Über 300 Marken
Kostenloser Versand in Deutschland ab 19€
25 Jahre Erfahrung

Pudel im Rasseportrait

1753
0

PudelHerkunft und Rassegeschichte

Auch wenn man es ihm heute kaum ansieht, der Pudel war ein vielseitiger Arbeitshund. Zu den wesentlichen Aufgaben seiner Vorfahren zählte die Wasserjagd. Er stöberte nach Enten, trieb sie aus dem Schilf und apportierte vom Jäger erlegte Enten. In Frankreich nennt man den Pudel „Caniche“. Da liegt die Verbindung zu „Canard“, dem französischen Wort für Ente nahe. Das deutsche Wort Pudel soll aus dem altdeutschen „Pfudel“ für Wasserpfütze oder Froschteich stammen. Der Pudel war ein in ganz Europa verbreiteter Jagdhund. Aber er hatte noch weitere Arbeitsgebiete. An der Atlantikküste von Frankreich bis Portugal halfen Pudel den Fischern bei der Arbeit mit den Netzen.

Dieses Erbe setzt heute der Portugiesische Wasserhund fort. Schon römische Schriftsteller lobten die Kunst dieser Hunde. Die Pudel waren über Jahrhunderte hinweg die Hunde der Gaukler und Zirkusleute. Ihre Lernfähigkeit und ihre Bereitschaft, für den Menschen zu arbeiten waren hoch geschätzt und legendär. Unzählige Schriften loben seit dem Mittelalter die Intelligenz dieser Hunde. Schon früh interessierte sich die moderne Rassehundezucht für diesen auch von seiner äußeren Erscheinung besonderen Hund. Lange Jahre stritten sich Frankreich, Russland und Deutschland darum, welches als Ursprungsland dieser Hunderasse gelten soll. 1889 wurde der erste Standard aufgeschrieben. Nachdem Deutschland offiziell verzichtete wurde Frankreich das so genannte Patronat für den Pudel zugestanden. Der Einfluss Frankreichs blieb aber eher gering.

Deutschland hatte den europaweit größten Pudelverein und England den größten Einfluss auf den Standard. England betrieb die Zulassung der Verzwergung von Pudelmischlingen als so genannte Toy-Pudel. So wurde Qualzucht zu einem offiziellen Standard. Zudem wurde hier ein sonst hochgehaltenes Dogma der Rassehundezucht gebrochen: Für die Verzwergung wurden fremde Rassen eingekreuzt, wahrscheinlich Bologneser und Malteser. 1893 wurde in München der Allgemeine Deutsche Pudelclub, 1896 in Hamburg der Deutsche Pudel-Klub gegründet. Um 1900 begann die gezielte Zucht nach Rassestandard. Anfänglich wurden nur Groß- und Kleinpudel gezüchtet. Der Zwergpudel kam um 1930 hinzu. Zwischen 1960 und 1975 gab es einen Pudelboom. Heute ist es eher still um ihn geworden. Er ist zu einem Geheimtipp für Hundekenner geworden.

Beschreibung

Der Pudel ist von eleganter, harmonischer Gestalt. Sein Gang wirkt leicht, sein Blick ist wach. Kennzeichnend für das Äußere des Pudels ist sein lockiges, gekräuseltes Fell. Die Wolle soll dicht und von gleichmäßiger Länge sein. Sie soll ebenmäßige Locken bilden. Das Fell soll elastisch sein und dem Druck der Hand widerstehen. Der Pudel hat keinen jahreszeitlichen Fellwechsel. Das ist eine Besonderheit. Nachteil ist, dass das Fell immer weiter wächst und daher regelmäßig geschoren werden muss. Vorteil ist, dass der Pudel kaum haart. Das weiß jeder erfahrene Hundehalter zu schätzen. Manche behaupten, dass ein Pudel deshalb für Allergiker tauglich sei. Das mag sein, ist aber wissenschaftlich nicht belegt. Den Pudel gibt es in drei Varietäten, die sich von der Größe her unterscheiden: Den Großpudel, den Kleinpudel und den Zwergpudel.

Seine Farben sind Schwarz, Braun oder Weiß. Die Schuren sind eine weitere Besonderheit des Pudels. Bekannteste Schur ist die Löwenschur, die früher verbreitet war. Heute sind Puppy-Clip und die Neue Schur, auch Modeschur genannt, in der Szene angesagt. Für Hunde-Ausstellungen und entsprechende Championate brauchen Pudel eine Ausstellungsschur. Es gibt aber auch Schuren, die kaum als solche zu erkennen sind, wie die Scandinavian T-Clip. Es ist sicher Geschmackssache, sich an einem Hund mit Löwenschur erfreuen zu können. Allerdings werden die Hunde kaum wegen einer Schur zu leiden haben. Hauptsache sie dürfen weiter Hund sein und durch Wiesen und Wälder toben. Wahrscheinlich hat die Sitte oder Unsitte mit den extravaganten Schuren dem Pudel sogar gut getan. So konnte der Mensch seinem Hang zum Besonderen an der Gestaltung der Haare nachkommen. Der Körper des Pudels blieb dadurch von Extremzuchten verschont – sieht man von der Verzwergung des Toy-Pudels einmal ab.

Charakter und Wesen

Der Pudel ist wohl der am meisten unterschätzte Hund. Das gilt nur für die heutige Zeit, denn früher wusste man sehr wohl um die Intelligenz und die Leistungsfähigkeit dieses Hundes. Der Pudel war früher ein auf die Wasserjagd spezialisierter Jagdhund. Er arbeitete zudem Hand in Hand bei der komplizierten Arbeit der Fischer beim Netze ausbringen und einholen. Seine außergewöhnliche Intelligenz erkannten bereits im Mittelalter die Zirkusleute. Der Pudel ist ein ganz hervorragender Familienhund, aber auch für Hundesport gut geeignet. Er taugt für professionelles Arbeiten und macht sich sogar als Blindenführhund gut.

Der äußerst intelligente Vierbeiner hat eine überdurchschnittliche Lernfähigkeit und zugleich hohe soziale Kompetenz. Der Pudel ist bewegungsfreudig und sucht die geistige Herausforderung. Er will die Aktivität mit seinen Menschen, nervt jedoch nicht ständig fordernd – zuweilen ist das beim Zwergpudel anders. Er ist ausgesprochen anpassungsfähig, freundlich und für so ziemlich jeden Lebensstil geeignet. Familien sind von ihm ebenso begeistert, wie alleinstehende Personen. Glücklicherweise sind Pudel temperamentvolle Hunde geblieben, die immer noch ihren eigenen Kopf haben.

Haltung

Die Rasse ist ausgesprochen anspruchslos in der Haltung. Er braucht die enge Bindung zu seiner Familie und eben die recht aufwändige Pflege seines Fells. Der fehlende Fellwechsel und damit verbunden die Tatsache, dass er kaum haart sind auf der anderen Seite ein nicht zu unterschätzender Komfort. Hundehalter wissen, wie nervend es sein kann, aus Polstermöbeln, dem Auto oder dem gerade frisch angezogenen Kleid die Hundehaare zu entfernen. Diesen Ärger macht der Pudel nicht.

Auch ansonsten ist er völlig problemlos in der Haltung. Er macht sich in der Etagenwohnung ebenso gut wie in einer Villa mit großem Garten. Wichtig ist, dass man den Hund geistig fordert. Gerne lernt er Kunststücke, löst Aufgaben. Er macht sich gut im Hundesport wie Agility. Auch braucht er reichlich Bewegung am besten in der freien Natur. Das gestaltet sich recht unkompliziert, da man ihn  – gut erzogen – auch ohne Leine führen kann. Sein Jagdtrieb ist gut kontrollierbar. Er apportiert immer noch gerne und ist auch noch Wasserhund geblieben, denn gerne geht er ins Wasser. Das gilt zumindest für Groß- und Kleinpudel.

Erziehung

Der Pudel lässt sich sehr gut erziehen und darüber hinaus ausbilden. Es heißt, dass sich Großpudel besser erziehen lassen als Zwergpudel. Die großen Pudel gelten im Vergleich zum Zwergpudel als gehorsamer. Der Pudel hat ein offenes Wesen, das seine Absichten leicht erkennen lässt. Er lässt sich gut führen. Er will von Herrchen und Frauchen geführt werden und ist ein dankbarer Partner in der Erziehung. Der Pudel ist ein Hund, der auch Fehler eines Anfängers verzeiht, wenn sie nur rechtzeitig korrigiert werden, zum Beispiel unter der Aufsicht eines Hundetrainers.

Pflege und Gesundheit

Fellpflege

Pudel sollten mehrmals die Woche gründlich gebürstet werden. Er muss alle sechs bis acht Wochen geschoren werden. Das Bürsten kann man so gestalten, dass es die Bindung zwischen Hund und Halter fördert.

Rassetypische Krankheiten

Die Rasse hat in der Regel eine ausgesprochen gute Gesundheit. Grundsätzlich gilt: Je kleiner unter 4 kg, desto größer das Krankheitsrisiko, desto geringer die Lebenserwartung. Toy-Pudel muss man als Qualzucht bezeichnen. Bei den kleinen Pudeln sehen wir gehäuft prcd-PRA, eine erblich bedingte Augenkrankheit, die zum Erblinden führt, wie den Grauen Star. Ebenso Probleme mit der Kniescheibe (Patella), ferner zuweilen Epilepsie. Großpudel haben ein erhöhtes Risiko für Magendrehung.

Ernährung/Futter

Der Pudel stellt keine besonderen Ansprüche an seine Ernährung.

Lebenserwartung

Von den extrem Kleinwüchsigen etwa Toy Pudeln abgesehen, erfreut sich der Pudel einer robusten Gesundheit. Entsprechend hoch liegt die Lebenserwartung dieser Hunde bei 13 – 17 Jahren.

Pudel kaufen

Will man einen Pudel Welpen kaufen, so sollte man sich vor Ort bei einem Züchter umschauen, der einem der klassischen Zuchtvereine im VDH angeschlossen ist. Seriöse Züchter werden ihnen gerne umfassend Auskunft geben und den Wurf, die Eltern und alle anderen wichtigen Dinge gut nachvollziehbar dokumentiert zeigen. Man sollte sich auch im Tierheim umschauen. Auf die Anschaffung eines Toy Pudels sollte man aus Tierschutzgründen verzichten. Für einen Welpen muss man mit Kosten von ca. 1.500 Euro bei seriöser Zucht rechnen.

 


Christoph JungChristoph Jung Seit seiner Kindheit gehören Hunde zu den besten Freunden des Hundeforschers. Die Beziehung Mensch – Hund ist für ihn ein faszinierendes Thema, das ihn täglich beschäftigt und für das er sich auch öffentlich engagiert. Aus seiner täglichen Forschung entstand das Buch „Tierisch beste Freunde“. Jung lebt mit seiner Familie und seinen Hunden in der Nähe von Halle.


Hilf uns, unseren Service weiter zu verbessern. War dieser Artikel hilfreich für dich?

Kommentare, Fragen und Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.