Der Prinz von Stuttgart

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Der Prinz von StuttgartMontagmorgen 6 Uhr. Der Wecker klingelt. Laut und schrill. Ich öffne langsam meine Augen, sehe wie Mama mal wieder nur auf Schlummern drückt und weiter schläft. Wieso stellt sie den Wecker immer so früh ein, wenn sie sowieso erst eine halbe Stunde später aufsteht?

Ich sehe, wie Papa sich regt, „ES GIBT FUTTER!“, denke ich und sprinte sofort auf Papas Schoß, um ihm zu zeigen, wie viel Hunger ich eigentlich habe. Die letzte Nacht war nämlich ganz schön anstrengend! Gegen 4 Uhr morgens bin ich aufgewacht und habe durch das Mondscheinlicht gesehen, dass jemand im Haus ist. Tapfer wie ich bin, bin ich sofort auf ihn gestürzt mit meinem durchaus gefährlichen Kampfgeschrei und stellte mich der Gefahr. Nach einem sehr anstrengenden Gefecht, floh das Schattenmonster mit dem Mondlicht aus dem Zimmer und ich konnte mich wieder an Papas warme Füßen legen und in Ruhe weiterschlafen.

Zeit zum Aufstehen

Nun hab ich aber Kohldampf!
Langsam bewegt sich Papa aus dem Bett, streckt sich und macht ein paar Übungen für den Rücken. Ich sage ihm immer wieder, lauf auf vier Pfoten, dann hast du keine Rückenprobleme! Aber er will nicht hören und läuft lieber nur auf zwei Pfoten. Selber Schuld! Zola hat mittlerweile auch gemerkt, dass Papa sich in  Bewegung setzt und gesellt sich zu mir. Ich erzähle ihr aufgeregt von meinem Abenteuer letzte Nacht, aber sie hört mir gar nicht zu, sondern macht Papa mal wieder schöne Augen, damit sie ihr Futter bekommt. Typisch Frauen! Sind immer nur lieb, wenn sie was wollen!
Zu unserem Leid läuft Papa an der Küche vorbei. Wir machen ihn lautstark darauf aufmerksam, dass er in die falsche Richtung läuft, doch er ignoriert uns weiter und läuft ins Bad, wo er das Ungeheuer zum Leben erweckt, die Dusche!
Schnell verschwinden Zola und ich, damit die langen nassen Arme des Duschkopfes uns nicht bekommen und legen uns zu Mama zurück ins Bett. Schon wieder klingelt ihr Wecker und schon wieder drückt sie nur auf Schlummern. Nach einer Weile hören wir wie Papa das Ungeheuer wieder verlässt.
Schnell rennen wir zu ihm, um ihm nochmals zu sagen, wie sehr wir eigentlich gerade verhungern. Doch statt unserem Leid ein Ende zu setzen, nimmt er das nächste abscheuliche Kreatur in die Hand, den Fön! Schnell springe ich Richtung Ausgang, ohne vorher zu bemerken, dass nur noch ein kleiner Spalt offen ist. Ich bleibe in der Tür stecken, strample mit meinen Hinterpfoten und schaffe es gerade so raus! Das war knapp!
Mama ist mittlerweile auch wach und schlendert Richtung Bad. Ich mache sie darauf aufmerksam, dass Papa gerade mitten in einem Kampf ist und das sie zu ihrer eigenen Sicherheit nicht rein sollte, doch sie tätschelt mir nur den Kopf und läuft ins Bad. Wenige Minuten später verstummt die Kreatur. Wow, Mama ist so stark! Sie hat ihn besiegt! Zola und ich stehen derweil immer noch wartend vor unserem Napf, doch Papa geht wieder nur an uns vorbei und zieht sich an. Ich verstehe nicht wieso Mama und Papa sich immer was anziehen, das ist doch so unpraktisch. Man ist nicht so beweglich und man muss jedes Mal alles ausziehen, um sich zu putzen!

Endlich Futter

Inzwischen ist Papa in der Küche angekommen und fragt, ob wir Hunger haben. Was für eine Frage! Was sagen wir dir denn schon die ganze Zeit? Es wird wirklich mal Zeit, dass Papa seine Ohren richtig putzt!

Es macht „Plop“, was für ein wunderschönes Geräusch und was für ein wunderbarer Geruch darauf folgt! Mhhhh, ich rieche Lamm und Kaninchen, was ein Gaumenschmaus! Zola und ich stürzen uns direkt auf das Futter und ich versuche so viel wie möglich und so schnell wie möglich zu essen, damit ich weiter das Haus vor den Schurken draußen beschützen kann. Ich höre wie Mama mich ermahnt langsamer zu essen, doch ich ignoriere sie. Das war wohl ein Fehler!
Mama nimmt meinen Kopf so zur Seite, dass ich nicht mehr an das Futter ran komme und ich sehe, wie Zola immer mehr zu sich nimmt und der Napf immer leerer wird. „Mama wie soll ich das Haus verteidigen, wenn ich nicht groß und stark werde?“, frage ich sie wütend, doch sie lässt mich nur los und geht weg. Ohne sich zu entschuldigen! Ich muss mich immer entschuldigen, wenn ich mal meine Krallen „versehentlich“ bei ihnen nutze, aber die müssen es nie! Das ist so unfair. Ich ziehe beleidigt ins Wohnzimmer ab, wo ich mich erst mal sauber mache, ich höre wie Mama und Papa „Tschüss“ rufen, doch ich ignoriere sie.
Nun sind nur noch Zola und ich da.

Katzen unters ich

Katzen unter sich

„Immer wirst du bevorzugt, das ist so gemein!“ sage ich zu Zola.

„Das ist überhaupt nicht wahr, sie wollen nur, dass du lernst zu teilen und nicht immer alles weg futterst!“, entgegnet sie.

„Ich fresse dir nicht alles weg, ich lasse immer ein kleines bisschen für dich übrig. Du wirst sowieso ein Zwerg bleiben, du brauchst nicht so viel  Futter wie ich!“, erkläre ich.

„Du bist so gemein!“ schreit sie und rollt sich beleidigt in den Schaukelstuhl ein.

Ich schüttle nur den Kopf und nehme meinen Verteidigungsposten auf dem Balkon ein. Hier verbringe ich den ganzen Tag, um unser Heim vor sämtlichen Bösewichten wie Vögel und Fliegen zu beschützen während Zola nur faul rum liegt und sich in der Sonne badet. Wieso versteht sie nicht, dass ich doch nur so viel fresse, um stark zu bleiben, damit sie weiterhin in Ruhe das schöne Wetter genießen kann? Ich habe so viele schlimme Sachen gesehen auf den Straßen Bulgariens und Zola erst! Ich bin so glücklich, dass Mama und Papa uns adoptiert haben und wir endlich unser Zuhause, unseren sicheren Hafen gefunden haben. Einer von uns muss doch diese Oase, die unsere Eltern für uns geschafft hat, beschützen. Ich hoffe sie sieht irgendwann, dass ich das alles nur für uns tue.

Nach einem anstrengend Tag auf der Arbeit freue ich mich die Tür aufschließen zu hören.

Zurück Zuhause

„Mamaaaaaa, Papaaaaaa“ rufen Zola und ich und stürmen zu unseren Eltern. Zola fällt mal wieder einfach vor ihnen um, damit alle vier Hände ihren Bauch kräftig durchrubbeln können. Ich rieche fremde Gerüche an ihnen und streife so lang an ihren Beinen vorbei bis sie wieder nur nach mir riechen. Danach fangen unsere Eltern an die Hausarbeiten zu erledigen. In der Zwischenzeit machen Zola und ich es uns schon mal auf dem Sofa gemütlich. Ich lecke ihr glänzend weiches Fell ab und freue mich, dass sie nicht mehr sauer auf mich ist. Auch sie fängt an mir meine Ohren und meinen Kopf zu putzen und ich genieße jede Minute davon. Nach einiger Zeit kommen Mama und Papa wieder mit unheimlich gut riechendem Essen in der Hand. Ich versuche verzweifelt was abzugreifen, aber ich war nicht schnell genug. Morgen muss ich unbedingt ein paar Sportübungen machen, um meine Schnelligkeit zu verbessern! Nachdem Mama und Papa aufgegessen haben, setzen sie sich endlich zu uns aufs Sofa und schalten Netflix ein.

Ich mache es mir gemütlich auf den Schoß von Papa, während Zola sich zu Mama legt. Ich genieße mit leisem Schnurren die ausgiebigen Streicheleinheiten nach diesem kraftraubenden Tag.

Das ist meine absolute Lieblingszeit am Tag. Gemeinsam mit Zola und unseren Eltern kuscheln und dabei den Geschichten vom Prinz of Bel-Air lauschen. Dabei fällt mir auf, Will Smith wurde in Philadelphia geboren und zog nach Bel-Air. Ich wurde in Bulgarien geboren und zog nach Stuttgart. Das macht mich zum Prinzen von Stuttgart, oder? Mit diesem letzten Gedanken, schlafe ich langsam und zufrieden in den Armen meines Papas ein.


Das gesamte Team ZooRoyal bedankt sich herzlich bei Eva L. für diesen schönen Beitrag zum Thema: Gemeinsam Wohlfühlen.


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