Interview: Hundetraining während der Corona-Krise

Die Corona-Krise und ihre potentiellen Folgen für Privatleben und Wirtschaft stellen uns gerade alle vor große Herausforderungen. Hundetrainerin Kristina Ziemer-Falke spricht mit uns über das Thema Hundetraining während der Corona-Krise.

Was sind die aktuellen Sorgen von Hundetrainern?

Kristina Ziemer-Falke: Neben der Angst, sich oder sein Umfeld eventuell mit dem Coronavirus infizieren zu können, besteht natürlich auch die Sorge, seine aufgebaute Existenz zu verlieren. Immer mehr Hundeschulen müssen schließen oder wollen es auch, um die eigenen Kunden und auch sich selbst schützen zu können. Das Schließen der eigenen Hundeschule bedeutet allerdings für jeden Hundetrainer Umsatzeinbußen – wie in derzeit sehr vielen Branchen. Wenn kein Kunde zum Training erscheinen darf oder kann, fehlen natürlich auch die monatlichen Umsätze, um die monatlichen Ausgaben decken zu können. Wer eine Halle oder einen Hundeplatz gemietet hat, muss auch diese Kosten dennoch begleichen können. Zusätzlich gehören Faktoren wie Versicherung, Mitarbeiter und weitere laufende Kosten ebenso dazu, wie die eigene Versorgung. Wer als mobile Hundeschule unterwegs ist, hat gleichermaßen seine festen Kosten. Wer selbstständig ist oder auch die Verantwortung für mehrere Mitarbeiter hat, weiß, wie belastend und nervenzerreißend solch eine Situation sein und auch werden kann. Hinzu kommt die große Frage: „Bis wann wird dieser Zustand anhalten?“ Hätten wir alle die Info, dass nach einer oder zwei Wochen der „Laden wieder läuft“, so würden viele dieser Zeit entspannter entgegensehen und sich der eine oder andere über eine kurze „Zwangspause“ sogar freuen. Aber in unserem Fall kann keiner abschätzen, wie lange wir nun abwarten müssen, um wieder aktiv ans Werk gehen zu können. Ich denke, das sind die wichtigsten Punkte, die Hundetrainern und Hundeschulen gleichermaßen durch den Kopf gehen.

Was können Hundetrainer während der Corona-Krise tun?

Kristina Ziemer-Falke: Auch wenn wir eingeschränkter in unseren Trainingsmöglichkeiten nach außen hin sind, können Hundetrainer trotz alledem für ihre Kunden da sein. Hundetrainer können ihren Kunden „Kurse“ per Webinare, Videos, Einzelstunden via Skype und vieles mehr anbieten. Dabei können gerade Basics wie die Leinenführigkeit oder auch andere Grundgehorsamsübungen theoretisch vermittelt und mit genau beschriebenen Trainingseinheiten erklärt und gezeigt werden. Auch Auslastungsideen und deren Umsetzung können mittels Video an die Kunden weitergegeben werden. Gerade wenn Kunden daheim bleiben müssen, können Videos mit kreativen Ideen für Zuhause unterstützen und das Mensch-Hund-Team motivieren, trotz der Krise am Ball zu bleiben. Das ist für den Hund, den Hundehalter und natürlich auch für den Hundetrainer gleichermaßen wichtig. Die technischen Möglichkeiten sind dafür sehr vielfältig und können für Hundetrainer und Kunden eine Brücke in dieser schwierigen Zeit sein. So können sie weiterhin in Kontakt bleiben und das Mensch-Hund-Team entsprechend fördern.

Wie geht ihr mit euer Hundeschule mit der Situation um?

Kristina Ziemer-Falke: Auch unsere Hundeschule ist geschlossen. Ein merkwürdiges Gefühl, wenn sich nur Vögel auf dem Platz tummeln, wo ansonsten Hundehalter mit ihren Hunden trainieren und spielen. Zu allererst heißt es für uns, Kunden zu beruhigen und zu versichern, sie weiterhin unterstützen zu können. Sowohl während der Krise als auch danach. Die Kunden sind sehr verständnisvoll; das macht es für uns alle leichter. Wir wollen ihnen zeigen, dass eine weitere Zusammenarbeit mit uns möglich ist, auch wenn ein persönlicher Kontakt von Angesicht zu Angesicht derzeit nicht stattfindet. Unsere Palette an Online Lern- und Weiterbildungsmaßnahmen sind daher sehr umfangreich und vielfältig. Unsere Kunden haben also eine große Auswahl und viele Möglichkeiten zu entscheiden, wie sie weitermachen wollen. Dabei sind wir bei Fragen jederzeit für sie da und beraten und unterstützen sie.

Wir bedanken uns herzlich bei Kristina für das Interview!


Kristina Ziemer-Falke ist zertifizierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin durch die Tierärztekammer Schleswig-Holstein und das Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Darüber hinaus verfügt sie über viele Zusatzausbildungen und Schwerpunkte und ist im Prüfungsausschuss der Tierärztekammer Niedersachsen für die Hundetrainerzertifizierungen. Mit ihrem Mann Jörg Ziemer gründete sie das Schulungszentrum Ziemer & Falke, in dem sie seit vielen Jahren mit viel Herz, Leidenschaft und Kompetenz Hundetrainer in ganz Deutschland ausbilden und viele Weiterbildungsangebote anbieten. Viele kennen Kristina außerdem als erfolgreiche Autorin von Fachbüchern für Hundetrainer und Hundehalter sowie aus Artikeln beliebter Hundezeitschriften. Als Dozentin ist Kristina Ziemer-Falke sehr gefragt und deutschlandweit auf Seminaren und Vorträgen zu Themen rund um den Hund anzutreffen.