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Whippet im Rasseportrait

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WhippetHerkunft und Rassegeschichte

Der Whippet ist ein kurzhaariger, mittelgroßer Windhund. Seine Heimat liegt im Vereinigten Königreich, wo er seit 1891 nach Standard und Zuchtbuch gezüchtet wird. Seine Wurzeln sind aber sehr viel breiter und reichen bis in die Antike zurück. Whippets sind Nachkommen der klassischen Windhunde, die früher in ganz Europa vom Adel zur Einzeljagd oder als Meute zum Hetzen von Kaninchen, Hasen und anderem Wild genutzt wurden. Sie waren hoch geachtet und sind in zahlreichen Kunstwerken dokumentiert. Ihnen wurden zu allen Zeiten Denkmäler in Stein gehauen und nicht selten wurden sie mit allen Ehren bestattet. Windhunde wie der Whippet zählen zu den ältesten Hundeformen überhaupt. Mit der Einführung der Schusswaffen verlor sich in Europa die Jagd mit dem Windhund weitgehend. Die Briten sind bekannt für ihre Sport- und Wettleidenschaft. So wurde aus dem Whippet und dessen unmittelbaren Vorfahren in den letzten Jahrhunderten das „Rennpferd des kleinen Mannes“.

Ein Whippet als Sieger bei einem bedeutenden Rennen war für den einfachen Landarbeiter, Bergmann oder Industriearbeiter Mittelenglands die einzige Chance zu, wenn auch bescheidenem, Wohlstand zu kommen. Entsprechend ernst wurde der Rennsport mit den Hunden betrieben. Das hat sich heute noch bei den Greyhounds, ein ähnlicher Windhund nur eine Nummer größer, erhalten. Besonders in Irland gehen hier riesige Wetteinsätze über den Tresen. Die Hunde, die nicht mehr Top-Leistungen abliefern können, werden in aller Regel kurzerhand getötet. Das ist leider heute noch Realität mitten in der EU. Dem Whippet bleibt dieses Schicksal heute erspart. Er wurde zu einem recht beliebten Begleithund. Dabei ist er Jagdhund und vor allem Rennhund geblieben. Mit seinen etwa 12 Kilogramm erreicht er Geschwindigkeiten weit jenseits der 50 Km/H. Das ist sensationell, schneller als jeder Mensch und reiht diesen kleinen Hund in der Liste der schnellsten Landtiere weit vorne ein. Es ist ein faszinierendes Erlebnis, Windhunden wie dem Whippet beim Rennen zuschauen zu dürfen.

Die kraftvolle, raumgreifende Eleganz, das zum Zerreißen gespannte Engagement der Hunde sind tief beeindruckend. Der Whippet bringt es dabei fertig, neben solchen Höchstleistungen zugleich ein sehr ruhiger, anschmiegsamer und völlig problemloser Familien- und Wohnungshund sein zu können. Zudem hat er eine praktische Größe. Er liegt genau in der Mitte zwischen dem größeren Greyhound und dem kleineren Italienischen Windspiel. In Deutschland wird der Whippet von zwei Vereinen im VDH betreut: Zum einen dem Deutschen Windhundzucht- und Rennverband, zum anderem dem 1990 gegründeten Whippet Club Deutschland. Diese Vereine bieten auch Möglichkeiten, dass Windhunde etwa beim Coursing oder bei Bahnrennen ihr ausgeprägtes Bedürfnis nach schnellem Laufen ausleben können. In Deutschland fallen recht stabil um die 500 Welpen im Jahr.

Beschreibung

Whippets haben den typischen Körperbau eines Windhundes. Dieser hat die kraftvolle, muskulöse, schlanke und elegante – fast schon grazile – Erscheinung eines Sprinters. Er hat lange Beine zur raumgreifenden Bewegung. Der Kopf ist ebenfalls lang gestreckt. Die Augen sitzen vorne, wie es für einen Sichtjäger optimal ist. Sie sind dunkel und leuchten mit einem sehr aufmerksamen Ausdruck. Whippets haben eine Widerristhöhe von 44 bis 51 Zentimetern. Dabei sind Rüden etwas größer als Hündinnen. Ein Gewicht legt der Standard nicht fest. Die Ohren sollen klein und rosenförmig gefaltet sein und feinledrig wirken. Das Fell soll fein, kurz, anliegend sein. Alle Farben und Farbmischungen sind erlaubt – was eine sehr seltene, aber begrüßenswerte Freiheit in der Rassehundezucht darstellt.  Man sollte aber auf Farbgebungen, die auf Defektgenen beruhen, die negative gesundheitliche Auswirkungen haben, sowohl als Züchter wie auch als Welpenkäufer verzichten. Beispiele sind blau, grau oder schoko, so genannte Dilute-Farben, die Nebenwirkungen eines Gendefekts sind.

Charakter und Wesen

Whippets sind auf den Sprint versessene Windhunde und schmusige Couch-Potatoes zugleich. Das ist ein erstaunlicher Widerspruch, aber es ist Realität und kein Marketinggag der Züchter oder Fans dieser Windhunde. Zunächst einmal sind sie Sprinter und Jäger. Das sollte man immer im Bewusstsein halten. Wenn man mit ihnen durch die Natur geht, so scannen sie mit ihren wachen Sinnen immer die Peripherie. Ein paar Hundert Meter sprinten sie dann in wenigen Sekunden. Da sollte man diesen Hund bei einfühlsamer Voraussicht immer unter Kontrolle haben. Whippets haben ein gutes Gruppenverhalten ohne große Führungsambitionen.

Auf der Rennstrecke hingegen sind sie äußerst ehrgeizige Kämpfer. Hat sich ein Whippet mit ein paar Sprints ausgepowert, so geht er leichtfüßig an der Leine und liebt es, zuhause gerne und lange auf einem möglichst plüschigen Sofa zu dösen – da sammelt er seine Kräfte für den nächsten Sprint. Der Whippet ist sehr menschenbezogen, freundlich und anhänglich. Er ist aufmerksam und intelligent. Er hat nur wenig Aggressionspotenzial und ist sozial sehr anpassungsfähig. Er lässt sich sehr gut erziehen.

Haltung

Grundsätzlich ist der Whippet gut zu halten. Er ist in vielen Dingen sehr anspruchslos und lässt sich auch in einer Etagenwohnung in der Großstadt halten. Das setzt aber zwingend voraus, dass er regelmäßig die Gelegenheit bekommt, seinem Element nachgehen zu können, dem Sprint. In unserer gegenüber Hunden restriktiven Gesellschaft gibt es kaum Möglichkeiten, einen Hund ohne Leine frei laufen zu lassen. In manchen Regionen gibt es daher extra Anlagen, wo Windhunden ihrem Laufbedürfnis nachkommen können. Der Whippet ist ein sportlicher Hund, aber kein Dauerläufer, der gerne längere Zeit neben einem Jogger oder Rad trabt. Er ist ein Sprinter. Entweder er läuft auf der Rennbahn oder beim Coursing hinter einer Kaninchenattrappe oder man macht den Hund etwa mit einer Ballschleuder glücklich. Im Fachhandel werden hierfür zahlreiche Helfer angeboten.

Mit einem solch glücklichen Hund kann man dann beruhigt und ruhig nach Hause gehen. Er fühlt sich dann in der kleinsten Hütte wohl und ist hier ein äußerst angenehmes Mitglied der Familie. Er ist ein guter Freund der Kinder. Er ist kaum je aggressiv und lässt sich – etwas Eingewöhnung vorausgesetzt – gut mit anderen Haustieren halten. Es sollten nur nicht unbedingt Kaninchen oder Meerschweinchen sein. Er bellt nur extrem selten. Whippets sind im Übrigen sehr sauber, haaren und riechen kaum. Allerdings sind sie kälteempfindlich, da sie keine Unterwolle und von Hause auch eher wenig isolierendes Fett haben. Der Whippet ist im besten Sinne ein anspruchsloser Hund, den man aber auch sehr verwöhnen kann. Er will seinem Menschen alles recht machen. Er ist ein idealer Begleithund. Darüber hinaus hat man die Option, sich mit seinem Whippet in den Rennsport zu begeben. Für die Aktiven dieser Szene gibt es kein schöneres Hobby. Es ist eine besondere Einheit von Mensch und Hund und zudem eine sehr, sehr alte, die man so erleben kann.

Erziehung

Ein Whippet lässt sich sehr gut erziehen. Zur hundgerechten Beschäftigung und körperlichen Auslastung bieten Windhundevereine die Möglichkeit, mit Whippets an Windhundrennen oder Coursings teilzunehmen. Bei seiner Erziehung sollte man immer seine jagdliche Motivation im Hinterkopf haben.

Pflege und Gesundheit

Der Whippet ist ausgesprochen genügsam. Ein Noppenhandschuh oder ein Wildlederlappen genügen, um abgestorbenes Haar zu entfernen. Der Whippet friert leicht. Hier bietet der Fachhandel Schutzkleidung, die von den Hunden gerne angenommen wird.

Rassetypische Krankheiten

Hunde dieser Rasse haben zuweilen einen Gendefekt (Bully-Whippet-Gen), bei dem das Muskelwachstum ein stückweit außer Kontrolle gerät und die Hunde dann wie ein Bodybuilder daherkommen – ansonsten aber weitgehend gesund sind. Möglicherweise ist dies eine Spätfolge der Einkreuzung von Bulldogs durch den Earl of Orford um 1770, um den „Biss der Windhunde herzhafter“ zu machen. Die Zuchthunde jedenfalls sollten hierauf getestet sein. Ansonsten sind erblich bedingte Herz- und Augenkrankheiten bekannt. Bestimmte Fellfarben werden durch Defektgene (z.B. Delute) erzeugt, die negative gesundheitliche Folgen haben können.

Ernährung/Futter

Whippets sind problemlose Kostgänger.

Lebenserwartung

Ein gesund gezüchteter Whippet hat eine durch Studien belegte hohe Lebenserwartung von 12 bis 15 Jahren.

Whippet kaufen

Willst du dein Leben mit einem Whippet verbringen, solltest du zunächst prüfen, ob du die Möglichkeit hast, den Windhund regelmäßig sprinten zu lassen. Hierzu kannst du dich von den Fachleuten des Deutschen Windhundzucht- und Rennverband oder Whippet Clubs Deutschland beraten lassen. Einen Whippet Welpen solltest du nur bei einem Züchter kaufen, der einem dieser beiden Verbände angeschlossen ist. Welpen dieser Rasse kosten um 1.000 Euro.


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


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