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Frisörbesuch: Tipps zum Scheren

Frisörbesuch_Tipps_zum_Scheren_Blog_neu_Fotolia_S_26374327Hunterschur, Jagdschur und Vollschur, alles Begrifflichkeiten, mit denen Pferdebesitzer spätestens im Winter konfrontiert werden. Doch soll das Winterfell ab, oder besser nicht? Erfahre hier, wann es sinnvoll ist dein Pferd zu scheren und was du dabei alles beachten solltest.

Allgemeines zum Scheren

Pferde sind durch ihr an die Jahreszeiten angepasstes Fell ideal vor äußeren Einflüssen geschützt. Im Sommer haben sie ein dünnes, aber wasserabweisendes Fell, im Winter ein dickes, langes Winterfell, das die vom Körper produzierte Wärme optimal hält und so eine Unterkühlung verhindert.

Bedenkt man aber, dass sich unsere Hauspferde heutzutage durch Stallhaltung, kuschlige Decken und künstliche Wärmequellen in einem völlig „unnatürlichen“ Umfeld befinden, ist es nicht verwunderlich, dass hier kein dickes Winterfell mehr benötigt wird. Wenn sie allerdings auch im Winter trainiert werden, ist der Schutz durch das Fell nicht nur nicht mehr notwendig, er wird auch zum Problem: Das warme Fell führt nur zu starkem Schwitzen und damit einhergehender Erkältungsgefahr. Die bei körperlicher Anstrengung entstehende Überhitzung kann außerdem zu Gewichtsverlust führen – selbst wenn das Pferd gut gefüttert wird.

Warum überhaupt scheren?

Vielleicht fragst du dich, warum man sein Pferd überhaupt scheren sollte. Immerhin gibt es eine Menge Pferde, die auch ohne Scheren oder Eindecken wunderbar durch den Winter kommen. Wenn du aber mit deinem Pferd so viel arbeitest, dass es regelmäßig stark schwitzt, solltest du dir das mit dem Scheren noch einmal überlegen. Denn vor allem bei kalten Temperaturen und dickem Winterfell dauert es sehr lange, bis das durchgeschwitzte Fell wieder trocken ist. Wenn das Pferd in dieser Zeit nicht ausreichend vor der Kälte geschützt ist, sind Erkältungen und Schlimmeres vorprogrammiert, selbst wenn das Pferd eine Decke trägt.

Aus diesem Grund entscheiden sich viele Reiter für eine Schur: Das bedeutet aber nicht nur eine Arbeitserleichterung, sondern auch eine große Verantwortung. Immerhin ist das Scheren im Winter ein massiver Eingriff in das natürliche Kälteschutzsystem des Tieres.

Kompakt zusammengefasst hier die Gründe, die für das Scheren sprechen:

  • Es ermöglicht das schnellere Trocknen nach dem Training
  • Es erleichtert das Training für das Pferd
  • Das Gewicht wird durch Vermeidung von übermäßigem Schwitzen erhalten
  • Das Scheren erleichtert die Fellpflege
  • Eine Schur schafft ein gepflegtes Erscheinungsbild
  • Die Gefahr von Überhitzung wird vermieden
  • Es senkt stark die Gefahr von Unterkühlung durch Schweißablagerungen im Fell

Wie und wann scheren?

Wenn du dich dazu entschlossen hast, dein Pferd zu scheren, solltest du unbedingt einige Dinge berücksichtigen. Wenn du einfach drauf los „scherst“, kannst du deinem Pferd mehr schaden, als das es ihm etwas nützt. Achte deshalb immer darauf, dass du den richtigen Scherzeitpunkt abpasst. Die erste Schur sollte erst dann vorgenommen werden, wenn das Winterfell vollständig ausgebildet ist und das Pferd bei der regulären Arbeit stärker ins Schwitzen kommt; meistens ist das gegen Mitte bis Ende Oktober. Ist das Pferd nun geschoren, muss man alle drei bis fünf Wochen nachscheren, damit der gewünschte Effekt nicht langsam nachlässt. So geht man vor bis maximal Anfang Februar, damit sich das kommende Sommerfell richtig entwickeln kann.

In besonderen Fällen kann es sich auch anbieten, das Pferd im Sommer zu scheren. Das ist beispielsweise bei älteren Pferden der Fall, die ihr Winterfell nicht komplett verlieren und so bei wärmeren Temperaturen unter der Hitze leiden. Schert man seinen Vierbeiner auch in der warmen Jahreszeit, muss man verstärkt darauf achten, dass es nachts und bei Regenwetter nicht friert: Eine dünne und am besten wasserdichte Decke ist deshalb bei Temperaturen von unter 15°C Pflicht.

Die zweite Entscheidung betrifft die Frage, wie das Pferd geschoren werden soll. Die Antwort hängt vor allem davon ab, wie das Trainingspensum in der kalten Jahreszeit aussieht: Wird das Pferd nur leicht bearbeitet, kann es ausreichen, den Vierbeiner einzudecken, damit er von Anfang an ein nicht zu dichtes Winterfell entwickelt. Entscheidend ist zudem, ob das Pferd von sich aus eher viel oder eher wenig schwitzt.

Um die Wahl des Schurtyps etwas zu vereinfachen, solltest du folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Wird sich das Pferd viel im Stall aufhalten oder den Tag über draußen verbringen?
  • Sind bereits verschiedene Pferdedecken vorhanden oder planst du, zusätzliche zu kaufen?
  • Friert das Pferd schnell?
  • Wurde das Pferd schon einmal geschoren?

Schurarten

Der radikalste Schertyp ist die Vollschur, bei der das gesamte Fell des Pferdes geschoren wird, inklusive der Beine und des Kopfes. Beim Scheren des Kopfes muss man besonders aufpassen, denn die Tasthaare dürfen nicht gekürzt werden. Zum einen sind sie wichtig für die Wahrnehmung des Pferdes, zum anderen ist das Entfernen oder Schneiden der Tasthaare tierschutzrechtlich verboten.

Man sieht die Vollschur vor allem bei Leistungspferden, die auch im Winter hart arbeiten und trotz niedriger Temperaturen auf Turniere gehen. Das liegt nicht nur daran, dass die so geschorenen Pferde quasi nicht schwitzen und damit auch nach Anstrengung wieder schnell trocknen, sie sehen auch besonders gepflegt aus. Allerdings sollte diese Schurart ausschließlich für Sportpferde genutzt werden, da sie dem Tier jegliche Möglichkeit entzieht, sich selber warm zu halten. Das wiederum bedeutet eine umfangreiche Pflege, denn das Pferd muss ständig eingedeckt sein. Lediglich während der Arbeitsphase und dem Putzen darf die Decke runter, bei letzterem muss man zudem darauf achten, dass kein Zug herrscht. Unter Umständen muss das Pferd sogar mit wärmenden Bandagen und Deckenhalsteil ausgestattet werden, wenn die Temperaturen stark absinken.

Die Hunter- oder Jagdschur ist ebenfalls für Pferde geeignet, die sich in mittlerer bis schwerer Arbeit befinden, wird aber vor allem bei Vierbeinern durchgeführt, die im Herbst bei großen Jagden mitgehen. Hier wird ähnlich wie bei der Vollschur der Körper fast ganz geschoren, nur die Beine und die Sattellage werden ausgelassen. Trotz des stehengelassenen Fells muss man penibel darauf achten, das Pferd ständig mit Decken warmzuhalten, selbst bei ruhigen Ausritten.

Diese Schurart hat zwei Vorteile: Zum einen schwitzt das Pferd auch bei starker Anstrengung kaum, zum anderen bietet die Hunterschur immer noch ein gewisses Maß an Schutz. So verhindert das Sattelfeld Wundreiben und Satteldruck, das Fell an den Beinen schützt vor Kälte, Schlamm, Hufverletzungen und Dornen.

Bei der Schur muss man besonders vorsichtig vorgehen, wenn es um die Lage des Sattelfeldes geht: Positioniert man es falsch, kann man Stellen am Rücken ungeschützt lassen, darüber hinaus verunschönert es den Körperbau des Pferdes optisch (ist das Sattelfeld zu weit hinten wird der Rücken optisch verkürzt, die Schulter verlängert). Am besten legt man vor der Schur den Sattel auf und zieht mit Kreide auf dem Fell die Umrisse nach. So geht man auf Nummer sicher und hat eine individuelle Schurschablone.

Die dritte Schurart ist die Deckenschur, die für Pferde geeignet ist, die sich in mittelschwerem Training befinden, also auch an Turnieren teilnehmen, und den Tag über auf der Weide stehen, wenn es das Wetter zulässt. Geschoren werden hier die Stellen, an denen das Pferd bei leichter bis mittelschwerer Arbeit am meisten schwitzt: Hals, Brust und Bauch. Durch das Stehenlassen des Fells am Rücken entsteht eine natürliche Nierendecke, die es ermöglicht, im Gelände auch ohne Decke zu reiten. Von dieser ausgeglichenen Kombination aus Schwitz- & Kälteschutz profitieren vor allem rückenempfindliche Pferde.

Als viertes kommen wir zur Irish-Schur, die sehr einfach und schnell geschoren werden kann. Sie ist ideal für Pferde, die nur leicht gearbeitet werden, zusätzlich für junge Pferde, die sich noch ans Scheren gewöhnen müssen. Durch das Scheren von Hals und Brust werden nur die Stellen von Fell befreit, die am schnellsten zu schwitzen beginnen. Gleichzeitig bleibt genügend Fell stehen, um das Pferd auch bei kälteren Temperaturen und Weidegang zu schützen.

Zu guter Letzt zur Bib-Schur, die als am beliebtesten und weit verbreitetsten gilt. Hier wird nur ein schmaler Streifen des Winterfells an Vorderseite von Hals und Brust geschoren, der – je nach Bedarf – nach hinten bis zum Bauch verlängert werden kann. Aufgrund dessen wird dieser Schertyp auch „Hals- und Bauchschur“ genannt. Durch diese minimalistische Schur wird Schwitzen bei leichter Arbeit so gut wie verhindert, parallel dazu kann das Pferd aber problemlos ohne Decke auf die Weide und ins Gelände.

Mittlerweile gibt es auch viele Pferdebesitzer, die keine klassische Schur wollen, sondern diese individualisieren und aufpeppen. Entweder werden also klassische Schertypen abgewandelt und verziert oder lediglich kleinere Verzierungen in das ansonsten bestehende Winterfell geschoren wie beispielsweise kleinen Bildchen oder Schriftzüge. Es gibt sogar Wettbewerbe, welche die schönste, kreativste und aufwendigste Schur küren. Du solltest jedoch nie vergessen, dass die Schur immer noch zum Pferd und seinem Trainingsmaß passen muss und nicht nur schön aussehen sollte.

Nach der Schur: Eindecken

Um den fehlenden Wärmeschutz deines Pferdes nach der Schur auszugleichen, solltest du es nach der Schur unbedingt eindecken. Bei der Wahl der passenden Decke ist vor allem der Zeitpunkt des Scherens entscheidend. Schert man schon früh im Herbst, beispielsweise September oder Oktober, reicht zunächst eine dünne Übergangsdecke, die bei kälteren Temperaturen gegen ein dickeres Modell ausgetauscht werden sollte. Startest du hingegen gleich im Winter, solltest du direkt eine dicke Decke nutzen, welche rund 100 bis 200 g/m² mehr aufweisen sollte als die Decke, die dein Pferd vor dem Scheren getragen hat.

Grundsätzlich brauchen Pferde mit großflächig geschorenem Fell mindestens drei Decken: Eine leichte Decke für mildere Tage, eine dickere für kalte Tage und Nächte sowie eine Abschwitzdecke, die beim Aufwärmen und Abkühlen nach dem Training aufgelegt wird. Zu empfehlen ist darüber hinaus eine Ausreitdecke, beispielsweise eine Nierendecke, die jedoch auch mit einer untergelegten Abschwitzdecke ersetzt werden kann. Diese dient dem Schutz vor Wind und Kälte, auch wenn man nur im Schritt unterwegs ist und das Pferd nicht stark schwitzt.

Ist das Pferd auch im Winter ein Weidegänger lohnt sich außerdem eine wasserdichte, aber atmungsaktive Weidedecke. Beide Eigenschaften sind wichtig, da eine nasse Decke (ob nun nass durch Regen oder Schweiß) dem Pferd viel Wärme entzieht und zu Erkältungen führen kann. Wenn man das geschorene Pferd auch bei Minusgraden rausstellen möchte, sollte man die Decke mit einem Halsteil kombinieren.

Zu guter Letzt noch ein Hinweis: Geschorene Pferde dürfen ruhig ein bisschen mehr gefüttert werden. Das Aufrechterhalten der Körpertemperatur ohne Winterfell erfordert viel zusätzliche Energie, was wiederum zu einem höheren Futter- und Kalorienbedarf führt.

Bildquelle:Foto-Biene / Fotolia.com

 
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