchtsstätte zur Überwinterung nutzen, brauchen einen
    schattigen Platz.
  2. Ich fülle auf jeden Fall eines meiner Fächer mit Zapfen für die Marienkäfer.. Das sieht gut aus und ist kostenlos in der Anschaffung.
    Problem: Kein Insekt nutzt Zapfen als Unterkunft. Fragt man Biologen, so sind sich alle einig, dass noch nie jemand gesehen hat, wie sich Insekten zwischen Zapfen ansiedeln. Spinnen bilden eine Ausnahme und würden sich dort eventuell niederlassen, aber die wollen wir lieber fernhalten.
  3. Ich biete Florfliegen einen Unterschlupf. Dazu bringe ich Querschlitze in ein Holzbrett. Dieses verschließt mein Fach von vorne und die Schlitze dienen als Eingang.
    Problem: Florfliegen brauchen eine Landefläche, deshalb müsste der Eingang lamellenförmig angelegt sein. Außerdem benötigt ein Haus für Florfliegen eine Mindestgröße von 30 x 30 x 30 cm. Das erfüllt fast keins der käuflichen oder selbst gebauten Insektenhotels.
  4. Ich möchte Schmetterlingen ein Winterquartier bieten. Dazu gehe ich ähnlich vor wie bei meinem Florfliegenfach, nur dass die Schlitze vertikal sind.
    Problem: Schmetterlinge, die überwintern gehen mit offenen Flügeln in ihr Winterquartier, sie bräuchten deshalb einen ähnlichen lamellenartigen Eingang wie die Florfliegen. Jedoch brauchen sie viel viel mehr Platz. So gut es also gemeint ist: Am wohlsten fühlen sich Schmetterlinge im Winter in Schuppen, Gartenhütten, in Baumhöhlen oder auf Speichern, die nicht komplett dicht verschlossen sind und nicht zu warm sind.
  5. Um den Bienen das Nisten zu erleichtern, stelle ich Lehmziegel mit Löchern in die Fächer.
    Problem: Erstens sind die Löcher zu groß. Diese Vorgehensweise würde nur Sinn machen, wenn ich in die Löcher der Ziegel Bambus- oder Schilfrohre hineinschiebe. Das ist jedoch nicht sehr effizient, weil es wertvollen Platz verschwendet. Außerdem sind die Ziegel zu hart. Wildbienen bevorzugen leicht feuchten Lehm, der nach Trocknung noch mit dem Fingernagel abgekratzt werden kann.
  6. Ich bohre Löcher ins Hirnholz von Baumscheiben, zum Beispiel nehme ich dafür Fichtenholz (Hirnholz ist die Seite des Holzes, auf der die Maserung / Jahresringe zu sehen ist).
    Problem: Das ist mit Abstand einer der häufigsten Irrtümer. Nadelholz eignet sich nämlich überhaupt nicht. Wenn ich Löcher in Weichholz bohre, fransen diese sehr stark aus und werden mit Sicherheit von keiner Biene besiedelt werden, da sie sich an den Splittern ihre zarten Flügel beschädigt. Geeignete Hölzer für Bienenhäuser sind Harthölzer, also Esche, Eiche, Buche und Obsthölzer. Außerdem ist die Bohrung im Hirnholz nicht empfehlenswert, denn hier kommt es leicht zu Rissen, was das Ziehen von Feuchtigkeit und Vermehrung von Pilzen und Bakterien fördert. Löcher ins Hartholz sollten also immer an der Seite gebohrt werden.

Fazit

Nachdem ich mich ausreichend informiert hatte, war klar: Aus meinem geplanten Insektenhotel würde nun eine Nisthilfe für Wildbienen und solitäre Wespen werden. Um die anderen Insekten und Käfer könnte ich mich gesondert kümmern.

Schritt 1: Materialliste für das Insektenhotel

Ich habe Holzbretter der sibirischen Lärche verwendet, da ich sie übrig hatte. Auch wenn das streng genommen ein Weichholz ist, gehört sie doch zu den härtesten Weichhölzern der Welt und stellt manche Harthölzer in den Schatten. Dieses Holz ist extrem langlebig und witterungsbeständig. Natürlich kannst du auch anderes Holz benutzen. Achte aber bitte darauf, dass es auch unbehandelt gut für draussen geeignet ist.

Holz:

Werkzeugliste:

Füllmaterial:

Bevor du loslegst: Suche einen geeigneten Standort für deine Bienennisthilfe. Er sollte vor Nässe geschützt, aber dennoch sonnig stehen. Fertige eine ungefähre Skizze mit den gewünschten Maßen an. Je besser du vorbereitet bist, desto schneller wird dein Projekt fertig.

Schritt 2: Insektenhotel zusammenbauen

Beginne damit, deine Bretter zuzusägen. Die beiden Seitenbretter habe ich oben auf Gehrung gesägt im Winkel von 45°. Darauf wird am Ende das Dach liegen.

Als nächstes verschraubst du die erste Seite mit den Einlegeböden. Lege dir das am besten vorher so zurecht, wie du dir die Einteilung ungefähr vorstellst. Bohre die Schraublöcher ggf. vor, damit dein Holz sich nicht spaltet.

Jetzt dasselbe mit der anderen Seite. Schon ist dein Grundgerüst fertig.

Lege das Dach auf und verschraube es ebenfalls mit der Schnittfläche deiner abgeschrägten Enden

Dort wo du Bambus- oder Schilfröhrchen reinlegen möchtest, solltest du dein Bienenhaus mit einer Rückwand versehen.

Schritt 3: Insektenhotel befüllen

Platziere den Inhalt so, dass Du jederzeit in der Lage bist, einzelne oder alle Elemente auszutauschen. Um das Material vor dem Herausfallen zu schützen, kannst du Hasendraht anbringen. Das ist nicht zwingend nötig, wenn du alles eng genug anordnest, Du kannst auch Reste von Holz verwenden, um den Inhalt zu verkeilen.

Ich habe mich für Schilfrohre entschieden, die ich selber gesammelt und zugeschnitten habe. Wichtig ist, ein scharfes Gartenmesser zu benutzen oder eine kleine Handsäge mit sehr feinem Sägeblatt. Die Schilfrohre brechen sonst leicht und fransen an den Enden aus. Dann werden sie von den Bienen nicht mehr benutzt, weil sie sich ihre Flügel verletzen können. Wenn du keine Gelegenheit hast, Schilf zu sammeln, kannst du dir Bambusstäbe besorgen, diese zusägen oder sie fertig in verschiedenen Längen kaufen. 7 – 10 cm sollte ein Röhrchen mindestens lang sein.

Bohre Löcher mit verschiedenen Durchmessern, von 3 mm bis 10 mm in die Längsseite von Hartholzstämmen. Das sorgt dafür, dass sich verschiedene Arten von Wildbienen für dein gebautes Nest interessieren. Außerdem sollte jeder Bohrgang etwa 7 – 10 cm lang sein.

Wichtig! Bohre die Löcher so sauber wie möglich und schleife eventuelle Holzsplitter hinterher ab.

Ins oberste Fach unterm Dach habe ich Lehm bereitgestellt. Ich habe mir dafür Bienenlehm besorgt, ihn nach Herstellerangaben mit Wasser gemischt und in einen Tontopf gedrückt. Ist er nach der Trocknung immer noch so weich, dass du ihn mit den Fingernägeln abkratzen kannst, hast du alles richtig gemacht. Sorge für Blumen in der Nähe deines Bienenhauses, die Bienen anziehen, zum Beispiel Lavendel, Dahlien oder Wandelröschen.

Eine kleine Insektentränke kann beispielsweise unters Dach gehängt werden. Das ist nicht nur praktisch, sondern sieht auch süß aus.

Tipp!: Ein Bienenhaus muss nicht aufwendig gebaut werden. Du kannst auch eine leere Dose nehmen, sie eng mit Röhrchen befüllen und aufhängen. Oder du kannst ein einzelnes Stück Hartholz mit Löcher versehen und an einen geeigneten Standort legen.

Wenn du dein Bienenhaus richtig anlegst, kannst du lange Freude daran haben. Wenn du merkst, dass der Zuflug geringer wird oder ausbleibt, ist es an der Zeit, den Inhalt auszutauschen.

Überwinterungsmöglichkeiten für andere Insekten oder Käfer

Ein Garten, in dem Totholz, Steinhaufen oder Laubhaufen herumliegen, ist ideal. Wenn du keinen Garten hast und dennoch Unterschlüpfe für andere Insekten, außer Wildbienen, bieten möchtest, kannst du das tun, indem du einzelne Behausungen bereitstellst, damit sie sich gegenseitig nicht in die Quere kommen. Das können einfache Tontöpfe sein, die du mit unterschiedlichen Materialien füllst, wie Stroh, Holzwolle, Baumrinde oder Laub.

Leere Konservendosen sind ebenfalls brauchbar. Diese sollten mit heißem Wasser vorher ausgewaschen werden. Jede noch so kleine Insektenbehausung leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt dieser wichtigen Lebewesen. Viel Spaß beim Beobachten der Bienen!

 


Melanie Roloff ist dreifache Mutter, Ehefrau und Tierbesitzerin. Als leidenschaftliche Yogalehrerin und Hobbyautorin inspiriert sie Menschen mit ihren Geschichten. Gemeinsam mit ihrer Familie und ihren zwei Hunden Phaléne Lilly und Chihuahua Sammy, lebt sie in Bayern.