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Hase und Kaninchen: Unterschiede erkennen

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Hase und KaninchenDer Hase hat einen festen Platz in der Geschichte der Märchen und Fabeln. In Redewendungen, Erzählungen und natürlich in seiner Eigenschaft als Osterhase spielt „Meister Lampe“ eine wichtige Rolle. Auch Kaninchen sind in der Literatur präsent: Mit „Watership Down“ schuf Richard Adams ein Meisterwerk mit Kaninchen in der Hauptrolle. Aber kennst du die Unterschiede zwischen Hase und Kaninchen?

Begriffsverwirrungen gibt es schon in der Umgangssprache: Im Jargon der Kaninchenzüchter werden weibliche Kaninchen als „Häsinnen“ bezeichnet. Eine verbreitete, aber falsche Bezeichnung für Hauskaninchen ist „Stallhase“. Bei „Hasenkaninchen“ handelt es sich um Kaninchen, deren Körperbau züchterisch den Hasen angenähert wurde. Biologisch sind Kreuzungen zwischen Wildkaninchen und Hase unmöglich. Unsere domestizierten Hauskaninchen stammen von den Wildkaninchen ab und sind in unzähligen Farbschlägen und Rassen verbreitet. Hasen wirst du nie als Haustier sehen: Sie stehen in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Wo liegt der Unterschied?

Hase wie Kaninchen gehört zur Ordnung der Hasenartigen und zur Familie der „Echten Hasen“. Gattungsgeschichtlich sind Hase und Kaninchen also entfernte Verwandte mit jeweils eigener Art.

Wenn du Kaninchen und Hase betrachtest, siehst du die Unterschiede: Kaninchen sind klein und gedrungen, während es sich bei Hasen um merklich größere, schlanke Tiere handelt. Hasen haben längere Ohren als Kaninchen. Auch die Beine sind länger und zudem muskulöser. Gewöhnlich sind Hasen Einzelgänger, Kaninchen leben dagegen in größeren Trupps.

Woher stammen Hasen und Kaninchen?

Feldhasen gab es zunächst nur in der Alten Welt. Mit Menschen gelangten sie nach Neuseeland, Australien, Südamerika und auf Insellagen wie Ozeanien. Das Wildkaninchen – Stammvater der Hauskaninchen – stammt ursprünglich von der Iberischen Halbinsel und aus einem kleinen Gebiet in Nordafrika. Heute ist es über ganz Europa verbreitet, mit Ausnahme Nordskandinaviens, und hat sich ebenso in Südamerika und Australien eingebürgert.

In städtischen Gebieten mit Grünflächen fühlen sich Kaninchen als Kulturfolger wohl – in Parks und auf Friedhöfen sorgen sie mit ihrem großen Appetit mitunter für Ärger. Auch Hasen haben sich hervorragend an ihre jeweiligen Lebensräume angepasst. Mit Ausnahme der Antarktis leben sie heute überall auf der Erde, in der Tundra ebenso wie in tropischen Waldgebieten. Dennoch ist der Hase hierzulande ein bedrohtes Wildtier. Durch die Agrarwirtschaft gehen die natürlichen Lebensräume der Tiere stark zurück. Dies ist sicher ein Grund dafür, dass Biologen seit einiger Zeit Hasen zunehmend in Stadtrandlagen und urbanen Grünflächen beobachten.

Freiluftfanatiker und Tiefbauspezialisten

Im Gegensatz zu Hasen leben Kaninchen in größeren Familienverbänden und bauen Höhlen, die sie durch weitverzweigte Tunnelsysteme verbinden. Ihre Grabungsaktivitäten sind nicht unproblematisch, zum Beispiel, wenn sie Deiche „durchvölkern“. Kaninchen sind dämmerungsaktiv. Droht keine unmittelbare Gefahr, genießen sie aber auch ein entspanntes Sonnenbad.

Der deutlich größere Hase ist kein begabter Tiefbaumeister. Er sucht Schutz unter Büschen, in hohem Gras oder in Felsspalten. Dort legt er sich eine „Sasse“ genannte Mulde an. Diese exponierte Lebensart ist auch der Grund dafür, weshalb die Jungtiere früh das Nest verlassen.

Was essen Hasen und Kaninchen?

Beim Speiseplan sind sich Kaninchen und Hase einig: Beide sind reine Pflanzenfresser und ernähren sich von Grünzeug in Form von Gras, Blättern, Wurzeln und Kräutern. In kargen Zeiten und im Winter verschmähen sie auch Baumrinde nicht.

Eine weitere Gemeinsamkeit findet sich in einer kuriosen Art der Verdauung. Beide Tiere bilden keine cellulosea-aufspaltenden Enzyme, sodass eine Fermentierung im Blinddarm erfolgen muss. Der dort gebildete, vitaminreiche Kot wird erneut gefressen, um die Nährstoffe aufzuschließen.

Wenn’s brenzlig wird: Hasenflucht und Kellerversteck

Auch Feinde verbinden: Raubtiere wie Füchse, Greif- und Rabenvögel zählen zu den Fressfeinden von Hase und Kaninchen. Sind Räuber in der Nähe, flitzen Kaninchen in ihren unterirdischen Bau, von dem sie sich nie allzu weit entfernen. Hasen hingegen suchen ihr Heil in der Flucht. Blitzschnell rennen sie vor Angreifern davon und zeigen dabei das charakteristische Hakenschlagen. Dank ihrer Ausdauer hängen die Langstreckenläufer ihre Verfolger meist ab. Sie erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 70 Stundenkilometern und eine Sprungkraft von zwei Metern. Beeindruckend, nicht wahr?

Wie vermehren sich Kaninchen und Hase?

Hasen und Kaninchen sind nacht- und dämmerungsaktiv, in der Paarungszeit sind sie auch tagsüber zu beobachten. Männliche Hasen – die Rammler – veranstalten zu dieser Zeit spektakuläre „Boxkämpfe“, um Nebenbuhler zu vertreiben. Hasenweibchen können mehrmals im Jahr Junge bekommen. Die Paarungszeit dauert von Januar bis Oktober. Nach einer 42-tägigen Tragezeit kommen zwei bis acht, in Ausnahmefällen bis zu 15 Jungtiere zur Welt. Kleine Hasen starten sofort nach der Geburt durch: Sie kommen mit Pelz und offenen Augen zur Welt und sind in der Lage, schon nach kurzer Zeit die Sasse zu verlassen.

Die Paarungszeit von Wildkaninchen schwankt mit dem Umgebungsklima. Sie gleichen die hohe Nachwuchssterblichkeit mit einer erhöhten Reproduktionsrate aus und vermehren sich sprichwörtlich wie die Karnickel. Nach einer Tragzeit von vier bis fünf Wochen bringt die Kaninchenmutter durchschnittlich fünf hilflose, nackte Babys zur Welt – und das fünf- bis siebenmal jährlich! Die Kleinen sind Nesthocker: Erst nach zehn Tagen öffnen sie die Augen, verlassen mit drei Wochen das Geburtsnest und werden bis zur vierten Woche gesäugt.

Welche Gefahren drohen Hase und Kaninchen?

Fuchs und Co. haben Kaninchen und Hasen zum Fressen gern. Aber Raubtiere sind keineswegs die größte Gefahr für die Mümmler.

Krankheiten wie die Viruserkrankung Myxomatose und die sogenannte Chinaseuche können ganze Kaninchenrudel befallen und haben in der Vergangenheit verheerende Bestandsrückgänge verursacht. Das Erschreckende: Das Myxomatosevirus wurde in den 1950er-Jahren vorsätzlich von Menschen ausgebracht. Es sollte Kaninchenpopulationen eindämmen. Das Virus verbreitete sich jedoch über ganz Europa und ist noch heute eine Haupttodesursache von Wildkaninchen. Der Hase ist gegen das Virus weitgehend immun.

Doch auch er hat es schwer. Das Fehlen von Brachflächen und Saumfluren erschwert das Finden und Halten eines Reviers. Statistisch gesehen waren Anfang des Jahrhunderts etwa 50 Hasen pro 100 Hektar Landfläche verbreitet, mit starken Schwankungen in den Bundesländern. Auch die Jäger beobachten einen Rückgang der Populationen: Der Hase wird als Niederwild mittels Treib- und Ansitzjagd verfolgt. Die Abschusszahlen waren in den vergangenen dreißig Jahren rückläufig und haben seit den 1980er-Jahren um mehr als die Hälfte abgenommen. Trotz ihres gefährdeten Status werden Hasen aber immer noch bejagt. Die Schonzeit von Hasen dauert vom 15. Januar bis zum 1. Oktober; in dieser Zeit ziehen sie ihre Jungen auf.

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