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Headshaking: Kommunikation oder Krankheit?

kopfschüttelnPferde nutzen das Kopfschütteln als Kommunikationsmittel. Es gibt jedoch auch Tiere, die aus anderen Gründen mit dem Kopf schlagen, z.b. wegen Krankheit, Schmerzen oder psychischer Ursachen. Lies hier nach, welche Ursachen am Headshaking Schuld sind und was du dagegen tun kannst.

Headshaking – ein bekanntes Problem

Das auffällige Kopfschütteln des Pferdes – im Englischen „headshaking“ genannt – wird immer häufiger zum Problem, obwohl es sich hierbei um kein neues Phänomen handelt: Es gibt bereits literarische Quellen von 1809, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Kopfschütteln kann unterschiedliche Gründe haben, wofür nicht zwangsläufig eine Krankheit verantwortlich sein muss. Auch unpassendes Equipment oder falsches Handling durch den Reiter können mögliche Auslöser sein. So oder so kannst du mit einem Pferd, das ständig mit dem Kopf schüttelt und zuckt, nicht wirklich arbeiten. Es kann durch das ständige Gezappel keine Anlehnung aufgebaut werden, die für ein erfolgreiches Training unerlässlich ist. Das Ganze kann so schlimm werden, dass das Reiten extrem schwierig, wenn nicht gefährlich oder sogar unmöglich wird.

Kopfschütteln, in welchen Situationen?

Natürlich steht das Kopfschütteln des Pferdes im Zentrum des Problems, doch es ist wichtig, genau zu beobachten, wann und wie es auftritt. Schließlich ist das Kopfschlagen an sich eine offensive Geste, die zur Kommunikation genutzt wird und beispielsweise im Spiel mit Artgenossen auf der Weide beobachtet werden kann.

Tritt das Kopfschlagen jedoch dann auf, wenn das Pferd vom Mensch geführt, geputzt oder geritten wird, handelt es sich nicht mehr länger um ein harmloses Kommunikationsmittel. Es gilt nun herauszufinden, ob das Problem nur in Verbindung mit dem Reiter auftritt oder auch unabhängig von ihm. Letzteres würde auf krankhaftes Headshaking hindeuten. Symptome hierfür sind nicht nur das ruckartige nach oben Schnellen und Schütteln des Kopfes, sondern auch Niesen oder Schnauben sowie das Reiben der Nüstern an den Beinen – Reaktionen, die man erwarten würde, wenn dem Pferd ein Fremdkörper in der Nase stecken würde oder es gestochen wurde. Die Nüstern solcher Pferde sind meist weit und gerötet, jucken und sind schmerzempfindlich, auch die Augen sind geschwollen und tränen. Das Ganze kann so schlimm werden, dass das Pferd unter Gleichgewichtsstörungen leidet, die Sturzgefahr ansteigt und diese Faktoren das Tier in regelrechte Panikattacken treiben.
Typisch für das krankhafte Headshaking ist, dass die Symptome in der Regel nicht vor dem sechsten Lebensjahr auftreten und sich ihr Auftreten mit zunehmender Tageslichtlänge im Frühjahr und Sommer verschlimmert. Stress, Wärme und Pollenflug verschärfen die Situation.

Psychische & durch den Reiter verursachte Gründe

Falls man davon ausgeht, dass keine Krankheit zugrunde liegt, weil das Kopfschlagen nur im Zusammenhang mit Menschen auftritt, zeigt das Pferd durch das ruckartige Bewegen des Kopfes, dass es mit bestimmten Dingen nicht einverstanden ist. Ärger und Wut können hier ebenso verantwortlich sein wie Angst oder Schmerzen. In solchen Situationen solltest du dich fragen, was der Auslöser für den Unmut deines Vierbeiners ist.

Häufige Gründe sind schlechte Haltungsbedingungen, Überforderung beim Training, zu harte oder falsche Hilfen, unpassende Ausrüstung wie ein zu kleiner Sattel sowie eine ungerechte Behandlung durch den Reiter. Die Verantwortung, das Pferd zu verstehen und den Auslöser zu entfernen, liegt nun ganz in deiner Hand: Überprüfe also die Ausrüstung, deinen Umgang mit dem Tier sowie Intensität, Schwierigkeit und Tempo der Ausbildung des Pferdes. Lasse dir im Idealfall von erfahrenen Pferdeleuten oder einem guten Trainer helfen.

Physische Gründe für das Kopfschütteln

Obwohl mittlerweile stark auf diesem Gebiet geforscht wird, ist es immer noch meist unmöglich, eine klare Diagnose zu stellen, was hinter dem krankhaften Kopfschütteln steckt. Erkrankungen von Ohren, Augen und Zähnen können ebenso Auslöser sein wie Probleme mit Rückenwirbeln, dem Zentralnervensystem oder Allergien. Viele Mediziner gehen zudem davon aus, dass mehrfaktorielle Einflüsse Schuld sind und nicht nur ein einziges gesundheitliches Problem.

Zeigt dein Pferd Symptome des Kopfschüttelns, solltest du einen Tierarzt zu Rate ziehen und deinen Liebling untersuchen lassen, auch wenn häufig keine klare Ursache gefunden werden kann. Tatsächlich kann bei rund 90% aller Kopfschüttler keine Diagnose gestellt werden, was dazu führt, dass die Krankheit – zumindest derzeit – als unheilbar gilt. Die Erkrankung solcher Pferde wird als idiopathisches Headshaking bezeichnet.

Allergische Reaktionen

Allergische Reaktionen werden insbesondere bei idiopathischen Shakern als häufige Ursache angesehen. Solche Pferde reagieren sehr sensibel auf unterschiedlichste Allergene: Dazu können in der Luft fliegende Pollen und Heu- oder Rapsblüte zählen, jedoch auch Staub, pilzbehaftetes Futter, Insektenstiche sowie in seltenen Fällen das Metall des Gebisses. Der Tierarzt kann in solchen Fällen zumindest feststellen, ob das Tier unter Atemwegs-, Haut- oder Nahrungsmittelallergien leidet.

Sonnenlichtreize

Eine große Mehrheit geht andererseits mittlerweile davon aus, dass der Sonnenlichtreiz bei einigen Pferden Grund für das Kopfschlagen ist („photoic shaker“). Ein solches Problem gibt es auch in der Humanmedizin, wo erkrankte Menschen einen heftigen Niesreflex spüren, sobald sie Sonnenlicht ausgesetzt sind. Mediziner gehen davon aus, dass dieses Leiden vererbt wird und Pferde mit Schnauben, Kopfschlagen und Nasenreiben reagieren, da sie nicht wie wir niesen können. Eine deutliche Verbesserung des Phänomens tritt auf, wenn die Pferde in der Halle oder in den Abendstunden geritten werden und ihnen tagsüber ausreichend Schutz vor der Sonne geboten wird.

Herpesviren

Als drittes kommen wir zu Herpesviren, die Schuld am Leiden der Pferde sein könnten. Das ist bislang nicht verifiziert, es scheint jedoch einiges darauf hinzuweisen, dass Herpesinfektionen mit EHV-1 Viren schuld sein könnten. Solche Viren verstecken sich in den Nervenzellen vor der Immunabwehr des Körpers, entfalten laut Vermutungen bei Stress oder zunehmender Wärme ihre Aktivität und führen dann im Gehirn zu einer vermehrten Reizbarkeit: Das führt dazu, dass sonst normale Reize viel stärker wahrgenommen werden.

Nervenerkrankungen

Zu guter Letzt wird spekuliert, dass durch eine Nervenerkrankung erzeugte Schmerzen schuld am chronischen Kopfschlagen sind. Diese Reize stammen laut neuesten Forschungen primär aus dem Bereich des Kopfes und des Genicks. Als Hauptverantwortlicher wird mittlerweile der Trigeminusnerv angesehen, bei dem es sich um einen großen Gesichtsnerv handelt, der unter anderem für die sensorischen Wahrnehmungen im Gesicht verantwortlich ist. Erkrankt dieser Nerv, kann es gravierende Folgen haben, die von einem leichten Jucken in den Nüstern bis hin zu starken Schmerzreizen bei Berührungen reichen können.

Was tun bei idiopathischem Headshaking?

Obwohl aufgrund der fehlenden eindeutigen Diagnostik noch kein Patentheilmittel existiert, gibt es doch verschiedene Therapien, die bei unterschiedlichen Pferden zumindest eine Verbesserung der Symptome gezeigt haben. Dazu gehören verschiedene medikamentöse oder homöopathische Ansätze und Operationen, bei denen ein „infraorbitaler Nervenschnitt“ durchgeführt wird. Solche OPs sind jedoch nur bei rund einem Drittel der Pferde erfolgreich und können zur Folge haben, dass die Pferde im Maulbereich unempfindlich werden.
Einfacher umzusetzende Ratschläge betreffen vor allem den Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung. Dazu gehört, dass das Reiten in die Morgen- und Abendstunden verlegt wird und dass die Tiere entweder während des Tages im abgedunkelten Stall untergebracht werden oder man eine Möglichkeit schafft, dass sie auch auf der Weide genug Schatten finden. Erfolgversprechend sind darüber hinaus lichtreduzierende Kopfmasken sowie UV-Schutz-Decken. Ein weiterer Punkt sind mechanische Hilfsmittel zur Abdeckung von Nase und Maul, die zumindest eine Verbesserung der Symptome mit sich ziehen und in leichten Fällen auch allein gute Erfolge versprechen. Dazu gibt es unterschiedlichste Netze, Fransen und Nasenschützer, die sich auch selbst herstellen lassen.
Zu guter Letzt ist es wichtig, die Haltungsbedingungen zu optimieren. Dazu gehört, die Umgebung des Pferdes möglichst staubfrei zu gestalten, das Heu des Tieres vor der Fütterung zu wässern und eine alternative Einstreu abzuwägen.

Nicht aufgeben

Wenn dein Pferd solch ein Kopfschütteln zeigt, gilt es als erstes herauszufinden, wo der Auslöser für das Problem liegt; vielleicht lassen sich die Symptome ja durch ein paar kleinere Änderungen in deinem Umgang mit dem Pferd oder am Material schon verbessern. Wenn nicht: Such dir einen guten Tierarzt und verlier nicht die Hoffnung, auch chronischen Kopfschüttlern kann soweit geholfen werden, so dass ihr weiterhin viel Spaß zusammen haben könnt.

Quelle Artikelbild: Marina Lohrbach / Fotolia.com

 
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